Wir bekommen jetzt das „Update“ auf das neue MagentaTV. Seit Ewigkeiten sind wir Kunde der Telekom und beziehen auch unsere Telefon- und Internetdienstleistungen über diesen Konzern. In gewisser Weise sind wir der Post von früher immer treu geblieben.
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- MagentaTV: Moderner – aber für wen eigentlich?
- Aus 310 Stunden werden 50 oder 100
- Nach 90 Tagen wird zwangsgelöscht
- Eine komplette Serie sammeln? Viel Vergnügen!
- Und meine alten Aufnahmen?
- Vorspulen? Darüber bestimmen jetzt andere
- Natürlich hat die Cloud auch Vorteile
- Von der eigenen Aufnahme zur Nutzungserlaubnis
- Und dann? Dann ändert sich wieder alles!
- Früher war alles besser? Dinosaurier am Werk
- Jetzt bekommen wir „Dienste“.
- Und ewig lockt das Weib
Kurzzeitige Experimente mit 1&1 an einer anderen Adresse, und die schlechten Erfahrungen mit anderen Anbietern, von denen uns Bekannte, Nachbarn und Freunde so berichten, zeigen uns, dass wir im Grunde genommen eine gute Wahl getroffen haben.
Trotzdem haben wir uns vor zwei Jahren dazu entschlossen, auf einen anderen Anbieter zu setzen, weil der uns hier in unserem Wohnort schnelles Glasfaserinternet versprochen hat. Geködert mit einem Gratisanschluss haben wir den Vertrag gerne unterschrieben.
Seitdem dümpelt das Ganze vor sich hin und der Ausbau geht nur schleppend voran. Bis wir mal Glasfaser bekommen, das wird wohl noch eine Weile dauern.
So kommt uns die Umstellung der Telekom auf das „neue“ MagentaTV nun in die Quere. Wir haben schon länger gewusst, dass die Telekom auf ein anderes TV-Verfahren umstellt, haben aber gehofft, davon nicht mehr betroffen zu sein, weil wir dann ja längst Glasfaser hätten haben sollen.
Pustekuchen!
Nun müssen wir also neue Receiver installieren und einrichten. Ich befürchte, dass das, wie das immer so ist, nicht reibungslos funktionieren wird – irgendwas ist ja immer.
Und wenn das dann alles läuft, werden wir in mehr oder weniger absehbarer Zeit dann wieder die Receiver tauschen müssen, um dann möglicherweise das Angebot des Glasfaserunternehmens nutzen zu können.
Leider sind diese neuen Streaming-TV-Dienste alle nicht so gut, wie unser klassisches MagentaTV. Darüber hatte ich hier in diesem Beitrag auch schon mal etwas geschrieben.
Warum das alles? Ich zitiere mich hier mal selbst:
Warum verschickt die Telekom neue Receiver? Die Telekom stellt Bestandskunden schrittweise auf die neue MagentaTV-Plattform um. Die älteren Media-Receiver mit Festplatte – etwa MR 401 und MR 601 sowie diverse Zweitreceiver – sind damit nicht mehr kompatibel.
Wer solche Geräte nutzt und umgestellt wird, braucht deshalb neue Empfangsgeräte, in der Regel eine MagentaTV One.
Der Wechsel bedeutet mehr als den bloßen Austausch einer Box: Aufnahmen landen künftig in der MagentaTV-Cloud statt auf der Festplatte.
Bestehende Aufnahmen auf dem alten Gerät sind damit verloren. Je nach Tarif stellt die Telekom 50 oder 100 Stunden Cloudspeicher bereit; gespeicherte Sendungen bleiben dort üblicherweise 90 Tage abrufbar.Die neue Plattform funktioniert zudem über Streamingsticks, Smart-TVs, Apple TV, Smartphones, Tablets und Browser. Alte Media-Receiver funktionieren nach der vollständigen Umstellung nicht mehr.
MagentaTV: Moderner – aber für wen eigentlich?
Auf dem Papier klingt die Umstellung zunächst nach Fortschritt. Die alten Media Receiver mit ihrer eingebauten Festplatte verschwinden, an ihre Stelle treten kleinere, modernere Streaminggeräte wie die MagentaTV One. Aufnahmen liegen nicht mehr auf einer Festplatte im Wohnzimmer, sondern in der Cloud. Damit stehen sie auf verschiedenen Geräten zur Verfügung, und theoretisch kann man beliebig viele Sendungen gleichzeitig aufnehmen.
