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  • Die große Flatulenz

    von Peter Grohmüller

    Mit Flatulenz oder auch Blähsucht bezeichnet man eine übermäßige Ansammlung von Luft oder Gasen im Verdauungstrakt, wobei die Betonung auf übermäßig, will meinen: eher nicht zweckdienlich, liegt. Jeder, der schon einmal einen unnötigen Nachschlag eines leckeren Kohl- oder Bohnengerichtes zu sich genommen hat, weil es nun mal so delikat war, wird sich an das unangenehme bis schmerzliche Grummeln und ein ebensolches Druckgefühl im Bauchraum erinnern, von dem man sich erst nach zutiefst unappetitlich aromatischer Entlüftung des Enddarmes Erleichterung verschaffen kann.

    Die große Flatulenz

    Bei dem einen oder anderen Leser mag sich, ob der Hauptkomponente des oben erwähnten Kohlgerichts, sogleich eine wahre Flut von Assoziationen aufdrängen, die unglaubliche Leibesfülle des verblichenen Altkanzlers und sein politisches Œuvre betreffend. Aus historischen Quellen lässt sich nicht zweifelsfrei belegen, ob Helmut Kohl den damaligen Sowjetischen Präsidenten Michail Sergejewitsch Gorbatschow bei dem legendären Treffen im Kaukasus vom 14. bis 16. Juli 1990 unter Zuhilfenahme jener unappetitlichen Ausgasungen zur Kapitulation gezwungen und ihm letztendlich seine Zustimmung zur Wiedervereinigung abgerungen hat.

    Sicher ist jedoch, dass man sich unter ebensolchen Schmerzen, wie bei einer akuten Flatulenz, an die bleiernen, lähmenden 16 Jahre Bimbes-Republik erinnert, die am 27. September 1998 mit Kohls Abwahl endlich überwunden schienen. Ein fataler Irrtum, wie sich später heraus stellen sollte. Wenngleich sich die olfaktorische Wahrnehmung der Politik in den Jahren 1998 bis 2005 in Nuancen von der Bräsigkeit Kohls unterschied, die parlamentarische Blähsucht blieb letztendlich die Gleiche – bis in unsere Tage.

    Nach einem dynamischen politischen Balkenmäher-Intermezzo eines gewissen Herrn Gerhard Schröder, der als ausgewiesener Sozialdemokrat als einziger Weitsicht und Kompetenz in sich vereinigen konnte, um der altertümlichen sozialen Gerechtigkeit über seine bahnbrechende Agenda 2010 den Garaus zu machen, kam die ehemalige FDJ-Sekretärin Dr. Angela Merkel, ein hundertprozentiger Klon Dr. Helmut Kohls, mit freundlicher Unterstützung von John Craig Venter, pardon, ich meinte natürlich Kai Diekmann. Merkel wurde Kohl-Nachfolgerin Schröders im Bundeskanzleramt, mit dem einen, jedoch völlig unerheblichen Unterschied gegenüber dem Pfälzer Sonnenkönig: Bei der politischen In-vitro-Fertilisation der guten Tante Angela wurde offensichtlich beim Geschlecht geschlampt wurde – was aber wiederum niemandem auffiel.

    Sei´s drum, Merkel hat den erdrückenden Stil des Vierzentner-Kanzlers eins zu eins übernommen und alle Mahner und Zweifler in den eigenen Reihen und bei sämtlichen Koalitionspartnern mit verschmitztem Lächeln und ihrer berühmten Raute stranguliert. In Anlehnung an die grandiose Paraderolle Arnold Schwarzeneggers, dem sie auf einer Messe wie der berühmte DDR-Backfisch an den Lippen hing, könnte man auch sagen: terminiert. Hasta la Vista, Baby…Gerhard Schröder, Peer Steinbrück, Marin Schulz.

    Letzterer, der schwerreiche Hansdampf in allen Brüsseler Diäten- und Spesengassen, der Mr. 100% SPD-Parteichef, ist ein besonders schwerer Fall zerebrovaskulärer Insuffizienz. Ich bin mir durchaus bewusst, diesen neurologischen Fach-Terminus bereits bei anderen Vertretern des Homo Politikus verwendet zu haben. Aber zu einen ist es kein Plagiat, aus seinem eigenen Fundus zu zitieren, und zum anderen sind die intellektuellen Ausfallserscheinungen durch die Unterversorgung des Gehirns mit Blutsauerstoff bei diesem Krankheitsbild derart gravierend, dass man sich dies immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte, wenn man die sonderbaren Verhaltensweisen der Betroffenen verstehen möchte.

