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Citrusfrüchte von Apple

Citrusfrüchte von Apple

iMac6

Kaum hast Du den Laden betreten, kommt ein Verkäufer auf Dich zu, der Dir sofort das Gefühl gibt, ein willkommener Kunde zu sein. Rings um Dich herum lauter schöne Computer und Zubehör, das Meiste davon in Weiß. Es ist eine ruhige und angenehme Atmosphäre, die anderen Kunden benehmen sich gesittet und die Produkte werden hochwertig und sehr ausführlich präsentiert. Man darf alles ausprobieren und hat man eine Frage, ist der Verkäufer immer gleich zur Stelle.

Kein nerviges Gedudel aus irgendeiner Musikabteilung, keine Kinder, die die ganzen Rechner blockieren und alles kaputt machen, keine Rechner mit Ballerjoysticks und Lenkrädern, keine Monitore mit wegfliegenden, blutigen Köpfen. Niemand, der fragt, ob das Teil auch mit dem Rechner funktioniert oder ob die Software auch auf dem Rechner da läuft. Es riecht nicht nach Schweiß, es riecht irgendwie geheimnisvoll nach Plastik und Citrusfrüchten.

Du bist in einem Apple-Geschäft.

Und da steht er, der iMac, den Du haben willst. 27 Zoll Bildschirmdiagonale, Metall und Glas, nur ein Monitor mit allem drin und eine kleine Drahtlostastatur, sowie der Handschmeichler schlechthin, die Magic Mouse mit Touchoberfläche. Kein unnötiges Kabelgedöns, nur ein Netzkabel, ich werde noch ein USB-Kabel zum Hub unterm Tisch anschließen und mein Netzwerkkabel. Nur diese drei Kabel, nur diese drei Teile, alles andere ist drin, mehr braucht man nicht.
Eine riesige Festplatte, ein riesiger Bildschirm, viel Speicher und ein schneller Porzessor. Genau das was ich brauche, genau das was ich will.

Citrusfrüchte von AppleCitrusfrüchte von Apple

 

Der Verkäufer stellt mir noch eine preiswertere Alternative vor, erklärt mir, daß man auch generalüberholte Geräte zum Schnäppchenpreis haben kann und ein anderer Kunde mischt sich freundlich zustimmend ins Gespräch ein. Er habe einen gebrauchten Mac bei ebay für 600 Euro ersteigert und ein Jahr später wieder für 700 Euro versteigert.
Bei einem PC verlierst Du 80% des Wertes, sobald Du das Ding aus dem Laden getragen hast, in einer braunen Pappschachtel.

Mein neue iMac kommt in einem chicen Karton, hat einen Tragegriff und macht mir auf dem Weg zum Auto die Arme lang. Schwer ist er.
Zu Hause kommt der große Moment. Man öffnet den Karton und ist einmal mehr überrascht. Wie sorgfältig alles eingepackt ist, wie hochwertig allein die Verpackung für Tastatur und Maus sind, so hochwertig sind manche Windowsrechner nicht.

Leer scheint er, der Karton. In der Mitte der iMac, der schmale Karton für die Tastatur und die Maus und sonst? Nur noch das Netzkabel. Und da ist er wieder, dieser geheimnisvolle Geruch von Plastik und Citrusfürchten.
Mehr nicht?
Keine Software? Kein Handbuch?

Doch, ein Handbuch liegt in der Tastaturschachtel, ein kleines, schmales Bändchen mit Bildern, mehr braucht man nicht, ich brauche es gar nicht, ich habe schon einen iMac. Der ist in die Jahre gekommen, die Platte und der Bildschirm sind mir zu klein geworden.
Die Software ist schon drauf auf dem neuen iMac. Jetzt muss alles von alten Rechner auf den neuen.

Wer sich schon mal einen neuen Windows-PC gekauft hat, der weiß, daß jetzt ein halber Tag draufgehen wird. Bis das alles eingerichtet ist, bis man die tausend Fragen des Herrn Gates beantwortet hat und dann läuft es immer noch nicht richtig, dann fehlt immer noch irgendein Treiber und die Uhrzeit steht immer noch auf Honolulu-Ortszeit.

