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Gedanken über die Demokratie

Gedanken über die Demokratie

Demokratie: welch ein majestätisches Wort? Geradezu ein Monument, eine Trutzburg von einem Wort. Es vermittelt ein Gefühl ewiger Gültigkeit, allumfassender Gerechtigkeit, Friede, Freude, Eierkuchen – für Veganer gerne auch als Tofu-Substitution – beinahe wie ein Naturgesetz anmutend. Selbstzufrieden schreitet der Bürger dieses große Bauwerk ab und sonnt sich im Neid derer, denen dieses Privileg vergönnt ist.

Doch plötzlich bleibt er unvermittelt stehen. Sein Blick fällt auf eine Unzierde auf der makellosen Wand: ein winziges unscheinbares Fragezeichen. Mit verstohlener Geste geschrieben, geradezu an die Wand gehaucht. Irgend jemand hat doch tatsächlich die Stirn, dieses teure, liebgewordene, beinahe schon sakrosankte philosophische Axiom, dass die Demokratie die beste aller Gesellschaftsformen sei, in Frage zu stellen.

Der Blick des Betrachters wandert irritiert, beinahe böse umher, auf der nervösen Suche nach weiteren Zeichen eines Affronts dieser Art. Dann hält er wütend inne und beschließt, einfach nicht mehr an dieses verstohlene Fragezeichen zu denken. Aber es will ihm nicht gelingen. Der Samen dieses kleinen Graffitis ist aufgegangen und gebiert Fragen über Fragen.

Beispielsweise die, was Demokratie eigentlich bedeutet? Jeder hat irgendwann einmal in der Schule gelernt, dass diese Bezeichnung aus dem Altgriechischen kommt und frei übersetzt bedeutet, dass die Herrschaft von der Allgemeinheit ausgeübt wird. Aber ist das in der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich der Fall? Da hierzulande über 80.000.000 Menschen leben, ist es zweifelsohne praktikabler, diesem Umstand Rechnung zu tragen und die hellenische Urform etwas zu modifizieren – böse Zungen würden auch sagen: einzuschränken.

In der hierzulande herrschenden Demokratie über Bande (vulgo parlamentarische Demokratie) werden aus den Reihen des Volkes einige Bürger dazu bestimmt, diese Herrschaft im Sinne der Allgemeinheit auszuüben. Diese sogenannten Abgeordneten versammeln sich dann im Parlament, der Rest ist Routine. Das Problem an dieser Regelung ist allerdings, dass diese Abgeordneten nur alle 4 Jahre neu bestimmt werden. Während dieser Zeit können sie quasi tun und lassen, was sie wollen, solange sie sich an die bestehenden Gesetze halten.

Ersteres tun sie, zumeist mit Verve, immer mit übertriebenem Pathos, selten mit Hirn und zuweilen auch mit fragwürdigen Ergebnissen. In Bezug auf bestehende Gesetze zeigen sie bei ihrer Regierungsarbeit mitunter eine atemberaubende Kreativität, die routinemäßig in Gesetzesänderungen mündet, wenn ihr Handeln absolut nicht nachvollziehbar oder schlicht verfassungswidrig ist.
Beispielsweise bestimmen die Abgeordneten – nicht die Bürger wohlbemerkt – einen aus ihrer Mitte, der sich um die Landwirtschaft, den Verbraucherschutz und um die Ernährung zu kümmern hat: der nennt sich dann folgerichtig Bundesminister für Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Ernährung – die Relevanz dieser ministeriellen Dreifaltigkeit ist allerdings je nach Parteibuch und Einfluss mächtiger Lobbygruppen abseits der Medienberichte starken Schwankungen unterworfen.

Unabhängig von der ideologischen Basis hat aber keiner dieser Bundesminister für Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Ernährung jemals etwas dagegen unternommen, dass in Deutschland Jahr für Jahr 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden, während mancherorts die Menschen in Suppenküchen anstehen, um sich wenigstens einmal am Tag satt zu essen.

Und ehe man sich versieht und beiläufig über die Unantastbarkeit der Menschenwürde als oberste Maxime unserer Verfassung nachdenkt, beginnt das kleine Fragezeichen in der Mauer zu wachsen. Will das jemand aus dem Volk, dass Menschen in Suppenküchen anstehen müssen? Darf es in einer Demokratie so etwas Unwürdiges überhaupt geben?

Wenn unsere Demokratie es zulässt, ja sogar begünstigt, dass die Volksvertreter die Vokabel als solche durch ihn Handeln Lügen strafen, sie ihr Tun stets so ausrichten, dass die Wohlhabenden immer mehr Güter anhäufen, dass der immense Reichtum in unserem Land auf immer weniger Menschen verteilt wird, dass einige wenige ihre Dekadenz nicht mehr im Zaum halten können, während Millionen täglich um das Allernötigste kämpfen müssen, wenn unsere Demokratie so etwas ermöglicht, sind diejenigen, die ihr immer und immer wieder, zuweilen auch mit einem Schuss lächerlichem Patriotismus die Stange halten, entweder einem kapitalen Übersetzungsfehler vom Griechischen ins Deutsche aufgesessen, oder aber Demokratie, wie wir sie erleben/müssen ist abgrundtief asozial.

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Peter Grohmüller

Peter Grohmüller

Hallo, ich bin Peter Grohmüller und leide nicht an dieser Welt, aber mir fällt ihr Leiden auf.

"This world is sick and we are the doctors."

Wenn es eine Wunde gibt, dann muß man sie entweder heilen oder Salz hineinstreuen. Wir, das sind die Kritischen, die Hinterfragenden und die Lallbackenentlarver. – So einer bin ich.

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Tja, wie bereits im Catgonil-Bericht erwähnt, ist nun auch unsere Spülmaschine hin. :-( Das Bild...

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