Mutti allmächtig

mutti

Das Wort „Leak“ kommt aus dem Angelsächsischen und bedeutet Leck. Also nicht im imperativen Sinne Richtung Götz von Berlichingen oder Dauerlutscher, sondern im Sinne von undichten Stellen. Solche Leaks sind in der Regel negativ behaftet, zumindest fallen sie denjenigen, die davon betroffen sind, eher unangenehm auf – z. B. den Seeleuten in einem U-Boot.

Nun gibt es neben den physischen Leaks auch solche, die uns in Zeiten manischer Transparenz und krankhafter Aufklärungswut mit Informationen bedienen, die eigentlich nicht für uns, sprich für die Öffentlichkeit, bestimmt sind. Und diese Informationen, seien auch noch so banal oder peinlich, dienen vortrefflich dazu, des Volkes Neugierde emsig am Köcheln zu halten.

Der folgende Abschnitt ist all jenen gewidmet, die mich als Anhänger verschiedener Verschwörungstheorien entlarvt haben.

Das geht soweit, dass eine Sau nach der anderen durchs Nachrichten-Dorf getrieben wird und der Leser/Hörer/Zuschauer mit dem Zählen nicht mehr nachkommt. Hinter dieser medialen Reizüberflutung nun Methode zu vermuten, ist natürlich völlig aus der Luft gegriffen. So etwas würden die ja – niemals tun, die doch nicht!

Tatsache ist allerdings, dass man in der rasenden Abfolge von Skandalen früher oder später den Überblick verliert. Dass man zwangsläufig zu der Einsicht gelangt, eh nichts ändern zu können, und dass einem die ganze Litanei an Impertinenz irgendwann zunächst aus den Ohren herauskommt und dann meilenweit am Arsch vorbei geht.

Julian Assange?
Stimmt, da war doch mal was. Das war doch der, der in Schweden mit den Frauen…, aber irgendwie mit Gewalt…, oder?
Habe ich damals in Malle bei RTL gesehen.

Edward Snowden?
War das nicht der mit Muttis Handy?

Guttenberg, von der Leyen, Schavan – Leaks ohne Ende.


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Und heute? Panama-Papers, und ganz frisch: Dieselgate.

Jau, da hat Mutti aber sowas von auf den Tisch gehauen!

Beim Böhmermann hat sie ja von ihrem Ermächtigungs-Dingsbums Gebrauch gemacht, also die Staatsanwaltschaft im Auftrag eines durchgeknallten Diktators zum Jagen genötigt, damit dieser uns im Gegenzug die ganzen Neger vom Hals hält. Hab ich zumindest so verstanden. War allerdings ein ziemlicher Shitstorm, der deshalb hernach durch die Medien donnerte. Aber Mutti hat ja dazugelernt.

Bei der millionenfachen Manipulation von Diesel-PKW-Motoren zum Aufhübschen der Abgaswerte (quer durch alle Hersteller, wie man mittlerweile mit barschem Erstaunen feststellt) hätte Mutti natürlich auch zu der Keule der Ermächtigung greifen und die Bundesanwaltschaft wegen bandenmäßigen Betrugs gegen VW, Daimler, BMW, OPEL usw. ermitteln lassen können. Hat sie aber nicht!

In den USA, dem Mutterland aberwitziger Urteile, kursieren Summen in zweistelliger Milliardenhöhe, die man alleine Volkswagen gerne aus der prall gefüllten Schatulle schneiden würde.
Doch die Chefbetrüger aus Wolfsburg haben vorsorglich einen Deal mit den dortigen Behörden geschlossen, demzufolge jeder Dieselkäufer schon mal vorab 5.000 $ quasi als Entschädigung bekommt; seinen Golf, Passat, Amarok, Phaeton oder was auch immer kann er auch noch zurückgeben und erhält den Kaufpreis zurück – zusätzlich zu der Entschädigung!

Aber, wie schon gesagt, Mutti hat ja dazugelernt. Und deshalb landen die Betrüger hierzulande weder auf der Anklagebank, noch im Knast, sondern streichen mal eben 4.000 € ein, aus unseren Portemonnaies, will sagen: Subventionen – pro Fahrzeug mit E-Antrieb ein, wenn die Hersteller dafür Kunden finden. OK, es gibt zwar hierzulande noch nichts, was in Reichweite und Bezahlbarkeit passen könnte. Aber das wird schon irgendwann.

Mutti passt da auf.


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