Wer ein NAS kauft, denkt zunächst an Dateien, Backups, Fotos und Dokumente. Moderne NAS-Systeme können aber weit mehr. Das UGREEN NASync DXP2800 GT lässt sich beispielsweise auch als Überwachungszentrale für IP-Kameras einsetzen.
ansehen/verstecken
- Meine Ausgangslage
- 7Links ist nicht gleich 7Links
- Was ist überhaupt ONVIF?
- UGOS Überwachung installieren
- Der erste Erfolg: eine 7Links-Kamera per ONVIF
- Die zweite 7Links-Kamera: plötzlich ist alles anders
- RTSP wird zum entscheidenden Plan B
- Nmap: ein ausgesprochen nützliches Werkzeug
- Überraschung bei den Foscam-Kameras
- Foscam per ONVIF: interner Serverfehler
- Foscam über RTSP: Treffer!
- Und dann kam die entscheidende Frage: Kann UGOS mehrere Kameras gleichzeitig anzeigen?
- Der bestehende Foscam-NVR kann einfach weiterlaufen
- Ereignisaufnahme statt Festplatte vollschreiben
- Lokale KI-Erkennung
- Eine weitere China-Kamera
- Wichtig: Ein offener RTSP-Port reicht noch nicht
- VLC ist ein hervorragendes Testwerkzeug
- ONVIF ist kein Gütesiegel für universelle Kompatibilität
- Meine bisherige Kompatibilitätsmatrix
- Welche Kamera würde ich heute kaufen?
- Mein Zwischenfazit
- Nachtrag: Was die UGREEN-Überwachung in der Praxis wirklich kann
- Für die KI-Erkennung fehlt zunächst ein wichtiger Baustein
- Die KI läuft auf dem NAS – nicht auf der Kamera
- Personen und Fahrzeuge werden tatsächlich unterschieden
- Der DHL-Fahrer als unfreiwilliger Testhelfer
- Was bedeutet das Limit von drei KI-Aufgaben?
- Gesichts- und Personenerkennung sind nicht dasselbe
- Gesichtserkennung in Deutschland nicht verfügbar
- „Nur Ereignisse“ spart gewaltig Speicherplatz
- Ein Schwachpunkt: Es fehlt offenbar der Vorlauf
- ONVIF ist schön – RTSP kann aber die Rettung sein
- Die Mehrfachansicht funktioniert tatsächlich
- Ersetzt das UGREEN-NAS jetzt meinen FOSCAM-NVR?
- Mein Zwischenfazit nach den ersten echten Praxistests
- Bildquellen:
Ich habe das ausprobiert – und zwar nicht unter Laborbedingungen mit acht identischen, nagelneuen Kameras eines Herstellers, sondern mit einem über Jahre gewachsenen Zoo aus Foscam-, 7Links-, ELESION- und chinesischen No-Name-Kameras.
Das Ergebnis hat mich positiv überrascht: UGOS Überwachung kann mehrere Kameras gleichzeitig darstellen und eignet sich damit tatsächlich als klassische Surveillance-Station.
Allerdings gibt es einige Fallstricke. Vor allem sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, dass der Aufdruck „ONVIF“ automatisch bedeutet, dass jede Kamera mit jedem NVR funktioniert.
Meine Ausgangslage
Seit Jahren betreibe ich einen NVR von Foscam. Das Gerät wurde mir seinerzeit als stabiles und bewährtes System empfohlen. Der ursprüngliche Plan war einfach: Foscam-NVR kaufen, ausschließlich Foscam-Kameras anschließen und fertig.
Das funktioniert tatsächlich ausgezeichnet.
Drei meiner Kameras stammen von Foscam und bereiten im Zusammenspiel mit dem Foscam-NVR praktisch keine Probleme.
Im Laufe der Zeit kamen allerdings weitere Kameras hinzu. Aufgrund meiner journalistischen Tätigkeit wurden mir immer wieder Überwachungskameras verschiedener Hersteller zum Testen zur Verfügung gestellt. Was sich davon in den Foscam-NVR integrieren ließ, habe ich anschließend einfach weiterbenutzt.
So entstand nach und nach ein ziemlich heterogenes System.
Besonders interessant waren für mich Kameras der PEARL-Marke 7Links. Das Modell ZX-5761 ließ sich problemlos per ONVIF in meinen Foscam-NVR integrieren und war zudem ausgesprochen preiswert.
Als später andere 7Links-Kameras in Tagesangeboten teilweise zu erstaunlich niedrigen Preisen angeboten wurden, griff ich wieder zu. Ausschlaggebend war für mich jeweils die Angabe:
ONVIF-kompatibel.
Nach meinen guten Erfahrungen mit der ZX-5761 ging ich davon aus, dass andere Kameras unter demselben Branding ähnlich problemlos funktionieren würden.
Das war ein Irrtum.
7Links ist nicht gleich 7Links
Eine wichtige Erkenntnis aus meinen Versuchen lautet:
Man sollte bei solchen Handelsmarken nicht davon ausgehen, dass zwei Kameras mit demselben Markennamen technisch miteinander verwandt sind.
Die Kameras werden offenbar von unterschiedlichen OEM-Herstellern produziert und anschließend für ELESION beziehungsweise die zugrunde liegende Tuya-Plattform angepasst.
Damit können zwei Kameras auf der Verpackung nahezu wie Geschwister aussehen, intern aber vollkommen unterschiedliche Hardware und Firmware besitzen.
Das macht sich besonders bei ONVIF bemerkbar.
Was ist überhaupt ONVIF?
