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Warum viele TV-Experten vor der Webcam schlecht aussehen

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Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich das erste Mal vor einer Fernsehkamera gestanden habe. Das war im Rahmen meiner kommunalpolitischen Tätigkeit in jungen Jahren. Später, als meine Bücher erfolgreich wurden, stieg das Interesse der Medien.

Viele wollten den Bestatter vor der Kamera haben, der so eindrückliche Einblicke hinter die Kulissen der Bestattungsindustrie gewährte. Die einen sahen in mir den Experten und luden mich ins Studio ein, damit ich live in der Sendung Hörerfragen beantwortete. Andere sahen Bestatter per se als Kuriosität an und wollten einfach mal einen aus der Branche in der Sendung zu Gast haben. 30 bis 40 Mal war ich in verschiedenen Studios zu Gast, und durfte viele Städte besuchen: Berlin, Dresden, Köln, Leipzig, Mainz usw.

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Manchmal wurden auch Dokus mit mir gedreht, wo ich dann als Experte bestimmte Situationen einschätzen sollte. Was ich übrigens mindestens zwanzigmal abgelehnt habe, sind Sendungen, in denen mit versteckter Kamera irgendwelche Bestatter aufs Kreuz gelegt werden sollten, und wo ich dann aus einem Keller heraus denen überfallartig ihre Fehler und Versäumnisse vorwerfen sollte.

Aber ansonsten sind schöne Dokumentationen gedreht worden. Eine davon ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben: Dreharbeiten für den WDR in Köln, betreut von Iris Rohmann, die die mehrtägigen Aufnahmen für mich auch sehr angenehm gestaltet hat.

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Auf den Bildern siehst Du, welchen Aufwand die Aufnahmeteams treiben, um schöne Bilder zu machen. RTL kam mal mit fünf Mann, ansonsten sind es meist drei Leute: Ein Verantwortlicher, ein Kameramann und ein Mann für den Ton. Das können natürlich auch Frauen sein, ist ja klar.

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Ab und zu wollten die Sender auch den Schriftsteller in seinem heimischen Umfeld filmen. Bis auf eine besondere Ausnahme habe ich das aber immer abgelehnt. Ich wollte meine Familie nicht beeinträchtigt sehen.

Aber bei dieser Aufnahme bei mir zu Hause haben die Leute vom Sender über eine Stunde lang Licht, Kameras und Ton aufgebaut.

Eins ist mir aufgefallen: Im Laufe der Jahre sind die Kameras kleiner geworden. Das liegt ja auch auf der Hand. Moderne Technik schrumpft ehemals große Geräte auf ein handliches Format.
Heute reicht manchem Aufnahmeteam eine Canon-Spiegelreflexkamera mit einigen Anbauteilen, um professionelle Aufnahmen für ihren Sender machen zu können. Mit so einem Equipment werden ganze Doku-Serien gedreht.

Und natürlich hat dieser Trend auch im semiprofessionellen Bereich Einzug gehalten.

Wenn früher ein druchgeknallter Pilot ein Flugzeug in einen Berghang steuerte und ein Sender von mir dazu ein Statement wollte, dann setzte sich ein Aufnahmeteam in ein Auto, fuhr zu mir, baute eine Stunde lang Zeug auf und nahm dann mein Statement aus drei verschiedenen Perspektiven auf.

Doch dann kam die Veränderung. Auf einmal wurden die Anfragen bei mir mehr, obwohl meine Popularität schon lange am Sinken war.
Der Grund dafür ist ganz einfach: Viele Sender schicken keine teuren Teams mehr los, sondern die Frage lautet immer öfters: „Hammse suuuhm, dann machen wir das direkt online?“

Ja, heute setzt sich der Experte einfach nur noch zu Hause in eine schöne Ecke, stellt seinen Laptop mit Webcam vor sich auf einen Tisch und gibt nach Absprache sein Statement online über eine Zoom-Software (oder Ähnliches) ab.

