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Warum ich kein Camping mache

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Mein Onkel Hermann und seine Frau waren absolute Camping-Freunde. Erst ein kleiner Wohnwagen, dann ein Mobilhaus mit Ausmaßen eines kleinen Bungalows. Wir kennen auch viele andere nette Menschen, für die es nichts Besseres gibt, als Camping zu machen.

Oft sind es finanzielle Erwägungen, die den Ausschlag zu einer Entscheidung für Campingurlaub geben, manchmal ist es aber die vielbesungene Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität des Campings.

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Meistens machen die Leute eine regelrechte Camping-Karriere. Man fängt mit einem kleinen Zelt an, dann kommt ein größeres Hauszelt und dann der erste Wohnwagen. Sind Kinder da, muss der Wohnwagen dann größer sein, und schließlich endet man bei riesigen Wohnanhängern oder gar dem Traum der meisten Camper, dem Wohnmobil.

Im Fernsehen läuft seit Jahren sehr erfolgreich die Sendung Camping-Check mit Friso Richter und Lukas Lowack. Nur mit der kleinen Mobilkamera ausgestattet, besuchen die beiden Campingplätze, Events und Ausstellungen, um über schöne Campingplätze und außergewöhnliche mobile Wohnlösungen zu berichten. Eine Sendung, die sehr freundlich und informativ ist und viel Freude macht.

Die Allerliebste und ich schauen da gerne zu und wir bewundern jedes Mal die tollen Wohnwagen und Wohnmobile. Manchmal wünschen wir uns, wir würden auch mal Camping machen. Aber dann entscheiden wir uns jedes Mal ganz bewusst dagegen. Die beiden Hauptgründe sind:

  • Die Allerliebste ist, selbst zugegeben, viel zu pingelig und zu verwöhnt, um den eher anspruchslosen Charme des Campings genießen zu können.
  • Ich bin fast 1,90 groß und etwas beleibt, und finde fast alle mobilen Wohnlösungen immer viel zu beengt und klaustrophibisch

Meine Frau wäre durch nichts auf der Welt dazu zu bewegen, freiwillig auf einem Holzkistchen mit Trockentrenntoilette Platz zu nehmen. Schon allein der Gedanke, dass sich unter irgendeiner Sitzbank, auf der man sitzt, um seine Mahlzeiten einzunehmen, die Toilette befindet, schreckt sie komplett ab.

Und ich bekomme Schnappatmung, wenn ich sehe, dass sich die Betten oben unterm Dach in einem Alkoven über dem Fahrerhaus befinden. Das alles ist mir viel zu eng. Meist ist noch nicht einmal die volle Stehhöhe gegeben, sodass ich ständig mit eingezogenem Genick herumlaufen müsste.

Man hat ja letztlich nur die Wahl zwischen kleinen, viel zu engen Fahrzeugen oder Riesenwohnmobilen auf LKW- oder Bus-Basis. Wenn überhaupt, könnten wir uns allenfalls mit solchen Wohnwagen anfreunden, wie Schausteller sie verwenden. Diese Leute verstehen was vom Reisen und ihre Wohnanhänger haben Platz und eine alltagstaugliche Ausstattung. Aber für so einen Riesenwohnwagen muss man erst einmal die notwendigen Fahrkünste besitzen, den passenden (Ab-)Stellplatz haben und den Kaufpreis von rund 200.000 Euro aufbringen können.

Ein bißchen fühle ich mich, wie der Fuchs aus der Fabel, der gerne die an einer Mauer hochhängenden Trauben haben wollte. Er sprang immer wieder hoch, schaffte es aber nicht, die süßen Früchte zu erreichen. Dann zieht er beleidigt ab und sagt: „Die waren sowieso viel zu sauer.“

Klar, wir gehen beide auf die 70 zu, ich etwas mehr als die Allerliebste, wir sind aber beide nicht gut zu Fuß, und da ist das Thema Camping ohnehin nicht mehr die Urlaubsform der ersten Wahl.
Man muss regelmäßig zum Arzt, ist auf viele Medikamente angewiesen und muss eine geordnete Lebensführung einhalten. Das ist bei einem Unterwegsleben nicht alles so ohne Weiteres möglich.
Mit anderen Worten: Wir sind sowieso nicht unbedingt die geeigneten Kandidaten fürs Camping.

Dabei habe ich schon öfters mal Campingerfahrungen machen dürfen/müssen/können.
Schon während meines Studiums habe ich während diverser Praktika einige Zeltlager mitorganisiert und natürlich auch in den Zelten geschlafen. Auch während meiner Zeit bei der Army gab es immer mal wieder Manöver, bei denen wir in Zelten untergebracht waren. Und auch während meiner Asienreisen waren Wüstenübernachtungen im Zelt dabei.
Als jüngerer Mensch und als militärisch geschulter Mann steckt man so was locker weg und kommt gut mit der eingeschränkten Situation klar.

Da kann man sich dann ein Campingleben schon vorstellen. Ich muss erzählen, dass der Opa meines Jugendfreundes Frank Kartenabreißer in den Essener Messehallen war. Durch ihn kam man immer kostenlos an Karten für die Messen. Schon als Jugendlicher habe ich mir keine Camping-, Boots- oder Reisemesse entgehen lassen.

Mich faszinieren Wohnwagen und Wohnmobile.
Wäre ich ungebunden, jünger und fitter, ich könnte mir vorstellen, auch komplett in einem Wohnmobil zu leben. Mich belastet die Fülle an Besitz und Gegenständen zunehmend, und sich kleiner zu setzen und auf das Wesentliche zu beschränken, kann eine seelische Befreiung bedeuten.

Wenn man bedenkt, was Wohnen heutzutage kostet, würde sich selbst ein luxuriöses Unterwegsleben vermutlich richtig lohnen.

Aber dann denke ich an mein bequemes Klo, an die schöne Dusche und die Badewanne hier zu Hause, dann denke ich daran, dass ich mich jederzeit ins gemachte Bett legen kann, und dieses nicht erst aufklappen und zusammenbauen muss, und dann komme ich immer wieder doch zu dem Schluss, dass man es in einem Haus doch irgendwie bequemer hat.

Wie ist das bei Dir? Hast Du schon mal Camping gemacht?

Bildquellen:

  • camping_800x500: Peter Wilhelm KI

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(©si)