Der erste Eindruck: In echt noch schöner als auf Bildern. Es gibt Uhren, die sehen auf Fotos gut aus – und dann gibt es solche, die in der Realität noch einmal deutlich zulegen. Die Seiko SNXS79 gehört ganz klar zur zweiten Kategorie.
Ich habe ja gerne „dicke Klopper“ am Handgelenk. Also eher etwas größere (40+ mm) Uhren und sehr gerne mit Metallarmband. Nun ist meine Pagani Datejust-Hommage schon etwas kleiner und sieht trotzdem gut aus. Ein Freund hat die Seiko SNXS79 Automatik und die gefällt mir auch sehr gut. Ich beschreibe sie gerne für Euch:
Das Ziffernblatt dieser tollen Automatikuhr ist für mich das eigentliche Highlight. Die feine Oberflächenbearbeitung sorgt für einen ausgesprochen schönen Sunburst-Effekt, der je nach Lichteinfall immer wieder anders wirkt. Das verleiht der Uhr eine Eleganz, die man in dieser Preisklasse so nicht erwartet.
Sie passt problemlos auch zu schicker Kleidung – etwa zum weißen Hemd mit dunklem Sakko – und macht dabei eine erstaunlich gute Figur als dezente Dresswatch. Ich würde sie zu allen Gelegenheiten tragen, außer zum Sport.
Wertigkeit trotz kleinem Preis
Unter den guten SEIKO-Uhren mit Automatik-Uhrwerk gehört diese hier zu den günstigeren. Mit rund 188 Euro ist sie nur wenig teurer als nachgemachte Hommage-Uhren, und man bekommt ein SEIKO-Original. Viele günstige Uhren versuchen, durch vergoldete Details oder aufgesetzte Elemente hochwertig zu wirken – und scheitern dabei oft kläglich. Hier ist das anders. Die applizierten Elemente wirken stimmig, nicht übertrieben und vor allem nicht billig. Das gesamte Ziffernblatt hat eine Qualität, die man sonst eher aus deutlich höheren Preisklassen kennt.
Besonders gelungen ist auch die Integration des Seiko-„5“-Logos. Es fällt auf, aber auf eine sehr zurückhaltende, fast elegante Weise. Ein Detail, das man auf Bildern kaum wahrnimmt, in der Realität aber sofort überzeugt.
Seiko und Grand Seiko – ein kurzer Überblick
Die Marke Seiko stammt aus Japan und wurde bereits 1881 von Kintarō Hattori in Tokio gegründet. Seiko gehört zu den wenigen Uhrenherstellern weltweit, die nahezu alle Komponenten selbst entwickeln und fertigen – vom Uhrwerk bis zum Gehäuse. Diese sogenannte vertikale Integration ist ein großer Vorteil und ermöglicht ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Seiko wurde international vor allem durch technische Innovationen bekannt. Dazu gehört unter anderem die erste serienmäßige Quarzuhr der Welt („Seiko Quartz Astron“ von 1969), die die Uhrenindustrie revolutionierte. Heute bietet Seiko ein sehr breites Spektrum: von günstigen Einsteigeruhren bis hin zu hochwertigen mechanischen Modellen.
Grand Seiko ist gewissermaßen die Luxuslinie von Seiko. Sie wurde 1960 ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Uhren auf höchstem Präzisions- und Qualitätsniveau zu fertigen – als Konkurrenz zu den besten Schweizer Marken.
Der Unterschied liegt vor allem in der Verarbeitung, der Genauigkeit und der Detailverliebtheit. Grand Seiko verwendet aufwendigere Uhrwerke (z. B. Spring Drive oder High-Beat-Kaliber), deutlich feinere Oberflächenbearbeitungen wie die berühmte Zaratsu-Politur und strengere Qualitätskontrollen.
Seiko steht für hervorragende Technik zu fairen Preisen – Grand Seiko für höchste Uhrmacherkunst mit Luxusanspruch.
