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Sie geht mir so auf den Sack! Wer wird Millionär?

Wer wird Millionär

Ich schaue sehr gerne die Sendung „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch. Vor etwa 20 Jahren waren die Allerliebste und ich sogar mal als Studiogäste bei Sendungsaufzeichnungen in den Kölner Studios dabei.

Es hat auch Jahre gegeben, in denen sich die Möglichkeit, die Sendung regelmäßig zu gucken, nicht so ergeben hat. Aber man kann schon sagen, dass ich ein stiller Fan bin.
Bei der Allerliebsten ist das anders.

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Unser Besuch damals in Köln ist uns nämlich vollkommen unterschiedlich in Erinnerung geblieben. Es war im Dezember und wir hatten einen schönen Tag. Frühmorgens in Heidelberg losgefahren, dann herzlicher Empfang bei RTL. Die Studiogäste bekamen eine Tour durch die verschiedenen Studios auf dem RTL-Gelände. Ein Gerichtssaal, in dem verschiedene Gerichtssendungen gedreht wurden, das Studio von Stern TV und natürlich das Studio von WWM.

An diesem Tag wurden mehrere Sendungen aufgezeichnet. Ein Warm-Upper (Aufwärmer) bemühte sich, das Publikum aufzulockern, dann kam Günther Jauch.
Damals war das Format noch einen Tick anders als heute. Zwischen den einzelnen Kandidaten wurde nämlich die Quizinsel mit den beiden Monitoren und Sitzgelegenheiten in der Mitte immer abgebaut. Der Quizmaster stellte die Auswahlfrage also immer aus dem leeren Rund in der Mitte. Danach wurde der ausgewählte Kandidat verkabelt und etwas geschminkt, während helfende Hände die Ratepulte installierten.
Heute wird das nicht mehr so gemacht.

Dadurch ergaben sich aber deutlich mehr Pausen, die überbrückt werden mussten. Man hatte also sehr viel Gelegenheit, Günther Jauch auch bei abgeschalteten Kameras zu erleben.
In meinen Augen ein charmanter, professioneller und überaus freundlicher Mann.
Mit den Kandidaten ist er humorvoll und eloquent umgegangen, ist zu jeder und jedem fair gewesen und hat sich viel Mühe gegeben, über kleine Schwächen hinwegzuhelfen.

So habe ich das erlebt.

Die Allerliebste aber war offenbar zu einer ganz anderen Gelegenheit dort, keine Ahnung. Sie empfand Günther Jauch als vorlaut, unfair und als jemanden, der die Kandidaten ins offene Messer laufen lässt.
Seit diesem Tag will sie „Wer wird Millionär?“ auf gar keinen Fall mehr anschauen.

Ich frage mich seitdem, wie solche unterschiedlichen Wahrnehmungen zustande kommen können. Von meiner Ausbildung her weiß ich natürlich, wie es um Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsprozesse bestellt ist. Aber das liefert mir seit 20 Jahren nicht die Erklärung für diese um 180° unterschiedlichen Erlebnisse bei RTL.

Heute schreibe ich noch einmal über diese Erlebnisse, weil in der letzten Sendung eine Kandidatin war, die mich genervt hat.
Eine ganz normale Frau, die an und für sich nichts Unangenehmes gemacht oder gesagt hat.

Aber manchmal ist das ja so, dass einem Menschen von Anfang an fürchterlich auf den Sack gehen. Es ist manchmal irgendetwas in der Physiognomie, das einen so stimmt. Es ist manchmal, wie sie sich bewegen, wie sie gucken und vor allem, wie sie reden.

Man kommt dann sehr schnell dahin, sich insgeheim zu wünschen, die betreffende Person möge doch endlich eine falsche Antwort geben, damit sie vom Bildschirm verschwindet.

Günther Jauch erzählte schon mehrfach, dass das Studiopublikum im russischen Ableger der Show unbeliebte Kandidaten mit absichtlich falsch gegebenen Publikumsantworten quasi aus dem Studio jagt.
Das finde ich nun ziemlich unfair und das widerspricht meinem Sportsgeist.

Wenn es einer geschafft hat, nach Jahren des Wartens auf die Teilnahme und dem Lösen der Auswahlfrage auf den Stuhl im Quizrund zu kommen, dann soll er auch seine Chance haben, ordentlich Geld mitzunehmen.

Aber es gibt halt manchmal diese eine Person, die ständig kichert, jeden Satz mit „Also, Herr Jauch“ beginnt und mit „Herr Jauch“ beendet, die klugscheißt und ganz offensichtlich mehr Glück als Verstand hat. Leute, die einem fürchterlich auf die Nerven gehen und bei denen ich dann oft denke: „Lieber Himmel, lass‘ es bitte bald vorbei sein.“

Unfair! Ich weiß. Aber so sind wir Menschen halt.

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(©si)