Engländer bauen hässliche Autos. In meiner Kindheit und Jugend wurden viele Fernsehserien aus England gezeigt. Abgesehen von dem Irrsinn, hartnäckig auf der falschen Seite zu fahren und damals Polizeiautos mit Klingeln auszustatten, fiel immer auf, wie hässlich englische Autos waren.
Abgesehen von den Jaguars, Rolls Royces und den großen Daimler-Limousinen.
Im Laufe der Jahrzehnte orientierten sich die Briten immer mehr am resteuropäischen und internationalen Geschmack und die Autos wurden viel schöner. Man denke nur an den ikonischen Aston Martin DB5, den man aus den James Bond Filmen kennt.
Auch der Jaguar E Type, der Sportwagen von Jerry Cotton, ist an Formschönheit kaum zu überbieten.
Was Verarbeitung anbetrifft, so sind Autos der Marken Rolls Royce, Bentley, Jaguar und Daimler unübertroffen. Das merkt man aber auch am Preis.
Dass ich jemals einen Jaguar fahren würde, hätte ich nie gedacht. Aber ich fuhr damals einen tollen VW-Passat, den ich im Kaufleasing erworben hatte. Dabei hast Du die Möglichkeit, das Auto am Ende der Leasingzeit für einen überschaubaren Betrag zu übernehmen oder Dir einfach ein neues Auto aus dem Portfolio des Händlers auszusuchen. Und dieses Mal hatte der Händler ausgerechnet einen schwarzen Jaguar XF auf seiner Webseite und ich habe mich aus dem Stand in diese Limousine verliebt.

Ich muss kurz ausholen: In den 1990er Jahren hatte ich ein Unternehmen für Hard- und Software. Neben der Entwicklung von Software verkauften wir auch Netzwerklösungen an Ärzte, Rechtsanwälte und Krankenhäuser.
Bei einem Rechtsanwalt installierten wir neue 486er-Rechner und mussten die vorhandenen 286er-Computer in Zahlung nehmen. Das war erträglich, denn wir zahlten nur 50 DM pro zurückgenommenem Compaq-Rechner.
In der Werkstatt habe ich die Compaq-Rechner aufgemacht, gereinigt und neu aufgesetzt. So konnten sie dann noch Schülern und Studenten ein paar Jahre als Arbeitspferd dienen.
Jetzt komme ich zum Punkt: Als ich den ersten Compaq-Rechner aufmachte, stand ich staunend davor. Ich hatte schon hunderte von Rechnern aller möglichen Hersteller gesehen. Aber so etwas Aufgeräumtes und sauber Verarbeitetes hatte ich noch nie gesehen!
Alles nur beste Komponenten, absolut kunstvoll verkabelt, jedes Kabel perfekt gebogen und gesichert, wartungsfreundlich beschriftet und komplett aufgeräumt. Toll!
Genauso präsentierte sich mein neuer Jaguar XF. Ich habe ihn 2016 bekommen, da war er drei Jahre alt und hatte in einem Versicherungsunternehmen als Chauffeurswagen einem hohen Angestellten gedient. Er stand bei der Übergabe da, als käme er direkt aus dem Werk. Kein Kratzer, kein Stäubchen, absolut neuwertig. Als ich mich das erste Mal hineinsetzte, war ich auf der Stelle begeistert, und es war, als befände man sich in einer anderen Welt. Absolute Geräuschdämmung, kein Ton von außen zu hören. Neuwagengeruch nach Leder und Holz.
Die Armaturen übersichtlich, sinnvoll und alles edel verarbeitet. So etwas hatte ich noch nie gesehen.

Ich habe vorher und nachher nie wieder ein Auto gesehen, das so gut verarbeitet war.
Die schwere Limousine wurde von einem 3-Liter-Dieselmotor von BMW angetrieben. Ein äußerst kraftvolles und zuverlässiges Aggregat, das den Wagen in kürzester Zeit auf weit über 200 km/h beschleunigen konnte.
Oft kann man ja solche Geschwindigkeiten sinnvoll nicht fahren. Aber ab und zu bin ich extra nachts mal auf die freie Autobahn und habe Gas gegeben. Vor allem dann, wenn der Dieselpartikelfilter mal wieder freigeblasen werden wollte.
In so einem Auto merkst Du Tempo 100 gar nicht. Selbst bei 170 km/h hat es die Anmutung, als würdest Du in einem anderen Auto vielleicht 90 fahren. So wie das Auto auf der Straße liegt und mit geringster Geräuschentwicklung fährt, wiegt es Dich in Sicherheit und vermittelt Dir stets das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.

Ich habe damals lange Lesereisen in den Osten der Republik, an die Ostsee und bis in die Tschechische Republik unternommen, und der Jaguar XF hat uns stets schnell und sicher ans Ziel gebracht.
Ein wirklich tolles Auto.
Nach drei Jahren war aber Schluss. Wer sich noch erinnern kann, der weiß dass damals überall Umweltschutzzonen eingerichtet wurden und alle Fahrzeuge mit Umweltplaketten ausgerüstet werden mussten.
Man machte uns verrückt und es hieß sogar, dass Diesel-Fahrzeuge bald verboten werden könnten. Jahrzehntelang war der Diesel subventioniert und bevorzugt worden, jetzt auf einmal galt er als Buhmann der Nation. Kaum ein Motor ist so ausgereift und bei nüchterner Betrachtung so sauber und effizient, wie der moderne Turbodieselmotor. Aber die Politik hatte ihn zum Bösewicht erklärt.
Angesichts eines möglichen Dieselverbots und der Möglichkeit, dass bald das Einfahren in die Innenstadt untersagt werden könnte, haben wir kalte Füße bekommen und beschlossen, uns doch lieber einen Benziner zu kaufen.
Und um der Umwelt eine Freude zu machen, kauften wir uns einen 8-Zylinder VW-Touareg SUV.
Was bleibt: Wir sind immer noch dankbar, dass wir einige Jahre so ein edles Auto fahren durften. Es war weit über unseren Ansprüchen und wäre neu für uns unerschwinglich gewesen. Wir erinnern uns aber immer gerne an den Wagen. Ein wirklich tolles Auto.
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Bildquellen:
- IMG_5247_800x500: Peter Wilhelm

