ONVIF soll die Zusammenarbeit zwischen IP-Kameras, Netzwerkrekordern und Überwachungssoftware verschiedener Hersteller ermöglichen.
Die schöne Theorie lautet:
Kamera unterstützt ONVIF + NVR unterstützt ONVIF = funktioniert.
In der Praxis lautet die Gleichung leider eher:
Kamera unterstützt irgendeine ONVIF-Implementierung + NVR versteht diese Implementierung hoffentlich = vielleicht funktioniert es.
ONVIF umfasst unterschiedliche Profile und Funktionen. Hinzu kommen Eigenheiten bei Authentifizierung, Stream-Profilen, Audio, PTZ-Steuerung und Ereignismeldungen.
Deshalb kann eine Kamera mit NVR A hervorragend funktionieren und von NVR B abgelehnt werden – obwohl alle Beteiligten behaupten, ONVIF zu unterstützen.
Genau das haben meine Tests eindrucksvoll gezeigt.
UGOS Überwachung installieren
Auf dem DXP2800 GT stellt UGREEN die Anwendung Überwachung zur Verfügung.
Sie macht aus dem NAS einen Netzwerk-Videorekorder. Kameras können eingebunden, live betrachtet und ihre Bilder auf dem NAS aufgezeichnet werden.
Interessant ist insbesondere, dass UGOS verschiedene Wege zur Einbindung anbietet.
Zum einen gibt es ONVIF, zum anderen lassen sich Kameras auch direkt über einen RTSP-Stream hinzufügen.
Und dieser zweite Weg sollte sich bei meinen Versuchen als ausgesprochen wichtig erweisen.
Der erste Erfolg: eine 7Links-Kamera per ONVIF
Mein erster Versuch erfolgte mit einer 7Links ZX-5110.
Die Kamera war mir noch aus früheren Versuchen bekannt. Sie unterstützt ONVIF, hatte sich aber seinerzeit nicht vernünftig mit meinem Foscam-NVR vertragen.
Nach einem Reset der Kamera richtete ich sie neu ein.
Ein kleines Problem bestand darin, dass die ELESION-App bei den ONVIF-Einstellungen lediglich die Vergabe eines Passworts anbietet. UGOS verlangt dagegen:
- Benutzername
- Passwort
- IP-Adresse
- ONVIF-Port
Der entscheidende Fund:
Der Benutzername lautet fest admin.
Mit admin, dem in ELESION vergebenen ONVIF-Passwort und dem richtigen Port ließ sich die Kamera tatsächlich in UGOS einbinden.
Und plötzlich erschien das Livebild.
Damit war zunächst einmal bewiesen:
UGOS kann Fremdkameras per ONVIF einbinden.
Interessanterweise handelt es sich bei der ZX-5110 um eine PTZ-Kamera. Das Livebild funktioniert, die Kamera lässt sich über UGOS bislang allerdings nicht drehen und schwenken.
Auch das zeigt: ONVIF-Unterstützung bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Funktionen einer Kamera zur Verfügung stehen.
Die zweite 7Links-Kamera: plötzlich ist alles anders
Anschließend versuchte ich eine weitere 7Links-Kamera einzubinden.
Diesmal handelte es sich um eine starre Außenkamera vom Typ ZX-5671.
Und die ist besonders interessant, weil sie in meinem Foscam-NVR problemlos per ONVIF funktioniert.
Eigentlich hätte sie also ein idealer Kandidat für UGOS sein müssen.
Ein Portscan zeigte:
554 offen
10000 offen
Port 554 ist der klassische RTSP-Port. Port 10000 dient bei dieser Kamera offenbar der ONVIF-Kommunikation.
UGOS konnte die Kamera über Port 10000 auch ansprechen. Benutzername und Passwort wurden akzeptiert, die Konfiguration konnte vorgenommen werden.
Dann klickte ich auf „OK“.
Interner Serverfehler.
Mehrfach.
Damit hatten wir einen ausgesprochen interessanten Gegensatz:
ZX-5110: Foscam problematisch, UGOS per ONVIF problemlos.
ZX-5671: Foscam per ONVIF problemlos, UGOS meldet internen Serverfehler.
Besser kann man die praktische Problematik von ONVIF kaum demonstrieren.
RTSP wird zum entscheidenden Plan B
An diesem Punkt wurde eine zweite Möglichkeit von UGOS interessant.
Kameras können nämlich auch direkt über einen RTSP-Stream eingebunden werden.
RTSP steht für Real Time Streaming Protocol. Vereinfacht gesagt liefert die Kamera darüber ihren Video- beziehungsweise Audiostream.
Während ONVIF zusätzlich allerlei Informationen über Fähigkeiten, Profile und Steuerungsmöglichkeiten einer Kamera austauschen kann, interessiert uns bei RTSP zunächst nur:
Gib mir dein Bild.
Und genau diese Einfachheit erwies sich als Vorteil.
Nmap: ein ausgesprochen nützliches Werkzeug
Um herauszufinden, welche Dienste meine Kameras überhaupt anbieten, habe ich auf dem Mac nmap installiert.
Unter macOS geht das bequem über Homebrew, beispielsweise:
brew install nmap
Danach kann eine Kamera untersucht werden:
nmap -sT --top-ports 1000 --stats-every 10s 192.168.178.xxx
Die IP-Adresse muss natürlich durch die Adresse der eigenen Kamera ersetzt werden.
Die Option
--stats-every 10s
gefällt mir besonders gut. Nmap zeigt damit alle zehn Sekunden seinen Fortschritt an. Man sitzt also nicht minutenlang vor einer leeren Terminalzeile und fragt sich, ob das Programm arbeitet oder abgestürzt ist.
