Eigentlich sollte sie längst im Biomüll landen: eine alte, ziemlich verschrumpelte Ingwerknolle, die in unserer Küche vergessen worden war. Doch statt sie wegzuwerfen, habe ich ein kleines Pflanzenexperiment gestartet. Ein paar Monate später wuchsen aus dem unscheinbaren Küchenrest mehrere kräftige grüne Triebe. Jetzt steht der Winter vor der Tür und ich muss entscheiden, wie ich meinen selbst gezogenen Ingwer über die kalte Jahreszeit bringe.
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- Ein trauriger Rest Ingwer in der Küche
- Eine flache Schale, Blumenerde und Seramis
- Und tatsächlich: Der Ingwer erwachte zum Leben
- Was passiert eigentlich unter der Erde?
- Zwei Grünlilien leisten meinem Ingwer Gesellschaft
- Ende Oktober: Der erste Ingwertrieb verwelkt
- Warum ich den Ingwer nicht einfach weitergießen möchte
- Kann man Ingwer im Winter einfach ausgraben?
- So werde ich meinen Ingwer überwintern
- Im Frühjahr beginnt das Experiment von vorn
- Kann man den selbst gezogenen Ingwer auch essen?
- Sieben Tipps, wenn Du selbst Ingwer ziehen möchtest
- Fazit: Aus Küchenabfall kann neues Leben entstehen
- Bildquellen:
Ein trauriger Rest Ingwer in der Küche
Man kennt das. Für irgendein Rezept kauft man ein Stück frischen Ingwer. Ein bisschen davon wird abgeschnitten, gerieben oder in Scheiben in den Tee gegeben. Der Rest wandert zurück in die Küche.
Dort liegt er dann.
Und liegt.
Und liegt.
Irgendwann erinnert man sich wieder an ihn. Allerdings sieht die einst pralle, saftige Knolle inzwischen aus, als hätte sie mehrere Jahre in der Wüste Gobi verbracht.
Die Haut ist runzelig, das ganze Stück fühlt sich deutlich leichter an, und besonders appetitlich sieht es auch nicht mehr aus.
Normalerweise wäre das der Moment, in dem der Ingwer im Biomüll landet.
Bei mir war es anders.
Ich dachte mir: Warum eigentlich wegwerfen? Vielleicht steckt ja noch Leben darin.
Schließlich ist Ingwer keine gewöhnliche Wurzel, sondern ein Rhizom. Das ist ein unterirdisch wachsender Spross, der Nährstoffe speichert und neue Triebe hervorbringen kann.
Solange ein solches Rhizom noch lebendes Gewebe und funktionsfähige Knospen besitzt, kann daraus unter günstigen Bedingungen eine neue Pflanze entstehen.
Also beschloss ich, den alten Ingwer zu retten.
Eine flache Schale, Blumenerde und Seramis
Für mein kleines Experiment verwendete ich eine flache Pflanzschale, ungefähr so groß wie ein DIN-A4-Blatt.
Als Substrat nahm ich eine Mischung aus gewöhnlicher Blumenerde und Seramis-Granulat.
Das erschien mir sinnvoll, denn Ingwer mag es zwar feucht, verträgt aber keine dauerhaft nassen, sauerstoffarmen Bedingungen.
Die Blumenerde liefert Nährstoffe und bietet den Wurzeln Halt. Das mineralische Granulat lockert die Mischung auf und kann Feuchtigkeit speichern.
Ich bettete die alte Ingwerknolle in das Substrat und bedeckte sie mit Erde und Granulat.
Anschließend stellte ich die Schale an einen warmen, hellen Platz und achtete darauf, dass das Substrat nicht vollständig austrocknete.
Meine Schale besitzt übrigens keine Abzugslöcher.
Das ist für die Kultur von Ingwer nicht ideal. Denn wenn sich überschüssiges Wasser am Boden sammelt, können die Rhizome faulen.
Ich habe deshalb von Anfang an sehr sorgfältig gegossen und darauf geachtet, dass die Erde zwar leicht feucht, aber niemals richtig nass war.
Wer das Experiment nachmachen möchte, sollte möglichst eine breite Pflanzschale mit Abzugslöchern verwenden. Das macht die Wasserversorgung erheblich einfacher.
Und tatsächlich: Der Ingwer erwachte zum Leben
Nach einiger Zeit zeigte sich der erste grüne Austrieb.
Aus dem alten, verschrumpelten Stück Ingwer wuchs ein aufrechter Trieb, der bald längliche grüne Blätter entwickelte.
