Auto/Umfahr/Verkehr

Citroën CX Break Familiale und die DIRAVI-Lenkung

Ein weißer Kombi von Citroen vor einem unscharfen Hintergrund

Im Jahr 2000 hatte ich mir einen Citroën CX Break Familiale gekauft. Geplant war, das 4,90 Meter lange Fahrzeug zu einem Bestattungswagen umzurüsten.

Das Fahrzeug holten wir damals in Wuppertal ab, wo es direkt unter/neben der Schwebebahn geparkt war. Vorher muss es lange unter einer Linde gestanden haben, denn das unglaublich lange Dach war komplett mit klebrigem Blättersaft überzogen und im Laufe der Zeit grün geworden.
Die Haube sah auch nicht besser aus. Da das Fahrzeug ansonsten weiß war, hatte es mit seiner Bemoosung fast schon das Aussehen eines damaligen weiß-grünen Polizeiautos.

Aus dem Polizeiauto was Anständiges gemacht

Doch nach einer Behandlung mit dem Kärcher sah der Citroën dann doch sehr ordentlich aus und glänzte sogar. Die Klebeschicht hatte also den Lack wenigstens so etwas wie konserviert.
Nach einem solchen Citroen-Kombi hatte ich lange gesucht, denn der CX von Citroën in der Ausführung Familiale hatte eine dritte Sitzreihe und Platz für sieben Personen. Nur dieser Citroen-Kombi konnte aufgrund seiner Länge ohne Karosseriemodifikationen als Leichenwagen genutzt werden.
Der CX konnte dank der hydropneumatischen Federung auf drei Rädern fahren und hatte eine für einen Pkw sehr hohe Nutzlast von über 700 kg.

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Ein Sofa auf Rädern

Mit diesem Auto zu fahren, war ein absolutes Traumerlebnis. Die hydropneumatische Federung ließ einen dahingleiten, wie auf einem Wohnzimmersofa. Schlaglöcher, Querrillen und Unebenheiten sind für dieses Auto kein Thema. Der Motor klang etwas rauh, aber im Fahrzeuginneren war davon kaum etwas zu hören.

Aus dem Umbau wurde leider nichts. Das Fahrzeug hatte altersbedingt dann doch mehr (verborgenen) Rost, als erwartet und eine Investition in die notwendige Trennwand und einen Ladeboden mit Schienensystem wäre zu aufwendig geworden.

Eine Besonderheit war die DIRAVI-Lenkung.

Die DIRAVI, was für „DIrection assistée à RAppel asserVI“ steht („unterstützte Lenkung mit abhängiger Rückführung“), ist eine hydraulische Lenkung, die von Citroën entwickelt wurde.
Sie wurde in verschiedenen Modellen, darunter der Citroën SM, Citroën CX, Citroën XM (nur frühe Modelle mit Linkslenker und V6-Motor), sowie dem Maserati Quattroporte II und Maserati Khamsin, eingebaut.

Die DIRAVI ermöglicht eine präzise Lenkung und eine automatische Rückstellung in die Mittelposition.
Alle großen Citroens dieser Zeit hatten die hydropneumatische Zentralhydraulik. Eine im Grunde geniale Technik, die heute Standard wäre, hätten sich andere große Automobilbauer ihr nicht gänzlich verweigert.
Auch die DIRAVI hängt, neben dem Bremssystem und der Fahrzeugfederung sowie der Fahrzeugstabilisierung an der Zentralhydraulik des Fahrzeugs. Im normalen Betrieb überträgt die DIRAVI die Lenkbewegungen rein hydraulisch auf die Spurstangen und nur im Falle eines Hydraulikausfalls kommt eine mechanische Verbindung im Lenkgetriebe zum Tragen.

Das Herzstück des Systems ist ein druckgesteuerter Kolben, der mit dem Lenkrad verbunden ist. Dies ermöglicht eine präzise Kontrolle über die Lenkung und das Lenkrad ist im Stand sehr leichtgängig. Einflüsse wie starker Seitenwind oder eine schräge Fahrbahn beeinträchtigen den Geradeauslauf nicht, da die Position des Lenkrads allein über die Stellung der Räder entscheidet.

Beeindruckend ist auch das Rückstellungssystem der DIRAVI. Das sorgt dafür, dass die Lenkung immer automatisch in die Mittelposition zurückkehrt. Die Rückstellkraft ist dabei sowohl vom Lenkradeinschlag als auch von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs abhängig.
Daran musste man sich erst einmal gewöhnen. Die einen Autofahrer liebten die DIRAVI, andere hassten sie. Die Rückstellung erfolgte immer! Auch wenn man beispielsweise eingeparkt hatte und das Lenkrad losließ. Als DIRAVI-Fahrer wusste man, dass man das Lenkrad immer festhalten musste.

Ein entscheidender Vorteil der DIRAVI ist, dass sie einen Lenkrollradius von 0 ermöglicht.
Damit kannst Du vielleicht nichts anfangen, aber es bedeutet, dass sich die Räder während der Fahrt nicht wie bei den meisten Autos gerade stellen. Dadurch bleibt das Fahrzeug auch ohne ein Antiblockiersystem selbst bei heftigem, scharfem Bremsen auf unterschiedlichem Untergrund präzise in der Spur.

Die präzise, leichtgängige Lenkung und die automatische Rückstellung, gaben einem ein verbessertes Fahrerlebnis und eine erhöhte Sicherheit.

Familie glücklich gemacht

Und was ist aus dem Citroën CX geworden? Ich habe ihn einmal in der Werkstatt durchsehen lassen, frischen TÜV machen lassen und ihn dann ohne Gewinn an eine superglückliche junge Familie verkauft, die so ein großes Auto schon immer haben wollte.
Der Citroën war damals etwa 10 Jahre alt, was für diese Modellreihe schon fast genug war. Bei französischen Autos war Rost damals noch ein Thema und die in die Jahre gekommene Technik erfordert dann immer auch eine Werkstatt, die sich an die teils etwas krude französische Ingenieurskunst heranwagt.

Bildquellen:
  • citroen-cx: Citroen


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Diese Rubrik ist auch der Platz, in dem die Geschichten um Deutschlands am häufigsten umgefahrenes Verkehrsschild, das Fahrmichdochum, erscheinen.

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Lesezeit ca.: 6 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 4. Februar 2024 | Peter Wilhelm 4. Februar 2024

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