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Amazon Prime nervt: Der angebliche „Vorteil“, den keiner bestellt hat

Primitiv 800x500

Es gibt diese Momente im digitalen Alltag, da fragt man sich ernsthaft: Wer ist hier eigentlich der Kunde – und wer wird gerade erzogen?

Ich habe Amazon Prime. Nicht aus Jux und Dollerei, sondern ganz bewusst: wegen Prime Video und weil ich mir die Versandkosten sparen möchte. Punkt. Das ist ein klar umrissenes Nutzungsprofil. Keine Grauzone, keine offenen Wünsche.

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Und dann kommt es.
Tag für Tag.
Penetrant wie ein schlecht erzogener Staubsaugerroboter:

„Sie haben einen ungenutzten Prime-Vorteil!“

Ach was.

Der angebliche „Vorteil“

Gemeint ist natürlich Amazon Music. Drei Monate gratis! Millionen Titel! Unendliche musikalische Freiheit!

Nur: Ich will das nicht.

Nicht ein bisschen.
Nicht testweise.
Nicht „mal reinhören“.

Ich habe meine Musik. Ich habe meine Gewohnheiten. Und vor allem habe ich meine Ruhe gern. Was ich nicht habe, ist das Bedürfnis, mich von einem Großkonzern darüber belehren zu lassen, was ich angeblich verpasse.

„Sie verschenken etwas!“ – Nein, tue ich nicht

Diese Formulierung ist besonders dreist.
„Sie verschenken einen Vorteil.“

Das ist psychologisch geschickt – und gleichzeitig unerquicklich.

Denn damit wird mir suggeriert:

  • Ich handle unvernünftig
  • Ich lasse mir etwas entgehen
  • Ich sollte dringend mein Verhalten korrigieren

Dabei ist die Wahrheit ganz einfach: Ich verzichte bewusst.

Das ist kein „Verschenken“. Das ist eine Entscheidung.

Das Prinzip Dauerbeschallung

Was mich daran wirklich nervt, ist nicht einmal das Angebot selbst. Es ist dieses ständige Erinnern, dieses permanente Anstupsen, dieses „Komm schon, klick doch mal drauf“.

Es ist ein bisschen wie ein Verkäufer im Laden, der einem im Minutentakt ins Ohr flüstert: „Wollen Sie nicht doch noch die Socken dazu?“

Nein.
Wirklich nicht.

Drei Monate – und dann?

Natürlich ist klar, worauf das hinausläuft. Die berühmten drei Monate sind nichts anderes als ein Einstiegsangebot mit eingebautem Ablaufdatum.

Danach: Automatisches Abo, monatliche Kosten.

Ein Geschäftsmodell, so alt wie das Internet – nur heute perfektioniert bis zur letzten Push-Nachricht.

Der eigentliche Ärger

Es geht hier nicht um Musik. Es geht um Respekt.

Ich bin zahlender Kunde. Ich nutze das, wofür ich bezahle. Und ich entscheide selbst, was ich zusätzlich möchte – oder eben nicht.

Was ich nicht brauche, ist ein Konzern, der mich dauerhaft umerziehen will, weil ich einen seiner Zusatzdienste nicht nutze.

Fazit

Amazon bietet viele praktische Dinge. Keine Frage. Prime kann sinnvoll sein. Wirklich.

Aber dieses penetrante „Du könntest doch noch mehr konsumieren“ ist einfach nur ermüdend.

Wenn ich Musik will, höre ich Musik. Wenn ich Ruhe will, will ich Ruhe. Und wenn ich etwas nicht nutze, dann ist das kein Versehen – sondern Absicht.

Bildquellen:

  • primitiv_800x500: Peter Wilhelm ki

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(©si)