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Spitze Feder

Der Super-Bond

Playmobilfiguren und ein Playmobil-Auto James Bond

Künstliche Intelligenz ist ja mittlerweile in aller Munde… und leider auch in aller Finger. Allmählich wird es höchste Eisenbahn, dass deren Userinnen und User ihre natürliche Intelligenz…

…soweit vorhanden, dahingehend überprüfen, ob sie überhaupt den nötigen Grips haben, um mit ChatGPT, Jasper Chat, DeepMind Sparrow, und, und, und, adäquat umzugehen und via Smartphone mal eben etwas Sinnvolles bei X zu posten.

Dummerweise habe ich vergessen, mir einen Artikel, den ich kürzlich entweder auf T-Online, oder in der Berliner Zeitung gelesen habe, zu speichern. Darin stand nämlich, dass irgendein CDU-Honk einen Text via ChatGPT generiert und diesen ungelesen bei X hochgeladen hatte. Dumm für den Honk, dass die KI darin einen Ausdruck aus dem NSDAP-Sprech verwurstelte. Darauf hingewiesen, hatte sich der Honk zwar entschuldigt und seinen Beitrag wieder gelöscht, aber draußen war die Blamage allemal.

Der KI-gestützten Bildgenerator „Gemini“ von Google hat, offensichtlich im Überschwang exzessiv antrainierter Diversität, asiatische Frauen und schwarze Männer in Wehrmachtsuniformen fabriziert. OK, der Tech-Gigant aus Mountain View in Kalifornien, hat daraufhin zwar sein Bedauern ausgedrückt, seiner spinnerten Software erst mal den Stecker gezogen und Gemini dahingehend eingeschränkt, dass die KI, bis auf Weiteres, keine Bilder mit Menschen mehr erstellen kann, aber draußen war die Blamage allemal.

Wenn man bei EDEKA an der Wursttheke feinen Geflügelaufschnitt Elsässer Art verkaufen möchte, muss man hierzu eine dreieinhalbjährige Ausbildung absolvieren und in einer Abschlussprüfung beweisen, ob man überhaupt den nötigen Grips hat, um mit den Produkten sachgerecht umgehen zu können. In Sachen KI kann jeder Schwachmat einfach so rumpupsen, wie er möchte. Hierzu reicht schon der minimale Grips, den man benötigt, um mit der gebotenen Diskretion seine Notdurft verrichten zu können.

Da bieten salbadernde Einwegpoeten, die geradeso einen unvernünftigen Satz zustande bringen, ihre Dienste als Low-Budget-Lohnschreiber an und graben echten Cracks das Wasser ab, die den Beruf von der Pike auf gelernt haben und über die notwendige Kreativität verfügen, in sich stimmige, ansprechend fließende Texte mit Niveau zu erschaffen.

Und jetzt der Super-GAU, obwohl alleine schon der Ausdruck ein Zeichen mangelnder Intelligenz ist. Denn zu einem GAU, einem „größten anzunehmenden Unfall“, kann es per se keinen Superlativ geben. Andere Baustelle? Schon klar. Obwohl…?

Anyway: Ein KI-Startup namens BS-Technology, Broccoli & Saltzman Inc., hat aufgrund des „höchst problematischen Charakters“ der Filmfigur des britischen Geheimagneten 007, nun die Reißleine gezogen und sämtliche Inhalte aller bisherigen 25 Filmen, einer sittlich-moralischen Transformation unterzogen. Dergestalt, dass eine KI mit einem vorprogrammierten Höchstmaß an Sensibilität, mutmaßlich anstößige Dialoge und Szenen darin ausmerzte und die Leerstellen mit Ausschnitten aus Naturdokus des National Geographic füllte.

„Wir mussten den Anforderungen der Zeit nun mal Rechnung tragen und die Figur des James Bond den veränderten Rahmenbedingungen anpassen“, zitiert das Branchenblatt Variety aus einem vertraulichen Gespräch mit dem BS-Technology-CEO. „Der durch und durch chauvinistische Charakter eines frauenverachtenden, dauerkopulierenden, trinkenden und tötenden Berserkers, den James Bond in 25 Filmen gab, hielt den Ansprüchen einer immer größer werdenden LGBTQ-Community innerhalb der Zielgruppe und der zeitgenössischen Political Correctness nicht mehr Stand. Der alte Bond konnte deshalb einfach nicht länger aufrechterhalten werden“.

