Banküberfälle gelten als das Verbrechen der Doofen. Das liegt daran, dass die meisten Bankräuber geschnappt werden und dass sie, falls sie Beute machen, oft mit lächerlichen Beträgen davonkommen.
Banküberfälle, das wissen selbst die blödesten Verbrecher, lohnen sich nicht, sind zu riskant und führen meist direkt in den Knast.
Dennoch soll Los Angeles eine Stadt sein, in der alle 48 Minuten ein Banküberfall stattfindet. So behauptet es zumindest der Spielfilm „Criminal Squad“ in einer Einblendung zu Beginn des Films.
Ist Los Angeles wirklich die Hauptstadt der Banküberfälle?
Eine sehr gute Frage, Tobias! Und wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo zwischen Drehbuchphantasie und Polizeistatistik.
Wie viel Wahrheit steckt im Film?
Tatsächlich war Los Angeles in den 1980er- und 1990er-Jahren tatsächlich eine Art Bankraub-Metropole. Zeitweise wurden dort laut FBI und Los Angeles Times über 2.000 Banküberfälle pro Jahr registriert. Das entsprach tatsächlich in etwa einem Überfall pro Arbeitstag oder, wenn man es grob rechnet, ungefähr alle 40 bis 50 Minuten ein neuer Fall – zumindest werktags. Die Angabe im Film ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen, sondern spiegelt den Zustand einer ganz bestimmten Epoche wider.
Diese Hochphase fiel in eine Zeit, in der Los Angeles buchstäblich mit Bankfilialen übersät war. Nach der Deregulierung des US-Bankwesens eröffneten unzählige kleine Filialen, oft mit nur minimaler Sicherheitsausstattung. Zugleich stieg die Arbeitslosigkeit, das Drogenproblem eskalierte und die Polizei war überlastet. Wer damals Geld brauchte und eine Waffe besaß, kam schnell auf dumme Gedanken. Man sprach sogar scherzhaft von „Bank Robbery Fridays“, weil viele Überfälle gegen Wochenende geschahen, wenn die Banken mehr Bargeld vorrätig hatten.
Eine ähnliche Situation hatten wir übrigens direkt nach der Wende, Anfang der 1990er Jahre, auch in Deutschland. Damals drängten Banken und Sparkassen aus dem Westen mit Macht in die neuen Bundesländer und eröffneten innerhalb kürzester Zeit tausende provisorische Filialen. Vielerorts handelte es sich dabei nicht um solide Bankgebäude, sondern um behelfsmäßige Lösungen: umgebaute Linienbusse, einfache Bürocontainer, ehemalige Ladenlokale oder umfunktionierte Erdgeschosse von Wohnhäusern. Diese improvisierten Zweigstellen waren oft nur notdürftig gesichert – Tresore fehlten, Alarmsysteme waren veraltet oder gar nicht vorhanden, und Bargeld wurde häufig über Nacht im Gebäude belassen. Das blieb natürlich auch Kriminellen nicht verborgen. Für einige Jahre kam es daher vermehrt zu Überfällen und Einbrüchen auf genau diese provisorischen Filialen, bevor die Banken ihre Sicherheitsstandards nach und nach den westdeutschen Verhältnissen anpassten.
Heute ist das Geschichte
Mit dem Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen, Überwachungskameras, gepanzerten Schaltern und der generellen Abkehr vom Bargeld hat sich das Bild völlig gewandelt. Inzwischen werden in ganz Kalifornien pro Jahr nur noch wenige Dutzend Banken überfallen – in Los Angeles selbst meist weniger als 50. Damit liegt die Stadt heute auf dem Niveau anderer Großmetropolen und ist weit entfernt von ihrem früheren Ruf.
Und wie sieht es in Deutschland aus?
Auch hierzulande waren Banküberfälle früher beinahe Alltag. In den 1990er-Jahren wurden in Deutschland noch über 700 Fälle pro Jahr registriert. Heute sind es nach Angaben des Bundeskriminalamts1 weniger als 30 pro Jahr – bei über 20.000 Bankfilialen! Der klassische Bankräuber mit Strumpfmaske ist also fast ausgestorben.
Dafür gibt es aber zwei moderne Nachfolger:
- die Bankautomatensprenger, die Geldautomaten in die Luft jagen, in der Hoffnung, dass das darin enthaltene Geld nicht durch Farbbomben unbrauchbar gemacht wird,
- den Online-Bankräuber. Phishing, Trojaner und Social Engineering haben die Kalaschnikow und den Fluchtwagen ersetzt.
Die Sprengräuber werden aber immer weniger, da die Banken vehement nachrüsten und bei solchen Aktionen immer weniger brauchbares Geld erbeutet werden kann. Es bleiben die Online-Räuber: Statt Fluchtfahrten gibt’s heute IP-Adressen, statt Geldsäcken Screenshots vom Online-Banking. Der „Heist“ hat sich ins Digitale verlagert.
Fazit
Die Behauptung aus Criminal Squad, in Los Angeles werde alle 48 Minuten eine Bank überfallen, ist heute reine Fiktion. Aber sie hat einen wahren Kern: In den 1980er- und 1990er-Jahren war Los Angeles tatsächlich die Hochburg des Bankraubs – nirgends sonst in den USA wurde öfter zugeschlagen. Heute dagegen sind Banküberfälle weltweit auf dem Rückzug, in Deutschland genauso wie in den Vereinigten Staaten.
Was bleibt, ist die Faszination des Genres: Banküberfälle im Film sind spannender denn je – ganz gleich, ob in Hollywood oder im Tatort.
Bildquellen:
- bankueberfall_800x500: Peter Wilhelm KI

