Das sieht dann leider oft so aus:

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Wenn es noch schlimmer kommt, ist nicht nur der Hintergrund aberwitzig matschig und es bilden sich „Bluescreen-Artefakte“ um den Kopf, sondern der „Experte“ schaut auch noch von oben in die Kamera und an der Kamera vorbei.

Viele bekommen es auch nicht hin, einen vernünftigen Ton aufzunehmen, und setzen sich Kopfhörer oder gar Kopfhörer mit angeflanschtem Mikrofon auf.

Eigentlich beinhalten moderne Laptops alles, was man für eine gelungene Aufnahme benötigt. Und am PC braucht man nur eine halbwegs gute Webcam und ein Mikrofon, um gute Aufnahmen hinzubekommen. Aber daran scheitern die meisten.

So geht es richtig: Das kleine Heimstudio für Fernsehinterviews

Es ist erstaunlich: Menschen geben Experteninterviews im Fernsehen, beraten Millionenpublika zu Politik, Technik, Medizin oder Wirtschaft – und sitzen dabei vor einer Webcam, die von unten in die Nasenlöcher filmt.

Dabei braucht es heute gar kein professionelles Fernsehstudio mehr, um eine hervorragende Bild- und Tonqualität zu erreichen. Mit wenigen einfachen Maßnahmen kann praktisch jeder zu Hause Aufnahmen produzieren, die nahezu sendefähig sind.

Die Kamera muss auf Augenhöhe sein

Der häufigste Fehler besteht darin, dass der Laptop auf dem Schreibtisch steht und die Kamera deshalb nach oben filmt. Das wirkt unvorteilhaft, betont Kinn, Hals und Nasenlöcher und vermittelt dem Zuschauer unbewusst ein unangenehmes Gefühl.

Die Kamera sollte sich möglichst exakt auf Augenhöhe befinden. Wer einen Laptop verwendet, stellt ihn am besten auf einige Bücher oder einen Laptopständer. Noch besser ist eine externe Webcam, die sich flexibel positionieren lässt.

Idealerweise blickt man direkt in die Kamera und nicht auf das eigene Bild auf dem Bildschirm. Das fühlt sich zunächst ungewohnt an, wirkt später aber deutlich professioneller.

Licht ist wichtiger als die Kamera

Viele Menschen investieren viel Geld in Kameratechnik und sitzen anschließend im Halbdunkel. Dabei bestimmt das Licht wesentlich stärker die Bildqualität als die Kamera selbst. Das Gesicht sollte von vorne weich ausgeleuchtet werden. Ideal ist ein großes Fenster, durch das Tageslicht einfällt. Das Fenster sollte sich möglichst vor der Person befinden und nicht hinter ihr.

Steht das Fenster hinter dem Interviewpartner, wird dieser zur Silhouette und das Gesicht bleibt dunkel.

Wer häufiger Interviews gibt, kann für wenig Geld eine LED-Leuchte oder ein Ringlicht anschaffen. Dabei sollte das Licht nicht frontal blenden, sondern weich und gleichmäßig ausgeleuchtet sein.

Der Hintergrund sollte echt sein

Virtuelle Hintergründe sehen fast immer schlechter aus, als ihre Benutzer glauben. Die berühmten blauen oder grünen Artefakte um Haare und Schultern wirken unprofessionell und erinnern eher an schlechte Videokonferenzen als an Fernsehen.

Viel besser ist ein echter Hintergrund.

Ein Bücherregal, ein Arbeitszimmer, ein ordentliches Büro oder eine dezente Wand wirken meist überzeugender als jede künstliche Kulisse.

Wichtig ist lediglich, dass keine privaten Unterlagen, Familienfotos, Adresszettel oder andere vertrauliche Informationen sichtbar sind.

Auf den Ton kommt es an

Fernsehzuschauer verzeihen ein mittelmäßiges Bild deutlich eher als schlechten Ton. Hallige Räume, Küchenakustik oder billige Headsets ruinieren selbst das beste Interview.

