Pflanzenpflege

So blühen Deine Amaryllis wieder neu

Amaryllis gerettet

Nach Weihnachten landet so manche Amaryllis im Müll. Dabei ist die prächtige Zwiebelpflanze keineswegs eine Wegwerfblume. Wer sie nach der Blüte richtig pflegt, kann sich Jahr für Jahr an neuen, beeindruckenden Blüten erfreuen. Entscheidend sind die richtige Pflege im Sommer, eine möglichst gut gefüllte Zwiebel und der passende Zeitpunkt für die nächste Blüte. Ich zeige Dir, wie es funktioniert.

Eine Amaryllis ist keine Wegwerfblume

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit stehen sie wieder in den Supermärkten, Gartencentern und Blumenläden: große Zwiebeln, aus denen innerhalb weniger Wochen mächtige Blütenstiele wachsen. An deren Spitzen öffnen sich prachtvolle Blüten in Rot, Weiß, Rosa oder verschiedenen Farbkombinationen.

Werbung

Die Amaryllis gehört für viele Menschen inzwischen genauso zur Weihnachtszeit wie der Weihnachtsstern.

Doch während wir einen Weihnachtsstern oft noch einige Monate auf der Fensterbank stehen lassen, ereilt die Amaryllis nach der Blüte häufig ein trauriges Schicksal.

Die Blüten verwelken, der Stiel wird abgeschnitten, und irgendwann steht da nur noch eine Zwiebel mit langen grünen Blättern.

Nicht besonders dekorativ.

Also weg damit.

Das ist schade. Denn mit etwas Geduld lässt sich die Amaryllis über viele Jahre kultivieren und immer wieder zum Blühen bringen.

Ich selbst habe über den Sommer zwei Amaryllis-Zwiebeln gepflegt. Beide haben kräftige, gesunde und aufrecht stehende Blätter entwickelt. Sie standen auf einer sonnigen Fensterbank, wurden regelmäßig gegossen und konnten monatelang Photosynthese betreiben.

Jetzt, Ende Oktober, stellt sich die entscheidende Frage: Wie bringe ich die beiden Pflanzen dazu, wieder so prächtig zu blühen wie im vergangenen Winter?

Zunächst eine kleine botanische Klarstellung

Was wir im Handel als Amaryllis kaufen, ist botanisch meistens gar keine echte Amaryllis.

Es handelt sich in aller Regel um einen Ritterstern aus der Gattung Hippeastrum.

Die echte Amaryllis, Amaryllis belladonna, stammt aus Südafrika und unterscheidet sich in einigen Punkten von den bekannten winterblühenden Zimmerpflanzen.

Der Name Amaryllis hat sich im Handel allerdings so fest eingebürgert, dass wir ihn auch in diesem Artikel verwenden.

Wenn hier also von Amaryllis die Rede ist, meine ich die üblichen großblütigen Rittersterne, die vor allem im Winter verkauft werden.

Warum die grünen Blätter so wichtig sind

Nach der Blüte beginnt für die Amaryllis eine besonders wichtige Zeit.

Während die Blüten ihre Pracht entfalten, verbraucht die Pflanze erhebliche Mengen der Reservestoffe, die in ihrer Zwiebel gespeichert sind.

Diese Vorräte müssen anschließend wieder aufgefüllt werden.

Genau dafür bildet die Amaryllis ihre langen, riemenförmigen Blätter.

Mit deren Hilfe betreibt sie Photosynthese. Aus Lichtenergie, Wasser und Kohlendioxid entstehen energiereiche Stoffe, die für das Wachstum und die Speicherung von Reserven benötigt werden.

Vereinfacht gesagt: Die Blätter arbeiten den ganzen Sommer daran, die Zwiebel wieder aufzuladen.

Wer die Blätter unmittelbar nach der Blüte abschneidet, nimmt der Pflanze einen wichtigen Teil ihrer Energieversorgung.

Deshalb gilt:

Nach der Blüte dürfen die grünen Blätter keinesfalls einfach abgeschnitten werden.

Je länger sie unter guten Bedingungen gesund bleiben, desto mehr Gelegenheit hat die Pflanze, ihre Reserven zu ergänzen.

Das erhöht die Chancen auf eine erneute Blüte.