Übrigens sollte man nicht gleich alle 65.535 Ports untersuchen. Das kann bei manchen Kameras erstaunlich lange dauern. Die 1.000 gebräuchlichsten Ports reichen für eine erste Untersuchung meist völlig aus.
Überraschung bei den Foscam-Kameras
Besonders interessant wurde es, als ich meine vorhandenen Foscam-Kameras untersuchte.
Zunächst hatte ich nur die üblichen Verdächtigen wie 80, 443, 554, 8000 und 8080 getestet. Dabei erschien lediglich Port 443.
Ein vollständigerer Nmap-Test zeigte jedoch bei mehreren Foscam-Kameras dasselbe Muster:
88/tcp open
443/tcp open
888/tcp open
Die von Nmap daneben angezeigten Dienstnamen sollte man übrigens nicht überbewerten. Nmap ordnet zunächst bekannte Dienste anhand der Portnummer zu. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass auf einer Kamera tatsächlich beispielsweise ein Kerberos-Server läuft.
Bei Foscam sind vielmehr Port 88 und Port 888 interessant.
Und damit konnten wir die Kameras nun gezielt in UGOS ausprobieren.
Foscam per ONVIF: interner Serverfehler
Zunächst versuchte ich wieder ONVIF.
UGOS sprach die Foscam-Kameras an, akzeptierte die Zugangsdaten und ließ die Einrichtung zu.
Beim abschließenden Speichern kam jedoch zuverlässig:
Interner Serverfehler.
Das Verhalten ließ sich mit mehreren Foscam-Kameras reproduzieren.
Damit war ziemlich klar: UGOS hat kein grundsätzliches ONVIF-Problem – schließlich funktionierte die 7Links ZX-5110. Es gibt aber offenbar Schwierigkeiten zwischen der derzeitigen UGOS-Implementierung und dem ONVIF bestimmter Foscam-Kameras.
Normalerweise wäre an dieser Stelle Schluss.
Aber wir hatten ja noch RTSP.
Foscam über RTSP: Treffer!
Bei den getesteten Foscam-Kameras funktioniert folgendes Schema:
rtsp://BENUTZER:PASSWORT@IP-ADRESSE:88/videoMain
Beispielsweise:
rtsp://admin:meinpasswort@192.168.178.194:88/videoMain
Für den kleineren Nebenstream kommt bei entsprechenden Modellen außerdem beispielsweise
/videoSub
in Betracht.
Die RTSP-Adresse habe ich direkt in UGOS Überwachung eingetragen.
Und siehe da:
Das Kamerabild erschien sofort.
Anschließend probierte ich dasselbe mit einer weiteren Foscam-Kamera.
Auch die funktionierte.
Damit hatten wir eine ausgesprochen interessante Lösung gefunden:
Foscam-NVR und Foscam-Kameras dürfen weiterhin ihr bewährtes eigenes System bilden. UGOS greift zusätzlich einfach die RTSP-Streams der Kameras ab.
Das bestehende System muss dafür nicht auseinandergerissen werden.
Und dann kam die entscheidende Frage: Kann UGOS mehrere Kameras gleichzeitig anzeigen?
Genau das war für mich besonders wichtig.
Viele moderne Überwachungskameras funktionieren heute nach dem Prinzip:
Kamera erkennt Bewegung → Smartphone meldet sich → App öffnen → Kamera auswählen → Bild ansehen.
Das ist praktisch, entspricht aber nicht meinem Anwendungsfall.
Ich möchte einen Monitor haben, auf dem mehrere Kamerabilder permanent gleichzeitig sichtbar sind – also die klassische NVR-Ansicht.
Deshalb war bis dahin noch keineswegs sicher, ob UGOS Überwachung für mich überhaupt interessant ist.
Nachdem die zweite beziehungsweise dritte Kamera eingebunden war, kam die erfreuliche Überraschung:
Ja. UGOS besitzt eine Mehrfachansicht.
Mehrere Kamerabilder werden gleichzeitig in einem Raster dargestellt.
Damit war die für mich wichtigste Frage beantwortet.
Der bestehende Foscam-NVR kann einfach weiterlaufen
Das ist für mich möglicherweise die eleganteste Lösung.
Ich muss mein bewährtes Foscam-System gar nicht ersetzen.
Die Foscam-Kameras können weiterhin mit dem Foscam-NVR kommunizieren und dort aufgezeichnet werden.
Parallel dazu holt sich das UGREEN-NAS deren RTSP-Streams.
Damit können zwei Systeme nebeneinander existieren:
┌── Foscam-NVR
Kamera ─────────────┤
└── RTSP ── UGREEN-NAS
Das ist wesentlich angenehmer, als ein funktionierendes System abzubauen und sämtliche Kameras auf einmal auf eine neue Plattform umzustellen.
Ereignisaufnahme statt Festplatte vollschreiben
Beim ersten Test hatte ich die Aufnahme zunächst einfach laufen lassen.
Nach zehn Minuten waren ungefähr 55 MB Daten entstanden.
Das klingt wenig, summiert sich aber.
55 MB in zehn Minuten entsprechen ungefähr:
- 330 MB pro Stunde
- knapp 8 GB pro Tag
- rund 240 GB pro Monat
Und das für eine einzige Kamera.
Bei acht Kameras wären das bei vergleichbarer Datenrate bereits knapp zwei Terabyte monatlich.
Natürlich wird nicht jeden Monat zusätzlich zwei Terabyte Speicherplatz verbraucht, wenn eine vernünftige Aufbewahrungsregel eingerichtet ist. Genau deshalb sollte man diese Einstellungen nicht auf „unbegrenzt“ stehen lassen.
