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Warum manche Menschen ihre Armbanduhr „falsch herum“ tragen

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Eine Armbanduhr trägt man am Handgelenk. Normalerweise liegt sie oben auf dem Arm auf. Doch es gibt davon abgesehen noch zahlreiche Varianten. Warum ist das so?

Wie gesagt, normalerweise trägt man eine Armbanduhr auf der Oberseite des Handgelenks. Dort gehört sie hin – jedenfalls nach allgemeiner Auffassung. Umso mehr fällt es auf, wenn jemand seine Uhr „verkehrt herum“ trägt, also auf der Innenseite des Handgelenks. Viele halten das zunächst für eine Marotte oder einen modischen Spleen. Tatsächlich gibt es dafür aber einige ganz praktische Gründe.

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Tenzin Gyatso Dalai Lama
Auch der friedfertige Dalai Lama trägt seine Armbanduhr traditionell auf der Innenseite des Handgelenks

Der militärische Ursprung

Zahlreiche Artikel im Netz und auch Videos auf YouTube befassen sich mit der Trageweise von Uhren. Immer wieder wird es quasi als gesetztes Wissen verkauft, dass diese Trageweise an der Innenseite des Handgelenks militärischen Vorschriften entspreche. Das ist aber so nicht richtig. Es werden dann immer Fotos von amerikanischen Soldaten präsentiert, die diese Behauptung zu beweisen scheinen.

Fakt ist aber, dass es keine solche Anweisung bei der US-Army und den anderen Teilstreitkräften gibt. Vielmehr empfinden manche Soldaten/Einheiten die innen getragene Armbanduhr als besonders vorteilhaft, weshalb sich das dann dort durchgesetzt hat, aber freiwillig gemacht wird.

Es lassen sich nämlich genauso viele Fotos von Soldaten finden, die ihre Uhren ganz normal tragen. Die passen dann aber eben nicht in den Rahmen solcher nachgeplapperter Berichte.

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Dieses Bild entlarvt die Schwurbler: Zwei Soldaten, zwei verschiedene Trageweisen der Armbanduhren

Aber die Leute haben insoweit schon recht: Besonders bekannt wurde diese Trageweise durch Soldaten. Gerade bei Militär, Polizei oder Spezialeinheiten sieht man häufig Uhren, die auf der Unterseite des Handgelenks getragen werden.

Der Grund ist simpel: Wer eine Waffe hält, kann die Uhr oft besser ablesen, ohne den Arm verdrehen zu müssen. Außerdem reflektiert das Glas weniger Licht und verrät dadurch bei Dunkelheit oder Sonne nicht so leicht die Position. Gerade früher, als entspiegelte Gläser noch selten waren, spielte dieser Aspekt tatsächlich eine Rolle.

Dass man Uhren mit elektrischer Beleuchtung nicht aufleuchten lässt und damit die eigene Position verrät, wird jedem Soldaten sowieso eingeschärft und gehört zur Lichtdisziplin.

Auch am Steuerhorn von Flugzeugen und bei der Bedienung sonstiger Maschinen kann es von Vorteil sein, die Innenseite des Handgelenks für die Uhr zu bevorzugen.

Ich war lange bei der Army und kann sagen, dass jeder seine Armbanduhr so trägt, wie es ihm beliebt. Es sind rein praktische Erwägungen, die einen zu der einen oder der anderen Trageweise veranlassen. Es hängt auch ein bißchen vom jeweiligen Uhrenmodell ab.

Besser geschützt im Alltag

Viele Menschen tragen die Uhr unten, weil sie dort besser geschützt ist. Auf der Oberseite des Handgelenks stößt man schnell gegen Tischkanten, Türrahmen oder Werkzeug. Auf der Innenseite liegt die Uhr geschützter. Das gilt besonders bei körperlicher Arbeit oder handwerklichen Tätigkeiten. Wer viel am Schreibtisch arbeitet, kennt außerdem ein anderes Problem: Eine große Uhr kann ständig auf die Tischplatte schlagen oder beim Schreiben stören. Auch das vermeiden manche durch die „Unterarm-Trageweise“.

