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  • Verhältnismäßigkeit?

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    Es wird ja immer gesagt, es gehe nur um das Prinzip, wenn mal wieder irgendeine kleine Sau ihrem Arbeitgeber eine Frikadelle weggegessen hat und dafür dann fristlos entlassen wird. Schon einen einzigen gestohlenen Cent will man bestraft wissen und führt eben dafür keine vernünftigen Gründe an, sondern lediglich das Prinzip.
    Ja, wer Kleines stiehlt, der klaut vielleicht auch Großes und wem man in kleinen Dingen nicht vertrauen kann, dem sollte man vielleicht auch nicht in großen Dingen trauen, alles richtig, alles gut und schön.

    Aber muß man denn wirklich für jeden mickrigen Scheiß immer gleich die große Keule auspacken?
    Im „Mannheimer Morgen“ durften wir gestern lesen, daß ein 33-jähriger ein paar Pfandflaschen umetikettiert hatte und diese in einem Pfandflaschenannahmeautomaten zu Geld machen wollte. Vermutlich hat der Mensch die Etiketten kopiert und auf nicht mit Pfand belegte Flaschen aufgeklebt. Es heißt dazu im „Mannheimer Morgen“, der Automat habe ‚rebelliert‘ und der Filialleiter habe dann die Polizei gerufen und den Mann angezeigt.

    Der gewaltige Schaden belief sich auf 4,75 Euro.

    Man muß doch davon ausgehen, daß es sich bei dem 33-jährigen nicht um einen gerissenen Betrüger handelt, der gewerbsmäßig einen Automaten nach dem anderen abzockt, sondern um einen armen Teufel, der jetzt am Monatsende einfach keinen einzigen Euro mehr übrig hat, um sich was zu essen, was zu trinken oder was zu rauchen kaufen zu können; vollkommen egal.
    Was muß man denn für ein armes Schwein sein, daß man sich so eine Mühe macht und so ein dämliches Risiko eingeht, um an ein paar lumpige Euro zu kommen.

    Frage: Wem ist jetzt bitteschön damit geholfen, wenn dieser Typ in 12 Wochen seinen Strafbefehl über 600 Euro bekommt?

    Wäre es nicht viel einfacher gewesen, man hätte den Kerl einfach rausgeschmissen: „Lass Dich hier bloß nicht wieder blicken!“ und hätte ihm noch als anständiger Mensch einfach 5 Euro in die Hand gedrückt? Wäre das nicht der bessere Weg gewesen?

    In was für einer Welt leben wir eigentlich?

    Auf der einen Seite schleudern verantwortungslose Politiker Milliarden quer über den Balkan und auf der anderen Seite rufen unsere braven und meldeeifrigen Filialmichel die Polizei, wenn einer 4,75 aus dem Automat zockt…

    Schämt Euch doch, die die ihr so denkt!

     

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    1 Kommentar

    1. Stefan

      3. August 2011 at 08:51

      Ich fordere mehr „Dreibein-Peter“ für Deutschland. Dann kämen wir alle miteinander besser zu recht.

      Das meine ich übrigens total ernst. Es hört sich leider etwas zynisch an. Aber genau die beschriebene Lockerheits-Alternative vermisse ich hier in D so manches Mal.

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