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Alles Gummi?

Alles Gummi?

Kautschuk ist eine Plörre, die aus dem Stamm des Gummibaumes sickert, wenn man mit einem Messer eine Kerbe hineinritzt.
Charles Goodyear hat anno 1893 ein Verfahren entwickelt, wie man aus diesem Saft unter Zugabe von Schwefel und Hitze jenen phantastischen Werkstoff namens Gummi gewinnen kann, mit dem man wiederum solch nützliche Dinge herstellen kann, wie Fahrrad- oder Autoreifen, Dichtungen für Einweckgläser, extra lange Kondome für den italienischen Markt und vieles mehr.

Auf der Kongo-Konferenz von 1884/85 zu Berlin wurde das Kongobecken mitsamt seinem Hinterland dem Belgischen König Leopold II. als persönlicher Privatbesitz zugesprochen.
Dieser hatte dann auch sehr früh den Reichtum des Kongos an Gummi erkannt und unter dem Segen des Heiligen Stuhles Unmengen davon gewonnen. Also natürlich nicht er persönlich, sondern ein Großteil der dortigen Ureinwohner; zumindest am Anfang. Denn Leopold II musste im Laufe der Jahre leider 20 Millionen von ihnen wegen deren mäßigem Engagement bei der Ernte erschießen lassen. Fairerweise muss man aber anerkennen, dass Leopold II. kein Unmensch war. Deshalb hat er dem einen oder anderen renitenten Neger auch lediglich die Hände abhacken lassen.

Da fällt mir gerade ein: War da nicht etwas? Gerade letztes Jahr? OK, es waren viel, viel weniger Tote als im Kongo vor etwas über 100 Jahren. Kaum der Rede wert. Aber der Deutsche Bundestag war wegen dem ganzen Flüchtlings-Kuddelmuddel und dem Gedichtchen von Böhmermann auch etwas neben der Spur und hatte den türkischen Basisdemokraten Erdoğan auf das Übelste verschupft, indem er die Greueltaten der Osmanen an den Armeniern als Genozid bezeichnete. War schon etwas unhöflich, das Ganze – ob der Bundestagsbeschluss oder der Genozid weiß ich jetzt nicht mehr so genau.

Ich weiß, das war jetzt ziemlich ekelhaft. Aber ich habe damit ja nicht angefangen. Das ist nämlich alles dehnbar wie Gummi mit Recht und Gerechtigkeit, und es zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichtsbücher. Bei 20 Millionen Toten in Belgisch Kongo könnte man doch auch mal über eine Völkermord nachdenken, oder? Geht aber nicht. Das Dumme ist nämlich, dass just in der Belgischen Hauptstadt nun mal der Sitz des Europaparlamentes ist. Da kann man nicht einfach mal so eben mit der Brechstange gleiches Recht für alle einfordern. Da muss erst mal eine zuständige Kommission gebildet werden, mit Vertretern der verschiedenen Interessengruppen aus Handel, Banken, Industrie …und auf der anderen Seite ist das im Kongo ja alles schon ewig lange her. Deshalb kann man das auch nonchalant als Frühgeschichte eintüten, und alle Massaker und hunderte von Millionen Toten, die sämtliche früheren Kolonialherren auf dem Kerbholz haben, gleich mit. Chapeau!

Womit wir beim Thema wären: Alles Gummi? Der gemeine Bürger, der Verfasser dieser Zeiten eingeschlossen, ist ja immer noch der naiven Meinung, dass Recht etwas mit Gerechtigkeit zu tun haben müsse/solle; alleine schon wegen der Ähnlichkeit im Klang. Das eine hat mit dem anderen aber nicht die Bohne zu tun. Wenn man bei Wikipedia beide Begriffe nachschlägt, wird einem das schon in den ersten Zeilen schnell deutlich, auch ohne das ganze nachfolgende Brimbamborium durchlesen zu müssen.

Recht ist einfach nur ein Betätigungsfeld für Juristen, die exakt das in Gesetzentwürfe formulieren, was der einflussreichste Teil der Bevölkerung bei der Regierung über satte Parteispenden bestellt, und was dann durch die Parlamente verabschiedet wird.

Recht bezeichnet die Gesamtheit gesellschaftlich institutionalisierter, genereller Rechtsnormen, also Regeln mit allgemeinem Geltungsanspruch.

Bei der Gerechtigkeit sieht das Ganze schon etwas utopisch nach Sozialromantik aus. Nach dem Motto: Selber schuld, wenn man daran glaubt!

