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Gedanken über den Krieg

Gedanken über den Krieg

Es ist geschafft! „Endlich“, möchte man sagen und erst einmal tief durchatmen. Es kann also losgehen. Nach zermürbenden, was rede ich, nach verschwendeten Jahrzehnten des Darbens in Belanglosigkeiten, in denen unsere Soldaten, will meinen: unsere Bürger in Uniform zum Brunnenbohren In Mali, zum Tapezieren von Mädchenschulen in Afghanistan und weiterem Tinnef geradezu erniedrigt wurden, kann unserer Armee endlich aufatmen, sich wieder ihrer originären Bestimmung widmen: dem staatlich sanktionierten Töten.

OK, der Bundestagsbeschluss steht zwar formaljuristisch auf extrem tönernen Füßen, was jedoch weder die grünen Christen noch die sozialen Demokraten sonderlich juckt, und wenn demnächst die ersten Bomben aus deutschen Jets ihren Job verrichten, kräht ohnehin kein Hahn mehr nach Gesetzen. Die nur mäßig kaschierte Euphorie erinnert an die Vorläufer des Graffitis, als man anno 1914 auf deutschen Zügen lesen konnte: „ab nach Verdun, mir juckt die Säbelspitze“. Dazu schon mal der vorauseilende Segen unseres evangelischen Militärpfarrers aus dem Schloss Bellevue, alles passt.

Gedanken über den KriegGedanken über den Krieg

Es wurde aber auch allmählich Zeit, Donnerwetter nochmal! Man stelle sich einen rumänischen Akkordausbeiner für satte 2,00 € Stundenlohn vor, wie er im Schlachthof Geld scheffelt, und dann wird der Mann urplötzlich zum Möhrenputzen für Einsfuffzich an Bonduelle abgestellt. Das verkraftet der doch nicht; da stellt sich für den armen Teufel doch die Sinnfrage; und genau so muss man sich den Gefreiten Kevin vorstellen, der mit Schuhcreme in der Fresse über den Truppenübungsplatz in Meck-Pomm robbt, mit der neuerdings weltbesten Wumme Typ G36 durch die Gegend ballert, die Fackel schwingend martialische Lieder anstimmt und dann den Befehl erhält, in Lesotho einen Kreisverkehr zu bewachen. Geht nicht!

Und deshalb musste endlich mal wieder ein richtiger Krieg her.

Und deshalb musste endlich mal wieder ein richtiger Krieg her. Was der Grüne Ober-Realo und ehemalige Außenminister Josef Martin Fischer im Kosovo en passant fertig brachte, nämlich einen Angriffskrieg vom Zaun zu brechen – zwar ohne UN-Mandat, aber immerhin mit einer abstrusen Hufeisen Theorie aus dem Hause des heutigen Extrem-Radfahrers Rudi Scharping und einem niederträchtigen Holocaust-Vergleich – dient heute als Blaupause für den nun anstehenden nächsten Bruch des Völkerrechts.

Diesmal müssen unsere tapferen Drillich-Recken die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland allerdings in Syrien und/oder dem Irak verteidigen. Womit die Leitmedien hierzulande mal wieder den undankbaren Job übernehmen müssen, eine weitere geographische Absurdität schön zu schreiben.

Gerhard Schröder musste in einer geistigen Dünnpfiff-Melange aus Populismus und nostalgischer Rücksichtnahme auf die letzten sozialen Demokraten in der SPD ja bekanntlich passen, und konnte somit dem Kriegsverbrecher George Walker Bush bei seinem Massenmord im Irak leider nicht zur Hand gehen. Ja, ja, ist ja schon gut, seine „Verweigerung“, der Coalition Of The Willing beizustehen, kann man ihm zugute halten, wenn man seine pazifistische Großtat komplett naiv aus dem Kontext reißt und nonchalant darüber hinwegsieht, dass deutsche BND-Späher die lohnendsten Ziele in Bagdad für die Cruise Missiles in Vorfeld des US-Überfalls schon mal markierten.

Aber was hat das alles damit zu tun, dass die Völkergemeinschaft – OK, ein kleiner Teil davon, aber immerhin sind es diesmal an erster Stelle nicht die Amerikaner, die zu den Waffen greifen und eine Schar grenzdebiler Lakaien, die den GIs kritiklos hinterherlatschen – dass also die Völkergemeinschaft so geil drauf ist, den IS mit einem Flächenbombardement zu beglücken, ganze Heerscharen von Märtyrern zu produzieren, die dann wiederum post mortem für reichlich Nachschub an suizidal affinen Vollidioten sorgen? Keine Frage, der IS ist die Ausgeburt an religiös verbrämter Idiotie, grausam und menschenverachtend. Böse Zungen behaupten sogar, er kopiere lediglich die beste Vorlage zum organisierten Massenmord, die das Geschichtsbuch hergibt: die Kreuzzüge der Römisch Katholischen Kirche. Aber das ist eine andere Baustelle.

