Manche Uhren sehen so aus, als könnten sie nicht nur die Zeit anzeigen, sondern nebenbei auch noch einen Kleinwagen finanzieren, ein Flugzeug navigieren und die Steuererklärung machen. Und tatsächlich steckt hinter manchen dieser vielen Zahlen und Skalen mehr als bloße Dekoration.
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- Tachymeter oder Rechenschieber – was ist der Unterschied?
- Wie funktioniert so ein Rechenschieber grundsätzlich?
- Wofür kann man das benutzen?
- Wichtiger Hinweis: Man rechnet dabei mit Stellenwerten im Kopf
- Schritt für Schritt: Multiplikation
- Schritt für Schritt: Division
- Schritt für Schritt: Prozentrechnung
- Schritt für Schritt: Geschwindigkeit, Strecke, Zeit
- Schritt für Schritt: Verbrauch ausrechnen
- Was können die zusätzlichen Skalen oder Kürzel?
- Warum macht das heute kaum noch jemand?
- Fazit
- Bildquellen:
Ja, gern. Und gleich vorweg: Bei der gezeigten Uhr handelt es sich höchstwahrscheinlich gar nicht um eine Tachymeter-Skala im engeren Sinn, sondern um eine drehbare Rechenschieber-Skala, wie man sie von Fliegeruhren und bestimmten Citizen-Modellen kennt.
Tachymeter oder Rechenschieber – was ist der Unterschied?
Ein Tachymeter ist in der Regel eine feste Skala auf dem Rand einer Chronographenuhr. Damit kann man zum Beispiel Geschwindigkeiten messen, wenn man weiß, wie lange eine bestimmte Strecke zurückgelegt wurde.
Die Skala auf Deiner Uhr ist aber drehbar und enthält sehr viele Zahlen, Teilstriche und oft sogar Angaben für Einheiten oder Umrechnungen. Das ist typisch für einen kreisförmigen Rechenschieber.
Man könnte sagen:
- Ein Tachymeter kann im Wesentlichen eine bestimmte Art von Rechnung.
- Ein Rechenschieber kann eine ganze Menge verschiedener Rechnungen.
Diese Art Skala war früher besonders bei Piloten beliebt, weil man damit direkt am Handgelenk rechnen konnte, lange bevor jeder ein Smartphone in der Tasche hatte.
Wie funktioniert so ein Rechenschieber grundsätzlich?
Das Prinzip ist das gleiche wie bei den alten Rechenschiebern aus der Schule oder aus Ingenieurbüros: Man legt zwei logarithmische Skalen zueinander passend an, und durch ihre relative Stellung lassen sich Multiplikationen, Divisionen, Prozentrechnungen, Dreisatzaufgaben und sogar Umrechnungen durchführen.
Auf diesen Uhren gibt es dabei meistens:
- eine feste innere Skala
- eine drehbare äußere Skala auf der Lünette
Mit der Krone oder dem Drehring verschiebt man die äußere Skala gegen die innere.
Wofür kann man das benutzen?
Mit so einer Rechenschieber-Lünette kann man typischerweise:
- multiplizieren
- dividieren
- Prozente ausrechnen
- Stundenlöhne oder Verbrauchswerte überschlagen
- Strecke, Geschwindigkeit und Zeit berechnen
- manche Maßeinheiten umrechnen
Das klingt komplizierter, als es ist. Man muss nur das Grundprinzip einmal verstanden haben.
Wichtiger Hinweis: Man rechnet dabei mit Stellenwerten im Kopf
Der Rechenschieber zeigt Ihnen nicht automatisch das Komma. Er liefert das Zahlenverhältnis, den Größenbereich müssen Sie selbst richtig einordnen.
Beispiel:
Wenn die Skala als Ergebnis „15“ zeigt, kann das je nach Aufgabe bedeuten:
- 1,5
- 15
- 150
- 1500
Man muss also ungefähr wissen, in welcher Größenordnung das Ergebnis liegen muss.
Schritt für Schritt: Multiplikation
Nehmen wir ein einfaches Beispiel:
3 × 4 = 12
So geht’s:
- Suche auf der äußeren drehbaren Skala die 10. Diese 10 steht für den „Startpunkt“.
- Drehe die Lünette so, dass die 10 außen genau über der 3 innen steht.
- Suche nun auf der äußeren Skala die 4.
- Lies direkt darunter auf der inneren Skala das Ergebnis ab.
- Dort findest Du ungefähr 12.