Das ist modern. Das ist bequem. Und trotzdem ist es für Zuschauer, die die Aufnahmefunktion intensiv genutzt haben, in wesentlichen Punkten ein erheblicher Rückschritt.
Denn mit der Festplatte verschwindet nicht einfach nur ein Speichermedium. Es verschwindet ein beträchtliches Stück Kontrolle des Zuschauers über seine eigenen Aufnahmen.
Aus 310 Stunden werden 50 oder 100
Der alte Media Receiver 401 verfügt über eine 500-GB-Festplatte. Nach Angaben der Telekom reicht diese ungefähr für 40 Stunden UHD, 120 Stunden HD oder stolze 310 Stunden SD. Und noch wichtiger: Für diese Aufnahmen gibt es keine zeitliche Begrenzung der Speicherdauer.
Wer mit SD-Qualität zufrieden war, konnte also tatsächlich mehrere hundert Stunden Fernsehen auf dem Receiver archivieren. Wir haben das beispielsweise ganz bewusst so gemacht. Bei einer Talkshow, einer Dokumentation oder irgendeiner Unterhaltungssendung muss ich schließlich nicht die Pickel des Moderators in 4K zählen können. SD genügt vollkommen – und dafür passte erheblich mehr auf die Platte.
Mit der neuen Cloudlösung ist dieser kleine Trick Geschichte.
Je nach MagentaTV-Tarif stellt die Telekom lediglich 50 oder 100 Stunden Cloud-Aufnahmezeit bereit. Eine Stunde Fernsehen beansprucht eine Stunde des Kontingents. Der Kunde kann also nicht mehr selbst entscheiden: Diese Sendung ist mir nicht wichtig genug für HD, die nehme ich platzsparend in SD auf.
Die Telekom selbst nennt die Zahlen zum Vergleich: 500 GB auf der Festplatte bedeuteten rund 310 Stunden SD; die Cloud bietet tarifabhängig 50 beziehungsweise 100 Stunden.
Das ist schon eine bemerkenswerte Definition von technischem Fortschritt.1
Nach 90 Tagen wird zwangsgelöscht
Noch gravierender ist die Lebensdauer einer Aufnahme.
Auf der alten Festplatte blieb eine Sendung gespeichert, bis der Benutzer sie löschte – oder irgendwann die Festplatte den Geist aufgab. Einen Lieblingsfilm konnte man jahrelang behalten. Eine interessante Dokumentation ebenfalls. Und wer irgendwann Lust bekam, einen fünf Jahre alten Film noch einmal anzuschauen, drückte einfach auf Play.
Damit ist Schluss.
Seit dem 3. Dezember 2025 werden neue Cloud-Aufnahmen laut Telekom aus lizenzrechtlichen Gründen grundsätzlich nach 90 Tagen gelöscht.2
Das verändert die Bedeutung des Wortes „Aufnahme“ ganz erheblich.
Früher bedeutete „Ich habe den Film aufgenommen“ tatsächlich: Der Film befindet sich auf meiner Festplatte und bleibt dort, bis ich ihn lösche.
Künftig bedeutet derselbe Satz eher: Die Telekom hält mir diesen Film für begrenzte Zeit in ihrem Rechenzentrum vor.
Das ist weniger ein Videorekorder als eine persönliche Mediathek mit Verfallsdatum.
Eine komplette Serie sammeln? Viel Vergnügen!
Besonders absurd kann die 90-Tage-Regel bei Serien werden.
Nehmen wir eine Staffel mit 20 Folgen, von denen jede Woche eine ausgestrahlt wird. Manche Menschen – wir beispielsweise – sammeln solche Folgen gerne erst einmal und beginnen mit dem Anschauen, wenn ein ordentlicher Vorrat vorhanden oder die Staffel vollständig ist.
Zwischen der ersten und der zwanzigsten Folge liegen bei wöchentlicher Ausstrahlung 133 Tage.
Mit dem alten Receiver überhaupt kein Problem.
Mit dem neuen System kann die erste Folge bereits automatisch gelöscht worden sein, bevor die letzte Folge überhaupt ausgestrahlt wurde.