Die richtige Pflege nach der Blüte

Wenn die Blüten verwelkt sind, kann der abgeblühte Blütenstiel entfernt werden. Die grünen Blätter bleiben dagegen stehen.

Nun beginnt die Wachstumsphase.

Die Pflanze benötigt einen hellen Standort, regelmäßige Wassergaben und ausreichend Nährstoffe.

Ein sonniger Fensterplatz ist gut geeignet, solange die Pflanze dort nicht unter extremer Hitze leidet.

Im Frühjahr und Sommer kann man die Amaryllis auch an einen geschützten Platz im Freien stellen. Dabei sollte man sie langsam an direkte Sonne gewöhnen, damit die Blätter keinen Sonnenbrand bekommen.

Während der Wachstumszeit wird gegossen, sobald die obere Erdschicht etwas abgetrocknet ist.

Staunässe muss unbedingt vermieden werden. Denn die fleischigen Zwiebeln reagieren empfindlich auf dauerhaft nasse Erde und können faulen.

Zusätzlich kann man während der aktiven Wachstumsphase etwa alle zwei Wochen einen geeigneten Flüssigdünger in der empfohlenen Dosierung geben.

So erhält die Pflanze die Voraussetzungen, um ihre Zwiebel für die nächste Blüte vorzubereiten.

Ende Oktober beginnt die Vorbereitung auf die Ruhephase

Wer seine Amaryllis im Winter wieder zum Blühen bringen möchte, kann im Herbst versuchen, eine Ruhephase einzuleiten.

Bei meinen beiden Pflanzen ist jetzt Ende Oktober der Zeitpunkt gekommen, an dem ich die Pflege umstelle.

Die Blätter sind noch vollkommen gesund, kräftig grün und stehen aufrecht.

Das ist zunächst einmal erfreulich.

Es bedeutet aber auch, dass die Pflanzen noch aktiv wachsen.

Deshalb wäre es falsch, jetzt einfach sämtliche Blätter abzuschneiden.

Stattdessen wird zunächst das Düngen eingestellt und die Wassermenge schrittweise reduziert.

Innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen kann das Gießen vollständig beendet werden.

Zusätzlich empfiehlt es sich, die Töpfe von der warmen Fensterbank an einen etwas kühleren Platz zu stellen.

Geeignet sind beispielsweise ein unbeheiztes Schlafzimmer, ein kühler Hausflur oder ein frostfreier Wintergarten.

Temperaturen um 12 bis 15 Grad Celsius sind für die angestrebte Ruhephase günstig.

Warum die Amaryllis eine Ruhephase bekommen soll

Die handelsüblichen Rittersterne lassen sich durch eine kühlere, trockenere Ruhephase häufig gezielt auf eine neue Blüte vorbereiten.

Während dieser Zeit verlangsamt sich das Wachstum erheblich.

Die Pflanze lebt von ihren gespeicherten Reserven und benötigt wesentlich weniger Wasser.

Bei vielen Exemplaren beginnen die Blätter nach einiger Zeit gelb zu werden und schließlich einzutrocknen.

Das ist kein Grund zur Sorge.

Die Pflanze zieht sich gewissermaßen in ihre Zwiebel zurück.

Wenn die Blätter vollständig vertrocknet sind, können sie wenige Zentimeter oberhalb der Zwiebel abgeschnitten werden.

Die Zwiebel selbst bleibt im Topf.

Allerdings gibt es eine wichtige Besonderheit: Nicht jeder Ritterstern verhält sich gleich.

Manche Sorten behalten ihre Blätter auch im Winter und wachsen nahezu immergrün weiter. Sie können ebenfalls erneut blühen.

Eine vollständig blattlose Ruhephase ist also nicht für jede Pflanze zwingend erforderlich.

Deshalb sollte man gesunde grüne Blätter nicht gewaltsam entfernen, nur um einen bestimmten Pflegekalender einzuhalten.

So überwintert die Zwiebel richtig

Wenn die Pflanze ihre Blätter eingezogen hat, kann die eigentliche Ruhephase beginnen.

Für ungefähr acht bis zehn Wochen wird die Zwiebel kühl und weitgehend trocken gehalten.

Die Temperatur sollte möglichst im Bereich von 10 bis 15 Grad Celsius liegen.