Diskreter und weniger auffällig

Eine Uhr auf der Unterseite wirkt weniger präsent. Das kann durchaus gewollt sein.

Gerade Menschen, die zwar gern eine hochwertige Uhr tragen, diese aber nicht demonstrativ zeigen möchten, empfinden diese Position oft als angenehmer. Die Uhr wird dadurch mehr zum persönlichen Gebrauchsgegenstand und weniger zum sichtbaren Schmuckstück.

Gewohnheit aus bestimmten Berufen

In einigen Berufen hat sich diese Trageweise regelrecht eingebürgert. Neben Soldaten betrifft das etwa:

  • Sanitäter
  • Pflegekräfte
  • Mechaniker
  • Piloten
  • Fotografen

Viele übernehmen diese Gewohnheit dauerhaft, weil sie sie als praktischer empfinden.

Und manchmal einfach nur Geschmackssache

Natürlich gibt es auch Menschen, die ihre Uhr einfach deshalb unten tragen, weil sie es cooler finden oder weil sie sich daran gewöhnt haben.

Interessanterweise wirkt diese Art des Tragens auf viele Beobachter automatisch ein wenig „professionell“ oder „militärisch“. Das hat vermutlich damit zu tun, dass man sie häufig aus Filmen oder Reportagen kennt.

Ist das schlecht für die Uhr?

Eigentlich nicht. Der Uhr ist das egal. Manche „Uhrenkenner“ behaupten, das Uhrwerk würde darunter leiden, aber moderne Armbanduhren sind robust genug dafür.

Allerdings bekommt das Glas bei manchen Bewegungen unter Umständen schneller Kontakt mit Kleidung, Gürteln oder Arbeitsflächen. Andererseits ist die Uhr dort besser vor direkten Schlägen geschützt. Unterm Strich gleicht sich das meist aus.

Fazit: Ungewöhnlich, aber keineswegs unsinnig

Eine Uhr auf der Unterseite des Handgelenks wirkt zunächst seltsam, hat aber durchaus praktische Vorteile. Für manche ist es Gewohnheit aus dem Beruf, für andere Schutz, Komfort oder schlicht Geschmackssache.

Und wie so oft bei Uhren gilt auch hier: Erlaubt ist, was im Alltag funktioniert. Schließlich soll eine Uhr getragen werden – und nicht nur möglichst korrekt aussehen.

Ungewöhnliche Trageweisen von Armbanduhren

Es gibt aber auch recht ungewöhnliche Trageweisen der Armbanduhr. Ein Beispiel dafür liefert uns der aus dem Fernsehen früher sehr bekannte Professor Heinz Haber.
Auf nahezu allen Fotos und in allen Fernsehsendungen trug er seine Armbanduhr auf der ihm zugewandten rechten Seite des Handgelenks.

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Prof. Haber trug die Uhr immer so, weil er sie so besser, schneller und unauffälliger ablesen konnte.

Ein anderer Herr, den ich vom TV-Bildschirm abfotografiert habe, macht es genau umgekehrt: Er trägt die Armbanduhr auf der ihm abgewandten linken Seite des Handgelenks.

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Ich habe extra darauf geachtet, dass der dunkelhäutige Herr das konsistent tut, und die Uhr nicht etwa nur mal verrutscht war. Weshalb diese Trageweise? Ich weiß es nicht. Man muss den Arm schon sehr weit drehen, um die Uhrzeit bei dieser seltsamen Trageweise ablesen zu können.

Der Professor-Haber-Trageweise folgt übrigens auch dieser Herr, der im ZDF zu Gast war:

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Er trägt ein metallenes Flex-Armband, was diese Trageweise leicht ermöglicht. Professor Haber hatte ein Lederarmband mit Dornschließe. Das macht es schon etwas aufwändiger, sich die Uhr so umzuschnallen.

