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Uhrengeschichten: Lange & Söhne, made in China

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Uhren von Lange & Söhne aus Glashütte stellen für mich das Nonplusultra an Uhrmacherkunst dar. Leider werde ich mir eine echte Uhr aus dieser Manufaktur nicht leisten können. Deshalb suche ich immer nach guten Hommage-Uhren. Da bin ich aber noch nicht wirklich fündig geworden.

Das meiste, was einem da angeboten wird, sind sehr schlechte Fälschungen, bei denen die Chinesen irgendwelche Uhren mit allem, was sie an Dekoelemente haben, zu so etwas zusammenschustern, das wie eine Luxusuhr aussieht. Und dann schreiben sie frech Lange & Söhne, Glashütte und „Made in Germany“ drauf. Unverschämtheit eigentlich.

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Aber, wenn ich mal im Ausland bin und irgendwelche Händler Luxusuhren anbieten, dann schaue ich mir gerne an, was sie da so den Touristen für teilweise utopische Preise anbieten.
In diesem Fall kam abends immer ein seriös gekleideter Herr ins Hotel und bot den Touristen Luxusuhren für im Schnitt 2.500 Euro an.
Sein Trick: Er gab den Leuten die Uhren für eine Anzahlung von 750 Euro, den Rest könnten sie bezahlen, wenn sie wieder zu Hause sind.
Es ist klar, dass er gar nicht damit rechnete, dass ihm jemand aus Deutschland dann noch Geld schickte. Die Touristen glaubten aber, sie könnten auf diese Weise einen mit allen Wassern gewaschenen Händler übers Ohr hauen.
Uhr im Wert von 2.500 Euro für „nur“ 750 Euro/Dollar mitnehmen und den armen Kerl dann auf dem Rest sitzenlassen… Ha ha ha!

Die Uhren haben allenfalls einen Wert zwischen 20 und 80 Euro. Der Händler seift sich also mit einem Gewinn von rund 700 Euro die Hände und lacht sich über die doofen Touristen kaputt, die glauben, einen Abzocker abzocken zu können.

Zwei falsche Langes aus Tunesien – und warum ich sie trotzdem mag

Ich habe eine kleine Schwäche. Nicht für echte Luxusuhren – die kann ich mir ohnehin nicht leisten – sondern für das, was man landläufig als Hommage-Uhren bezeichnet.

Auch bei Fake-Uhren mache ich nicht halt, wenn sie wirklich, wirklich günstig sind.

Hommage-Uhren sind schöne und gut verarbeitete Uhren, die sich im Design an große Marken anlehnen, aber einen eigenen Namen tragen.
Fake-Uhren sind Uhren, die irgendjemanden täuschen sollen. Sie tragen den echten Markennamen wie Rolex, Omega oder Breitling und sind oft nur billige Kopien, die meist nur annähernd echten Luxusuhren nahekommen.

Genauer gesagt sind das Uhren, die so tun, als wären sie etwas ganz Großes.

Vor einigen Jahren bin ich auf oben beschriebenen Herrn gestoßen. Auf seine albernen Geschichten vom 750-Euro-Probetragen bin ich gar nicht erst eingegangen, sondern habe ihm gleich zu erkennen gegeben, dass ich mich doch etwas mehr auskenne, als viele andere Touristen. Wohl, um mich nicht zu verärgern, damit ich andere vor seiner Masche warne (was ich trotzdem gemacht habe) ist er darauf eingegangen, mir zwei Uhren sehr günstig zu verkaufen.

  • eine „A. Lange & Söhne“ mit Mondphase – nennen wir sie „Mondphase“
  • und eine zweite mit Großdatum bei 12 Uhr – nennen wir sie „Datum bei 12“

Ich wusste in dem Moment ganz genau, was ich da vor mir hatte: plumpe Fälschungen.

Ich habe trotzdem beide gekauft.

Für ehrliche 50 Euro.

Und ja – ich bereue es nicht.