Frost ist unbedingt zu vermeiden.

Ein dunkler Standort ist bei einer vollständig blattlosen Zwiebel möglich. Hat die Pflanze dagegen noch grüne Blätter, sollte sie weiterhin ausreichend Licht bekommen.

Während der Ruhezeit wird normalerweise nicht gegossen.

Wichtig ist allerdings, gelegentlich zu kontrollieren, ob die Zwiebel fest und gesund bleibt.

Eine gesunde Amaryllis-Zwiebel fühlt sich fest an. Weiche, faulige Stellen oder unangenehmer Geruch können dagegen auf Probleme hinweisen.

Wann wird die Amaryllis wieder geweckt?

Nach ungefähr acht bis zehn Wochen Ruhezeit kann man versuchen, die Zwiebel wieder anzutreiben.

Dazu wird der Topf an einen hellen und wärmeren Platz gestellt.

Temperaturen zwischen etwa 18 und 22 Grad Celsius sind gut geeignet.

Nun beginnt man vorsichtig mit dem Gießen.

Anfangs reichen kleine Wassermengen. Erst wenn sich neues Wachstum zeigt, wird die Wasserversorgung allmählich erhöht.

Dabei sollte das Wasser möglichst auf die Erde und nicht direkt in den Zwiebelhals gegeben werden.

Mit etwas Glück erscheint nach einiger Zeit ein kräftiger Blütenstiel.

Bis zur Blüte vergehen nach dem Antreiben häufig etwa sechs bis zehn Wochen. Der genaue Zeitraum hängt unter anderem von Sorte, Temperatur, Zustand der Zwiebel und bisheriger Pflege ab.

Manchmal erscheinen zunächst neue Blätter. Auch das ist nicht automatisch ein schlechtes Zeichen.

Allerdings ist eine Blüte nicht garantiert. Besonders kleine oder geschwächte Zwiebeln benötigen gelegentlich eine weitere Wachstumsperiode, bevor sie wieder blühfähig sind.

Mein Amaryllis-Kalender

Wer seine Pflanzen ähnlich wie ich über den Sommer gepflegt hat, kann sich ungefähr an folgendem Zeitplan orientieren.

Zeitraum Was ist zu tun?
Januar bis März Blüte genießen, abgeblühte Stiele entfernen
März bis September Hell stellen, regelmäßig gießen und düngen
Oktober Düngung beenden, Wassergaben reduzieren
November Kühl stellen, möglichst trocken halten, Blätter einziehen lassen
November bis Januar Etwa 8–10 Wochen Ruhephase nach dem Einziehen
Januar bis Februar Wieder hell und warm stellen, vorsichtig gießen
Februar bis April Mögliche neue Blüte

Dieser Kalender ist eine Orientierung und kein starres Naturgesetz.

Wenn eine Pflanze ihre Blätter erst im Dezember einzieht, beginnt auch ihre eigentliche Ruhephase entsprechend später.

Wer dagegen unbedingt eine Blüte zu Weihnachten erreichen möchte, muss die Ruhephase in der Regel deutlich früher einplanen.

Muss ich die Amaryllis jedes Jahr umtopfen?

Nein.

Rittersterne mögen es durchaus, wenn ihre Zwiebeln relativ eng im Topf sitzen.

Zwischen Zwiebel und Topfrand sollten ungefähr zwei bis drei Zentimeter Platz bleiben.

Wichtig ist ein ausreichend tiefer Topf mit Wasserabzug, damit überschüssiges Gießwasser ablaufen kann.

Die obere Hälfte bis etwa das obere Drittel der Zwiebel sollte aus der Erde herausragen.

Ein Umtopfen ist sinnvoll, wenn das Substrat stark verdichtet oder ausgelaugt ist, der Topf zu klein geworden ist oder die Zwiebel offensichtlich nicht mehr gut versorgt wird.

Am besten verwendet man eine lockere, gut durchlässige Blumenerde.

Wer während der Ruhezeit umtopft, sollte darauf achten, die Wurzeln möglichst wenig zu beschädigen.

Warum blüht meine Amaryllis trotzdem nicht?

Manchmal macht man scheinbar alles richtig und trotzdem erscheinen nur Blätter.

