Spitze Feder

Ziemlich söderbar

Söder

Es gibt viele Menschen, die sonderbar sind, auch und gerade in der Politik. In diesem Artikel geht es gleich um mehrere sonderbare Menschen. Ich sage nur: Philipp Amthor, den ältesten 26-jährigen der Welt. Es gibt aber noch mehr sonderbare Gestalten:

Als bei der konstituierenden Sitzung nach der Bundestagwahl 2021, ein unbändiger Streit darüber entbrannte, wer der rechtmäßige Alterspräsident sei, und als sich das Plenum mehrheitlich für Wolfgang Schäuble entschied, um den widerwärtigen Alt-Nazi unter den Neo-Nazis der AfD, Alexander Gauland, auf die Plätze zu verweisen, hüllte sich der CDU-Shootingstar und angehende Staatsrechtler, Philipp Amthor, in sonderbares Schweigen.

War er doch laut Oliver Welteke, bereits 2019 der nachweislich älteste 26-Jährige der Welt und damals schon ein intellektuelles Bollwerk gegen die Zerstörung der CDU durch einen unflätigen YouTuber mit blau gefärbter Tolle namens Rezo. Ergo hätte weder Wolfgang Schäuble, noch Alexander Gauland, sondern alleine dem greisen Philipp Amthor, die Ehre zugestanden, als Alterspräsident besagte konstituierende Sitzung des 20. deutschen Bundestags zu leiten. Aber wie ich ja bereits erwähnte, gibt es viele Menschen, die sonderbar sind.

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Allerdings gibt es nur einen Einzigen, der söderbar ist: Markus Söder! Sein zuweilen bizarres Auftreten und seine völlige Charakterlosigkeit, haben die Duden-Redaktion bewogen, in Anlehnung an „sonderbar“, ein neues Adjektiv namens „söderbar“, nebst sämtlicher Komparative, offiziell in den deutschen Wortschatz aufzunehmen. Wobei man seitens der Cornelsen Verlags GmbH zu Berlin einräumt, es sei höchst unwahrscheinlich, dass die beiden Gradationen „söderbarer“, oder „am söderbarsten“, jemals Anwendungen finden werden.

Am 16. März 2018 entriss Markus Söder dem Ingolstädter Womanizer und durchweg kompetenzfreien Multifunktions-Bundesminister Horst Seehofer, in einem politischen Husarenstreich das Amt des Ministerpräsidenten im römisch-katholischen Freistaat Bayern. So manchen CSU-Granden erinnerte diese barocke Szene an die Ermordung Gaius Julius Cäsars durch Marcus Iunius Brutus Caepio. Dass der römische Senat nur eine dekadente, raffgierige Upperclass repräsentierte und mit einem demokratischen Parlament nichts gemein hatte, focht den Bajuwaren nicht an.

Ähnlich, wie den Bajuwaren auch Bundesgesetze noch nie wirklich anfochten. Dazu, später mehr. Als Markus Söder am besagten 16. März 2018 das royale ehrenvolle Amt des Ministerpräsidenten in Bayern in besagtem Husarenstreich übernahm und mit Stolz und Genugtuung an sich herabblickte, stellte er erschrocken fest, dass die königlichen Schuhe, in denen er von nun an zu stehen hatte, einige Nummern zu groß waren. Deshalb hatte er vermutlich auch ganz, ganz übel Kreuz, wie ich in einem früheren Essay auf dem Dreibeinblog ja bereits konstatiert habe.

https://dreibeinblog.de/markus-hat-kreuz/

Dass er bei seinem römisch-katholischen Kreuzzug in den bajuwarischen Amtsstuben damals schon eine gewissen Affinität zur Todesstrafe im Allgemeinen hatte, und zur römischen Variante im Besonderen, dass er also von einem Dämon beherrscht wurde, der sein politisches Œuvre bis heute dominiert…dazu später ebenfalls mehr.

Die Bürgerinnen und Bürger in Bayern, die man zwischen Fladungen und Sonthofen, und zwischen Freyung und Großwelzheim, gemeinhin und traditionell genderfrei, Untertanen nennt, verbinden mit ihren Ministerpräsidenten bis in alle Ewigkeit die Lichtgestalt des seligen Franz-Josef Strauß. Und dessen Ansehen ist selbst für einen bizarren und charakterlosen Hasardeur, wie Markus Söder, eine schier unerreichbare Trutzburg in Sachen Vetternwirtschaft, Korruption und Selbstbereicherung. Deshalb sind die schrägen Ausbrüche, mit denen er hechelnd versucht, seinem übergroßen Idol nachzueifern, respektive ihn gar zu übertreffen, eben auch nur schräge Ausbrüche ohne Substanz, die seine bayrischen Untertanen wenig beeindrucken und die, von einem bayrischen Ministerpräsidenten bei der Landtagswahl traditionell erwarteten 50% + X, für den Söder Markus in unerreichbare Ferne rücken lassen.