Man könnte es auch anders formulieren: Die Telekom verkauft mir eine Aufnahmefunktion, bei der ich unter bestimmten Umständen gar nicht lange genug aufnehmen darf, um eine Fernsehserie vollständig zu sammeln.
Fortschritt kann so schön sein.
Und meine alten Aufnahmen?
Noch unangenehmer wird die Sache für Bestandskunden, die auf ihrem Media Receiver über Jahre ein kleines privates Fernseharchiv aufgebaut haben.
Die MagentaTV One kann die Festplattenaufnahmen der alten Media Receiver nicht abspielen. Die Telekom weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass Aufnahmen, die auf Geräten mit physischer Festplatte gespeichert wurden, auf der MagentaTV One nicht wiedergegeben werden können.3
Damit ist der Wechsel eben nicht mit dem Austausch eines alten DVD-Players gegen einen neuen vergleichbar. Das persönliche Aufnahmearchiv lässt sich nicht einfach mitnehmen.
Vorspulen? Darüber bestimmen jetzt andere
Für uns persönlich ist ein weiterer Punkt beinahe noch ärgerlicher.
Wir schauen lineares Privatfernsehen praktisch nie live. Der Grund ist einfach: Werbung.
Bei manchen Privatsendern hat man inzwischen das Gefühl, zwischen zwei Werbeblöcken werde gelegentlich noch etwas Spielfilm gezeigt. Mit dem Festplattenreceiver war das kein großes Problem. Sendung aufnehmen, später anschauen und bei der Werbung vorspulen.
Dasselbe galt für den Inhalt selbst.
Eine Talkshow mit sechs Gästen, von denen mich nur einer interessiert? 30-Sekunden-Sprungtaste.
Eine gefühlt zwölf Minuten dauernde Verfolgungsjagd, bei der schon nach zwei Minuten feststeht, dass mindestens drei Autos und ein Obststand dran glauben müssen? Vorspulen.
Ein Autorennen, bei dem 20 Runden lang nichts passiert? Überspringen.
Manche Sendung haben wir überhaupt nur deshalb angesehen, weil wir wussten, dass wir sie im Schnelldurchlauf auf das für uns Interessante reduzieren konnten.
Mit der Cloudaufnahme ist diese Selbstverständlichkeit nicht mehr selbstverständlich.
Bei bestimmten Sendergruppen gelten Einschränkungen für das Vorspulen beziehungsweise das Überspringen von Werbung. Damit entscheidet nicht mehr allein der Zuschauer, an welche Stelle seiner Aufnahme er springen möchte.
Das ist der eigentliche Unterschied.
Es wäre deshalb zu pauschal zu behaupten, mit dem neuen MagentaTV könne überhaupt nicht mehr vorgespult werden. Die Einschränkungen unterscheiden sich nach Sender, Inhalt und teilweise Gerät. Aber gerade das ist bemerkenswert: Was ich mit einer Aufnahme machen darf, hängt künftig von Regeln der Plattform und der Rechteinhaber ab.
Bei einer lokalen Festplattenaufnahme war diese Frage erheblich einfacher: Fernbedienung nehmen, Vorspultaste drücken, fertig.
Natürlich hat die Cloud auch Vorteile
Fairerweise muss man sagen: Die neue Technik kann Dinge, die der alte Festplattenreceiver nicht konnte.
Cloud-Aufnahmen belasten die heimische Internetverbindung während der Aufnahme nicht, weil die Sendung gar nicht erst beim Kunden aufgezeichnet wird. Außerdem können laut Telekom beliebig viele Cloud-Aufnahmen gleichzeitig durchgeführt werden. Beim Festplattenreceiver waren technisch höchstens vier parallele Aufnahmen möglich.
Und weil die Aufnahme in der Cloud liegt, kann sie auf unterschiedlichen unterstützten Geräten angesehen werden – beispielsweise MagentaTV One, Smartphone, Tablet oder Computer.4
Das sind echte Vorteile, und man sollte sie nicht verschweigen.
Nur erkauft man sie sich mit einem fundamentalen Nachteil:
Man gibt Kontrolle ab.
Von der eigenen Aufnahme zur Nutzungserlaubnis
Und genau das ist mein eigentliches Problem mit dieser sogenannten Modernisierung.
