Weshalb gibt es auf dem Kontinent Australien zwei Monarchien mit demselben König? Das ist eine interessante staatsrechtliche Besonderheit: Australien und Papua-Neuguinea sind zwei unabhängige Staaten, die denselben Monarchen haben: König Charles III. Trotzdem handelt es sich um zwei rechtlich voneinander getrennte Monarchien.
Der Grund liegt in der britischen Kolonialgeschichte und im sogenannten Commonwealth Realm-System.
Wie kam es dazu?
König Charles III. ist gleichzeitig König von Australien und König von Papua-Neuguinea. Er trägt diese beiden Kronen unabhängig voneinander. Er ist also nicht etwa als britischer König automatisch Herrscher über beide Länder.
Australien entstand 1901 durch den Zusammenschluss mehrerer britischer Kolonien zu einem Bundesstaat. Es entwickelte sich schrittweise zu einem vollständig souveränen Staat, behielt jedoch die Monarchie als Staatsform bei.
Papua-Neuguinea wiederum stand teilweise unter britischer, später australischer Verwaltung. Als das Land am 16. September 1975 seine Unabhängigkeit von Australien erlangte, entschied es sich ebenfalls dafür, die britische Monarchin Elisabeth II. als eigenes Staatsoberhaupt zu behalten.
Als Elisabeth II. 2022 starb, folgte ihr Sohn Charles III. in beiden Ländern auf den Thron.
Zwei Kronen, aber ein Kopf
Der entscheidende Punkt ist die rechtliche Trennung:
| Australien | Papua-Neuguinea |
|---|---|
| König von Australien | König von Papua-Neuguinea |
| Eigenständige Verfassung | Eigenständige Verfassung |
| Eigener Generalgouverneur | Eigener Generalgouverneur |
| Eigenes Parlament | Eigenes Parlament |
| Souveräner Staat | Souveräner Staat |
Zwei Kronen, aber ein Kopf
Charles III. kann also nicht kraft seiner Stellung als König von Australien über Papua-Neuguinea bestimmen. Beide Staaten haben eigene Regierungen, eigene Gesetze und eigene verfassungsrechtliche Verfahren.
In der täglichen Politik wird der König durch jeweils einen Generalgouverneur vertreten. Die tatsächliche politische Macht liegt grundsätzlich bei den demokratisch legitimierten Regierungen und Parlamenten.
Und weshalb schaffen sie die Monarchie nicht einfach ab?
Das ist in beiden Ländern eine Frage der politischen Entscheidung und der verfassungsrechtlichen Verfahren.
In Australien fand 1999 ein Referendum über die Einführung einer Republik statt. Rund 55 Prozent der Abstimmenden lehnten das konkret vorgeschlagene republikanische Modell ab. Die Monarchie blieb bestehen.
In Papua-Neuguinea wurde die Monarchie bei der Unabhängigkeit bewusst in die neue Staatsordnung übernommen. Dort besteht sie ebenfalls bis heute fort.
Es gibt sogar noch mehr solcher Monarchien
Charles III. ist gegenwärtig Staatsoberhaupt von insgesamt 15 unabhängigen Staaten, den sogenannten Commonwealth Realms. Dazu gehören unter anderem Kanada, Neuseeland, Jamaika und die Bahamas.
Eine geografische Feinheit ist allerdings wichtig: Wenn man Australien als Kontinent im engeren geografischen Sinne versteht, gehört Papua-Neuguinea nicht dazu. Es liegt auf Neuguinea, das geografisch zur Region Melanesien beziehungsweise Ozeanien gehört. Bei einer weiter gefassten kontinentalen Einteilung wird Neuguinea häufig der australischen Kontinentalregion zugerechnet.
Besonders bemerkenswert ist also: Charles III. ist nicht ein König, der über 15 Länder herrscht, sondern rechtlich betrachtet ein und dieselbe Person, die 15 voneinander unabhängige Monarchenämter innehat.
Das ist ein ungewöhnliches Ergebnis der Entkolonialisierung des britischen Weltreichs.
Bildquellen:
- Koenig-Charles-zwischen-Australien-und-Papua-Neuguinea_800x500: Peter Wilhelm KI

















