Start Geschichten Auf der Suche nach Herrn Grünemühl II
  • Auf der Suche nach Herrn Grünemühl II

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    Die Suche nach dem geheimnisvollen Herrn Grünemühl gestaltet sich schwieriger als gedacht.
    Dummerweise hatte sich die Paketzustellung an den ominösen Herrn Grünemühl an einem Freitag zugetragen.
    Weder am Freitag, noch am Samstag konnten wir diesen Mann ausfindig machen und auch der Paketzusteller wurde in unserem Viertel nicht gesehen.

    Montagmorgen gehe ich also in die Klamotten-Reinigungsannahme-Postfiliale und die Dame hinterm Schalter guckt mich verständnislos an.
    „Grünemühl? Ein Herr Grünemühl arbeitet bei uns nicht!“

    „Nein, nein, Sie haben mich falsch verstanden. Vielleicht habe ich aber auch die Frequenz meiner Wortbildung etwas zu hoch gewählt. Ich sage es gerne noch einmal: Der Paketzusteller, dessen Name ich nicht weiß, hat ein Paket für mich dabei gehabt. Das hat er bei einem Herrn Grünemühl abgegeben. Aber ich weiß nicht, wer Herr Grünemühl ist und wo der wohnt.“

    „Ei, warum schwätze Sie dann so langsam?“

    „Um Ihnen eine Erleichterung bei der Aufnahme meiner Worte zu bieten.“

    „Was? Also, isch sags Ihne nochmal: Isch kenn kään Grünemühl und der schafft auch bei uns nicht. Wann Sie ein Paket aufgebe wolle, müsse Sie mir des do auf die Waage lege.“

    Ich merke, die Frau will sich meiner Problematik nicht annehmen, oder sie kann es nicht.
    Der Zusteller, das sagt sie mir noch beim Rausgehen, der habe aber jetzt erstmal drei Tage frei. Genauer gesagt meinte sie: „Der Türk kommt erscht am Dunnerschdag widda.“

    Also gut, es vergeht auch der Montag ergebnislos. Am Dienstag klingelt der Vertreter unseres Zustellers und bringt was von Amazon.
    Er kann kein einziges Wort Deutsch, nickt nur immer lächelnd und sagt auf jede meiner Fragen immer nur: „Kollege Donnerstag!“

    Wir haben also immer noch nicht den blassesten Schimmer, wo den mein Paket geblieben sein könnte.

    Auch weitere intensive Nachforschungen in der Nachbarschaft blieben ergebnislos, niemand kennt hier diese Familie Grünemühl.
    Eine Nachbarin meint, versonnen in die Ferne sinnend, es hätte mal so um 1939 eine Familie Grünspan gegeben. Jakob oder Isaak, ob ich die wohl meinen könnte…

    Nein, die meine ich nicht. Es ist aber auch völlig unverständlich, daß der Paketbote das Päckchen nicht direkt bei den unmittelbaren Nachbarn abgibt.
    Mittlerweile kenne ich alle meine unmittelbaren und mittelbaren Nachbarn, schon allein durch die Suche nach den Grünemühls.
    Warum gibt er mein Paket bei irgendeiner ominösen Familie ab, die offenbar in völliger Anonymität ohne Namensschild an der Tür, ohne Telefonanschluß und gänzlich unbemerkt von der übrigen Nachbarschaft irgendwo hier lebt.
    Und warum schreibt er mit auf die blaue Karte nicht deren Adresse auf?

    Inzwischen ist es Donnerstag. Ich nehme mir vor, den heutigen Vormittag vor dem Haus zubringen, um den schuldigen Paketboten abzupassen und dann zur Rede zu stellen.
    Dem Türk‘ werde ich mal ordentlich die Meinung sagen.
    Und wie ich da so vor der Haustüre stehe und über den türkischen Zusteller nachdenke, da fällt mein Blick nach rechts…

    tonne.jpg

    Grünemühl?

    Grüne Mühl?

    Grüne Müll!

    Soll das wirklich wahr sein?

    Ich öffne den Deckel unserer grünen Mülltonne…
    Und siehe da: Dort liegt brav und friedlich mein Paket!

    Es gibt überhaupt keinen Herrn Grünemühl!
    Der Paketbote hatte das Päckchen freundlicherweise in die trockene und nur für Verpackungsmaterial gedachte grüne Mülltonne gelegt.
    Damit wir es nicht versehentlich mit entsorgen, hat er uns die blaue Karte dagelassen.

    Klar, für ihn ist Grünemühl eben der absolut schlüssige Hinweis auf den grünen Müll…

    Dummdidelumm dummdammdüdelü.

    © 2008


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