Der alte Media Receiver sagte sinngemäß:
Hier hast du 500 GB Festplattenspeicher. Nimm auf, was du möchtest. Wenn du Platz sparen willst, nimm in SD auf. Und wenn du den Film in drei Jahren noch einmal sehen möchtest, dann lass ihn eben drei Jahre auf der Platte.
Das neue System sagt:
Wir speichern deine Aufnahmen für dich. Du bekommst je nach Tarif 50 oder 100 Stunden. Nach 90 Tagen löschen wir sie wieder. Und was du beim Abspielen überspringen darfst, bestimmen nicht mehr ausschließlich du und die Vorspultaste auf deiner Fernbedienung.
Technologisch mag das moderner sein.
Aus Kundensicht ist „moderner“ aber nicht automatisch dasselbe wie „besser“.
Das ist ein allgemeiner Trend, der längst weit über MagentaTV hinausgeht. Wir besitzen immer weniger und bekommen stattdessen Dienste zur zeitweiligen Nutzung. Software wird zum Abonnement, Musik und Filme wandern vom eigenen Datenträger zum Streamingdienst, Dateien in die Cloud – und nun wird selbst aus der guten alten Fernsehaufnahme etwas, über dessen Lebensdauer und Benutzbarkeit andere entscheiden.
Aus einem Videorekorder wird ein Dienst.
Aus einer Aufnahme wird eine temporäre Nutzungsmöglichkeit.
Und aus dem Zuschauer, der früher einfach auf die Vorspultaste gedrückt hat, wird ein Nutzer, dem jemand erklären muss, ob er das bei dieser Sendung gerade darf.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Art von Fortschritt gebraucht habe.
Und dann? Dann ändert sich wieder alles!
Vor allem, weil ja – wann genau, das steht in den Sternen – hier die Glasfaser Einzug hält. Unser künftiger Anbieter, die Deutsche GigaNetz, bringt dann abermals ein anderes Fernsehsystem ins Haus.
Und wer jetzt glaubt, wir bekämen damit womöglich unsere gute alte Festplatte zurück, den muss ich enttäuschen.
Auch bei der Deutschen GigaNetz ist Fernsehen inzwischen im Wesentlichen ein IP- und Cloud-Dienst. Das aktuelle Angebot nennt sich „MyTV HD“. Es bietet über 130 Sender, davon mehr als 90 in HD, und funktioniert wahlweise mit einer Set-Top-Box oder per App auf Apple TV, Android TV, Fire TV, Smartphone und Tablet sowie über den Webbrowser.
Und aufgenommen wird – Sie ahnen es – wieder in der Cloud.
Aktuell gewährt die Deutsche GigaNetz dabei gerade einmal 30 Stunden persönlichen Cloudspeicher.5
Damit hätten wir bei unserem persönlichen technischen Fortschritt eine bemerkenswerte Entwicklung hinter uns: Der alte Telekom-Media-Receiver 401 bot uns mit seiner Festplatte rund 310 Stunden SD-Aufnahme. Bei MagentaTV landen wir je nach Tarif bei 50 oder 100 Stunden Cloudspeicher. Und das derzeitige MyTV-Angebot der Deutschen GigaNetz nennt sogar nur 30 Stunden.
310 Stunden. 100 Stunden. 30 Stunden.
Man muss nur lange genug modernisieren, dann ist irgendwann gar nichts mehr übrig.
Allerdings ist noch nicht gesagt, dass exakt dieser Tarif und exakt diese Technik bei uns zum Zeitpunkt der tatsächlichen Glasfaseraufschaltung angeboten werden. Bis der Bagger vor unserer Haustür auftaucht und tatsächlich Licht durch die Faser geschickt wird, können sich Produkte, Receiver und Tarife durchaus noch ändern. Gebucht haben wir immerhin einen Tarif mit 100 Stunden Aufnahmekapazität in der Cloud. Ob der aber dann noch gilt?
Die Richtung ist aber eindeutig.
Auch bei MyTV gehört die Set-Top-Box nicht dem Kunden. Sie wird gegen monatliches Entgelt überlassen und muss nach Vertragsende zurückgegeben werden. Eine eigene Festplatte als persönliches Aufnahmegerät ist nicht vorgesehen. Die Deutsche GigaNetz beantwortet sogar ausdrücklich die Frage, ob Sendungen auf dem eigenen PC oder NAS gespeichert werden können, mit Nein.6
Damit wäre beispielsweise auch unser PETERNAS mit seinen Terabytes an freiem Speicher vollkommen nutzlos. Technisch hätten wir mehr als genug Platz, um ein Fernseharchiv anzulegen. Das Fernsehsystem lässt uns diesen Speicher nur nicht benutzen.
