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Entschuldigung! – Ich fühle mich verarscht

Entschuldigung! – Ich fühle mich verarscht

Eine Mail flattert mir ins Haus. Ein Online-Händler entschuldigt sich bei mir und schickt mir einen Gutschein als Entschädigung.
Netter Zug!


„Sorry, unsere Webseite war gestern Nacht zwischen 2 und 3 Uhr nicht erreichbar. Deshalb konnten viele unserer Kunden nicht am Blablabla teilnehmen.
Als kleine Entschädigung für Ihren Ärger erlauben wir uns, Ihnen Gutschein über 5 Euro zu übermitteln. (Nur einlösbar ab 150 Euro Warenwert).“

Ist ja nett, wirklich, aber „nett gemeint“ ist ja bekanntlich die kleine Schwester von „scheiße gemacht“.

Denn derartige Entschuldigungsmails, beispielsweise vom Elektronik-Versender Conrad oder jetzt auch von PayBack häufen sich in letzter Zeit.
Es wird der Eindruck erweckt, als sei eine ganz große Zahl von Internetbenutzern um irgendeine Chance gebracht worden, weil irgendetwas im Netz nicht richtig funktioniert hat.
Und nun sollen all diese Menschen entschädigt werden.

Hmmmm… Mal ganz ehrlich, glaubt das eigentlich irgendjemand?

Denn, wieviele Menschen werden ausgerechnet in dieser einen Stunde, die beispielsweise eine Seite nicht erreichbar war, dort wirklich unterwegs gewesen sein?
Und ist die Zahl derer, die jetzt aufgrund der massenhaft verschickten Gutscheine etwas bestellen, nicht wesentlich größer?
Liegt dann das Geschäftsmodell, das hinter diesen Entschuldigungtsmails steckt, nicht originär in dem Geschäft, das nun mit den Gutscheinen gemacht wird?

Gutscheine und Rabatt-Coupons versenden ganz viele Händler. Kaum ein Amazon-Paket, in dem nicht noch ein 5-Euro-Gutschein für irgendwas anderes drinliegt. Doch meist muß man ziemlich viel kaufen, um überhaupt in den Genuß dieses Rabattes zu kommen. Und bei näherer Betrachtung hat man selbst bei Einsatz des Gutscheins nix gespart.

So ist das auch mit den Entschuldigungsrabatten. Letztlich bekommt man fast nix und muß zusätzlich noch ordentlich Umsatz beim Entschuldiger machen.

Und, hier kommt mein Rabattmerksatz Nummer 1:

Rabatte zahlt immer der Kunde!

Denn kein Kaufmann kann sich Waren, Geld oder Rabatte aus den Rippen schneiden.
Seinen Umsatz und seine Gewinne finanzieren allein die Kunden, immer. Ja, wirklich immer.
Nur so funktioniert es.

Und wenn der Kaufmann auf irgendeinen Artikel x % Rabatt gibt, dann bezahlst Du diesen Rabatt, entweder weil der Vorher-Preis überzogen war oder weil Du es mit anderen Artikeln querfinanzierst.

Übrigens: Ich habe neulich versucht, bei Conrad was zu bestellen.
Alle Waren ausgesucht, in den Warenkorb gelegt, zur Kasse gegangen. Bezahlen möchte ich mit PayPal. Alles läuft rund und dann…
Dann erscheint eine rote Warnmeldung von Conrad, irgendetwas sei schiefgelaufen, OOOOps….

Und alle Artikel sind aus dem Warenkorb verschwunden. Ich bekomme aber trotzdem eine Bestellbestätigung per Mail.
Nur die Ware kommt natürlich nicht. Es wurde auch bei Paypal nicht belastet. Offenbar hat Conrad ein gravierendes Problem in seiner PayPal-Schnittstelle.
Also rufe ich beim Conrad-Service an und schildere meinen Fall.

Die etwas ruppige Dame am Telefon ist ganz sichtlich in Eile und ich störe sie wohl gerade bei etwas Wichtigerem.

Nein, ich hätte keine Bestellung aufgegeben.
Doch!
Nein!
Doch, ich lese Ihnen mal die Auftragsnummer vor.
Nein, brauchen Sie nicht. Wenn Sie mit Paypal zahlen ist das Ihr Problem, das macht immer Probleme.
Ach was.
Doch, löschen Sie die Katsches (!sic) und die Kockies (!sic). Das soll helfen, mehr weiß ich auch nicht.

Was hätte ich erwartet? Na, zumindest, daß die Dame sagt: „Warten Sie, ich notiere mir eben, was Sie bestellt haben und wir senden es Ihnen dann zu.“
Nein. ich soll „Kockies“ und „Katsches“ löschen (Cookies und den Cache) und neu bestellen.

Mach ich. Aber trotzdem, spätestens beim Bezahlen fliegen alle Artikel aus dem Warenkorb und ich bekomme wieder eine Bestellbestätigung, aber keine Ware.
Also wieder den ganzen Scheiß eintippen, eine andere Bezahlweise wählen und zum dritten Mal bestellen, damit es endlich klappt.

Und? Weshalb erzähle ich das? Weil ich hier doch nun wirklich einen kleinen Gutschein verdient gehabt hätte. Aber nö, da gibt es nix, man lann ja Katsches und Kockies löschen, selbst Schuld, wenn man so einen Scheiß benutzt…

Aber für eine läppische angebliche Störung auf der Webseite, da schicken mir die Leute einen Gutschein, der nix wert ist, weil ich erst noch extra was kaufen muß.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


Schlagworte:
conradpaybackpaypal

peter wilhelm autorenlesung
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  1. Bernhard
    Bernhard 23 November, 2017, 15:04

    Klasse Artikel, vielen Dank! Wir bekommen auch so Mails, wußten aber nicht die Hintergründe.

    Antwort auf diesen Kommentar
  2. Kenntkeinenschmerz
    Kenntkeinenschmerz 23 November, 2017, 15:09

    Hallo Peter,
    kurz und prägnant, ganz in Deinem Stil.
    Mich kotzt es auch an, zumal ich um 3 in der Früh nur selten Computer sitze.
    Conrad hat einen Kunden verloren: lieber ein paar (wenige) Kröten mehr, als das Paypal-Getue bei denen.
    Etwas anderes: «160 Euro» durchgestrichen, darunter «140 Euro» fett, mit «Sie sparen 20 Euro».
    Ehrlicher wäre: «Wir haben Sie bisher um 20 Euro beschissen».
    Gruss
    Kenntkeinenschmerz

    Antwort auf diesen Kommentar

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