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  • Frau Zehnbauer ruft die Mannheimer Polizei an

    Der Mannheimer Dialekt ist eine Form der deutschen Sprache, die für manchen Uneingeweihten nur rudimentär etwas mit der Sprache Goethes und Schillers zu tun hat. Gleich mehrere Kabarettisten, allen voran meine Freunde Christian „Chako“ Habekost und Bülent Ceylan, verdienen nicht gerade schlecht damit, daß sie eben diese Mundart in ihren Programmen einsetzen, sich zum Teil darüber belustigen und den breitmäulig daherschwatzenden Kurpfälzern den mundartlichen Spiegel vorhalten.

    Frau Christina Zehnbauer (42) spricht ebenfalls diesen Dialekt und gehört ganz ohrenscheinlich nicht unbedingt zu dem was sich in unserem Land die Bildungselite nennt. Ja und eben diese Frau Zehnbauer hat ein Problem mit ihrem Nachbarn. Der macht nämlich gerne Rabatz in seiner Wohnung, dreht die Musik gerne mal zu laut auf und hat so gut wie keine Vorstellung davon wie man das Wort Zimmerlautstärke schreibt und was es bedeuten könnte.

    Und eben darüber regt sich Frau Zehnbauer auf, denn just an diesem Abend war die Musik mal wieder ziemlich laut und zwar so laut, daß die Zwischenwand des Einfachbaus an der Oberen Riedstraße dermaßen in Schwingungen versetzt worden ist, daß ein „Deller“ (Teller) von der Wand gefallen war.

    Frau Zehnbauer ruft die Mannheimer Polizei anFrau Zehnbauer ruft die Mannheimer Polizei an

    Hier der Link zum Clip mit dem Telefonat:
    http://de.youtube.com/watch?v=zK9cj1Bchpw

    Ob dieser Teller nun zum Eßgeschirr der Zehnbauers gehört oder allein dem Zweck der Zimmerdekoration dient, bleibt zunächst verborgen, jedenfalls ist er heruntergefallen. Darüber ereifert sich Frau Zehnbauer und ruft in ihrer Not die Mannheimer Polizei an.

    Der zuständige Beamte hört sich das Anliegen der aufgebrachten Frau an, erkennt offenbar rasch, daß es sich um keinen lebensbedrohlichen Zustand handelt und geht im weiteren Verlauf des Gesprächs, offenbar erkennend aus welcher gesellschaftlichen Schicht die Anruferin stammt, recht süffisant und wenig respektvoll mit der Anruferin um.
    Nun gut, wer die Mannheimer Polizeibeamten kennt, der weiß, daß sich bei denen -gerade im Versuch sich hochdeutsch auszudrücken- gerne mal ein verbaler Lapsus über die Lippen erbreitet.

    Dennoch aber kommen der Beamte und die anrufende Frau Zehnbauer überein, daß eben diese Frau Zehnbauer nicht in die Nachbarwohnung gehen und dem Nachbarn eine reinhauen muß, sondern daß die Polizei jemanden vorbeischickt.

    Soweit so gut, sowas kommt tagtäglich vor und man kann dem Beamten daraus keinen Vorwurf machen, es wachsen halt auch viele Idioten auf Gottes weitem Acker und manche davon rufen eben auch bei der Polizei an, stehlen den Beamten die Zeit mit Nichtigkeiten und da ist die Versuchung sicherlich groß und die Gefahr gegeben, daß man auch mal bei einem Fall mit möglichem ernsteren Hintergrund, der aber nicht gleich zu erkennen sein mag, einen etwas verfehlten Ton anschlägt.

    Wer jemals Gelegenheit hatte, den Polizeifunk abzuhören, der weiß, daß es im Alltag der Beamten dutzendfach zu unnötigen Einsätzen kommt über die die Beamten hinterher nur den Kopf schütteln können. Immerhin: Hinterher, sie waren da.
    Diese Dialoge über Funk, bei denen sich gleich mehrere Gesprächsparteien im Sinne der Funkdisziplin versuchen sich in einer ihnen ansonsten eher fremden Sprache, nämlich besagtem Goethedeutsch, zu verständigen, entbehren schon grundsätzlich nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik.
    Diese unfreiwillige Komik potenziert sich aber möglicherweise, wenn Leute wie so ein Beamter und so eine Frau Zehnbauer am Telefon aufeinandertreffen.