Stattdessen bekommen wir irgendwas zwischen 20 oder 30 Stunden und 100 Stunden in der Cloud.
Immerhin bietet MyTV einige durchaus angenehme Funktionen. Laufende Sendungen können angehalten oder von vorne gestartet werden, und mit „Replay“ lassen sich bestimmte bereits ausgestrahlte Sendungen bis zu sieben Tage später ansehen.
Aber auch hier begegnet uns wieder das mittlerweile bekannte Kleingedruckte: Ob Replay, Catch-up, Aufnahme, Neustart oder Live-Pause tatsächlich funktionieren, hängt von den jeweiligen Lizenzrechten, Sendern und sogar einzelnen Sendungen ab. Die Deutsche GigaNetz weist ausdrücklich darauf hin, dass bestimmte Funktionen eingeschränkt oder überhaupt nicht verfügbar sein können. Sogar manche HD-Sendungen dürfen nur in SD aufgenommen werden.
Das ist genau jene Entwicklung, die mich an der neuen Fernsehtechnik stört.
Früher kaufte beziehungsweise mietete ich einen Receiver mit Festplatte. Ich drückte auf „Aufnahme“, und anschließend befand sich die Aufnahme auf dieser Festplatte. Was ich damit innerhalb des Receivers machte – heute anschauen, nächsten Monat anschauen, vorspulen, zurückspulen oder drei Jahre liegenlassen –, war weitgehend meine Sache.
Früher war alles besser? Dinosaurier am Werk
Ehrlich gesagt trauern die Allerliebste und ich manchmal dem alten Videorekorder nach. Kassette rein, Sendung aufgenommen, Kassette raus, ins Regal gestellt – und angeschaut wurde das Ganze, wann und wie es uns beliebte.
Ja, VHS ist aus heutiger Sicht Dinosauriertechnik. Die Bildqualität war mäßig, die Kassetten waren klobig, irgendwann leierten sie, und wer vergessen hatte, die Aufnahmegeschwindigkeit richtig einzustellen, dem fehlten beim Spielfilm womöglich die letzten zehn Minuten. Trotzdem entsprach dieses primitive Verfahren erstaunlich gut unserem Verständnis von Fernsehfreiheit:
Was ich aufgenommen hatte, hatte ich aufgenommen.
Niemand löschte die Kassette nach 90 Tagen. Kein Rechteinhaber konnte nachträglich bestimmen, dass ich bei Minute 37 nicht vorspulen durfte. Kein Server musste erreichbar sein. Kein Cloudkonto musste funktionieren. Und wenn RTL mitten im Film zum vierten Mal Waschmittel, Autos und Mittel gegen Scheidentrockenheit anpries, drückte ich eben auf die Vorspultaste.
Das Erstaunliche ist: Technisch könnten wir das heute sehr viel komfortabler haben.
Eine Festplatte mit mehreren Terabyte kostet nicht mehr die Welt. Auf einem solchen Datenträger ließen sich hunderte oder – je nach Qualität – tausende Stunden Fernsehen speichern. Kein Bandsalat, kein Zurückspulen der Kassette, kein Beschriften irgendwelcher Plastikhüllen. Eine hübsche elektronische Liste mit Titel, Datum, Beschreibung und Vorschaubild würde vollkommen genügen.
Viele Fernseher und Empfangsgeräte beherrschen grundsätzlich lokale USB-Aufnahmen oder zeitversetztes Fernsehen. Technisch ist der digitale Videorekorder also überhaupt kein Problem.
Nur hat sich zwischen Videorekorder und Zuschauer inzwischen eine weitere Instanz geschoben: die Rechteverwaltung.
Je nach Empfangsweg, Sender und Plattform können Aufnahmen untersagt, zeitlich begrenzt oder in ihrer Wiedergabe eingeschränkt werden. Vorspulen kann gesperrt sein. Werbung lässt sich bei bestimmten Angeboten nicht überspringen. Replay steht nicht für jede Sendung zur Verfügung. Und bei Cloudsystemen entscheidet ohnehin der Anbieter darüber, wie viel Speicher ich bekomme und wie lange meine Aufnahme existieren darf.
