ServiceWüste

Bestelleck, Lieferando, direkt bestellen

Liefern Lassen

Vom Kochbuch zur App: Wie Lieferdienste und Influencer die Kunst des Kochens und Essens revolutionieren. Heutzutage ist es ja vollkommen normal, sich Essen ins Haus liefern zu lassen. Es gibt junge Paare, die überhaupt nur noch auf diese Weise an frisch zubereitete Mahlzeiten kommen.

Meine Eltern wären heuer beide weit über 100 Jahre alt, ich bin so ein Nachkömmling. Ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, dass meine Eltern sich jemals zubereitetes Essen hätten liefern lassen, noch nicht einmal Pizza. Überhaupt standen Restaurantbesuche bei dieser Kriegsgeneration nicht so hoch im Kurs. Man ging zwar gerne essen, aber das nur zu besonderen Gelegenheiten, etwa Familienfeiern, nach Ausflügen oder auch mal im Urlaub. Es war stets etwas ganz Besonderes. Wenn es mal daheim etwas Anderes, Besonderes geben sollte, dann lief jemand zur Imbissbude und kaufte für alle Pommes, Currywurst, Schaschlik und so.

Essen an die Haustüre geliefert

Heute ist das ganz anders. Lieferdienste, wie Lieferando und andere machen es möglich, dass man in einer App oder am PC aus einer mehr oder weniger großen Anzahl von Restaurants auswählen und sich Essen nahezu jedweder Provenienz bestellen und nach Hause liefern lassen kann.

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Angefangen hat das wohl ganz klar mit den Pizza-Lieferdiensten, dann kamen China-Restaurants hinzu und schließlich diese meist asiatisch betriebenen Allerweltsküchen. Als Allerweltsküche bezeichne ich die Lieferdienste, die angefangen bei Pizza auch mexikanische Sachen, chinesisches und indisches Essen bis hin zu den als deutsch empfundenen Klassikern so an die 396 verschiedene Speisen anbieten.

Zusammenfassung für alle, die nicht so viel lesen möchten:

In Zeiten, in denen sich viele junge Paare ausschließlich Essen nach Hause liefern lassen, ist ein Wandel im Essverhalten deutlich zu spüren. Früher, als meine Eltern jung waren, war es undenkbar, Essen liefern zu lassen; man aß nur zu besonderen Anlässen außer Haus oder holte sich was vom Imbiss. Heute dominieren Apps wie Lieferando den Markt, obwohl sie als hoch empfundene Gebühren von Restaurants verlangen, was manche Wirte dazu bringt, bei der Qualität und Quantität zu sparen.

Daher ist es eine Überlegung wert, Alternativen wie Bestelleck zu betrachten, die angeblich geringere Kosten für die Restaurants bedeuten und für den Kunden oft günstiger sind. Diese Plattformen bieten ähnlichen Komfort wie Lieferando, jedoch mit als faireren empfundenen Bedingungen für die Restaurants. Dennoch bleibt das Problem, dass viele Kunden die Bequemlichkeit der großen Anbieter bevorzugen, auch wenn es bedeutet, mehr zu zahlen und die Restaurants unter den hohen Provisionen leiden.

Wirte bevorzugen günstige Dienste

Die Wirtin eines bei uns beliebtes Restaurant, zu dem wir im Sommer wegen des Biergartens auch öfter mal persönlich hinfahren, sagt immer zu ihren Gästen: „Wenn ich mal was bestellt, dann ruft bitte direkt bei uns an oder bestellt über unsere eigene Webseite. Die Provisionen bei Lieferando sind so hoch.“

Lieferando kennt wohl jeder, das ist einer der Dienste, die den Restaurants die Bestelllogistik über eine App zur Verfügung stellt, die Online-Bezahlung abwickelt und ein Bewertungssystem bietet. Dafür verlangen solche Diensteanbieter eine prozentuale Beteiligung an der Bestellung, eine Jahresgebühr oder sonst eine Bezahlung vom Restaurant.

Das verführt so manchen Wirt, auf die per Lieferando georderte Pizza einfach etwas weniger drauf zu legen oder das Schnitzel etwas kleiner zu schneiden, um die Provision wieder hereinzuholen. Das darf natürlich offiziell nicht so sein. Ganz auf Lieferando und Co. zu verzichten, kann sich heute kaum noch einer erlauben. Die Konkurrenz ist groß und schläft nicht.