Dafür kommen verschiedene Ursachen infrage.

Eine häufige Ursache ist eine zu kleine oder zu schwache Zwiebel.

Auch zu wenig Licht während der Wachstumsphase kann dazu führen, dass nicht genügend Reservestoffe eingelagert werden.

Wurde die Pflanze nach der letzten Blüte zu früh trocken gehalten oder wurden die grünen Blätter abgeschnitten, fehlte möglicherweise die Zeit zum Auffüllen ihrer Vorräte.

Weitere mögliche Ursachen sind ungünstige Temperaturen, Wurzelschäden, Staunässe oder eine unzureichende Nährstoffversorgung.

Manchmal braucht eine Zwiebel aber auch einfach Geduld.

Eine Amaryllis, die in einem Jahr nur Blätter entwickelt, kann nach einer weiteren gut gepflegten Wachstumsperiode durchaus wieder blühen.

Vorsicht bei gewachsten Amaryllis-Zwiebeln

In den vergangenen Jahren werden besonders häufig Amaryllis-Zwiebeln verkauft, die vollständig mit einer dekorativen Wachsschicht überzogen sind.

Diese Zwiebeln blühen zunächst ohne Topf und ohne Gießen.

Das funktioniert, weil sie die dafür benötigten Reservestoffe bereits gespeichert haben.

Für eine dauerhafte Weiterkultur sind solche Zwiebeln allerdings oft weniger geeignet.

Manche wurden vor dem Wachsen stark an den Wurzeln beschnitten oder besitzen überhaupt kein funktionsfähiges Wurzelsystem mehr.

Wer versuchen möchte, eine gewachste Amaryllis zu retten, muss die Wachsschicht vorsichtig entfernen und prüfen, ob Zwiebelboden und Wurzelansätze noch intakt sind.

Ein Erfolg ist dabei keineswegs sicher.

Wer seine Amaryllis viele Jahre behalten möchte, ist mit einer normal eingetopften Zwiebel meist besser beraten.

Meine Amaryllis bekommen jetzt ihre Winterpause

Meine beiden Amaryllis haben den Sommer auf der sonnigen Fensterbank verbracht.

Sie haben kräftige Blätter gebildet, wurden regelmäßig gepflegt und konnten über viele Monate ihre Energiereserven auffüllen.

Jetzt, Ende Oktober, werde ich die Düngung einstellen, das Gießen schrittweise reduzieren und die Pflanzen etwas kühler stellen.

Die gesunden grünen Blätter bleiben selbstverständlich erhalten.

Erst wenn sie von selbst gelb werden und eintrocknen, werden sie entfernt.

Danach sollen die Zwiebeln ihre Ruhezeit bekommen, bevor ich sie im neuen Jahr wieder an einen hellen, warmen Platz stelle.

Ob sie dann tatsächlich wieder blühen, wird sich zeigen.

Aber die Voraussetzungen sind gut.

Fazit: Wer die Blätter pflegt, bekommt die Blüten

Eine Amaryllis ist keine kurzlebige Weihnachtsdekoration, sondern eine mehrjährige Zwiebelpflanze, die bei guter Pflege immer wieder blühen kann.

Das Wichtigste geschieht dabei nicht im Winter, wenn die prachtvollen Blüten erscheinen.

Es geschieht im Frühjahr und Sommer, wenn die Pflanze mit ihren grünen Blättern Energie sammelt und ihre Zwiebel stärkt.

Wer diese Phase vernachlässigt, darf sich später nicht wundern, wenn die Blüte ausbleibt.

Wer dagegen für ausreichend Licht, Wasser und Nährstoffe sorgt und der Pflanze anschließend eine geeignete Ruhephase ermöglicht, hat gute Chancen auf ein neues Blütenwunder.

Deshalb mein wichtigster Rat: Wer im Winter schöne Amaryllisblüten haben möchte, muss sich schon im Sommer um die unscheinbaren grünen Blätter kümmern.

Und bitte nicht vergessen: Eine Amaryllis, die gerade nicht blüht, ist keineswegs nutzlos.

Sie arbeitet möglicherweise bereits an ihrem nächsten großen Auftritt.

Lesezeit ca.: 15 Minuten | Tippfehler melden


Lesen Sie doch auch:


(©si)