Das ist die eigentliche Absurdität dieser Entwicklung:
Je besser die Technik geworden ist, desto weniger selbstverständlich darf ich über ihre Möglichkeiten verfügen.
1985 war es technisch vergleichsweise kompliziert, eine Fernsehsendung zu konservieren. Trotzdem konnte ich eine VHS-Kassette einlegen und anschließend zehn Jahre lang ins Regal stellen.
2026 wäre es technisch geradezu lächerlich einfach, dieselbe Sendung digital auf einer Festplatte zu speichern und dort bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag liegenzulassen. Nur wird genau das innerhalb vieler moderner TV-Plattformen gar nicht mehr angeboten oder durch technische und lizenzrechtliche Vorgaben eingeschränkt.
Natürlich gibt es dafür urheber- und lizenzrechtliche Gründe. Und natürlich haben insbesondere werbefinanzierte Sender ein nachvollziehbares wirtschaftliches Interesse daran, dass ihre Werbung auch tatsächlich gesehen wird. Der Zuschauer wiederum hat ein ebenso nachvollziehbares Interesse daran, einen zwölfminütigen Werbeblock nicht zum vierten Mal über sich ergehen lassen zu müssen.
Früher entschied diesen Interessenkonflikt eine kleine Taste auf meiner Fernbedienung.
>>
Heute entscheidet ihn zunehmend die Plattform.
Das empfinde ich nicht als Fortschritt.
Vielleicht verklären wir den alten Videorekorder ein wenig. Niemand, der einmal einen Bandsalat aus einem 800-Mark-Gerät operiert hat, möchte ernsthaft zurück zu VHS. Wir vermissen nicht die Magnetbänder.
Wir vermissen die Selbstverständlichkeit, mit der sie uns gehörten.
Die Kassette lag in unserem Regal. Die Aufnahme war darauf. Wir konnten sie heute ansehen, morgen, in drei Jahren oder überhaupt nicht. Wir konnten vorspulen, zurückspulen, mitten im Film aufhören und zwei Wochen später weiterschauen.
Das alles könnte eine Festplatte heute tausendmal besser.
Es ist schon eine bemerkenswerte Form des technischen Fortschritts, dass ausgerechnet die Technik immer weniger das Problem ist – und wir trotzdem immer weniger mit ihr machen dürfen.
Jetzt bekommen wir „Dienste“.
Und Dienste haben Bedingungen.
Der Sender darf dieses. Der Rechteinhaber erlaubt jenes nicht. Diese Sendung kann aufgenommen werden, jene nicht. Hier funktioniert Replay, dort nicht. Auf dieser Plattform darf vorgespult werden, bei jenem Sender nicht. Und statt meiner eigenen 500-GB-Festplatte bekomme ich ein vom Anbieter festgelegtes Stundenkontingent in dessen Cloud.
Das Absurde daran ist: Die zugrunde liegende Technik wird immer leistungsfähiger, während meine Verfügungsmöglichkeiten als Benutzer immer kleiner werden.
Wir bekommen Glasfaser mit hunderten Megabit oder sogar Gigabit pro Sekunde. In meinem NAS stecken Terabytes an Speicherplatz. Moderne Fernseher sind leistungsfähige Computer. Technisch wäre es heute leichter und billiger denn je, hunderte oder tausende Stunden Fernsehen lokal zu speichern.
Nur dürfen wir es im vorgesehenen System nicht.
Stattdessen mieten wir Receiver, mieten Dienste und bekommen zeitlich und funktional reglementierte Aufnahmen aus der Cloud serviert.
Wenn unser Glasfaseranschluss irgendwann tatsächlich geschaltet wird, werden wir deshalb erst einmal sehr genau prüfen müssen, welches MyTV-Angebot zu diesem Zeitpunkt tatsächlich gilt, welche Set-Top-Box geliefert wird und welche Einschränkungen für Aufnahmen, Vorspulen, Replay und Speicherdauer dann gelten.
Nach unseren Erfahrungen mit MagentaTV werde ich jedenfalls nicht mehr automatisch davon ausgehen, dass „neuer“ auch „besser“ bedeutet.