Neulich habe ich Pizza über Lieferando bestellt und geliefert wurde die Pizza in einem Pizzakarton. Das ist soweit jetzt nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich war aber der Aufdruck auf der Pizzaschachtel: „Bestellen Sie lieber über Bestelleck„.
Die Fahrer eines anderen Restaurant sind angehalten, bei jeder Lieferung den Flyer mit der Speisenkarte abzugeben und zu sagen: „Bitte bestellen Sie doch nächstes Mal direkt bei uns, nicht über eine App.“

Jetzt ist es aber so: Der Kunde, und das bin ja auch ich, ist eine faule Sau. Er will nicht bei x Restaurants auf der Webseite erst gucken müssen, ob die auf haben, er will nicht mit Bargeld hantieren müssen und er will sich von der Auswahl aus verschiedenen Restaurants eventuell bei der Auswahl auch inspirieren lassen.
Mir ist es echt schon zu viel, an der Haustüre mit Bankkarte und Lesegerät herummachen zu müssen. Ich möchte bestellen, gleich online bezahlen, an der Tür mein Essen in Empfang nehmen und ohne viel Firlefanz an mein Essen kommen können.

Die Sache mit dem Trinkgeld:

Übrigens: Trinkgeld gebe ich immer direkt dem Fahrer. Bei Lieferando kann man das direkt bei der Bestellung gleich miterledigen. Das ist zwar bequem, aber ich habe Dutzende Lieferfahrer verschiedener Restaurants gefragt, alle sagten mir, dass sie dann das Geld nicht bekommen würden.
Ich gebe meistens zwei Euro. Wie siehst Du das? Wie viel gibst Du so?

Wir haben also vor einiger Zeit begonnen, bei Bestelleck zu bestellen. Das ist eine Alternative zu Lieferando und die Restaurants scheinen diesen Dienst zu lieben. Ich höre jetzt immer öfter von den Lieferfahrern, dass wir bitte bevorzugt diesen Dienst nutzen sollen.
Das liegt daran, dass offenbar die Kosten für die Restaurants bei Bestelleck, wie auch bei dem hier auch noch bekannten Bestell-Butler, niedriger und fairer sein sollen. Es wird zumindest bei Bestelleck keine Provision pro Essen abgezogen.

Das merkt man übrigens auch an den Preisen! Eine Pizza eines unserer bevorzugten Restaurants kostet durchschnittlich 1 bis 3 Euro mehr, wenn man sie über Lieferando bestellt.

Bestelleck hat auch eine App, inzwischen massig Restaurants, die da mitmachen (ich habe den Eindruck, dass es inzwischen fast mehr sind, als bei Lieferando) und es gibt dort auch sonst alles, was man sich als Kunde wünscht. Online-Bezahlung, übersichtliche Restaurantauflistung und ansprechend gestaltete Menülisten. Ein Bewertungssystem gibt es auch.

Am besten wird es sein, wenn man direkt beim Restaurant anruft, dann muss der Laden gar keine Provision an irgendwen zahlen.
Ansonsten schauen wir seit geraumer Zeit, ob ein Restaurant eventuell eine eigene Bestellseite mit Online-Bezahlung hat.
Und jetzt seit einiger Zeit nehmen wir zu allererst Bestelleck, weil’s da oft einfach günstiger ist.

Ich empfehle, sich auch mal abseits der übergroßen Anbieter umzuschauen. Vielleicht gibt es in Deiner Region auch einen kleineren Anbieter, der Dir den gewünschten Komfort bietet und keine hohen Provisionen von den Restaurants verlangt.

Betrachtungen zum „neuen Essen“

Heutzutage, wo man fast alles per Klick bekommen kann, haben Lieferdienste wie Lieferando das Kochbuch längst durch die App ersetzt. Die goldene Ära der Mikrowellen-Gerichte scheint vorüber, en vogue ist ein edles Mahl als schnell bestelltes Swipe-Dinner. Junge Leute, bekannt für ihre „tiefe“ Beziehung zum Kochen, die meistens nur bis zur nächsten Pizza-Box reicht, sind die Paradebeispiele dieser neuen Esskultur.

Früher, in den dunklen Zeiten vor dem Smartphone, musste man tatsächlich wissen, wie man eine Pfanne bedient. Heute wird die kulinarische Fähigkeit daran gemessen, wie schnell man sein Lieblingsrestaurant in einer App finden kann. Warum sich mit Messern und Feuer abmühen, wenn ein paar Taps auf dem Handy genügen, um eine Mahlzeit zu zaubern?

Die ständige Verfügbarkeit von zubereitetem Essen auf Bestellung hat nicht nur zu einer Küchen-Phobie bei vielen Millennials geführt, sondern auch den Esstisch in einen anonymen Austauschplatz verwandelt, wo das Essen nicht mehr heiß aus dem Ofen, sondern heiß aus der Isoliertasche kommt. Man könnte fast sentimental werden und den alten Zeiten nachtrauern, in denen Familienrezepte von Generation zu Generation weitergegeben wurden – aber wer braucht schon Tradition, wenn man Zugang zu globaler Küche aus der Handfläche hat?

