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    nase

    Von dem berühmten und geschätzten hanseatischen Menthol-Zigaretten-Mystiker und ehemaligen Oberleutnant im Reichsluftfahrtministerium, Helmut Schmidt, stammt das provokante Bonmot, demzufolge zum Arzt gehen solle, wer Visionen habe.

    Obwohl ich annehme, dass es für den Lauf der Welt völlig ohne Bedeutung sein wird, erlaube ich mir die Vermutung, dass seine Ansicht zum Thema Visionen eher in der Tragik seiner vom 2. Weltkrieg und dessen Ausgang geprägter Erfahrung begründet lag, als in der per se doch eher wertneutralen Bedeutung des Wortes Vision als „einer in der Zukunft angesiedelten Vorstellung eines bestimmten Zustandes“. Insofern fürchte ich auch, die Bezeichnung Bonmot des ersten Absatzes zurückziehen zu müssen. Handelt es sich hierbei doch um „eine treffende Bemerkung oder einen situationsbezogen gelungenen Ausspruch“.

    Vielleicht hatten die Visionen des psychopatischen österreichischen Postkartenmalers anno 1933 bei dem damals 15-jährigen Helmut Schmidt derart fatal verfangen, dass er sich, vom Untergang des Deutschen Reiches und dem Verlust des Krieges maßlos enttäuscht, im Wahlkampf 1980, also 35 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation, genötigt sah, auf die Frage eines Journalisten, wo seine, also Schmidts, Visionen seien, die Antwort in Form des eingangs erwähnten Satzes zu geben.

    Der brillante Kabarettist Georg Schramm hat über seine Kunstfigur Lothar Dombrowski in feinsinniger Impertinenz dem Altkanzler und Weltenerklärer in diesem Zusammenhang ein „typisches Flakhelfer-Syndrom“ attestiert bzw. zugute gehalten.

    Ich blieb, durch die Gnade der späten Geburt, wie Schmidts Nachfolger, ein anderer, sehr großer und sehr dicker deutscher Mystiker, gerne zu sagen pflegte, von solch einschneidender Erfahrung glücklicherweise verschont und sehe deshalb die Vision als völlig wertneutral und mitnichten behandlungswürdig.

    Ohne die Visionen eines Konrad Zuse und tausender Ingenieure, die diese Visionen teilten und mit Engagement und Herzblut Realität werden ließen, wäre es mir heute unmöglich, diesen Beitrag zu schreiben und ihn im Bruchteil einer Sekunde anderen Menschen mitzuteilen. Und ohne die kühne Vision des amerikanischen Ingenieurs Francis Trenholm Crowe, auf der Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Nevada und Arizona den gigantische Bolder-Damm (später umbenannt in Hoover-Damm) mit einer Höhe von 221 Metern, einer Kronenbreite von 14 Metern, einer Sohlbreite von 201 Meter und einem Wasserkraftwerk mit einer Gesamtleistung von 4 Milliarden kWh Strom pro Jahr, zu bauen, könnten heute im Südwesten der USA weder 18 Millionen Menschen, mit ausreichend Wasser und Energie versorgt werden, noch gäbe es die berühmte Wüstenstadt Las Vegas. Ich gebe zu, dass dies, im nachhinein betrachtet, keinen so großen kulturellen Verlust darstellen würde. Aber das steht auf einem anderen Blatt.


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    Ich kann bei Helmut Schmidt nur vermuten, dass er, aufgrund seiner Erfahrungen als ehemaliger Angehöriger der arischen Herrenrasse, in britischer Kriegsgefangenschaft psychisch zutiefst getroffen wurde und, trotz seines unbestrittenen Intellekts, bei besagtem Interview einfach nicht in der Lage war, zwischen Vision und Illusion zu unterscheiden.

    Illusion ist nämlich, im Gegensatz zu der Vision, die Schmidt als behandlungswürdig bezeichnete, keine in der Zukunft angesiedelten Vorstellung eines bestimmten Zustandes, sondern vielmehr „eine falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit“, und insofern eher ein Fall für medizinischen Beistand.

    Wenn beispielsweise im September wieder die Menschen zu den Wahlurnen strömen und nach all den Erfahrungen der letzten Jahrzehnten immernoch glauben, dass man den Aussagen der Wahlprogramme Glauben schenken kann, dass für die arbeitende Bevölkerung etwas getan wird, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich nun endlich nicht mehr weiter öffnet, dass die Wirtschaft für die Menschen da sein muss und dass es, ganz, ganz ehrlich keine Steuererhöhungen geben und der Berliner Flughafen 2018 ganz, ganz sicher fertig sein wird…
    …dann ist das definitiv eine falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit, oder eben ein seit Generationen akuter medizinischer Notfall.

    Ich fürchte, dass es einer sehr, sehr kühnen Vision bedürfte, eine dermaßen riesige Couch zu konstruieren und zu errichten, auf der sich zig Millionen Wählerinnen und Wähler behandeln lassen könnten.

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