Dann folgte ein weiterer.
Und noch einer.
Im Laufe des Sommers entwickelte sich aus dem beinahe entsorgten Küchenrest eine richtige kleine Ingwerpflanze mit mehreren kräftigen grünen Stängeln.
Das war für mich besonders interessant, weil Ingwer bei uns normalerweise nur als hellbraunes, knubbeliges Stück im Gemüsefach auftaucht.
Wie die lebende Pflanze aussieht, wissen viele Menschen gar nicht.
Dabei ist sie durchaus dekorativ.
Die aufrechten Triebe mit ihren länglichen Blättern erinnern ein wenig an Schilf oder Bambus. Botanisch gehört Ingwer allerdings zur Familie der Ingwergewächse und ist mit Bambus nicht näher verwandt.
Was passiert eigentlich unter der Erde?
Das Spannendste an der Ingwerkultur ist das, was man zunächst gar nicht sehen kann.
Während die grünen Triebe über der Erde wachsen und Photosynthese betreiben, entwickelt die Pflanze unterirdisch ihr Rhizomsystem.
Aus dem ursprünglich eingepflanzten Stück können neue, verzweigte Rhizomabschnitte entstehen.
Genau diese verdickten Sprossteile sind es, die wir später als frischen Ingwer ernten können.
Dazu benötigt die Pflanze allerdings ausreichend Zeit.
Ingwer stammt aus tropischen Regionen und bevorzugt eine lange, warme Wachstumsperiode.
Bei uns in Deutschland ist der Sommer dafür vergleichsweise kurz. Wer Ingwer im Haus kultiviert, kann die Wachstumszeit durch einen warmen und hellen Standort verlängern.
Trotzdem darf man nicht erwarten, aus einem kleinen Küchenrest innerhalb weniger Wochen eine riesige Ingwerernte zu gewinnen.
Für mich stand ohnehin nicht der Ertrag im Vordergrund.
Ich wollte wissen, ob sich aus einem fast vertrockneten Stück Ingwer überhaupt wieder eine gesunde Pflanze entwickeln lässt.
Und diese Frage war inzwischen eindeutig beantwortet.
Zwei Grünlilien leisten meinem Ingwer Gesellschaft
Im Laufe des Sommers kamen noch zwei weitere Pflanzen in die Schale.
Ich hatte kleine Ableger einer Grünlilie (Chlorophytum comosum) und setzte sie neben den Ingwer.
Auch sie entwickelten sich gut.
So entstand auf der Fensterbank eine kleine Pflanzengemeinschaft aus einem Ingwer und zwei Grünlilien.
Im Sommer war das völlig unkompliziert.
Alle drei Pflanzen mochten den hellen Standort und die regelmäßige, vorsichtige Wasserversorgung.
Jetzt im Herbst zeigt sich allerdings ein Unterschied.
Die Grünlilien sind immergrüne Zimmerpflanzen, die auch im Winter weiterleben und gelegentlich Wasser benötigen.
Ingwer dagegen kann bei kürzer werdenden Tagen seine oberirdischen Triebe einziehen und in eine Ruhephase übergehen.
Das bedeutet, dass die drei Pflanzen im Winter nicht unbedingt dieselben Ansprüche haben.
Ende Oktober: Der erste Ingwertrieb verwelkt
Inzwischen haben wir Ende Oktober.
Die Tage werden kürzer, das Licht nimmt ab und viele Pflanzen stellen sich langsam auf den Winter ein.
Bei meinem Ingwer ist jetzt der erste längere Trieb welk geworden.
Ich habe ihn entfernt.
Die übrigen Triebe sind noch grün und gesund.
Das ist zunächst kein Grund zur Sorge.
Ingwer kann im Herbst seine oberirdischen Pflanzenteile nach und nach verlieren. Das Rhizom bleibt dabei unter der Erde am Leben und kann im nächsten Frühjahr erneut austreiben.
Allerdings muss man unterscheiden: Ein einzelner welkender Trieb ist noch kein sicherer Beweis dafür, dass die Pflanze in ihre natürliche Ruhephase eintritt.
Auch zu viel Wasser, beschädigte Wurzeln oder ungünstige Standortbedingungen können dazu führen, dass Triebe absterben.
Solange die übrigen Stängel gesund bleiben und das Rhizom nicht fault, werde ich deshalb erst einmal abwarten.
Warum ich den Ingwer nicht einfach weitergießen möchte
Im Sommer hat die gemeinsame Pflanzschale gut funktioniert.
