Auto/Umfahr/Verkehr

Verkehrssicher für 300 Euro

Pontiac

Ich schrieb vor einiger Zeit über gefälschte HU-Plaketten. Dazu fällt mir aber noch eine Geschichte ein. Das Ganze ist mir vor rund 20 Jahren passiert. Damals hatte ich mir einen Pontiac gekauft.

Das Riesenschiff aus Amerika war der Hammer! Ich will hier gar nicht alles darüber schreiben, dafür mache ich noch irgendwann mal einen eigenen Artikel.
So, wie mir der Wagen verkauft worden war, sollte er sofort zulassungsfähig sein. Wie er dann aber vom Autotransporteur hier bei mir abgeliefert worden war, sah ich auf den ersten Blick, dass ich mit dem Ding gar nicht erst zur Hauptuntersuchung oder zur Zulassungsstelle fahren musste.

Werbung

Allein schon, dass der Vorbesitzer die gesamte Auspuffanlage gegen ein nahezu ungedämmtes gerades Rohr ausgetauscht hatte, sorgte dafür, dass man es im viele Kilometer weit entfernten Mannheim hören konnte, wenn ich den Pontiac startete…

Mein Werkstattmann, Kalle der Schrauber, sah sich außerstande, das Auto hinzubekommen. Dazu fehlten ihm die Kenntnisse und vor allem der Zugang zu den amerikanischen Teilen. Er empfahl mir eine Firma, die wir mal XYZ-Auto nennen wollen.

Also brachte ich den Pontiac mit Kurzzeitkennzeichen zu XYZ-Auto. Der Meister versprach mir, sich die Karre gründlich anzuschauen und mir eine Liste mit den notwendigen Reparaturen und Änderungen zu erstellen.

Zwei Tage später rief er an, ich solle doch mal vorbeikommen und 300 Euro mitbringen.

Gesagt, getan.

Der Pontiac stand noch so auf dem Hof, wie ich ihn abgestellt hatte. Die junge Frau vorne im Büro holte die Mappe mit den Unterlagen und dem Schlüssel. „Das macht 300 Euro in bar, hat der Chef gesagt.“

„300 Euro wofür?“

„Hat er nicht gesagt. Aber Sie können den Wagen dann mitnehmen, es sei alles erledigt.“

Mit diesen Worten schob sie mir die Fahrzeugpapiere über den Tresen. Ich klappe den Fahrzeugschein auf und was liegt da drin? Eine neue HU-Plakette.
„Ach hier, das ist auch noch für Sie, das ist das Gutachten.“

Der Inhaber von ABC-Auto hat also offenbar erkannt, dass dieser amerikanische Wagen so verbastelt war, dass sich ein Umbau zu normalen Preisen nicht lohnte. Stattdessen hat er dann ganz offensichtlich einen KFZ-Sachverständigen geschmiert, der ein Gefälligkeitsgutachten ausgestellt hatte. „Keine Mängel“.

Was hättest Du gemacht?

Ich habe kurz mit mir gerungen.
Aber dann setzte sich die Erkenntnis durch, dass ich mit diesem Prüfsiegel und dem Gutachten zwar eine Zulassung bekommen würde, aber im Straßenverkehr doch so auffallen würde, dass jeder Polizist mich sofort rausgezogen hätte.

Was habe ich gemacht? Ich habe die 300 Euro nicht bezahlt. Ich habe das Auto mitgenommen, bei mir auf den Hof gestellt und dann über eBay an eine Filmproduktionsgesellschaft verkauft.

Hinweis: Das Wort bzw. die Abkürzung TÜV verwende ich oft synonym für die HU und Prüfgesellschaften. Es hat sich halt eingebürgert, dass man statt von der Hauptuntersuchung vom TÜV spricht. Der TÜV ist aber keinesfalls gemeint, der genannte Prüfer/Sachverständige war nicht vom TÜV.

Bildquellen:

  • pontiac: Peter Wilhelm

Lesezeit ca.: 4 Minuten | Tippfehler melden


Lesen Sie doch auch:


(©si)