    Am Abend der geradezu überirdischen Klatsche bei der Bundestagswahl am 24. September 2017, bei der die Spezialdemokraten, diametral zu ihrem hohen eigenen Anspruch, gerade mal homöopathische 20,5% in die Scheune einfuhren, stellte sich, wie man weiß, der abgestrafte Kanzlerkandidat im Willy-Brandt-Haus Stande Pede vor die versammelten Pressevertreter und delirierte in schwerster akuter Hypoxie etwas von einer bitteren Niederlage…von einem herben Vertrauensverlust…von einer jetzt dringend notwendigen Erneuerung der SPD…und dass man diese Erneuerung in der Opposition…auch und gerade, um die Oppositionsführerschaft nicht der AfD…eine Fortsetzung der großen Koalition deshalb auf keinen Fall…niemals…nicht… von einem Wählerauftrag, den man nicht erhalten habe…bla, bla, Rhabarber.


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    Als Berufspolitiker hätte Big-Martin eigentlich wissen müssen, dass niemand jemals einen Regierungsauftrag von den Wählerinnen und Wählern erhalten hat…bei keiner einzigen Wahl. Das ist im Deutschen Wahlgesetzt einfach nicht vorgesehen. Ruft man sich die oben erwähnten Störungen durch die Unterversorgung des Gehirns ins Gedächtnis, erkennt man sofort, dass das befremdliche Frohlocken des Herrn Schulz über die traumhaften Ergebnisse der Sondierungsgespräche für eine nun-doch-große Koalition in krankheitsbedingten Schwächen auf der Ebene sozialer Interaktion liegt. Und damit ist er beileibe nicht der Einzige.

    Auch seine vermeintliche Widersacherin, Dr. Angela Dorothea Merkel, leidet unter einer Fortgeschrittenen Form dieser Erkrankung. Unter ihrem Mädchennamen Kasner, erlangte sie, wie bereits erwähnt, als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda an der Akademie der Wissenschaften in der DDR das notwendigen Rüstzeug, um nach der Wiedervereinigung zuerst als Kohls „Mädchen“ die Kernenergiedebatte und hernach als dessen Klon die ganze Republik aufzumischen.

    Und deshalb lächelte sie am Wahlabend, kurz nach der ersten Hochrechnung, umringt von ihren devoten Hofschranzen Julia Klöckner, Torsten Albig, Annegret Kramp-Karrenbauer & Co, im Adenauer-Haus die historischen Wahlschlappe der CDU weg und teilte der Republik fröhlich flötend mit, sie wüsste nicht, was sie hätte anders machen sollen und dass die Union mit 32,9% von den Wählerinnen und Wählern einen glasklaren Regierungsauftrag…also ebenfalls bla, bla, Rhabarber.

    Nachdem die karibischen Träume über eine erste Jamaika-Koalition auf Bundesebene platzten, nicht nur, aber auch, an den dünkelhaften Auftritten der schwarz-grün-gelben Blähsüchtigen, mit ihrem schafsdämlichen royalen Winke-Winke in den Pausen der Sondierungsgesprächen vom Balkon der Verhandlungs-Trutzburg, mit pennälerhaft dümmlichen Tweets am Rande der Zurechnungsfähigkeit, mit den hysterischen Ausfällen eines Alexander Dobrindt und den Dorian-Gray-Attitüden für Arme eines Herrn Christian Lindner…

    Nachdem die weltmächtige Kanzlerin, die das ganze dummdreiste Tohuwabohu von ihrem CDU-Girlie-Beraterstab aus sicherer Distanz durchdenken ließ, eingesehen hatte, dass sie ihren, im Politbetrieb breitgesessenen Arsch zum eigenen Machterhalt nun mal selbst bewegen müsse und sich die Schnee-Eule aus Schloss Bellevue, der Herr Bundespräsident, höchst selbst in den Vorgang einmischte, pardon: einbrachte und seinen bockigen Parteifreund Schulz an seine Verantwortung für das Land erinnerte… bla, bla, Rhabarber zum dritten…nun also doch wieder GroKo.

    Diesmal jedoch ohne den ganzen nutzlose Sozial-Kitsch, der monatelang Plakate, Diskussionen und Kandidaten-Duelle verunzierte, wie Mindestrente, Bürgerversicherung, Klimaabkommen und all der Tinnef, der bei der geschmeidigen Tagesarbeit ohnehin nur nervt. Und so werden die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes weitere vier Jahre Blähsucht und übelste Fürze der schieren Arroganz ertragen müssen, mit all dem Gestank und der Übelkeit….

    Andererseits haben die gleichen Bürgerinnen und Bürger, die immer wieder diesen hirngeblähten Amokschwaflern „einen Regierungsauftrag“ geben, auch vier Jahre Zeit, um zu überlegen, dass sich mit einer mutigen Entscheidung bei der nächsten Wahl, will sagen: weg von dem fatalistischen Da-kann-man-doch-eh-nix-machen, die Szene mal ordentlich durchlüften und den üblen Gestank der große Flatulenz aus den Köpfen der Menschen blasen ließe.

    Apropos GroKo: Mit zusammen 53,4% der abgegebenen Stimmen verfügen CDU, CSU und SPD, bei einer Wahlbeteiligung von 75,6%, über rund 40,4% der Stimmen aller Wahlberechtigten. Das wäre ja dann doch eine Minderheitsregierung, oder? Nein, eher wieder eine große Flatulenz.

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