Und überhaupt: Die CSU! Welch ein Niedergang muss die Partei heuer erleiden, weil es an kernigen Mannsbildern, wie Franz-Josef Strauß, so schmerzlich fehlt. Während FJS, wie er von seinen Groupies noch heute liebevoll genannt wird, als Bundesminister der Verteidigung, einen immens lukrativen Deal über Ersatzteile für F-104-Starfighter-Kampfjets mit dem US-Hersteller Lockheed einfädelte und in der Folge zig Millionen ins eigene Portemonnaie scheffelte, versuchte 35 Jahre nach dessen schmerzlichem Dahinscheiden, ein peinlich unbegabtes, grässliches CSU-Nachwuchs-Weib, namens Andrea Tandler, in seine übergroßen Fußstapfen zu treten und ebenfalls Kasse zu machen. Allerdings nicht mit maskulinem Kriegsgerät aus kaltem Stahl, sondern mit peinlichen FFP2-Masken aus watteweicher Baumwolle. Welch ein unfassbarer Niedergang!!! Auf ein solch bodenloses Niveau hätte sich ein stattliches Mannsbild, wie eben Franz-Josef Strauß, niemals nie sinken lassen. Watteweicher FFP2-Masken? Mann, oh Mann, oh Mann!

Deshalb musste der Söder Markus auch mit einem ordentlichen Pauken-Wumms reagieren, um seine christsoziale Deutungshoheit in Bayern, als alerter Silberrücken…oder so in der Art. In größter Not, erinnerte er sich an Diktatoren, mit denen es Franz-Josef Strauß ja immer bestens konnte. Nachdem dessen Freunde von der CIA, am 11. September 1973, den sozialistischen Präsidenten von Chile, Salvador Allende, weggeputscht und den Diktator Augusto Pinochet an die Macht gehievt hatten, war FJS einer der Ersten, der dem Schlächter von Santiago gratulierte. Ob Franz-Josef Strauß im Gegenzug von den astronomischen Gewinnen der umgehend privatisierten chilenischen Kupfervorkommen auch zig Millionen ins eigene Portemonnaie scheffelte, ist nicht überliefert.

Aber das ficht Markus Söder nicht an. Deshalb ist er, ganz im Geiste seines großen Übervaters, vor kurzem auch mal zu einem echten Diktator gereist, um Bella Figura zu machen und die globale Bedeutung des Freistaates Bayern, die von Laptops und Lederhosen…Stop! Das sagte ja nicht Franz-Josef Strauß, sondern ein gebürtiger Niederbayer namens Hubert Aiwanger…Sorry, ich meinte natürlich einen gebürtigen Niederbayern namens Roman Herzog. Himmeldonnerwetter! Wo war ich doch gleich nochmal stehen- und hängengeblieben?

Richtig: Um Bella Figura zu machen und die globale Bedeutung von Bayern ins rechte Licht zu rücken, ist Markus Söder auch mal zu einem echten Diktator gereist: Ins Reich der Mitte, zu Xi Jinping. Dort hat er, bajuwarisch telegen, das komplette Programm eines Staatsbesuches abgespult: Pandabären knutschen, wenn auch nur welche aus Plüsch, tapfer lächelnd, grausames chinesisches Weißbier trinken, grausamen chinesischen Schweinsbraten und grausame chinesische Semmelknödel und andere kulinarische, chinesische Grausamkeiten in sich hineinstopfen, etwas ungelenk auf der Großen Mauer herumkraxeln, und, und, und. Lauter Dinge, die seine Untertanen, mit stolz geschwellter Brust vor der heimischen Glotze sitzend, ergriffen zu Tränen rührten.