So multipliziert man also 3 mit 4.
Schritt für Schritt: Division
Jetzt ein einfaches Beispiel:
12 ÷ 3 = 4
So geht’s:
- Suche auf der inneren Skala die 12.
- Setze darüber auf der äußeren Skala die 3.
- Suche nun auf der äußeren Skala die 10.
- Lies darunter auf der inneren Skala das Ergebnis ab.
- Das Ergebnis ist etwa 4.
Man kann sich das merken als: Bei der Multiplikation setzt man die äußere 10 auf den ersten Wert. Bei der Division setzt man den Divisor auf den Dividenden und liest dann bei der 10 ab.
Schritt für Schritt: Prozentrechnung
Beispiel:
15 % von 80
So geht’s:
- Setze die 10 außen auf die 80 innen.
- Suche außen die 15.
- Lies innen darunter das Ergebnis ab.
- Das Ergebnis liegt bei ungefähr 12.
Also sind 15 % von 80 gleich 12.
Schritt für Schritt: Geschwindigkeit, Strecke, Zeit
Gerade dafür wurden solche Skalen bei Fliegeruhren gern benutzt.
Die Grundformel lautet:
Strecke = Geschwindigkeit × Zeit
oder entsprechend umgestellt:
- Geschwindigkeit = Strecke ÷ Zeit
- Zeit = Strecke ÷ Geschwindigkeit
Beispiel: Sie fahren 90 km/h. Wie weit kommen Sie in 40 Minuten?
40 Minuten sind zwei Drittel einer Stunde, also etwa 0,67 Stunden.
Mit dem Rechenschieber kann man das praktisch auch so behandeln:
- Setze die 60 außen auf die 90 innen. Die 60 steht hier für 60 Minuten.
- Suche außen die 40 für 40 Minuten.
- Lies innen darunter das Ergebnis ab.
- Das ist ungefähr 60.
Also legt man bei 90 km/h in 40 Minuten etwa 60 Kilometer zurück.
Warum funktioniert das so schön?
Weil man mit der 60 als Referenz direkt Zeitrechnungen in Minuten machen kann. Das ist einer der praktischsten Tricks dieser Skalen.
Schritt für Schritt: Verbrauch ausrechnen
Beispiel:
Ein Auto verbraucht 8 Liter auf 100 Kilometer. Wie viel verbraucht es auf 250 Kilometer?
- Setze die 10 außen auf die 8 innen.
- Suche außen die 25 für 250 Kilometer im Verhältnis zu 100.
- Lies innen darunter ab.
- Das Ergebnis ist ungefähr 20.
Also etwa 20 Liter.
Was können die zusätzlichen Skalen oder Kürzel?
Bei vielen Citizen-Uhren stehen am Rand noch zusätzliche Einheiten oder Abkürzungen. Je nach Modell können damit Umrechnungen gemacht werden, etwa:
- Meilen in Kilometer
- Gallonen in Liter
- Treibstoffverbrauch
- Einheiten aus der Luftfahrt
Das ist von Modell zu Modell etwas unterschiedlich. Das Grundprinzip bleibt aber immer gleich: Zwei Skalen werden zueinander verdreht, und aus ihrer Stellung ergibt sich das Ergebnis.
Warum macht das heute kaum noch jemand?
Weil heute jedes Handy, jeder Bordcomputer und notfalls auch jeder Taschenrechner schneller ist.
Aber genau das macht solche Uhren ja so reizvoll: Sie stammen aus einer Zeit, in der Technik noch sichtbar und verständlich war. Die Skala ist nicht bloß Dekoration, sondern ein echtes Werkzeug.
Fazit
Die drehbare Skala auf Deiner Uhr ist höchstwahrscheinlich kein Tachymeter im engeren Sinn, sondern eine Rechenschieber-Lünette. Damit kann man erstaunlich viele Dinge rechnen: Multiplikation, Division, Prozente, Geschwindigkeiten, Strecken, Zeiten und manche Umrechnungen.
Man braucht nur ein wenig Übung – und die Bereitschaft, sich auf eine fast schon altmodische, aber sehr elegante Form der Technik einzulassen.
Oder anders gesagt:
Diese Uhr zeigt nicht nur die Zeit an – sie erinnert auch daran, dass man früher mit dem Handgelenk rechnen konnte.
Bildquellen:
- citizen-eco-drive-promaster-skyhawk_800x500: ol-shop citizen

