Für meinen Test habe ich deshalb zunächst eingestellt:
Aufbewahrungsdauer: 3 Tage
Speicherkontingent: 100 GB
Aufzeichnung: nur bei Ereignissen
Damit kann das System in Ruhe getestet werden, ohne dass eine versehentlich aktivierte Daueraufnahme irgendwann das NAS füllt.
Lokale KI-Erkennung
UGOS Überwachung bietet noch eine weitere interessante Möglichkeit.
Das NAS kann Videomaterial lokal analysieren und beispielsweise bestimmte Ereignisse erkennen. Das ist insbesondere bei älteren oder einfachen Kameras interessant, die selbst kaum intelligente Erkennungsfunktionen besitzen.
Bei meinem DXP2800 GT weist UGOS darauf hin, dass gleichzeitig bis zu drei lokale KI-Erkennungsaufgaben unterstützt werden.
Das habe ich bislang bewusst noch nicht vertieft.
Meine Regel bei solchen Installationen lautet:
Erst muss die Grundfunktion stabil laufen. Danach kommen die Spielereien.
Also zunächst:
Kamera → Stream → Livebild → Mehrfachansicht → Aufzeichnung.
Erst wenn diese Kette zuverlässig funktioniert, beschäftige ich mich mit zusätzlicher KI-Auswertung.
Eine weitere China-Kamera
Auch eine ältere chinesische Kamera erwies sich als interessantes Versuchsobjekt.
Nmap zeigte beispielsweise:
554/tcp open rtsp
8080/tcp open
Auf Port 8080 antwortete sogar ein Webserver namens:
Private-Webs
Dieser leitete auf /index.asp um – nur um dort anschließend einen 404-Fehler auszugeben.
Willkommen in der wunderbaren Welt chinesischer OEM-Firmware.
Port 554 beweist immerhin, dass ein RTSP-Dienst vorhanden ist. Das Problem besteht dann lediglich darin, den richtigen Stream-Pfad herauszufinden.
Bei manchen IPC365-artigen Kameras kommen beispielsweise Pfade wie
/live/ch0
vor.
Das muss jedoch für das konkrete Modell geprüft werden.
Wichtig: Ein offener RTSP-Port reicht noch nicht
Das ist ebenfalls eine wichtige Erkenntnis.
Wenn
554/tcp open
angezeigt wird, bedeutet das zunächst nur:
Auf Port 554 wartet ein RTSP-Server.
Die komplette Adresse kann aber beispielsweise lauten:
rtsp://user:passwort@192.168.178.100:554/live/ch0
oder:
rtsp://user:passwort@192.168.178.100:554/videoMain
oder vollkommen anders.
Der Teil hinter der Portnummer ist herstellerspezifisch.
Deshalb bringt es wenig, wahllos zwanzig vermeintlich „übliche“ RTSP-Adressen auszuprobieren. Besser ist es, die Dokumentation des konkreten Kameramodells zu suchen oder die Information über ONVIF beziehungsweise geeignete Diagnosewerkzeuge auszulesen.
VLC ist ein hervorragendes Testwerkzeug
Wer mit RTSP experimentiert, sollte außerdem den kostenlosen VLC Media Player installiert haben.
Dort kann man unter „Netzwerk öffnen“ eine RTSP-Adresse direkt eingeben.
Funktioniert der Stream in VLC, aber nicht in der NVR-Software, weiß man zumindest:
Kamera, Netzwerk, Zugangsdaten und RTSP-Stream funktionieren.
Dann liegt das Problem sehr wahrscheinlich bei der NVR-Software oder deren Konfiguration.
Das ist bei der Fehlersuche ausgesprochen hilfreich.
ONVIF ist kein Gütesiegel für universelle Kompatibilität
Nach meinen bisherigen Versuchen würde ich eine Kamera heute nicht mehr allein deshalb kaufen, weil auf der Verpackung groß ONVIF steht.
Das ist zu wenig.
Wesentlich interessanter sind Angaben wie:
- Welches ONVIF-Profil wird unterstützt?
- Wie lautet der ONVIF-Port?
- Gibt es einen eigenen ONVIF-Benutzer?
- Ist RTSP vorhanden?
- Wie lautet die RTSP-Adresse?
- Sind Main- und Substream dokumentiert?
- Funktioniert die Kamera ohne Cloud?
- Kann man sie vollständig im lokalen Netzwerk betreiben?
Eine Kamera, deren Hersteller diese Angaben vernünftig dokumentiert, ist mir inzwischen erheblich sympathischer als ein Gerät, auf dessen Verpackung lediglich ein großes ONVIF-Logo prangt.
Meine bisherige Kompatibilitätsmatrix
Nach den bisherigen Tests ergibt sich ungefähr folgendes Bild:
| Kamera | Foscam-NVR | UGOS ONVIF | UGOS RTSP |
|---|---|---|---|
| 7Links ZX-5110 | problematisch | funktioniert | nicht benötigt |
| 7Links ZX-5671 | funktioniert | Serverfehler | Pfad noch unbekannt |
| Foscam-Kameras | funktionieren | Serverfehler | funktioniert |
| weitere OEM-/China-Kameras | unterschiedlich | unterschiedlich | teilweise noch zu ermitteln |
Gerade diese Tabelle zeigt wunderbar, weshalb Aussagen wie „ONVIF-kompatibel“ allein wenig wert sind.
Welche Kamera würde ich heute kaufen?
Meine Anforderungen haben sich durch diese Versuche verändert.