„Deshalb haben wir einen pazifistischen, abstinenten, musischen Super-Bond kreiert, der sich vegan ernährt und sich nachhaltig kleidet, der nicht mehr fliegt und keine Supersportwagen mit schädlichen Verbrennungsmotoren mehr fährt, sondern sämtliche Strecken mit der Bahn, zu Fuß, oder mit dem E-Bike zurücklegt, und der Gewalt grundsätzlich ablehnt. Die nun überarbeitete Figur des britischen Geheimagenten, wird im 26. Bond-Film völlig neue Maßstäbe setzen und Ian Flemings Erbe nachhaltig für das 21. Jahrhundert ertüchtigen.“

Momentan stehe man im intensiven Gedankenaustausch mit den beiden Produzent*:Innen, Michael G. Wilson und seiner Halbschwester Barbara Broccoli, und man arbeite an den letzten Feinheiten sämtlicher Charaktere der beliebten Filmreihe. Das Casting für die neuen Darsteller*:Innen (m, w, d) befinde sich bereits im fortgeschrittenen Stadium. Wobei Gerüchte völlig aus der Luft gegriffen seien, man habe sich für die Hauptrolle bereits auf den österreichischen Travestiekünstler Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst festgelegt.

Soviel sei jedoch schon verraten: Die Figur von Bonds Vorgesetzter „M“ bleibt. Sie wird allerdings von einer lesbischen, korpulenten, weiblichen, schwarzen Frau dargestellt. Da das Geschlecht von „Q“ und dessen technische Erfindungen, innerhalb des Sujets keine Rolle mehr spielen, ist man bei der Besetzung nach allen Seiten offen. Möglicherweise wird „Q“ sogar komplett aus dem Plot gestrichen. Denn der Super-Bond, über dessen finales Geschlecht im BS-Kreativteam noch produktiver Dissens herrsche, wird zukünftig weder Waffen tragen, noch solche einsetzen.

Über Geschmack lässt sich ja trefflich streiten. Ich bin zwar ein großer Verehrer des Ausnahmemimen Sean Connery, aber, Beg your Pardon, Sir, Beg your Pardon, Sean-Connery-Fans: Für mich gab es bisher nur zwei Schauspieler, die sowohl die körperliche Präsenz, als auch die britisch distinguierte Noblesse des 007, mit unvergleichlicher Coolness darboten: Roger Moore und Pierce Brosnan.

Deshalb meine Prognose, als weißer, heterosexueller, männlicher Babyboomer: Ohne auch nur einen einzigen Wimpernschlag aus den KI-generierten Szenen des BS-Teams gesehen zu haben, kann ich, für mich, jetzt schon festhalten: Dat kann nix geben! Definitiv nicht.

Ich habe den saufenden, sich prügelnden, dauerkopulierenden und durch die Gegend ballernden Agenten ihrer Majestät derart verinnerlicht, dass ich Null Bock auf einen blassen Warmduscher (m, w, d) habe, der zum Frühstück an einem laktosefreien, linksdrehenden, fettarmen Quinoa-Smoothie nippt, statt, wie es sich für „meinen“ Bond gehört, ein halbes Dutzend Bélon-Austern und eine satte Portion Beluga Kaviar zu schlemmen, sich einen 1996er Rosé Dom Perignon hinter die Binde zu kippen und danach mit der Walther PPK aus dem Hotelfenster zu ballern.

Ich habe auch Null Bock auf einen mausgrauen Birkenstock-Magerquark, der mit farb- und formlosen Klamotten aus Bio-Schurwolle, in einem queeren, ökumenischen Stuhlkreis, bei ungesüßter Rhabarber-Stachelbeer-Bionade, über deren ganzheitliche Wohltat für Körper und Geist sinniert, statt eines Haudegens, der im saucoolen Smoking, mit einem Wodka-Martini…geschüttelt, nicht gerührt…in der Hand, am Roulette-Tisch steht und verschmitzt lächelnd das Dekolleté des weiblichen Croupier in Augenschein nimmt.

Leute: Euren Super-Bond könnt Ihr knicken, lochen und abheften.

Bildquellen

  • james-bond-playm: Peter Wilhelm

Spitze Feder – Spitze Zunge

Diese Kolumne schreibt vorwiegend Peter Grohmüller seine Gedanken zur Welt und dem Geschehen unserer Zeit auf.
Seine fein geschliffenen „Ergüsse“ – wie er selbst sie nennt – erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hin und wieder erscheinen in dieser Kolumne auch Beiträge anderer Autoren, die dann jeweils entsprechend genannt werden.

Die Texte sind Satire, Kommentare und Kolumnen. Es handelt sich um persönliche, freie Meinungsäußerung.

Für die Texte ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Lesezeit ca.: 7 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: | Peter Grohmüller 27. Februar 2024

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