Notiz für mich selbst

Comics früher und heute: Superman und Asterix – Meine Kindheit mit Comics

Kanibale

Ich oute mich hier als Superman-Fan. Schon als sechsjähriger Junge bin ich mit umgehängtem roten Badehandtuch als magerer Ersatzsuperman im Nordseeurlaub am Strand herumgelaufen.

Superman war der erste Comic, den ich kennenlernte. Dann kamen Batman, Micky Maus und Donald Duck hinzu. Etwas später entfachte meine Cousine Cornelia in mir das Feuer der Begeisterung für Asterix.

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An die Comichefte mit den Helden aus Metropolis und Gotham City, sowie den sprechenden Tieren aus Entenhausen kam ich, weil mein Cousin Wilfried in Essen in einer Großdruckerei arbeitete, in der diese Hefte gedruckt wurden. Er konnte immer stapelweise Makulatur mit nach Hause nehmen, also Hefte, bei denen irgendetwas mit der Farbe oder dem Beschnitt nicht stimmte. Manchmal waren die Hefte auch noch gar nicht rundherum beschnitten und bestanden im Wesentlichen aus auf Heftformat zusammengefalteten riesigen Druckbögen.

Das waren fast die besten Hefte, denn da kam zur sowieso vorhandenen Erwartung noch der Kitzel der Zubereitung hinzu. Mit einem langen Küchenmesser und kaum zu zügelnder Ungeduld wurden diese Hefte an den Kanten vorsichtig aufgeschnitten – erst dann konnte man sie aufklappen, umblättern und lesen.

Wenn wir bei meinem Onkel und meiner Tante zu Besuch waren, die ein kleines Bahnhäuschen direkt neben den Schienen an der Stadtgrenze zwischen Essen-Kray, Wattenscheid und Bochum bewohnten, freute ich mich schon darauf, meinen Cousin zu besuchen, der unten im Haus mit seiner Familie eine Wohnung hatte. Es war immer ein wenig Bitten und Betteln notwendig, bis er seine Schatztruhe öffnete. Die bestand im Wesentlichen aus seiner aufklappbaren Eckbank. Und in der befanden sich die ersehnten Comichefte.

Cousine Cornelia, die in Neu-Isenburg wohnte, besaß hingegen alle bis dahin erschienenen Asterix-Bände. Die hatte sie, als sie von zu Hause ausgezogen war, nicht mitgenommen. Einmal verbrachten meine Eltern und ich einige Tage in Neu-Isenburg bei Onkel und Tante und ich durfte mir nach und nach die Asterix-Hefte zu Gemüte führen. Damit wurde der Samen dafür gelegt, dass ich mir auch heute noch jeden neu erschienenen Band kaufe. Allerdings tue ich das heute nicht mehr unmittelbar nach dem Erscheinen, sondern erst, wenn die Hardcoverausgabe herauskommt. Die finde ich viel schöner.
(Schade, dass die in ein paar Jahren mit den ungefähr 5.000 anderen Büchern in einem Container landen werden, weil es niemanden mehr gibt, der papiergedruckte Literatur und Unterhaltung zu schätzen weiß.)

Als ich als Jugendlicher mal fast ein halbes Jahr im Krankenhaus liegen musste, habe ich auch in das Marvel-Universum hineingeschnuppert. Unter den Marvel-Fans ist das Marvelfieber bekannt, das angeblich jeden ergreift, der sich in die Themenwelten von Hulk, Spiderman und Silver Surfer einliest. Und bei mir war das auch so. Ich meine, es wäre immer der Dienstag gewesen, an dem die neuesten Hefte erschienen, und ich konnte es kaum abwarten, bis mich jemand besuchen kam und mir diese am Krankenhauskiosk kaufte.

Spätestens mit dem Beginn meines Studiums verblasste aber das Interesse an Comics. Nur bei Asterix bin ich dabeigeblieben.

An die anderen Comic-Welten, wie Manga und die ganzen alternativen Comics, habe ich mich nie gewöhnen können.

Mir ist aber eins aufgefallen: Heute, mit weit über 60 Jahren auf dem Buckel konsumiere ich Comics anders, als in jüngeren Jahren.
Als Kind habe ich stundenlang an einem Asterix-Band Vergnügen gehabt. Meine Augen nahmen in den Bildern jedes Detail wahr. Und es gibt ja in jedem Asterix auch großformatige Szenen, auf denen es viel zu entdecken gibt.
Heute vermag ich gar nicht mehr, so tief in die gezeichnete Welt einzudringen. Ich lese die Texte, schaue über die Bilder, freue mich, aber dieses Eintauchen in das gallische Dorf bleibt weitestgehend aus.

Eigentlich schade. Ich habe mir so viel kindliches Gemüt und so viel Spieltrieb bewahren können, aber dieser Teil ist wohl verlorengegangen.

Wie ist das bei Dir?

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(©si)