Ich würde für ein gemischtes System heute eine Kamera suchen, die:
- innen und außen eingesetzt werden kann,
- zuverlässig mit meinem vorhandenen Foscam-NVR funktioniert,
- ONVIF sauber unterstützt,
- einen dokumentierten RTSP-Stream anbietet,
- möglichst ohne Cloudzwang betrieben werden kann.
Dabei hat die Kompatibilität mit dem vorhandenen Foscam-NVR weiterhin Priorität. Das Gerät funktioniert seit Jahren zuverlässig und es gibt keinen vernünftigen Grund, ein stabiles System wegzuwerfen.
UGOS ist eine hervorragende Ergänzung.
Und wenn UGOS eine Kamera nicht per ONVIF mag, ist das inzwischen auch kein Ausschlusskriterium mehr:
Wenn RTSP funktioniert, reicht mir das für die Mehrfachansicht zunächst vollkommen aus.
Mein Zwischenfazit
UGREENs Überwachungsfunktion auf dem DXP2800 GT hat mich bislang positiv überrascht.
Ich hatte damit gerechnet, dass die Integration meines über Jahre zusammengewürfelten Kamerabestands ein ziemliches Glücksspiel werden würde.
Tatsächlich haben wir aber inzwischen mehrere Kameras gleichzeitig in der Mehrfachansicht.
Besonders gefällt mir, dass UGOS nicht ausschließlich auf automatische Kamerasuche angewiesen ist. Kameras lassen sich manuell konfigurieren und – noch wichtiger – direkte RTSP-Streams können verwendet werden.
Genau das rettet in der Praxis so manche Kamera, deren ONVIF-Implementierung mit UGOS nicht harmoniert.
Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb:
Nicht zu früh aufgeben, wenn ONVIF nicht funktioniert.
Wenn die Kamera einen RTSP-Stream liefert, besteht noch eine sehr gute Chance, sie in UGOS zu verwenden.
Und umgekehrt sollte man sich nicht wundern, wenn zwei Kameras mit demselben Markennamen und demselben ONVIF-Aufdruck vollkommen unterschiedlich reagieren.
Bei Netzwerk-Kameras ist „kompatibel“ leider keine philosophische Eigenschaft.
Es ist etwas, das man ausprobiert.
Und das UGREEN DXP2800 GT hat sich bei meinen bisherigen Versuchen dabei erstaunlich flexibel gezeigt.
Nachtrag: Was die UGREEN-Überwachung in der Praxis wirklich kann
Nachdem ich die Überwachungsfunktion meines UGREEN NASync DXP2800 GT nun einige Zeit ausprobiert habe, muss ich meinen ersten Eindruck an einigen Stellen ergänzen. Vor allem die lokale KI-Erkennung ist wesentlich interessanter, als es zunächst den Anschein hatte. Allerdings muss man erst einmal herausfinden, wie UGREEN sich das Ganze gedacht hat.
Und genau dabei gibt es ein paar Stolpersteine. Einige Funktionen erschließen sich nicht von selbst, manche Fehlermeldungen sind wenig hilfreich und zumindest bei mir erschien zeitweise sogar eine chinesische Meldung, die sinngemäß besagte, dass das KI-Backend nicht verfügbar sei.
Inzwischen weiß ich, warum.
Für die KI-Erkennung fehlt zunächst ein wichtiger Baustein
Wer die UGREEN-App „Überwachung“ installiert und dort seine Kameras eingerichtet hat, könnte annehmen, damit sei alles erledigt. Schließlich findet man in den Einstellungen bereits Optionen für Personen-, Fahrzeug-, Haustier- und teilweise sogar Gesichtserkennung.
Das ist aber nicht der Fall.
Für die lokale KI-Auswertung benötigt UGOS zusätzlich den Model Manager. Dieser wird als eigenes Dienstprogramm über das App Center von UGREEN installiert.
Der Model Manager verwaltet die eigentlichen KI-Modelle, die anschließend von verschiedenen Anwendungen auf dem NAS verwendet werden können. Dazu gehören beispielsweise:
- Personenerkennung
- Gesichtserkennung
- allgemeine Erkennung
- Haustiererkennung
- Texterkennung
- Bilderkennung
- Erkennung ähnlicher beziehungsweise doppelter Fotos
Für die Kameraüberwachung ist insbesondere die allgemeine Erkennung interessant. Dieses Modell kann unter anderem Personen, Fahrzeuge und Haustiere unterscheiden.
Nach der Installation des Model Managers fordert die Überwachungsanwendung bei Bedarf das passende Modell an. Erst nachdem dieses heruntergeladen und aktiviert worden war, funktionierte bei mir die ereignisbasierte KI-Aufzeichnung zuverlässig.
Das ist ein ausgesprochen wichtiger Punkt: Wenn bei „Nur Ereignisse“ einfach nichts aufgenommen wird, muss das keineswegs an der Kamera liegen. Es kann schlicht daran liegen, dass die für die Ereigniserkennung notwendige KI-Infrastruktur auf dem NAS noch nicht vollständig eingerichtet wurde.
Die KI läuft auf dem NAS – nicht auf der Kamera
Das ist für mich eine der erfreulichsten Erkenntnisse des gesamten Tests.
Ich betreibe keine homogene Kameraanlage eines einzigen Herstellers. Neben FOSCAM-Kameras sind bei mir verschiedene andere Kameras im Einsatz, darunter preiswerte Modelle von 7Links und weitere Geräte unterschiedlicher Herkunft.
Einige Kameras ließen sich über ONVIF in UGREEN Überwachung integrieren. Bei anderen führte die ONVIF-Einrichtung beim abschließenden Speichern immer wieder zu einem „Internen Serverfehler“. Diese Kameras konnte ich teilweise trotzdem problemlos über ihren RTSP-Videostream einbinden.
