Als Eilmeldung tickerte das bei den Nachrichtensendern unten über den Bildschirm: „Christian Ulmen erleidet Schlappe vor Gericht“. Nichts sonst, keine weiteren Informationen.
Das hat nun viele selbsternannte Rechtsexperten und Meinungs-Influencer dazu veranlasst, sich wieder mal über den Streit zwischen Christian Ulmen und seiner Ex-Frau auszulassen.
Überwiegender Tenor: Ulmen ist vor Gericht unterlegen, also muss ja doch was dran sein, an dem, was Collien Fernandes behauptet.
Die meisten TikTok-Klugscheißer und YouTube-Kakerlaken übersehen dabei aber einen ganz entscheidenden Punkt. Bei der Gerichtsentscheidung, über die hier berichtet wurde, geht es überhaupt nicht darum, ob Frau Fernandes’ Vorwürfe Bestand haben oder nicht. Christian Ulmen hatte sich gegen die Berichterstattung im SPIEGEL gewandt und wollte erreichen, dass das Hamburger Nachrichtenmagazin bestimmte Behauptungen nicht mehr aufrechterhalten darf.
Es geht dabei um bestimmte Behauptungen bezüglich der von Frau Fernandes vorgeworfenen Taten und um die auszugsweise Wiedergabe von Inhalten aus einer E-Mail Ulmens an seine Strafverteidiger.
Es ist also ein Vorgehen Ulmens gegen die Presse, nicht gegen seine Ex-Frau.
„Nicht Teil der Klage gegen den Spiegel waren demnach die sonstigen Vorwürfe von Fernandes gegen Ulmen.“ZEIT
Dass Christian Ulmen es nicht gerne sieht, dass in so großem Rahmen über mögliche, bisher nur behauptete und nicht erwiesene Vorwürfe berichtet wird, liegt auf der Hand. Wer möchte sich schon gerne im SPIEGEL mit Schmutz beworfen sehen? So wird es zumindest Christian Ulmen sehen, nehme ich an.
Das zuständige Gericht hatte also nun zu prüfen, ob der SPIEGEL korrekt berichtet hat.
Und das ist der Knackpunkt: Korrekt bedeutet hier nicht, ob die Vorwürfe richtig, wahr oder plausibel sind. Korrekt bedeutet hier, ob ein Presseorgan nach den Regeln der journalistischen Kunst gearbeitet hat.
Es ist ja so, dass nicht Enthüllungsreporter des SPIEGEL hier dramatische Vorfälle enthüllt haben und jetzt für den Wahrheitsgehalt der daraus resultierenden Artikel geradestehen müssen.
Vielmehr berichtet der SPIEGEL in seinen Artikeln über das, was Frau Fernandes behauptet.
Ja, und das scheint der SPIEGEL bis auf einen kleinen Punkt auch richtig gemacht zu haben. Dieser Meinung ist zumindest jetzt das Gericht.
Insofern hat Christian Ulmen tatsächlich eine Schlappe erlitten. Das, was er wollte, hat er nicht bekommen. Punkt.
Ob an Frau Fernandes’ Behauptungen etwas dran ist, ist immer noch offen. Das wird ggfs. vor ganz anderen Gerichten entschieden.
Nochmal: Falls Christian Ulmen etwas Strafbares gemacht hat, soll er die Konsequenzen dafür tragen, keine Frage.
Aber bis jetzt wissen wir nur das, was seine Ex-Frau ihm vorwirft. Ich unterstelle Frau Fernandes nicht, dass sie die Unwahrheit sagt.
Aber die Situation ist doch so, dass bisher nur einer geredet hat, und das ist sie.

