Keine Frage, der IS ist die Ausgeburt an religiös verbrämter Idiotie, grausam und menschenverachtend

Seit Jahrzehnten – um es etwas genauer zu datieren – seit dem Ende des zweiten Weltkrieges, dackelt die „zivilisierte“, „aufgeklärte“ westliche Welt kritik- bis hirnlos den USA hinterher und kopiert den American Way of Life. Man kann über die Sinnhaftigkeit von Wrigleys geteilter Meinung sein, und ich trage selbst am liebsten Jeans. Aber die Vehemenz, mit der bundesdeutsche Regierungen über Jahrzehnte vor dem Weißen Haus Männchen machen und das Stöckchen apportieren, ist charakterlos.

Zumal die Außenpolitik sämtlicher US-Administrationen nüchtern betrachtet nur dem einen Ziel diente und noch immer dient, die globale Vorherrschaft und somit ungehinderten Zugriff auf sämtliche Recourcen dieses Planeten zu erreichen und zu sichern. Und da sich dieses große Ziel nicht immer mit völkerrechtskonformen Mitteln realisieren lässt, scheren sich die jeweils regierenden Präsidenten einen Dreck darum. Die USA haben zu diesem unappetitlichen Zweck sogar eine eigene Abteilung mit immensem Budget innerhalb der CIA, die immer wieder lokale Scharmützel initiiert und am am Köcheln hält. Früher in Vietnam oder Lateinamerika – heute eben in Libyen, Ägypten, der Ukraine, kurzum: wo immer es eben etwas zu holen gibt, brechen über kurz oder lang Unruhen aus. Die „Unruhestifter“ werden dann, je nach Bedarf mal als Freiheitskämpfer oder als Terroristen bezeichnet. OK, das sind jetzt alles Weisheiten, die auch von einem emsigen Binsenflechter stammen könnten.

Meine persönliche Frage ist die: warum um alles in der Welt, macht die deutsche Bundesregierung, mach das deutsche Volk dies alles mit? Wegen jedem mistigen Scheiß werden Bürgerinitiativen gegründet, wegen jedem Furz von Dieter Bohlen ereifert sich die Nation in einem endlosen Shitstorm. Siebzig Jahre nachdem von deutschem Boden aus die Welt angezündet wurde, nach vierzig Millionen Toten sind wir wieder dabei, in den Krieg zu ziehen, und man hat den Eindruck, als sei dies das Normalste auf der Welt.

Ich würde mir wünschen, dass meine Landsleute endlich mal anfangen zu denken und zu rechnen, statt wie Lemminge den Marionetten der Global Players zu Berlin an den Lippen zu hängen und jeden Müll schulterzuckend abnicken. Dass sie sich an die einfachsten Grundrechenarten erinnern und feststellen: wenn wir mit unseren 80 Millionen Einwohnern in Deutschland 2 Millionen Flüchtlinge versorgen müssen, heißt dies, dass sich 40 Bundesbürger um einen einzigen zu kümmern hätten. Und das soll nicht funktionieren, deshalb das ganze rassistische Tohuwabohu?

Und dann würde ich mir noch wünschen, dass sich die 80 Millionen Gedanken über den Krieg machen, statt gedankenlos die widerlichen Propaganda der rechten Hetzer oder das leere Geschwätz Bundesregierung nachzuplappern. Vielleicht kennt Ihr da draußen ja noch jemanden, oder habt noch einen Verwandten der dabei war – in Leningrad, Warschau, Mannheim, Hamburg, Köln, Dresden oder anderswo. Der den Krieg miterlebt hat und von dem Grausamsten was Menschen anderen Menschen antun können, berichten kann. Hört ihnen gut zu!

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Peter Grohmüller

Peter Grohmüller

Hallo, ich bin Peter Grohmüller und leide nicht an dieser Welt, aber mir fällt ihr Leiden auf.

„This world is sick and we are the doctors.“

Wenn es eine Wunde gibt, dann muß man sie entweder heilen oder Salz hineinstreuen. Wir, das sind die Kritischen, die Hinterfragenden und die Lallbackenentlarver. – So einer bin ich.

Alle namentlich gekennzeichneten Beiträge geben allein die Meinung des Autors wieder.


peter wilhelm autorenlesung
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