Gerechtigkeit bezeichnet einen Zustand des sozialen Miteinanders, in dem es einen angemessenen, unparteilichen und einforderbaren Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern und Chancen zwischen den beteiligten Personen oder Gruppen gibt.

Es entspricht beispielsweise deutschem Recht, dass ein Mann wie Christian Wulff, der vom 30. Juni 2010 bis zum 17. Februar 2012 Bundespräsident war und beleidigt über den deutschen Kloaken-Journalismus den Job hingeworfen hatte, bis ans Ende seiner Tage schlanke 214.000 € pro Jahr als sogenannten Ehrensold erhält, vom deutschen Steuerzahler, versteht sich. Nicht eingerechnet sind dabei ein adäquates Büro mit entsprechender Infrastruktur, eine Sekretärin und eine Limousine mit Chauffeur, die quasi noch obendrauf kommen. Ebenfalls vom deutschen Steuerzahler, versteht sich. Alles Gummi?

Es entspricht ebenfalls deutschem Recht, dass einer dieser Steuerzahler gezwungen wird, seine private Altersvorsorge, die ihm seitens der Bundesregierung wärmstens ans Herz gelegt wurde, zu verfrühstücken, weil er in die misslische Lage gerät, kurz vor dem Erreichen des Rentenalters seinen Job zu verlieren, aber aufgrund seines Alters auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar ist und deshalb bei Hartz IV gelandet ist. Dass er seinen Job verloren hat, weil sein ehemaliger Arbeitgeber diesen mit fetten Subventionen in ein Billiglohnland verlagert hat, entspricht natürlich ebenfalls deutschem Recht. Alles Gummi?

Die Sekt- oder Schaumweinsteuer ist ein bekanntes Beispiel für Abgaben, die zu einem bestimmten Zweck eingeführt, aber nach Wegfall des Zwecks nicht wieder abgeschafft wurden.

Der deutsche Fiskus nimmt jedes Jahr um die 4 Milliarden € Steuern aus dem Verkauf von alkoholischen Getränken ein. Dass die Sektsteuer ursprünglich eingeführt wurde, um im Kaiserreich den Bau Kriegsmarine zu finanzieren, aber deshalb nicht etwa abgeschafft wurde, steht auf einem anderen Blatt. Diesen Steuereinnahmen stehen volkswirtschaftliche Schäden von mindestens 20 Milliarden € gegenüber, die durch den Alkoholmissbrauch verursacht werden. Beglichen wird dieser Deckel selbstredend vom Steuerzahler; ebenso wie die Subventionen für den Weinanbau. Alles Gummi?

Ich könnte an dieser Stelle mit solchen Beispiele noch endlos weitermachen, aber zum einen wurde ich schon des öfteren darauf hingewiesen, dass meine Ausführungen immer so elend lange sind, und zum zweiten würde es nichts an der Tatsache ändern, dass einem schlichtweg die Argumente fehlen, wenn man fordert, dass sich doch jeder bitteschön an Recht und Gesetz halten sollte, um ein harmonisches Miteinander der Bürgerinnen und Bürger, bla, bla, bla…

Das ist alles Bullshit. Recht und Gesetz in der Bundesrepublik bestehen aus Gummi. Feierabend! Und jeder, der ausreichend Beziehungen und genügend Kohle besitzt, um die entsprechenden Winkeladvokaten zu bezahlen, die dieses Gummi nach Gusto dehnen, kann sich alle möglichen Sauerei erlauben, die man sich nur vorstellen kann, auch wenn sie zu der naiven Vorstellung von Gerechtigkeit nicht passen. Alles Gummi!

Vielleicht sollten wir uns mal überlegen, wozu in diesem unserem unserem Lande dann ständig mit peinlich verlogenem Tremolo über Recht geredet wird, und weshalb die Vokabel Rechtsstaatlichkeit in unserer sogenannten christlichen-jüdischen Leitkultur ein derart hohes Ansehen genießt, aber der Begriff Gerechtigkeit höchsten beim Wort zum Sonntag auftaucht, wenn alle vor dem Krimi pissen gehen.

Alles Gummi?Alles Gummi?

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Peter Grohmüller

Peter Grohmüller

Hallo, ich bin Peter Grohmüller und leide nicht an dieser Welt, aber mir fällt ihr Leiden auf.

„This world is sick and we are the doctors.“

Wenn es eine Wunde gibt, dann muß man sie entweder heilen oder Salz hineinstreuen. Wir, das sind die Kritischen, die Hinterfragenden und die Lallbackenentlarver. – So einer bin ich.

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peter wilhelm autorenlesung
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