Sarkastisch könnte man sagen, die kulinarische Bildung unserer Zeit besteht darin, den Unterschied zwischen Thai und Chinesisch zu kennen – nicht basierend auf Gewürzen oder Kochtechniken, sondern auf den Logos der Apps. Und während wir vielleicht nicht wissen, wie man ein Soufflé zubereitet, sind wir Experten darin geworden, die Qualität eines Restaurants anhand der Anzahl der Sterne unter dem App-Icon zu beurteilen.

Also, während die Lieferdienste sicherlich eine neue Ära des „Kochens“ eingeläutet haben, bleibt die Frage, ob wir wirklich kulturellen Fortschritt erleben, oder ob wir einfach nur lernen, bei jeder Mahlzeit besser und schneller zu bestellen. Ach ja, die Evolution des Essens – von der Jagd und dem Sammeln über das Feuer bis hin zum digitalen Bestellen.

Anspruch und Wirklichkeit

Inflkuencerin Kocht

Die sind ja alle so hipp und wir „Alten“, die wir es wagen, älter als 30 zu sein, sind ja so doof und rückständig. Die Hippen leben in einer Blase, in der jeder Klick, Swipe und Tap sie näher an die universelle Wahrheit (oder zumindest an das nächste virale Video) bringt, existiert ein besonders köstlicher Widerspruch: Tausende von Influencern bereiten in ihren perfekt ausgeleuchteten Küchenstadien auf TikTok, YouTube und Instagram kulinarische Meisterwerke zu – oder zumindest etwas, das nach genügend Filtern und Schnitten wie eines aussieht. Sie hacken, braten und garnieren, während sie uns mit ihrer makellosen Ästhetik und ihren strahlenden Lächeln daran erinnern, dass Kochen „so easy und fun“ ist.

Auf der anderen Seite der Bildschirme sitzt die Legion ihrer Fans, bewaffnet mit der besten Technik, die Smartphones und Tablets zu bieten haben, um ja kein Detail dieser gastronomischen Performances zu verpassen. Diese sind meistens vollkommen unfähig oder unwillig, auch nur einen Topf ohne Anleitung zu bedienen. Warum sich die Mühe machen, ein Risotto zu rühren, wenn man sich das ersatzweise in 60 Sekunden auf TikTok anschauen kann und dabei nicht mal schwitzen muss? Gegessen wird dann aus der Packung.

Die moderne Küche hat sich weiterentwickelt: Sie ist von einem Raum, in dem Lebensmittel zubereitet werden, zu einem Miniatur-Filmstudio geworden, in dem Content produziert wird. Jenseits des Bildschirms sind Küchen heute oft genug nur noch ein unbenutztes Statussymbol.
Das echte Kochen wird dabei zur Nebensache. Wer braucht schon den Duft von frisch geschnittenem Basilikum oder das Zischen von Knoblauch in der Pfanne, wenn man auch einfach ein Video darüber ansehen kann, unterlegt mit einem trendy Soundtrack?

Die ironische Distanz zwischen dem, was auf dem Bildschirm passiert, und dem, was in den Küchen der Zuschauer nicht passiert, könnte nicht größer sein. Während Influencer uns in die Kunst des perfekten Food-Stylings einweihen, bleibt die Kunst des tatsächlichen Kochens oft ein Buch mit sieben Siegeln – oder in diesem Fall ein Video mit tausend Likes.

Es scheint, als hätten wir einen Punkt erreicht, an dem das Ansehen von Kochvideos eine Art von Kochen ist – das „Netflix und Chill“ der Generation Z, nur dass der Film durch 30 Sekunden lange Clips von jemandem ersetzt wurde, der etwas tut, was man selbst nie tun wird. Also, lasset uns löffeln, nicht das Essen, sondern die unendliche Weisheit unserer influencenden Köche, und uns freuen an der wunderbaren Leichtigkeit des Nichtstuns.

Bildquellen:
  • inflkuencerin-kocht: Peter Wilhelm ki
  • liefern-lassen: Peter Wilhelm ki


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In der „Servicewüste“ navigieren wir durch die oft trockenen Landschaften des Einzelhandels, der Behörden und des Online-Shoppings, wo Kunden sich vernachlässigt oder ungerecht behandelt fühlen. Diese Rubrik beleuchtet prägnante Beispiele solcher Erfahrungen. Doch es geht nicht nur um Kritik: Wir heben auch jene Oasen hervor, wo Unternehmen sich durch außergewöhnlich guten Service abheben und beweisen, dass eine „Servicewüste“ nicht die Norm sein muss.

Entdecken Sie mehr darüber, wie einige Marken es schaffen, in einer Welt voller Herausforderungen positiv aufzufallen.

Lesezeit ca.: 13 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 23. April 2024 | Peter Wilhelm 23. April 2024

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