Und ein Mann darf in der Sammlung nicht fehlen. Der Herr auf dem folgenden Bild trägt tatsächlich zwei Armbanduhren gleichzeitig. Nein, nicht eine links und eine am anderen Handgelenk, sondern tatsächlich beide an einem Uhrenarmband am selben Handgelenk:

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Weshalb er das tut, weiß ich nicht. Man wird ihn aber auch nicht mehr fragen können. Der Ausschnitt stammt aus einer sehr alten Folge der Sendereihe „Verkehrsgericht“ und der Herr war vor mehr als 30 Jahren schon sehr betagt.

Dabei stellt sich das Problem heutzutage ja noch eher als damals. Heute haben viele Leute eine Smartwatch, möchten aber dennoch auch eine klassische Armbanduhr tragen. Dafür gibt es das Smartlet-Armband:

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Das Smartlet ermöglicht es, an einem Armband zwei Uhren zu befestigen. Man muss auf der Shopseite genau angeben, welche Smartwatch man besitzt und wie die Maße der anderen Uhr sind. Ein paar hundert Euro kosten die Armbänder allerdings schon.

Und einen Prominenten haben wir auch noch. Der unvergessliche Jerry Stiller, u.a. bekannt als Arthur Spooner aus der Serie „King of Queens“ trägt auf diesem Bild, das ihn gemeinsam mit seiner Ehefrau zeigt, seine Armbanduhr nicht nur an der rechten Hand, sondern auch auf der Innenseite des Handgelenks:

Arthur

Fazit: Die richtige Trageweise gibt es eigentlich nicht

Je länger man sich mit Armbanduhren beschäftigt, desto deutlicher wird: Die „eine richtige“ Art, eine Uhr zu tragen, existiert gar nicht. Natürlich gibt es gesellschaftliche Gewohnheiten und klassische Vorstellungen davon, wie eine Uhr am Arm sitzen sollte. Doch der Alltag der Menschen sieht oft ganz anders aus.

Der eine trägt die Uhr unten, weil es praktischer ist. Der andere seitlich, weil er sie schneller ablesen kann. Manche wollen die Uhr schützen, andere möglichst unauffällig tragen. Wieder andere machen aus ihrer Uhr ganz bewusst ein auffälliges Statement – oder tragen gleich zwei davon.

Gerade bei Armbanduhren zeigt sich sehr schön, wie eng Technik, Gewohnheit, Beruf, Mode und Persönlichkeit miteinander verbunden sind. Eine Uhr ist eben nicht nur ein Zeitmesser. Sie ist Werkzeug, Schmuckstück, Statussymbol, Erinnerungsträger und manchmal schlicht liebgewonnene Gewohnheit.

Und vielleicht ist genau das das Schöne an Armbanduhren: Jeder trägt sie ein wenig anders. Manche korrekt nach Lehrbuch, andere völlig eigenwillig. Solange die Uhr ihren Zweck erfüllt und ihrem Besitzer Freude macht, gibt es letztlich kein „falsch“.

Bildquellen:

  • arthur: courtesy John Boyle LA
  • Army-Armbanduhr_800x500: Dieses Bild entlarvt die Schwurbler: Zwei Soldaten, zwei verschiedene Trageweisen der Armbanduhren
  • image-5-1_800x500: US Department of Defense / defense.gov
  • Tenzin_Gyatso_Dalai_Lama: Christopher Michel - Flickr, CC BY 2.0, wikimedia.org
  • smartlet: https://smartlet.io
  • habemus4: Peter Wilhelm Screen
  • habemus3: Peter Wilhelm SCREENSHOT ZDF
  • habemus2: Peter Wilhelm Screenshot
  • habemus01: Haber

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(©si)