Für die lokale KI-Auswertung ist offenbar entscheidend, dass UGOS einen verwertbaren Videostream erhält. Die Kamera selbst muss die aufwendige Personen- oder Fahrzeugerkennung nicht durchführen.
Das NAS analysiert den Videostream lokal.
Das ist ein großer Vorteil, denn damit lassen sich auch ältere oder preiswerte Kameras um Funktionen erweitern, die sie selbst überhaupt nicht besitzen.
Personen und Fahrzeuge werden tatsächlich unterschieden
Natürlich wollte ich wissen, ob das Ganze nur auf dem Papier funktioniert.
Also stellte ich eine Kamera auf ereignisbasierte Aufzeichnung um und ging selbst vor die Kamera.
Das Ergebnis erschien kurz darauf im Archiv. Die Aufnahme war mit einem grünen Personensymbol gekennzeichnet. UGOS hatte mich tatsächlich als Person erkannt und das entsprechende Ereignis gespeichert.
Noch interessanter wurde es bei einer Außenkamera, die einen Zufahrtsbereich erfasst.
Dort unterscheidet UGOS beispielsweise zwischen:
- „Person erkannt – Objekt betritt das Bild“
- „Fahrzeug erkannt – Objekt betritt das Bild“
Die Ereignisse erscheinen mit Uhrzeit, Vorschaubild und Erkennungstyp in einer chronologischen Liste. Über entsprechende Filter kann man sich bestimmte Ereignisarten anzeigen lassen.
Damit wird aus der zunächst recht unscheinbar wirkenden Überwachungs-App tatsächlich ein brauchbares kleines Videoüberwachungssystem.
Der DHL-Fahrer als unfreiwilliger Testhelfer
Einen besonders schönen Praxistest lieferte mir ein DHL-Fahrer, ohne davon zu wissen.
Der Lieferwagen fuhr in den überwachten Bereich. Der Fahrer stieg aus, erledigte seine Arbeit und der Wagen verließ den Bereich anschließend wieder.
UGOS machte daraus nicht einfach irgendeine pauschale „Bewegung erkannt“-Meldung, sondern erzeugte drei nachvollziehbare Ereignisse:
- Fahrzeug erkannt
- Person erkannt
- Fahrzeug erkannt
Das ist meiner Meinung nach sehr vernünftig gelöst.
Die KI versucht nicht, den gesamten Vorgang irgendwie als „DHL-Lieferung“ zu interpretieren. Sie protokolliert vielmehr die jeweils neu auftretenden relevanten Objektklassen. Dadurch kann ich später beispielsweise gezielt nach Personenereignissen suchen und muss nicht sämtliche Fahrzeugbewegungen durchsehen.
Auch mehrere unmittelbar aufeinanderfolgende Meldungen erwiesen sich bei genauerem Hinsehen nicht als sinnlose Doppelmeldungen. Es handelte sich tatsächlich jeweils um neu ins Bild kommende Personen beziehungsweise Fahrzeuge.
Was bedeutet das Limit von drei KI-Aufgaben?
Auch diese Angabe von UGREEN hat mich zunächst verwirrt.
Beim DXP2800 GT heißt es sinngemäß, dass bis zu drei lokale KI-Erkennungsaufgaben gleichzeitig unterstützt werden.
Damit sind nicht einfach drei verschiedene Erkennungsarten gemeint. Und es bedeutet auch nicht, dass insgesamt nur drei Ereignisse gleichzeitig erkannt werden könnten.
UGREEN erklärt den Begriff „Aufgabe“ selbst folgendermaßen: Das Hinzufügen eines allgemeinen Objekterkennungsmodells zu einer Kamera beziehungsweise einem „Objektiv“ zählt als eine Aufgabe.
Eine solche Aufgabe kann gleichzeitig mehrere Objektklassen erkennen.
Das konnte ich praktisch nachvollziehen. Bei mir laufen beispielsweise gleichzeitig:
- eine Kamera mit Personen- und Fahrzeugerkennung,
- eine Kamera mit Personenerkennung,
- eine Kamera mit Personen- und Haustiererkennung.
Damit sind die drei verfügbaren Aufgaben belegt. Beim Versuch, die lokale KI zusätzlich für eine vierte Kamera einzuschalten, meldet UGOS ausdrücklich:
„Aktivierung fehlgeschlagen. Das Limit für lokale KI-Erkennungsaufgaben wurde erreicht.“
Entscheidend ist dabei: Personen- und Fahrzeugerkennung auf derselben Kamera verbrauchen im Rahmen der allgemeinen Objekterkennung offenbar nicht zwei Aufgaben. Eine Kamera mit allgemeiner Objekterkennung belegt eine Aufgabe und kann dabei mehrere Objektarten unterscheiden.
Das ist wesentlich großzügiger, als ich die Formulierung zunächst verstanden hatte.
Gesichts- und Personenerkennung sind nicht dasselbe
Die deutsche Terminologie von UGREEN kann an dieser Stelle etwas verwirrend sein.
Für die normale Videoüberwachung genügt im Grunde die allgemeine Objekterkennung. Sie stellt fest, ob beispielsweise eine Person, ein Fahrzeug oder ein Haustier im Bild erscheint.
Darüber hinaus gibt es speziellere Modelle. Bei der Personenerkennung beschreibt UGREEN beispielsweise Funktionen zur Erkennung von Identität, Alter und auffälligem Verhalten.
Noch weiter geht die Gesichtserkennung, bei der Gesichtsmerkmale zur Identifizierung erfasst werden.