Im Winter könnte die unterschiedliche Wasserversorgung allerdings zum Problem werden.
Die Grünlilien benötigen weiterhin gelegentlich Feuchtigkeit.
Wenn der Ingwer dagegen sämtliche Triebe verliert, verbraucht er kaum noch Wasser.
Da meine Schale geschlossen ist und das Seramis-Granulat zusätzlich Feuchtigkeit speichert, könnte das Rhizom dann über längere Zeit zu nass liegen.
Das wäre ungünstig.
Denn Ingwer kann bei dauerhaft feuchten, schlecht belüfteten Bedingungen faulen.
Ich habe deshalb beschlossen, die Pflanzen bei Bedarf zu trennen.
Die beiden Grünlilien dürfen in ihrer Schale bleiben.
Der Ingwer soll dagegen seine eigene Winterunterkunft bekommen.
Kann man Ingwer im Winter einfach ausgraben?
Ja, grundsätzlich ist das möglich.
Ein ausgereiftes, gesundes Ingwerrhizom kann nach dem Einziehen der oberirdischen Triebe aus dem Substrat genommen und separat gelagert werden.
Dabei muss man allerdings vorsichtiger sein als beispielsweise bei manchen robusten Blumenzwiebeln.
Ingwer ist ein tropisches Gewächs.
Seine Rhizome reagieren empfindlich auf Frost, zu niedrige Temperaturen, Austrocknung und Fäulnis.
Deshalb sollte man sie nicht einfach in den kalten Keller werfen und bis Ostern vergessen.
Für meine Pflanze habe ich folgenden Plan.
So werde ich meinen Ingwer überwintern
1. Zunächst warte ich auf das natürliche Einziehen.
Solange noch gesunde grüne Triebe vorhanden sind, lasse ich den Ingwer in seiner Schale.
Die Blätter können weiterhin Photosynthese betreiben und zur Versorgung des Rhizoms beitragen.
Erst wenn die oberirdischen Pflanzenteile weitgehend abgestorben sind, werde ich das Rhizom ausgraben.
2. Ich nehme das Rhizom vorsichtig aus dem Substrat.
Dabei werde ich die Erde und das Seramis-Granulat behutsam entfernen.
Das ist zugleich der spannende Moment, in dem ich zum ersten Mal sehen kann, was sich während des Sommers unter der Erde entwickelt hat.
Vielleicht ist die ursprüngliche Knolle inzwischen deutlich größer geworden.
Vielleicht haben sich mehrere neue Rhizomabschnitte gebildet.
Und möglicherweise gibt es sogar schon etwas zu ernten.
3. Ich kontrolliere das Rhizom.
Gesunde Ingwerrhizome sollten fest sein.
Weiche, faulige oder unangenehm riechende Teile sind dagegen ein Warnzeichen.
Nur gesunde Abschnitte kommen für die Überwinterung infrage.
4. Ich lasse die Oberfläche kurz abtrocknen.
Nach dem Ausgraben werde ich das Rhizom an einem luftigen, schattigen Platz ein bis zwei Tage oberflächlich abtrocknen lassen.
Es soll dabei nicht vollständig austrocknen, sondern lediglich überschüssige Feuchtigkeit verlieren.
5. Ich lagere den Ingwer dunkel und frostfrei.
Anschließend kommt das Rhizom in eine kleine Kiste oder einen geeigneten Behälter mit etwas trockenem bis kaum feuchtem Kokossubstrat.
Die Lagerung soll luftig sein, damit sich keine Nässe staut.
Eine Temperatur von ungefähr 12 bis 16 Grad Celsius erscheint mir als Kompromiss für die Ruhezeit geeignet. Entscheidend ist, dass der Ingwer frostfrei bleibt und weder austrocknet noch fault.
Die Lagerung außerhalb der Erde ist allerdings nicht völlig risikofrei. Deshalb werde ich das Rhizom regelmäßig kontrollieren.
Wenn es stark schrumpelt, muss ich die Lagerbedingungen anpassen. Werden Teile weich oder schimmelig, ist das ebenfalls ein Warnsignal.
Alternativ könnte ich es in einem separaten Topf mit fast trockenem Substrat überwintern.
Im Frühjahr beginnt das Experiment von vorn
Wenn im März oder April die Tage wieder länger werden, soll mein Ingwer erneut austreiben.
Dazu werde ich das Rhizom in eine breite Pflanzschale mit lockerem, durchlässigem Substrat setzen.
Diesmal bekommt der Ingwer wahrscheinlich einen eigenen Topf mit Abzugslöchern.