Vielleicht steht dann ja auf dem Karton:
Jetzt noch moderner – mit noch weniger Funktionen!
Ich meine, ich will nicht mit meinem Alter kokettieren oder herumjammern, aber ich fühle mich mit fast 70 nun in einem Alter, wo man es schon recht gerne hat, wenn manches einfach so bleibt, wie man es gewohnt ist. Ich weiß, das ist eine Eigenschaft, die ich an meinen Vorvätern (vulgo älteren Verwandten) schon immer gehasst und als fortschrittverweigernd eingestuft habe. Aber wenn man selbst erst mal in das Alter, die Situation und die Lebensumstände gerät, dann versteht man, warum das bei denen so war/ist.
Es ist ja auch so, dass ich körperlich leider nicht mehr so kann, wie das früher der Fall war. Dadurch kommt noch hinzu, dass ich dann irgendjemanden am Arsch lecken höflich bitten muss, mir die Receiver anzuschließen.
Und ewig lockt das Weib
Ja, für Technik und solche Sachen bin ich hier zuständig. Nicht, weil ich mich darum geschlagen hätte, nicht, weil ich vielleicht ein wenig mehr davon verstehe. Nein, der entscheidende Grund des Weibes, mir die Verantwortung dafür zu überlassen, liegt genau in dem Wort: Verantwortung. Ich trage für alles, was da schief läuft, immer die Verantwortung, was gleichbedeutend mit der Schuld ist.
Stockt das Internet mal wieder und ein Film läuft nicht weiter: Der Alte hat wieder was falsch gemacht.
Wurde nicht die gewünschte Sendung aufgenommen, weil der Sender was anderes ins Programm geschoben hat: Der Alte hat da was manipuliert.
Läuft die Festplatte über und zwangslöscht Dutzende Sendungen: Der Mann hat MIR und nur MIR meine Filme alle gelöscht.
Läuft beim Mann auf dem Rechner YouTube gut und bei der Frau das Fernsehen nicht: Der hat was gemacht, damit ich nicht gucken kann.
Das hört sich alles krank an, ist aber in Wirklichkeit nicht so dramatisch und krass gemeint. Es gibt aber den Grundtenor wieder, wie so etwas von Frauenseite hierhäusig empfunden wird. Und wenn jetzt so viel neuer Krempel mit so vielen anderen Funktionen auf uns zukommt, sehe ich schon, wer dann wieder Schuld an allem trägt, das nicht so funktioniert wie gewohnt.
Fußnoten:
- https://www.telekom.de/hilfe/geraete/magenta-tv/gleichzeitig-schauen-aufnehmen?consumer=3000515non_vers (zurück)
- https://www.telekom.de/hilfe/tv/magenta-tv-app/cloud-aufnahmen-speicherdauer (zurück)
- https://www.telekom.de/hilfe/geraete/magenta-tv/one/aufnehmen (zurück)
- https://www.telekom.de/hilfe/tv/magenta-tv-app/cloud-aufnahmen (zurück)
- https://www.deutsche-giganetz.de/tarife-produkte/fernsehen/ (zurück)
- https://www.deutsche-giganetz.de/faq/ (zurück)


















Ach Mensch, ich fühle so mit dir. Die Gängelung der großen Medienunternehmen und Rechteinhaber ist nur schwer erträglich. Immerhin: Wenn man sich im öffentlich-rechtlichen Universum bewegt, hat man mit Mediathekview und Co. sehr leicht die Chance, seine Lieblingssendungen für die Ewigkeit in seiner eigenen NAS-Cloud abzuspeichern. Mit gut 18 EUR pro Monat kein billiger Spaß, aber die zahlt man ja sowieso 🙂
Für die werbeverseuchten Privatsender war das Projekt onlinetvrecorder über Jahrzehnte hinweg eine „freie“ Möglichkeit, Sendungen aufzuzeichnen und als .avi-Datei herunterzuladen. Erstaunlicherweise waren die immer schon noch so gerade einigermaßen legal, es kostete ein wenig, man mußte sich mit dem System vertraut machen (nur gegen Cash konnte man den virtuellen „Videorecorder“ einfach immer alles aufzeichnen lassen, um im Nachhinein Zugriff auf alles zu haben; vieles wurde auch auf Mirrorservern verteilt, musste dann aber mit einem speziellen Programm entschlüsselt werden etc.), aber am Ende hatte man seine Aufnahmen in einem normalen Format, was man auch mit OpenSource Software schneiden konnte. Sogar Schnittvorlagen konnten heruntergeladen werden, um z.B. Werbeblöcke fast vollautomatisch zu entfernen. Auf diese Weise habe ich so manche Kinderserie archiviert, um dann Jahre später festzustellen, dass man die nach 10 Jahren und viel größeren Kindern eher nicht mehr benötigt.
