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Bier ist sauteuer

Bier ist sauteuer

Wir bekommen Besuch und die Allerliebste bittet mich, Saft, Limo und Bier einzukaufen. Im Getränkeladen stehe ich vor der schier unglaublichen Fülle von Biersorten und überlege, welches ich kaufen soll. Nehme ich ein billiges oder ein teures Bier, ist das nicht sowieso alles das Selbe?

Da fällt mein Blick auf ein Schild: „CARLSBERG SONDERPOSTEN“ und ich schaue mir das näher an. Es ist WM-Bier der Firma Carlsberg, Haltbarkeitsdatum bis September 2007, Preis pro Halbliterdose 9 Cent.
Das nenne ich mal ein Angebot! Carlsberg ist bekannt, das ist kein Billigbier und 9 Cent ist ein sagenhafter Preis. Aber „Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen“. Hmmm, was sind haushaltsübliche Mengen? Ich beschließe, zwei Paletten zu nehmen, das sind zusammen 48 Dosen.

An der Kasse muss ich nur eine Dose vorzeigen, die wird eingescannt, ich sage dann: „48 Stück“ und der Kassierer nickt. Dann sagt er:

„Eintausendsechshundertfünfunddreißig Euro und sechs Cent.“


Ich gucke etwas verwundert und frage mal vorsichtig: „Wofür?“

Bier ist sauteuerBier ist sauteuer

„Fürs Bier!“

„So viel?“

„Ja, Eintausendsechshundertfünfunddreißig Euro und sechs Cent.“

„Sagen Sie mal, spinnen Sie?“, frage ich und bin mir der Tatsache bewußt, daß der Kassierer beleidigt sein könnte, das nehme ich aber in Kauf, da hinter mir die Leute in der Schlange schon grummeln und natürlich mir allein die Schuld an der Verzögerung geben. Aber ich stehe ja nicht da und bezahle mit einzelnen Centstücken, wie es Rentner gerne tun, sondern wehre mich dagegen, daß in diesem Laden eine Dose Bier über 34 Euro kosten soll.

Durch meine Frage ist jetzt auch der Kassierer etwas irritiert und drückt die Taste, die den Kassenbon ein Stückchen aus der Kasse herausfahren lässt, dann guckt er nach und sagt: „Stimmt alles, eine Dose kostet 9 Cent.“

„Und warum kosten dann 48 Dosen über Tausendsechshundert Euro?“

„Das ist der Pfand!“

„Ich bekomme also bei Ihnen pro Dose über 33 Euro Pfand zurück?“

„Nö, nur 25 Cent.“

Jetzt kommt er langsam ins Grübeln und es dämmert auch dieser, dem vierten Arbeitsmarkt entronnenen, Kreatur, daß mit seiner Berechnung irgendetwas nicht stimmen kann. Vorsichtshalber lässt er den Kassenbon noch ein Stückchen weiter raus und schaut nochmal nach. Dann kratzt er sich am Kopf und beugt sich neben die Kasse. Es sieht im ersten Moment so aus, als wolle er neben die Kasse kotzen, dann aber drückt er auf die Taste eines dort stehendes Mikrophones und ruft: „Herr Stillermann bitte Kasse 1!“

Daß die Kasse die Kasse Nummer 1 ist, ist schon aus dem Grund besonders sinnvoll, weil der Laden überhaupt bloß eine Kasse hat. Das weiß auch Herr Stillermann, denn der findet die Kasse sofort und wirft ebenfalls einen Blick auf den Kassenzettel. Dann sagt Herr Stillermann zu mir: „Haben Sie das Geld nicht dabei, oder was?“

„In der Tat, soviel Geld habe ich nicht dabei. Ich will nur 48 Dosen Bier kaufen, die sollen aber über 1600 Euro kosten.“

Herr Stillermann runzelt die Stirn, dann leuchtet es kurz in seinen Augen auf und er sagt:

„Das ist wegen dem Pfand!“

Seufzend blicke ich ihn an und schüttele nur langsam den Kopf.

„Geht’s da bald weiter?“ kräht von hinten eine fette Tante und schiebt mir, um ihren Kampfwillen zu unterstreichen, ihren Einkaufswagen in die Hacken. Herr Stillermann nimmt einen Taschenrechner und rechnet nochmals nach. Dabei kommt er zu dem Ergebnis:

„Da stimmt was nicht!“

„Ach was?“ sage ich.

„Wir machen jetzt einen Storno“, beschließt Herr Stillermann und steckt einen Schlüssel in die Kasse, tippt ein paar Tasten und will dann, um weitere Probleme zu umgehen: „Legen Sie mal die beiden Paletten aufs Förderband!“

Nun ziehen Herr Stillermann und der Kassierer tatsächlich alle 48 Bierdosen einzeln über den Scanner.
Das dauert und hinter mir werden die ersten Messer gewetzt, um mich zu meucheln. Am Ende der Prozedur will man 16,32 Euro von mir und versichert mir, das sei jetzt inklusive Pfand.

Ich bezahle das, bekomme den ellenlangen Kassenzettel und sehe, was passiert ist.
Der Kassierer hat nicht 48 x 09 eingegeben, sondern 4809 getippt und dann gescannt.
Bleibt die Frage, ob 4809 Dosen Carlsberg Bier auch noch eine haushaltsübliche Menge sind.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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