    Der Witz an der Sache ist, daß nun -und das hat ja jeder mitbekommen- ein Mitschnitt eben dieses Telefonates bei YouTube im Internet aufgetaucht ist. Bald schon werden eine halbe Million Menschen diesen Clip gehört haben und mit Recht darüber geschmunzelt haben.

    So ist das eben, wenn komische Sachen publik werden, die Leute lachen drüber, ganz gleich ob die Komik unfreiwillig wie bei Frau Zehnbauer oder bewußt wie bei Habekost und Ceylan dargeboten wird.


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    Die Frage, die nun auch die Kriminalpolizei Mannheims interessiert lautet: Wie kann es sein, daß der Notruf eines Bürgers mit allen Angaben über Namen und Adressen in voller Länge im Internet auftaucht?

    Natürlich bemüht man sich nun von Seiten der Mannheimer Polizei um Schadensbegrenzung, spricht von mittlerweile verbesserten Datenschutzbedingungen und verweist nimmermüde darauf, daß der telefonische Urfall ja schon drei bis vier Jahre zurückliege. Ein schaler Beigeschmack aber bleibt.
    Wann stellt irgendein verrückter Polizeibediensteter Mitschnitte unserer privaten Telefonate ins Internet?
    Wie lange dauert es, bis die auf Schäubles Irrwitz beruhenden heimlichen Videoaufnahmen aus unseren Wohnungen bei YouTube oder gar bei YouPorn auftauchen?
    Und dauert es noch lange bis man jederzeit bei Google Mitschnitte der an öffentlichen Plätzen aufgestellten Überwachungskameras wiederfindet?
    Wann kann jeder jederzeit Ermittlungs- und Strafakten im Internet wiederfinden, weil ein Polizeibeamter/-bediensteter es „lustig“ findet.

    Der Mannheimer Polizei werden diese Fragen nicht gefallen. Sie bemüht sich ja jetzt schon, dem Zehnbauer-Vorfall das Mäntelchen des Einmaligen und Absurden umzuhängen.Klar, täte ich auch so. Aber Fakt ist, daß man doch überhaupt nicht weiß, wieviele solcher „lustiger“ Mitschnitte da bei der Polizei entwendet wurden und was da noch in den Schatzkästlein mancher Beamter liegt und irgendwann seinen Weg ins Internet findet.

    Ich unterstelle nicht, daß ein Polizeibeamter für die Verbreitung zuständig ist, ob das so war, kann keiner wissen. Vielleicht hat einer mitgeschnitten, ein andere mitgenommen und wieder ein anderer das Ding per Mail verschickt. Denn so hatte der Anruf seine erste weite Verbreitung gefunden, als Anhang einer der tagtäglich zu hunderten verschickten Spaßmails.
    Ob derjenige, der das Tonobjekt dann bei YouTube einstellte, überhaupt die wahre Herkunft kannte, ist völlig ungewiss.
    Ausdrücklich loben muß man Polizeidirektor Thomas Köber, der sich in kompetenter und sehr bürgernaher Weise der Sache annehmen musste.

    Es ist aber nicht damit getan, daß jetzt Schadensbegrenzung betrieben wird. Damit das Vertrauen der Bürger in ihre Polizei wiederhergestellt wird, müßen zwangsläufig Köpfe rollen, um es mal martialisch auszudrücken. Besser ausgedrückt: Die für einen solchen Vertrauensbruch verantwortlichen Beamten gehören weg, aus dem Dienst entfernt. Und das gilt meiner Meinung nach nicht nur für den oder die Leute, die sich da widerrechtlich in den Besitz dieser Mitschnitte gebracht haben, sondern auch und vielleicht sogar besonders für die Vorgesetzten, die Schaffung eines Behördenklimas verantwortlich sind, in dem sich Beamte / Bedienstete zu solchen Aktionen hingerissen fühlen können.

    Man darf so einen Vorfall nicht als läppische Lässlichkeit eines Einzelnen verniedlichen, sondern man muß es als das sehen was es ist: ein Skandal erster Güte!
    Mit anderen, bürgerlich harschen Worten gesprochen: Die versuchen uns doch auch wegen jedem Scheiß am Arsch zu kriegen, warum sollte man denen etwas durchgehen lassen?

    Und bevor jemand auf dumme Gedanken kommt: Ich höre keinen Polizeifunk ab, ich habe nie Polizeifunk abgehört, ich war nur einmal bei jemandem zu Besuch der sowas macht und der ist ausgerechnet Polizist.

    Frau Zehnbauer ruft an. Mitschnitt, Video, Telefonat


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