Diese aufwendigeren Funktionen verbrauchen zusätzliche KI-Ressourcen. Nach der Erklärung von UGREEN benötigt die Kennzeichenerkennung eine zusätzliche Aufgabe, die Gesichtserkennung sogar zwei weitere Aufgaben. Werden Personen- und Gesichtserkennung gemeinsam eingesetzt, können dadurch alle drei verfügbaren KI-Aufgaben belegt werden.
Gesichtserkennung in Deutschland nicht verfügbar
Zumindest auf meinem in Deutschland betriebenen DXP2800 GT lässt sich die Gesichtserkennung allerdings nicht aktivieren.
UGREEN weist zunächst ausdrücklich auf die rechtlichen Aspekte der Gesichtserkennung hin. Versucht man anschließend, die Funktion einzuschalten, erscheint die Meldung:
„Die Funktion Gesichtserkennung ist in dieser Region nicht verfügbar.“
Das Modell und die entsprechenden Menüpunkte können also durchaus sichtbar sein, obwohl die eigentliche Funktion regional gesperrt ist.
Für meinen Anwendungsfall ist das kein wirklicher Nachteil. Mir genügt vollkommen, wenn das System zuverlässig erkennt, dass sich eine Person im überwachten Bereich befindet. Ich muss nicht wissen, ob das Onkel Erwin, der Paketbote oder der Gerichtsvollzieher ist.
„Nur Ereignisse“ spart gewaltig Speicherplatz
Bei meinen ersten Versuchen hatte ich die Kamera zunächst auf Daueraufzeichnung gestellt.
Das funktioniert, produziert aber natürlich entsprechende Datenmengen. Bei einer meiner Kameras entstanden in zehn Minuten ungefähr 55 MB Videodaten. Hochgerechnet auf Tage und mehrere Kameras kommt dabei schnell einiges zusammen.
UGOS bietet deshalb neben der ganztägigen Aufnahme die wesentlich interessantere Einstellung „Nur Ereignisse“.
Zusätzlich lassen sich eine Speicherdauer und ein maximales Speicherkontingent festlegen. Ich habe für meine ersten Versuche beispielsweise drei Tage und 100 GB eingestellt.
Ist die KI-Erkennung korrekt eingerichtet, wird nun nicht mehr ununterbrochen aufgezeichnet. Stattdessen entstehen Aufnahmen zu erkannten Ereignissen.
Für meinen Einsatzzweck ist das erheblich sinnvoller als eine permanente Aufzeichnung sämtlicher Kameras.
Ein Schwachpunkt: Es fehlt offenbar der Vorlauf
Bei meinen bisherigen Versuchen ist mir allerdings auch ein Nachteil aufgefallen.
Die ereignisgesteuerte Aufnahme besitzt offenbar keinen nennenswerten Vorlauf.
Professionelle Überwachungssysteme arbeiten häufig mit einem sogenannten Pre-Event-Puffer. Dabei befindet sich ständig ein kurzer Abschnitt des Videostreams im Arbeitsspeicher. Wird ein Ereignis erkannt, speichert das System nicht erst ab diesem Augenblick, sondern übernimmt zusätzlich beispielsweise die fünf oder zehn Sekunden unmittelbar davor.
Dadurch sieht man später nicht nur, dass plötzlich jemand vor der Kamera steht, sondern auch, wie die Person ins Bild gekommen ist.
Bei meinen bisherigen UGOS-Aufnahmen scheint das anders zu funktionieren. Erst wenn die KI das Ereignis erkannt hat, beginnt die eigentliche Aufzeichnung. Nach meiner Beobachtung kann das sogar ungefähr eine Sekunde nach dem tatsächlichen Eintritt ins Bild sein.
Bei einem langsam einfahrenden Lieferwagen ist das praktisch bedeutungslos. Bei einer schnell durch das Bild laufenden Person können die ersten Sekunden eines Vorgangs aber durchaus interessant sein.
Falls UGREEN künftig einen konfigurierbaren Aufnahmevorlauf ergänzt, wäre das für mich deshalb eine sehr sinnvolle Verbesserung.
ONVIF ist schön – RTSP kann aber die Rettung sein
Eine weitere wichtige Erkenntnis aus meinen Versuchen betrifft die Kameraeinbindung.
ONVIF ist grundsätzlich die komfortablere Lösung. Eine meiner preiswerten 7Links-Kameras ließ sich darüber problemlos in UGOS integrieren.
Bei mehreren anderen Kameras – darunter auch FOSCAM-Geräten – nahm UGOS die ONVIF-Daten zunächst an, quittierte den abschließenden Speichervorgang dann aber mit einem „Internen Serverfehler“.
Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Kamera für UGREEN Überwachung unbrauchbar ist.
Wenn sich der RTSP-Stream der Kamera ermitteln lässt, kann dieser direkt eingetragen werden. Auf diesem Weg konnte ich weitere Kameras erfolgreich integrieren, obwohl die ONVIF-Einrichtung nicht funktionierte.
Bei unbekannten Kameras kann ein Portscan hilfreich sein. Unter macOS lässt sich beispielsweise nmap über Homebrew installieren und anschließend nach den üblichen beziehungsweise offenen Ports einer Kamera suchen.
Ein Scan der 1000 gebräuchlichsten Ports kann beispielsweise so aussehen:
nmap -sT --top-ports 1000 --stats-every 10s 192.168.178.xxx
Interessant ist insbesondere ein offener TCP-Port 554, denn dieser wird sehr häufig für RTSP verwendet.
Allerdings verrät ein offener RTSP-Port noch nicht automatisch den korrekten Stream-Pfad. Der unterscheidet sich je nach Hersteller und Kameramodell.