Das Rhizom wird waagerecht eingelegt, mit den erkennbaren Austriebsknospen nach oben.
Anschließend wird es nur leicht mit Erde bedeckt.
Ein warmer Standort mit Temperaturen um 22 bis 25 Grad Celsius begünstigt den Austrieb.
Zunächst wird vorsichtig gegossen.
Erst wenn sich neue Triebe und Wurzeln entwickeln, benötigt die Pflanze wieder mehr Wasser.
Mit etwas Glück beginnt dann die nächste Wachstumsperiode.
Kann man den selbst gezogenen Ingwer auch essen?
Selbstverständlich.
Wenn sich neue, gesunde Rhizome entwickelt haben, kann man sie grundsätzlich wie gekauften Ingwer verwenden.
Frisch geernteter junger Ingwer besitzt häufig eine dünnere Schale und ist besonders saftig.
Er eignet sich zum Kochen, für Tee oder zum Würzen verschiedener Gerichte.
Allerdings würde ich bei meiner Pflanze zunächst nicht alles ernten.
Schließlich möchte ich das Experiment fortsetzen.
Ich könnte also einen Teil des neu gebildeten Rhizoms für die Küche verwenden und einen anderen Teil für die nächste Wachstumsperiode aufbewahren.
Voraussetzung ist natürlich, dass die Rhizome gesund sind und nicht mit ungeeigneten Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden.
Sieben Tipps, wenn Du selbst Ingwer ziehen möchtest
- Verwende ein gesundes Rhizom. Ein etwas verschrumpeltes Stück kann durchaus noch austreiben. Es sollte aber fest sein und möglichst erkennbare Knospen besitzen. Faulige oder schimmelige Stücke gehören nicht in den Blumentopf.
- Wähle ein breites Pflanzgefäß. Ingwer wächst unterirdisch vor allem waagerecht. Ein breiter Topf ist deshalb meist besser geeignet als ein besonders schmaler, tiefer.
- Achte auf einen Wasserabzug. Das Gefäß sollte möglichst Abzugslöcher besitzen. Staunässe ist eine der größten Gefahren bei der Ingwerkultur.
- Verwende lockeres Substrat. Eine Mischung aus Blumenerde und mineralischen Bestandteilen kann gut funktionieren. Entscheidend ist, dass Wasser ablaufen kann und die Wurzeln ausreichend Luft bekommen.
- Halte die Pflanze warm. Ingwer mag Temperaturen über 20 Grad Celsius. Für den Austrieb sind ungefähr 22 bis 25 Grad besonders günstig.
- Gieße gleichmäßig, aber nicht übermäßig. Während der Wachstumsphase sollte das Substrat leicht feucht bleiben, ohne dauerhaft nass zu sein. Im Winter wird bei ruhenden Pflanzen erheblich weniger Wasser benötigt.
- Hab Geduld. Ingwer wächst nicht über Nacht. Eine kräftige Pflanze und größere Rhizome entwickeln sich über viele Monate.
Fazit: Aus Küchenabfall kann neues Leben entstehen
Mein kleines Ingwerexperiment hat mir einmal mehr gezeigt, dass man nicht alles sofort wegwerfen muss, nur weil es nicht mehr besonders schön aussieht.
Aus einer fast vertrockneten Knolle, die eigentlich für den Biomüll bestimmt war, ist innerhalb eines Sommers eine gesunde Pflanze mit mehreren kräftigen grünen Trieben geworden.
Dafür brauchte ich keine besondere Ausrüstung.
Eine flache Schale, etwas Blumenerde, Seramis, Wärme, Licht und ein wenig Aufmerksamkeit haben genügt.
Jetzt steht die nächste Herausforderung bevor: die Überwinterung.
Ich werde beobachten, wie die verbliebenen Triebe reagieren, das Rhizom nach dem Einziehen vorsichtig ausgraben und versuchen, es bis zum Frühjahr aufzubewahren.
Dann wird sich zeigen, ob mein geretteter Kücheningwer ein zweites Jahr erlebt.
Und selbst wenn die Ernte am Ende nur aus einem kleinen Stück frischem Ingwer bestehen sollte, hat sich das Experiment für mich bereits gelohnt.
Denn aus etwas, das eigentlich weggeworfen werden sollte, ist wieder eine lebendige Pflanze geworden.
Und das ist doch eigentlich ein ziemlich schönes Ergebnis.
Bildquellen:
- Gingerpflanzen-am-sonnigen-Fenster_800x500: Peter Wilhelm ki
















