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Voll abgelinkt!

Voll abgelinkt!

Wir haben ein Auto. Dieses Auto ist versichert, muß ja so sein. Es gibt viele Versicherungen, auch ganz billige. Unser Auto ist bei der ALLIANZ versichert, nicht gerade die billigste Gesellschaft, aber Anke ist da schon länger und deshalb haben wir es beibehalten.

Vor ein paar Monaten kam mir aber die Idee, daß man vielleicht doch ein paar Euro sparen könnte und trug dies beim ALLIANZ-Mann unseres Vertrauens vor. Erstaunlicherweise konnte er dann auf einmal bei einem billigeren Vergleichsangebot mithalten und die Versicherung wurde günstiger. Er rechnete so allerhand Rabatte und Vergünstigungen ein, u.a. einen Wenigfahrer-Rabatt, bei dem man nur 10.000 km pro Jahr fahren darf.

„Was, wenn wir mehr fahren?“, wollte ich wissen. „Dann zahlen sie einen kleinen Aufschlag oder wir rechnen dann mal die Kilometer aus, das kriegen wir schon hin.“, meinte der Vertrauensmann.

Vor einigen Wochen kam dann ein Brief, die alljährliche Überprüfung des Kilometerstandes. Wir hatten wesentlich mehr als 10.000 km zurückgelegt, aber der ALLIANZ-Mann rechnete gut und es blieb bei einer Nachzahlung von nur rd. 40 Euro.

Aus irgendeinem Grund haben wir vergessen, diese zu bezahlen. Die normale Prämie wurde ordentlich abgebucht, bloß die 40 Eulen waren vergessen.

Der ALLIANZ-Mann schickt alle paar Wochen Reklame. Immer schön mit seinem Foto drauf und immer zu Themen, die uns entweder nicht interessieren oder die wir uns sowieso nicht leisten können. Diese Umschläge erkennt man schon am Aufdruck und wir schmeißen sie seit geraumer Zeit einfach weg. Mag sein, daß im Zuge dieser Maßnahme auch ein Mahnschreiben verschütt gegangen ist, wer weiß. Jedenfalls kam von unserem ALLIANZ-Mann nur eine Geburtstagskarte, aber kein Warnhinweis. Als der Rauswurf von der ALLIANZ dann kam, war nicht mehr genau zu klären, wer Schuld hatte. Ich würde mal sagen, alle Beteiligten.

Jedenfalls habe ich mich geärgert, daß der Mann unseres Vertrauens Zeit und Lust hat, regelmäßig Werbung zu schicken und zum Geburtstag zu gratulieren, es aber nicht nötig findet, uns mal eben kurz anzurufen, wenn ein Rauswurf aus der Versicherung droht.

Deshalb habe ich eine von diesen ganz billigen Versicherungen aus dem Internet angeschrieben und mir eine Deckungskarte von denen besorgt. Die ALLIANZ reagierte darauf sauer und teilte der Zulassungsstelle mit, wir wären bei ihnen nicht versichert.

Das löst immer eine ganze Lawine von Behördenmaßnahmen aus. Androhung der Zwangsstillegung, Bußgeld usw. Dem komme ich aber sofort zuvor, indem ich die Deckungskarte einsende, um unseren Versicherungsschutz nachzuweisen.

Das war am 5.7.2006. Ich habe sogar extra nochmals bei der Zulassungsstelle angerufen, ob jetzt alles in Ordnung ist. Jaja, beruhigte man mich, das sei alles geklärt. Prima!

Vorgestern, am 20.07.2006 komme ich zu unserem Auto und sehe, daß es entstempelt worden ist. Am Scheibenwischer hängt ein Freßzettel, handgeschrieben, auf dem steht: „Auto zwangsentstempelt, Polizei BAO“

Na toll!

Sofort frage ich bei der Zulassungsstelle nach. Nein, sagt man mir dort, wir haben das nicht gemacht. Die Polizei weiß gar nicht, wer das gemacht hat. BAO-Einsätze wären eigentlich die Einsätze, bei denen Polizisten Ordnerdienste etwa bei Fußballveranstaltungen übernehmen.

Aha.

Was jetzt?

Wir müßten ins 30 km entfernte Wiesloch fahren und dort die Kennzeichen vorlegen, dann bekämen wir problemlos neue Stempel. Toll! Wie sollen wir da hin kommen, ohne Auto?

Meiner Meinung nach müßten sich die Polizei und das Ordnungsamt nun bemühen, den Fehler wieder gut zu machen. Ich vermute nämlich, daß durch die Meldung der ALLIANZ und im Zuge der eingeleiteten Maßnahmen auch die Polizei verständigt worden ist und irgendwer vergessen hat, denen zu sagen, daß eine Entstempelung gar nicht notwendig ist.

Ich bin mal gespannt, wie die Sache ausgeht.

Voll abgelinkt!Voll abgelinkt!
Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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