Leider kam schon vor vielen Jahren RTL auf die Idee, denen die Aufzeichnung ihres Contents zu verbieten (ähm, nett zu fragen ob man das auch einfach bleibenlassen könnte), seitdem sind die raus. Ich weiß aktuell nicht, wer da sonst noch alles raus ist, aber das Angebot an sich scheint noch zu funktionieren. Die haben halt (und das schon vor 20 Jahren, das ist das Erstaunliche daran) mit einer Art Serverfarm über Satellit einfach alle möglichen Fernsehsender rund um die Uhr auf Festplatten aufgezeichnet, mittels EPG-Daten die Sendungen automatisch geschnitten und verteilt. Im Grunde das, was heute Telekom & Co. auch machen, aber halt eben auf „ihre Weise“.
Die neue Generation ist aber schon so dermaßen auf Streaming fixiert, dass von denen kaum jemand überhaupt auf die Idee kommt, dass man einen Film oder eine Serie auch tatsächlich lokal als Datei vorhalten kann und damit für immer Zugriff darauf hat.
Wir Steinzeitmenschen mit der Videokassettensammlung sterben eben irgendwann aus…
Aaaah, stimmt ja. Dieses MediathekView habe ich lange schon auf der Platte und längst wieder vergessen. Gleich mal nachschauen. Danke für den Gedankenkick.
Natürlich weiß ich, dass man alles irgendwie, irgendwo herunterladen kann. Aber ich würde dafür keine kruden Wege nutzen wollen.
Wenn es, so wie Du schreibst, gerade noch so eben legal ist, dann wäre es für mich okay.
Wenn es aber damit verbunden wäre, dass ich, wie das ja oft so ist, selbst mit zu einem Anbieter und Weiterverteiler werde, würde ich das nicht machen. Da wäre mir die Gefahr zu groß, dass man irgendwie in dunkle Machenschaften mit hineingezogen wird.
Muss mich mal näher damit befassen. Und: Dann wäre ja noch das Problem, dass ich meine Allerliebste auch entsprechend instruieren können müsste, wie sie sich ihr Zeug speichern kann. Mal sehen.
Also der onlinetvrecorder mag jetzt nicht blütenrein sein, aber offenbar hat man noch keine Möglichkeit gefunden, den irgendwie plattzumachen. Und den gibts halt schon echt verdammt lange. Und nein, du wirst damit nicht zu einem Anbieter, es ist rein download-basiert und auch vergleichsweise anonym. Keine speziellen Download-Tools, keine one-click-Hoster. Ich hab das über 10 Jahre lang ohne Probleme benutzt.
Der WAF ist allerdings bescheiden. Am Ende habe ich mir aber auch selbst damit beholfen, eine spezielle Suchmaschine für die Aufnahmen zu benutzen, die teilweise direkt auf Mirror-Server für den Download verlinkte. Manche Mirrors sind kostenlos, manche erbitten eine überschaubare „Spende“ für schnelleren Download. Man lädt verschlüsselte Dateien herunter, die mit dem Tool von OTR entschlüsselt werden. Das checkt dann auch gleich, ob du die Sendung vorher „programmiert“ hast oder per Premium-Account berechtigt bist, alles zu dekodieren. Das geht schnell und da liegt dann eine .avi-Datei in der gewählten Qualität (meist SD bei den Privatsendern).
Seit ein paar Jahren bin ich da raus, daher kenne ich den heutigen Stand nicht. Es wäre neben einem RaspberryPi mit einem DVB-S2-Stick noch die legalste Möglichkeit, an Aufzeichnungen von Privatsendern zu kommen, die keinen DRM-Beschränkungen unterliegen. Man muss halt ein wenig frickeln, wohl der Grund dafür, dass es in der breiten Masse niemand kennt.