Ich habe eine Mail bekommen:
hej, du kennst mich nicht, aber ich hab dich vor ein paar tagen beim bäcker gesehen. ich war nur kurz da, weil ich brot holen musste, aber ehrlich gesagt bist du mir direkt aufgefallen. wollte dich eigentlich ansprechen, aber irgendwie war der moment zu schnell vorbei. eine bekannte meinte dann zufällig, dass du ganz in ihrer nähe wohnst und so hab ich dich hier gefunden. ich bin manuela, und single. hoffe du bist nicht böse, dass ich dir einfach so schreibe. hättest du lust, dass wir uns mal treffen? vielleicht auf nen kaffee?
Hallo, Manuela,
das ist aber nett, dass Du mir schreibst.
Ich habe schon lange keine solche Nachricht mehr bekommen. Um ehrlich zu sein: noch nie.
Früher hat man sich so angeguckt, sich mal zugelächelt und dann bei passender Gelegenheit mal angesprochen.
Dass ich Leuten auffalle, das kenne ich. Weil ich so groß bin, so kräftig und weil ich so einen langen Bart habe. Vor allem kleine Kinder schauen mich immer ganz neugierig an. Vermutlich überlegen sie, ob ich nicht der Weihnachtsmann sein könnte.
Nun war ich in der letzten Zeit nur einmal beim Bäcker und erinnere mich ganz gut an die Personen, die auch noch da waren.
Da waren aber nur Herren. Ist es möglich, dass Du transgender bist?
Ansonsten kenne ich die Frauen in meiner Nachbarschaft ziemlich genau.
Ich möchte nicht despektierlich sein, muss aber eindeutig feststellen, dass ich ja bereits eine Frau habe. Und die ist mir manchmal schon zu viel.
Es ist aber so, dass ich keinesfalls riskieren möchte, mit der bereits vorhandenen Frau in einen Konflikt zu geraten, weil ich mich nach einer anderen Frau in meiner Nachbarschaft umschaue.
Und jetzt kommt der despektierliche Aspekt: Wenn ich mich so umschaue, dann würde es sich auch nicht lohnen, wechseln zu wollen.
Meine Nachbarinnen sind alles sehr nette Frauen und ich finde sie auch teilweise recht hübsch. Aber ich bin mit der Frau, die ich schon habe, sowohl voll ausgelastet, als auch sehr zufrieden.
Mir ist die Beziehung auch sehr wichtig. Meine Frau und ich passen seit vielen Jahrzehnten so gut zusammen, dass wir uns beide auch nicht mehr umgewöhnen möchten.
Deshalb möchte ich Dich lieber nicht auf einen Kaffee besuchen. Wenn Du aber wieder mal zum Bäcker gehst, komm vorher vorbei, vielleicht brauche ich auch was.
Liebe Grüße
Peter

