Was die Uhren können – und das gar nicht schlecht

Beide Uhren haben das gleiche chinesische Automatikuhrwerk verbaut. Und man muss sagen:

  • sie laufen zuverlässig
  • Datum funktioniert
  • die Tag-/Nacht-Mondanzeige tut tatsächlich das, was sie soll
  • sie tragen sich angenehm

Das ist mehr, als man erwarten darf.

Gerade wenn man bedenkt, dass man heute für ähnliches Geld bei einschlägigen Plattformen kaum noch einen ordentlichen Pizzaschneider bekommt.

Und jetzt die Wahrheit: Warum das keine „Lange“ ist

Das Vorbild ist natürlich die große Kunst aus Glashütte, also A. Lange & Söhne. Eine Manufaktur, die für Präzision, Zurückhaltung und absolute Perfektion steht.

Und genau hier beginnen die Probleme.

1. Das Zifferblatt: zu viel von allem

Echte Lange-Uhren sind Meisterwerke der Reduktion. Jede Anzeige hat ihren Platz, jedes Detail seine Berechtigung.

Meine beiden Tunesien-Langes hingegen wirken wie ein Wunschzettel:

  • Mondphase
  • Datum
  • Tag/Nacht-Anzeige
  • offene Unruh

Alles gleichzeitig, alles sichtbar, alles ein bisschen zu viel.

Das Ergebnis ist kein harmonisches Gesamtbild, sondern eher ein „Schau mal, was ich alles kann!“

2. Die offene Unruh – der Klassiker unter den Fake-Merkmalen

Das große Loch bei 6 Uhr ist fast schon ein Markenzeichen günstiger Chinauhren.

Bei echten Lange-Uhren würde man so etwas niemals finden.

Dort gehört das Uhrwerk nach hinten – wunderschön veredelt, aber nicht zur Schau gestellt.

Hier hingegen wird die Mechanik wie eine Jahrmarkt-Attraktion präsentiert.

3. Die Komplikationen: funktional, aber simpel

Ja, die Anzeigen funktionieren. Aber:

  • die Mondphase ist eher eine Tag-/Nacht-Scheibe
  • die Skalen sind grob
  • die Abstimmung wirkt zufällig

Bei Lange sind Komplikationen kleine Wunderwerke. Hier sind sie eher… dekorativ mit Zusatznutzen.

4. Die Verarbeitung: der entscheidende Unterschied

Wenn man genauer hinsieht, erkennt man sofort:

  • unsaubere Drucke
  • einfache Zeiger
  • keine perfekte Symmetrie
  • Gehäuse mit eher grobem Finish

Eine echte Lange ist auf Mikrometer genau gearbeitet. Diese Uhren sind… für den ersten Blick gemacht.

5. „Made in Germany“ – aber sicher nicht so

Dieser Aufdruck ist fast schon ironisch.

Die Uhren stammen ganz sicher nicht aus Glashütte, sondern aus Fernost – und das sieht man ihnen auch an.

Warum ich sie trotzdem behalte

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:

Ich mag diese Uhren.

Nicht, weil sie gut sind. Sondern weil sie ehrlich schlecht sind.

Sie versuchen gar nicht erst, subtil zu täuschen. Sie sind so übertrieben, dass man sie sofort durchschaut.

Und genau das macht sie für mich interessant.

Fazit: Zwei Fälschungen – und zwei kleine Geschichten

Natürlich sind diese Uhren meilenweit von echter Uhrmacherkunst entfernt.

Sie haben nichts mit dem zu tun, was in Glashütte entsteht.

Aber:

Sie laufen. Sie sehen nicht einmal besonders schlimm aus. Und sie erzählen eine Geschichte.

Für mich sind sie keine Täuschung.

Sondern kleine Erinnerungsstücke – und ein augenzwinkernder Beitrag zu einer Sammlung, die eben nicht nur aus Perfektion besteht.

Man sollte sie tragen können, ohne sich etwas vorzumachen.

Und genau dann machen sie sogar ein bisschen Spaß.

Bildquellen:

  • lsngeundlange_800x500: Peter Wilhelm

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(©si)