Start Geschichten Susi, oh Susi
  • Susi, oh Susi

    Ich nenne sie Susi, die Stimme in meinem Navigationsapparat. „In 200 Metern, links abbiegen!“
    Susi hat mich bis jetzt noch jedes Mal zuverlässig ans Ziel geführt und ich bin sehr zufrieden mit diesem Satellitendödel, der da seit sechs Monaten an meiner Windschutzscheibe klebt und mich durch den Verkehr lotst.

    „So ein Scheiß“, findet die Allerliebste und nörgelt sofort drauflos, sobald Susi mir ein Richtungskommando gibt. „Kein Mensch braucht so einen Mist!“

    Sie will lieber selbst erzählen und fühlt sich durch Susis Stimme unterbrochen, in ihrem Redefluß gehemmt und aus dem Konzept gebracht. „Mensch, mach doch mal das Ding da aus!“
    So geht das die ganze Zeit und mittlerweile ist es so, daß die Allerliebste direkt nach dem Einsteigen den Stecker von Navi einfach rauszieht. Ich habe mich daran gewöhnt, sowohl an Susis Hilfe, als auch an die Tatsache, daß ich im Beisein meiner Frau auf Susi verzichten muß.

    So ist es kein Wunder, daß wir neulich in einem Stadtteil am anderen Ende der Stadt auf das Heftigste in die Irre fuhren und verzweifelt die Mackenfrei-Straße suchten. Okay, ich suche ja nicht, ich bin ein Mann und Männer suchen nicht, sie finden!
    Das kann manchmal etwas dauern und man muß ab und zu auch schon mal 23 Straßen absuchen, bis man die richtige Ecke findet, aber man(n) kommt zum Ziel.
    Frauen? Frauen wollen immer fragen! Sie wollen immer daß man anhält, drehen dann die Scheibe runter und fragen irgendwelche Passanten, mit Vorliebe die Dümmsten. „Mackenfreistraße“, kräht die Allerliebste einem alten Mann zu, der mit einem Arm tief in einem Mülleimer an einer Bushaltestelle steckt und offenbar auf der Suche nach Pfandflaschen ist. Der freut sich, kommt zu unserem Auto, lehnt sich mit dem ganzen Oberkörper durch das geöffnete Fenster, wedelt mir mit den stinkenden Mülleimerarm vor der Nase herum und sagt: „Habt’er mal ’n Euro?“

    Ich grunze nur kurz und wer dieses Grunzen jemals gehört hat, der weiß warum der Alte nahezu in Schallgeschwindigkeit das Weite gesucht hat. Die Allerliebste schaue ich an und sage: „So, jetzt suche ich die Straße und wir fragen keinen mehr!“
    „Doch“, widerspricht sie, deutet auf einen jungen Mann 200 Meter weiter und wir fragen also dort nochmals. Das heißt, ich schaue stur in die andere Richtung, ich würde die Mackenfrei-Straße ja finden, sie fragt. Der junge Mann versteht kein Wort, freut sich aber, daß Einwohner seines Gastlandes Kontakt zu ihm aufnehmen. Er möchte uns Ledergürtel und Perlenarmbänder verkaufen: „Nur 5 E-Uhro!“


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    „Ich habe jetzt die Schnauze voll! Wir fahren jetzt und suchen die Mackenfrei-Straße“, sage ich und fahre los. Wir sind kaum 500 Meter gefahren, da schreit mir meine Frau ins Ohr: „Stop!“
    Habe ich einen Rentner überfahren?
    Nein, sie hat nur am Straßenrand wieder jemanden entdeckt, den sie fragen will, dieses Mal ist es eine alte Frau. Die Allerliebste kurbelt wieder das Fenster runter, ruft: „T’schuldigen Sie, wo issen die Mackenfrei-Straße?“
    Die Alte kommt näher, schwingt ihren Schirm, schlägt damit aufs Autodach und zetert: „Schweine, ihr dreckigen Schweine, ich mach mich doch nicht frei auf der Straße, ihr Ferkel!“

    Ich gebe Gas, ich hätte ja die Mackenfrei-Straße längst gefunden, müßte ich nicht ständig anhalten, weil die Allerliebste jemanden fragen will. Frauen müssen immer nach dem Weg fragen!

    Nachtrag: Am Ende haben wir die Mackenfrei-Straße doch noch gefunden. Ein freundlicher junger Mann mit einer Ratte auf der Schulter kannte den Weg. Ich habe ihn selbst gefragt.


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