Hier war bei meinen Versuchen einiges an Detektivarbeit erforderlich.
Die Mehrfachansicht funktioniert tatsächlich
Eine meiner wichtigsten Fragen war von Anfang an, ob UGREEN Überwachung überhaupt mehrere Kameras gleichzeitig anzeigen kann.
Das kann die Anwendung.
Mehrere eingebundene Kameras lassen sich in einer Mehrfachansicht gleichzeitig darstellen. Damit kommt UGOS meinem bisherigen FOSCAM-NVR wesentlich näher, als ich zunächst erwartet hatte.
Für mich ist diese Funktion besonders wichtig. Ich möchte Überwachungskameras nicht nur dann sehen, wenn eine App mir eine Push-Meldung schickt. Bei mir läuft ein Monitor, auf dem ich mehrere Kamerabilder gleichzeitig im Blick haben möchte.
Genau dafür ist eine Mehrfachansicht unverzichtbar.
Ersetzt das UGREEN-NAS jetzt meinen FOSCAM-NVR?
Im Augenblick: nein.
Das muss es aber auch gar nicht.
Mein FOSCAM-NVR hat sich über Jahre als ausgesprochen stabiles System erwiesen. Verschiedene FOSCAM-Kameras funktionieren damit zuverlässig, und selbst einige Fremdkameras konnte ich im Laufe der Zeit integrieren.
Seine große Stärke ist für mich die permanente Mehrfachansicht auf einem eigenen Monitor.
Die Aufzeichnungsfunktionen des FOSCAM-NVR habe ich dagegen kaum genutzt, weil ich die entsprechenden Menüs nie besonders übersichtlich fand.
Hier eröffnet das UGREEN-NAS eine interessante Arbeitsteilung.
Der FOSCAM-NVR kann weiterhin meine robuste Live-Zentrale bleiben. Das UGREEN-NAS übernimmt parallel für ausgewählte Kameras die intelligente Ereignisauswertung und Aufzeichnung.
Das eine System muss das andere also nicht ersetzen.
Sie können sich vielmehr ergänzen.
Mein Zwischenfazit nach den ersten echten Praxistests
Ich bin von UGREEN Überwachung inzwischen deutlich positiver überrascht, als ich es zu Beginn der Einrichtung erwartet hatte.
Vor allem hatte ich nicht damit gerechnet, dass mein ziemlich bunt zusammengewürfelter Kamerabestand so gut funktionieren würde. Einige Kameras laufen über ONVIF, andere über direkt eingetragene RTSP-Streams. Trotzdem kann UGOS die Bilder gemeinsam darstellen und ausgewählte Streams lokal mit KI analysieren.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus meinen bisherigen Versuchen sind deshalb:
- Die Überwachungs-App allein reicht für die lokale KI nicht aus.
- Der UGREEN Model Manager muss zusätzlich installiert werden.
- Das passende KI-Modell muss heruntergeladen und aktiviert werden.
- Die allgemeine Erkennung kann Personen, Fahrzeuge und Haustiere unterscheiden.
- Die KI-Auswertung findet lokal auf dem NAS statt.
- Auch Kameras ohne eigene KI-Funktionen können davon profitieren.
- Beim DXP2800 GT sind gleichzeitig drei lokale KI-Aufgaben möglich.
- Eine allgemeine Erkennungsaufgabe kann mehrere Objektklassen gleichzeitig erkennen.
- Eine vierte KI-Kamera wird abgewiesen, sobald die drei Aufgaben belegt sind.
- Die Gesichtserkennung ist in meiner Region nicht verfügbar.
- Ereignisse werden übersichtlich nach Art und Uhrzeit protokolliert.
- Die ereignisbasierte Aufzeichnung funktioniert tatsächlich.
- Ein konfigurierbarer Aufnahmevorlauf scheint derzeit allerdings zu fehlen.
- Wenn ONVIF scheitert, kann die direkte Einbindung des RTSP-Streams trotzdem funktionieren.
- Mehrere Kameras lassen sich gleichzeitig in einer Mehrfachansicht darstellen.
Vor allem der letzte Punkt und die lokale Ereigniserkennung machen die Anwendung für mich wesentlich interessanter, als ich zunächst angenommen hatte.
Aus einem NAS wird dadurch natürlich noch kein professionelles Hochsicherheits-NVR. Aber für ein kleines privates oder betriebliches Kamerasystem bietet UGREEN hier inzwischen erstaunlich viel.
Und das Schönste daran: Man muss keineswegs sämtliche vorhandenen Kameras wegwerfen und durch neue Modelle eines einzigen Herstellers ersetzen. Zumindest meine bisherigen Versuche zeigen, dass man mit ONVIF, RTSP und etwas Geduld auch einen historisch gewachsenen Kamerazoo erstaunlich gut unter ein gemeinsames Dach bekommen kann.
Ich werde die Überwachungsfunktion deshalb weiter im Alltag laufen lassen. Erst der längere Betrieb wird zeigen, wie zuverlässig die Ereigniserkennung arbeitet, wie viele Fehlalarme entstehen, wie sinnvoll die automatische Speicherverwaltung funktioniert und ob sich die Lösung dauerhaft neben meinem bisherigen FOSCAM-NVR bewährt.
Nach den ersten Stunden echter Praxiserfahrung lautet mein Zwischenfazit aber bereits: Das sieht erheblich besser aus, als ich erwartet hatte.
Bildquellen:
- Bildschirmfoto-2026-08-13-um-08.41.27_800x500: Peter Wilhelm

