Der Xi Jinping ist halt noch ein Mann mit Format, dachte sich der Söder Markus in auffälligem Donald-Trump-Duktus. Bei dem könnte er sich eine Scheibe abschneiden, um endlich aus dem übergroßen Schatten seines übergroßen Übervaters herauszutreten. Wenn in China einer rumnölt…ratz, fatz, ist er Organspender. Bei dem Gedanken fielen dem Söder Markus sogleich einige Leute ein, die er ebenfalls zu gerne…ach wie wäre das doch…Aber dann wurde ihm wieder bewusst, dass laut Art. 102, GG, die Todesstrafe in Deutschland ja dummerweise abgeschafft ist, und dass das Grundgesetz sogar in Bayern gilt. Selbst für einen niederbayrischen Haderlumpen wie den Aiwanger Hubert, den der Söder Markus angewidert in sein Kabinett aufnehmen musste, weil die traditionellen 50% + X ja in unerreichbarer Ferne…

Wie gerne hätte er auch diese elenden, linksradikalen Kiffer, die seit dem 1. April 2024, breit grinsend ihre Tüten in aller Öffentlichkeit quarzen dürfen…Wie gerne hätte er sie auf bayrischen Marktplätzen bei kühlem Weißbier, Enzian, würzigem Leberkäse und zünftiger Blasmusik, geköpft, erhängt, gepfählt, erschossen, gerädert, gevierteilt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und, und, und. Um so seinen Untertanen endlich zu zeigen, dass nur er, Markus Söder, der einzig legitime Erbe des heiligen Franz-Josef Strauß ist. Geht ja aber leider nicht!

Und deshalb hat er nun, schäumend vor Wut, eine rein bayrische Verordnung extra für Kiffen in unmittelbarer Nähe von Kindern und Jugendlichen erhängt…Sorry, ich wollte natürlich sagen, verhängt: Eine Strafe von satten 1.000 €, also dem Gegenwert von rund 60 Maß Hacker-Pschorr Weißbier auf der Wiesn. Damit seinem Schäumen vor Wut sichtbar Rechnung getragen wird! Kein elender Kiffer soll in Bayern seines Lebens mehr sicher sein.

Ein renommierter Strafverteidiger aus München (!), der sich grundsätzlich natürlich ebenfalls für einen sinnvollen Jugendschutz beim Thema Bubatz ausspricht, hat auf YouTube ein gedankliches Szenario präsentiert, um zu veranschaulichen, wie söderbar diese rein bayrische Verordnung ist:

In einem fiktiven Park, irgendwo in München, sitzen vier Menschen. Drei von ihnen sind 18 Jahre alt, einer jedoch erst 17. Die drei 18-Jährigen quarzen nun eine Tüte, allerdings ohne den 17-Jährigen daran ziehen zu lassen. Werden sie dabei erwischt, sind satte 3.000 € Strafe fällig, also 1.000 € für jeden der 18-Jährigen, weil sie in unmittelbarer Nähe von Kindern und Jugendlichen…bla, bla, Rhabarber. Söderbar?

Moment …es geht ja noch weiter! In dem fiktiven Park, nur ein paar Schritte weiter, sitzen ebenfalls vier Menschen, drei von ihnen sind 18 Jahre alt, einer wiederum erst 17. Die drei 18-Jährigen lassen nun Enzian-Flaschen kreisen, und alle vier saufen sich ins Koma, so dass am Ende gleich vier Rettungswagen kommen müssen, um sie in die Notaufnahme des Klinikums rechts der Isar zu bringen.

Meldet die Leitstelle die Malaise der vier Komasäufer nun der Polizei, winkt diese schulterzuckend ab, denn es sind Null € Strafe fällig. Selbst, wenn sich alle vier vorher, quasi als hors-d’œuvre, eine Crack-Pfeife gönnen und sich zwischendurch auch noch einen Schuss setzen. Das darf man nämlich auch in unmittelbarer Nähe von Kindern und Jugendlichen.

Ziemlich söderbar vom Söder Markus, zu meinen, damit den Franz-Josef Strauß posthum toppen zu können, oder?

Bildquellen:
  • soeder: Peter Wilhelm ki


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Spitze Feder – Spitze Zunge

Diese Kolumne schreibt vorwiegend Peter Grohmüller seine Gedanken zur Welt und dem Geschehen unserer Zeit auf.
Seine fein geschliffenen „Ergüsse“ – wie er selbst sie nennt – erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hin und wieder erscheinen in dieser Kolumne auch Beiträge anderer Autoren, die dann jeweils entsprechend genannt werden.

Die Texte sind Satire, Kommentare und Kolumnen. Es handelt sich um persönliche, freie Meinungsäußerung.

Für die Texte ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Lesezeit ca.: 11 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 18. April 2024 | Peter Grohmüller 18. April 2024

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