Ablesbarkeit und Leuchtmasse
Das ist ja immer das entscheidende Merkmal überhaupt, das viele Uhren-Influencer meist gar nicht besprechen. Da wird über alles Mögliche geschwafelt, was das Ziffernblatt anbetrifft, bloß, ob es ablesbar ist, wird nicht besprochen. Dabei kommt es doch darauf entscheidend an: Ich muss bei einem flüchtigen Blick auf die Uhr sofort die Uhrzeit wahrnehmen können. Das ist ja auch der Grund, weshalb analoge Instrumente mit Zeigern heute immer noch ganz vorne mit dabei sind. Bei der Seiko lässt sich die Uhrzeit sehr gut ablesen – sowohl bei Tageslicht als auch im Dunkeln. Die hellen Zeiger vor dem dunklen Hintergrund bieten einen ausgezeichneten Kontrast. Die Leuchtmasse (Lumibrite) ist dabei nicht einfach nur funktional eingesetzt, sondern bewusst in das Design integriert. Das wirkt deutlich durchdachter als bei vielen anderen Uhren, bei denen Leuchtelemente eher wie nachträglich hinzugefügt erscheinen.
Das Armband: gut, aber nicht überragend
Ich habe ja nur eine kleine Sammlung meist ganz günstiger Uhren. Ich kann nicht alle tragen, manche will ich auch nicht tragen. Bei Lederarmbändern fällt mir auf, dass diese nach Jahren spröde und brüchig werden, egal, ob man sie trägt oder nicht. Ich tausche diese dann nach und nach gegen solche mit Schnellwechselverschluss aus, bei dem einem, dank des kleinen Schiebers, das Herumfummeln mit den Federstegen erspart bleibt.
Ansonsten mag ich sehr gerne Metallarmbänder. Da lege ich in allererster Linie Wert darauf, dass sie lang genug sind. Lieber mache ich 1–2 Glieder raus und bewahre die als Reserve auf, als dass ich irgendwann die Uhr nicht mehr tragen kann, weil sie mir zu eng geworden ist. In zweiter Linie muss das Armband bequem sein. Es darf nicht kneifen, keine Haare einklemmen und es muss aus gutem Material sein. Ich hatte schon minderwertige, die – obwohl ich zu keinerlei Allergien neige – nach gewisser Zeit ein Jucken oder Pickel verursacht haben.
Der dritte und ebenfalls wichtige Aspekt beim Armband ist die Verarbeitung. Es sollte nicht zu klapperig sein, eine gute Schließe aus vollem Material haben und gut kürzbar sein.
Das Metallarmband der Seiko ist solide, funktional und für den Preis absolut in Ordnung. Es lässt sich leicht anpassen und trägt sich angenehm am Handgelenk. Optisch kann es jedoch nicht ganz mit dem hochwertigen Eindruck des Ziffernblatts mithalten. Es ist keineswegs schlecht – aber eben auch kein echtes Highlight.
Normalerweise probiere ich die Armbänder eine Weile aus und im Zweifelsfall bestelle ich mir einfach ein anderes, besseres. Aber hier wäre das schade, da auch die Schließe schön mit SEIKO gebrandet ist.
Mit einer Breite von 21 mm am Gehäuse, die sich auf 16 mm zur Schließe hin verjüngt, wirkt es klassisch und unauffällig. Und seien wir ehrlich: Der Blick fällt ohnehin meist auf das Ziffernblatt – nicht auf die Schließe.
Die Schließe der SEIKO ist nicht aus dem Massiven gefräst, sondern aus Blech gestanzt. Mag ich an und für sich eher nicht so, aber es ist Seiko-Qualität und stabil. Geht also in Ordnung.
Das Uhrwerk: bewährt und zuverlässig
Im Inneren arbeitet das bekannte Seiko-Automatikwerk 7S26. Kein High-End-Kaliber, aber ein echtes Arbeitstier. Robust, zuverlässig und millionenfach bewährt.
Hier machen ja die Uhrenfreaks immer ein riesiges Gewese um die Uhrwerke. Nochmal: Wer es genau haben will, muss sich eine Quarzuhr kaufen. Alles Mechanische, auch für 100.000 Euro, hat Abweichungen und geht leicht vor oder nach. Und wenn eine Uhr sowieso früher oder später nachgestellt werden muss, ist es ja nur eine Frage des Frührers oder Späters. Ist das nach einem Tag oder nach einer Woche der Fall?
Das Seiko-Kaliber 7S26 ist ein ganz wunderbares Allerweltsuhrwerk. Millionenfach bewährt, zuverlässig, leicht zu warten und zu reparieren. Es zeigt neben der Uhrzeit auch Tag und Datum an – eine Kombination, die in dieser Preisklasse und in dieser optischen Qualität nicht selbstverständlich ist. Die Ganggenauigkeit liegt in der Praxis oft deutlich besser als die offiziellen Spezifikationen vermuten lassen. Meist bewegt sich die Abweichung im Bereich weniger Sekunden pro Tag, häufig mit leichtem Vorlauf.