Wer von zu Hause aus häufig Interviews gibt, sollte über ein einfaches Ansteckmikrofon oder ein gutes USB-Mikrofon nachdenken. Schon Mikrofone für 30 bis 50 Euro liefern Ergebnisse, die Welten über den eingebauten Mikrofonen vieler Laptops liegen.

Kopfhörer mit angeklebtem Mikrofonarm erinnern dagegen eher an Computerspiele als an seriöse Experteninterviews.

Ruhige Umgebung schaffen

Vor einem Interview sollte man prüfen, ob Fenster geschlossen sind, ob Baustellenlärm zu hören ist oder ob Familienmitglieder möglicherweise mitten durchs Bild laufen könnten.

Auch das Handy gehört auf lautlos.

Nichts wirkt peinlicher als ein Interview über Cyberkriminalität, das plötzlich von einem Gangster-Rap-Klingelton unterbrochen wird.

Der Blickkontakt entscheidet

Viele Interviewpartner schauen ständig auf ihr eigenes Bild auf dem Bildschirm statt in die Kamera. Dadurch entsteht für den Zuschauer der Eindruck, der Sprecher blicke permanent am Publikum vorbei.

Wer direkt in die Kamera schaut, wirkt präsent, aufmerksam und glaubwürdig.

Fernsehmoderatoren lernen das jahrelang. Bei einem Heiminterview genügt oft schon das Bewusstsein für diesen kleinen Unterschied.

Die beste Lösung: Das iPhone

Die vielleicht beste Nachricht lautet: Die meisten Menschen besitzen die optimale Kamera bereits.

Ein modernes iPhone liefert meist eine deutlich bessere Bildqualität als die eingebaute Kamera eines Laptops oder preiswerte Webcams.

Viele Fernsehsender bitten ihre Gesprächspartner inzwischen sogar ausdrücklich darum, Interviews mit dem Smartphone aufzuzeichnen.

Dabei wird das iPhone waagerecht auf einem kleinen Stativ oder einer Halterung befestigt. Das Gerät filmt mit seiner hochwertigen Hauptkamera, während der Ton über das eingebaute Mikrofon oder ein kleines Ansteckmikrofon aufgenommen wird.

Das Ergebnis wirkt oft überraschend professionell und kann qualitativ problemlos mit vielen klassischen Fernsehschalten mithalten.

Hinzu kommt, dass moderne Smartphones Farben, Schärfe und Belichtung meist wesentlich besser verarbeiten als die Kameras vieler Notebooks.

Noch besser: Das iPhone als Webcam verwenden

Wer einen Mac besitzt, hat sogar eine besonders elegante Möglichkeit: Das iPhone kann direkt als Webcam für den Mac genutzt werden. Apple nennt diese Funktion „Integrationskamera“ (Continuity Camera).

Das iPhone wird dabei oberhalb des Monitors befestigt und liefert sein Kamerabild direkt an Zoom, Teams, Skype oder andere Videokonferenzprogramme. Dadurch profitiert man von der hervorragenden Bildqualität des iPhones, ohne das Video anschließend übertragen zu müssen.

Viele Fernsehsender akzeptieren heute problemlos solche Live-Schaltungen. Die Bildqualität ist meist deutlich besser als die einer gewöhnlichen Webcam.

Mein persönlicher Tipp

Wenn ein Fernsehsender bei Ihnen anruft und ein Interview möchte, stellen Sie sich nicht einfach vor den Laptop.

Nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit.

Setzen Sie sich vor einen ruhigen Hintergrund. Sorgen Sie für gutes Licht. Stellen Sie die Kamera auf Augenhöhe. Räumen Sie den Schreibtisch etwas auf.

Und wenn möglich: Nutzen Sie ein aktuelles Smartphone oder verwenden Sie Ihr iPhone direkt als Webcam.

Mit diesen wenigen Maßnahmen sehen Sie sofort professioneller aus als neunzig Prozent aller selbsternannten Experten, die täglich durch deutsche Nachrichtensendungen und Talkshows geistern.

Bildquellen:

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(©si)