Man kommt im Grunde um Bestellungen bei AliExpress und notfalls Temu nicht herum. Wer sich ein wenig auskennt, der bekommt bestimmte Produkte dort einfach um ein Vielfaches günstiger als im übrigen Handel.
Ich spreche nicht davon, dass man bei den asiatischen Verkaufsplattformen für alle guten Markenprodukte irgendwelche chinesischen Billigalternativen bekommt. Nein, ich spreche von ein und demselben Artikel, der bei ΑΜΑΖΟΝ 139 Euro kostet und für den ich bei AliExpress nur 77 Euro bezahlen muss.
Kein Wunder also, dass die Chinesen Tag für Tag 14 Millionen Päckchen in die Europäische Union schicken, davon weit über 600.000 allein nach Deutschland.
Ich habe schon oft über AliExpress & Co. und die tückischen Fallen beim Einkauf dort geschrieben. Wie ich oben sagte: „wer sich auskennt“. Das ist wichtig, denn wer die Fallstricke nicht kennt und um die Tricks der Chinesen nicht weiß, der bezahlt am Ende dann doch viel mehr, als wenn er einfach in den MediaMarkt gefahren wäre.
Eine Falle möchte ich heute nochmal ausdrücklich beschreiben, damit Du nicht zufällig darauf hineinfällst.
AliExpress sendet Dir eine der vielen Werbemails mit Produkten, die Dir gefallen könnten. Was das sein könnte, hat AliExpress anhand Deines Stöberns im Shop ganz genau analysiert.
So ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass früher oder später ein Artikel dabei ist, der Dir wirklich gefällt.

Nehmen wir nur mal an, es sei ein Schraubenzieherset für 69 Euro. Darin ist von einem 15-teiligen Uhrmachersatz bis hin zu großen Schraubendreher alles enthalten. Nun bekommst Du ein Tagesangebot, das Dir eben dieses Werkzeugset für 29 Euro anbietet.
Wie leicht denkt man da, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist? Außerdem steht da noch etwas von Coupons, die Du preismindernd anwenden kannst.
Abgebildet ist genau das Set, das Du schon mehrfach aufgerufen und betrachtet hast.
Du klickst das Angebot in der Mail an und landest bei AliExpress auf der Seite. Du prüfst alles noch einmal ganz genau. Und es stimmt: Das Set, das vorher fast 70 Euro kosten sollte, bekommst Du nun für weniger als die Hälfte.
Du legst es in den Warenkorb, nicht ohne noch den Coupon-Code zu kopieren, der nochmals 4 Euro Rabatt einbringt. Rechnungssumme am Ende: 25 Euro.
Du rufst schon PayPal auf, um den Kauf zu bestätigen.
Und nun?
Wenn Du genau hinsiehst, stimmt auf einmal im Warenkorb das Produktfoto nicht mehr!
Statt des großen Schraubenziehersets ist da dunkel und kaum erkennbar etwas anderes abgebildet. Vorsichtshalber klickst Du nochmal darauf, um nachzusehen, was da los ist.
Und dann: Dann siehst Du, dass Du beinahe auf den fast schon am häufigsten angewendeten AliExpress-Trick hereingefallen wärst.
Auf der Produktseite des Schraubenziehersets kannst Du mehrere Produktvarianten auswählen. Das kennt man von T-Shirts, wo Du die Größe und Farbe individuell aussuchen kannst.
Beim Werkzeugset hast Du die Wahl zwischen dem großen Werkzeugset, einer kleineren Variante mit nur halb so viel Werkzeug und einer leeren Werkzeugbox, sowie drei einzelnen Schraubendrehern.
Und in Deinem Warenkorb liegt genau diese leere Werkzeugbox zur Aufbewahrung von Schraubenziehern.
Der Trick: Die wissen, dass Du an einem bestimmten Artikel Interesse haben könntest. Deshalb werfen Sie Dir scheinbar diesen Artikel für einen vermeintlichen Schnäppchenpreis zum Fraß vor.
Aus Gier entgeht vielen Käufern, dass sie nur auf eine Variante, und zwar die günstigste, steilgehen.
Ist mir auch schon passiert!
Wer da nicht ganz genau aufpasst, der legt sich selbst rein.
AliExpress versucht Dich nicht zu täuschen. Die nutzen bloß die Schnäppchengier der Kunden aus. Du bekommst am Ende, was Du bestellt hast, hast aber nicht das bestellt, was Du eigentlich haben wolltest!
Ja und dann? Du kannst natürlich umtauschen und so…
Aber mal ehrlich? Wer schickt schon Zeug nach China zurück?
Versuch das mal! Wenn der Händler, der über AliExpress verkauft, überhaupt auf irgendwas eingeht, dann wirst Du die Versandkosten nach Ostasien übernehmen dürfen.
Fazit
AliExpress und ähnliche Plattformen sind Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite stehen unschlagbar günstige Preise, die man im europäischen Handel oft schlicht nicht findet. Wer weiß, was er tut, kann dort tatsächlich echte Schnäppchen machen und für identische Produkte deutlich weniger bezahlen.
Auf der anderen Seite ist genau dieses Sparpotenzial die größte Gefahr. Die Plattformen arbeiten mit psychologischen Mechanismen, die gezielt auf Schnäppchenjäger abzielen. Nicht durch plumpen Betrug, sondern durch geschickte Präsentation, Varianten-Auswahl und Preisstaffelung. Man bekommt am Ende genau das, was man bestellt hat – nur eben oft nicht das, was man eigentlich im Kopf hatte.
Der entscheidende Punkt ist deshalb Erfahrung. Wer sich auskennt, wer genau hinschaut und jeden Klick überprüft, der kann profitieren. Wer sich dagegen von vermeintlichen Rabatten treiben lässt, tappt schnell in eine der vielen kleinen Fallen.
Unterm Strich gilt: Kaufen bei AliExpress lohnt sich – aber nur für diejenigen, die kühlen Kopf bewahren und nicht dem eigenen Schnäppcheninstinkt auf den Leim gehen.
Bildquellen:
- liefertzu_800x500: Peter Wilhelm ki

