Ein Handaufzug ist übrigens nicht vorhanden – die Uhr zieht sich ausschließlich über die Bewegung des Rotors auf. Das funktioniert im Alltag völlig problemlos.
Tragekomfort und Größe
Mit einem Gewicht von rund 87 Gramm ist die Uhr auch angenehm leicht. Wie oben bereits geschrieben, mag ich ja gerne auch etwas größere Uhren. Aber die Seiko schafft es irgendwie, trotz ihrer Größe von rund 37 mm, nicht verloren am Handgelenk zu wirken. Das liegt an der gelungenen Gehäuseform und dem Ziffernblattdesign. Die Uhr passt zu einer erstaunlich großen Bandbreite an Handgelenkgrößen und wirkt dabei stets ausgewogen.
Ich sehe ja viele jüngere Menschen, die viel zu große Uhren tragen. Was bei jungen Mädchen niedlich wirkt, sieht bei Kerlen einfach scheiße aus, wenn der Wecker an beiden Seiten breit über das Handgelenk hinausragt. Sie ist definitiv keine Uhr für den XXL-Uhren-Trend – sondern eher für Menschen, die Stil und Proportionen zu schätzen wissen.
Krone und Bedienung
Ich bevorzuge Uhren, die die Krone ganz klassisch auf 3-Uhr haben. Was ich auch noch akzeptiere, ist die 4-Uhr-Position. Kronen auf 6-Uhr oder ganz links finde ich nicht gut. Bei der Seiko ist die Krone leicht versetzt auf der 4-Uhr-Position. Dadurch stört sie auch dann nicht, wenn man die Uhr locker am Handgelenk trägt. Sie ist klein und dezent ins Gehäuse integriert, lässt sich aber dennoch gut bedienen. Zeit, Datum und Wochentag lassen sich problemlos einstellen.
Und das ist wichtiger, als man denkt. Ich habe die eine oder andere Uhr gerade wegen so etwas aussortiert: Die Krone lässt sich nur schwer bedienen oder ist so ungünstig positioniert, dass das Einstellen und Aufziehen zur Tortur wird.
Gehäuse und Verarbeitung

Das Gehäuse ist hochglanzpoliert und wirkt entsprechend edel. Allerdings ist es dadurch auch anfällig für Kratzer – eine Uhr für harte Einsätze ist das nicht. Übrigens: Wenn die Uhr nach Jahren mal etwas ramponiert aussieht, lohnt sich der Besuch beim Uhrmacher. Das Aufpolieren eines Uhrengehäuses ist nicht unbedingt sehr teuer. Einfach mal nachfragen.
Mit einer Höhe von 11,7 mm ist die Seiko angenehm flach und passt problemlos unter Hemdmanschetten. Das ist wichtig, denn es sieht einfach kacke aus, wenn das Hemd nicht über die Uhr gleiten kann. Die perfekte Abstimmung von Hemd und Armbanduhr beim fein gekleideten Herrn bedeutet ja, dass die Uhr normalerweise von Hemd und Anzug verdeckt ist, aber beim Anheben des Armes so weit hervorrutscht, dass man sie gut ablesen kann. Ein Stilfehler wäre es, wenn man erst das Hemd hochschieben oder mit dem Arm herumfuchteln muss. Bei mir ist das aber Theorie, ich trage fast nur noch T-Shirts oder Polohemden.
Die Uhr hat einen Glasboden, das ist zwar für nix gut, aber einfach schön.
Fazit

Für diesen Preis ist die Seiko SNXS79 fast schon eine kleine Sensation. Besonders das Ziffernblatt spielt in einer Liga, die man hier eigentlich nicht erwarten würde.
Die Uhr überzeugt durch ihr Zusammenspiel aus Eleganz, Alltagstauglichkeit und technischer Zuverlässigkeit. Sie ist kein lautes Statement, sondern ein stilvoller Begleiter.
Und vielleicht ist genau das ihr größter Reiz: Man schaut nicht nur auf die Uhr, um die Zeit abzulesen – man schaut sie einfach gern an.
Es gibt auch eine Variante in goldener Farbausfürhung, die ebenfalls sehr schön ist. Ich persönlich bin nicht so für Gold, weshalb ich mir die silber-graue Ausführung holen würde.
Bildquellen:
- Bildschirmfoto-2026-04-09-um-00.42.09_800x500: AmazoM
- seiko-02_800x500: Peter Wilhelm
- seiko-tt_800x500: Peter Wilhelm

