Ich muss nicht viel tun, stelle den neuen iMac neben den alten, packe die Tastatur und die Maus aus und stöpsele das Netzkabel ein.
Ein Druck auf den Einschalter und der Rechner fährt lautlos hoch. Da blinkt nichts, da föhnt nichts, da dudelt nichts, nur das sanfte Dingdong und schon will der Neue wissen, was er mit den Daten des Alten machen soll. Importieren natürlich!
Berlin, ich muss Berlin aklicken, Deutschland anklicken, Deutsch anklicken, das war’s.

Auf dem alten Rechner startet man den „Migrationsassistenten“ und er Rest besteht aus Warten. Für 320 Gigabyte Daten, Programme und Bits und Bytes will das System eine Stunde und vierundvierzig Minuten brauchen…
Die Zeitanzeige springt auf vier Stunden hoch, irgendein dicker Brocken wird kopiert und vorsichtshalber rechnet der iMac mir eine noch längere Wartezeit von über fünf Stunden aus. Es riecht nach Kunststoff und Citrusfrüchten, sehr angenehm und neu.
Es kommen kleinere Datenpakete und jetzt schätzt der Mac wieder knappe zwei Stunden.
Tatsächlich sind es dann anderthalb Stunden gewesen, wobei die letzte Minute „Restzeit: weniger als eine Minute“ alleine schon zehn Minuten gedauert hat.

Das soll alles gewesen sein?
Vorsichtshalber boote ich mal neu, jetzt wird das große Theater ja erst anfangen. Wahrscheinlich wird man noch Dutzende von Programmen manuell rüberkopieren müssen, erst auf einen Stick, dann drüben wieder reinspielen… Die ganzen Einstellungen werden verstellt sein, meine Mailkonten werde ich neu einrichten müssen und wahrscheinlich sind meine ganzen iTunes-Musikstücke auch alle weg. Bei meinem Windows-Netbook war das zumindest so. Da habe ich nur von Windows7 Starter auf Windows7 HomePremium upgegraded und die Hälfte der Daten und fast sämtliche Einstellungen waren weg.

Dindong. Mein eigenes Gesicht lächelt mich an. Ui, der hat meinen Benutzeraccount vom alten Rechner übernommen, mein Passwort passt noch und dann?
Dann ist alles so wie gehabt!
Sogar die Anordnung aller Symbole auf dem Desktop ist übernommen worden. Alle Programme sind da. Alle Daten sind da, auch meine Musik, meine Dokumente und sämtliche Mails.
Ein Zusatzprogramm möchte gerne wissen, ob das jetzt mein Hauptrechner ist und bietet mir an, die Lizenz auf dem neuen Rechner fortzuführen, während der alte dann „ausgebucht“ wird, oder eine neue Lizenz zu erwerben. Ich lasse ausbuchen.
Adobe Photoshop, das IMMER Zicken macht, macht dieses Mal keine Zicken, will nur nochmals aktiviert werden, was durch einen Mausklick geht.

Und dann?

Dann bin ich fertig. Ich atme noch einmal den Citrusgeruch und freue mich auf ein weiterhin entspanntes und problemfreies Arbeiten.
Ohne ständige Rückfragen des Betriebssystems, ohne ständige Aktivierungswarnungen und ohne permanente Viren- und Gefahrenalarme.
Ich klicke einen Song in meiner Mediathek an und das Lied wird über meine Stereoanlage strippenfrei und problemlos in alle Räume des Hauses gestreamt. Von meinem iPhone aus kann ich in jedem Zimmer die Lautstärke individuell regeln und andere Songs auswählen.
Der Allerliebsten gefällt der Song nicht, sie wählt vom iPad aus einen anderen.

Es riecht nach Cirtusfrüchten eindeutig. Eigentlich müsste es nach Apfel riechen, oder?

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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