Am 27. November ist Black Friday, am 30. November folgt der Cyber Monday. Schon bald werden Amazon und andere Händler wieder mit sensationellen Rabatten um sich werfen. 30, 50 oder sogar 70 Prozent günstiger! Doch wer sich von durchgestrichenen Preisen blenden lässt, spart möglicherweise viel weniger als gedacht. Die beste Vorbereitung auf die Schnäppchenjagd beginnt deshalb jetzt – Ende Oktober.
ansehen/verstecken
- Wenn Amazon plötzlich großzügig wird
- Der Trick mit den großen Rabatten
- Was sagen die Zahlen wirklich?
- Der beste Black-Friday-Trick: Fangen Sie jetzt an!
- 12 Tipps, mit denen Sie echte Schnäppchen finden
- Was Händler bei Preisermäßigungen beachten müssen
- Ein Beispiel: Wie aus 50 Prozent Rabatt plötzlich null Prozent werden
- Vorsicht bei besonders günstigen Marketplace-Angeboten
- Meine kleine Black-Friday-Checkliste
- Fazit: Der beste Rabatt ist der, den man nachrechnen kann
- Bildquellen:
Wenn Amazon plötzlich großzügig wird
Es ist wieder so weit. In wenigen Wochen werden uns die Onlinehändler erklären, dass sie aus reiner Menschenfreundlichkeit beschlossen haben, ihre Waren praktisch zu verschenken.
Amazon wird uns mit bunten Hinweisen, Blitzangeboten und durchgestrichenen Preisen überschütten. Andere Händler werden selbstverständlich mitmachen. Schließlich möchte niemand dabei zusehen, wie die Konkurrenz das Weihnachtsgeschäft allein erledigt.
Ein Fernseher soll plötzlich 40 Prozent günstiger sein. Eine Kaffeemaschine sogar 55 Prozent. Und bei einem Staubsauger wird uns eine Ersparnis versprochen, für die man andernorts beinahe ein zweites Gerät bekäme.
Da muss man doch zugreifen!
Oder vielleicht besser erst einmal nachdenken.
Denn die wichtigste Frage lautet nicht, wie viel Prozent Rabatt ein Händler verspricht.
Die entscheidende Frage lautet: Was hat der Artikel vorher tatsächlich gekostet?
Und genau deshalb sollten Sie jetzt anfangen, Preise aufzuschreiben.
Der Trick mit den großen Rabatten
Stellen wir uns vor, Sie interessieren sich für einen bestimmten Kaffeevollautomaten.
Der Hersteller empfiehlt einen Verkaufspreis von 799 Euro. Tatsächlich wird das Gerät aber seit Monaten bei verschiedenen Händlern für ungefähr 499 Euro angeboten.
Am Black Friday erscheint plötzlich ein riesiges Werbeschild:
„38 Prozent gespart! Statt 799 Euro nur 499 Euro!“
Das klingt fantastisch.
Tatsächlich zahlen Sie aber genau den Preis, zu dem die Maschine ohnehin schon seit Wochen erhältlich war.
Gespart haben Sie gegenüber dem üblichen Marktpreis keinen einzigen Cent.
Das ist ein typisches Problem beim Vergleich mit unverbindlichen Preisempfehlungen, kurz UVP. Diese können durchaus ernst gemeint sein, liegen aber bei manchen Produkten erheblich über den Preisen, die Kunden im normalen Handel tatsächlich bezahlen.
Eine UVP ist eben keine verlässliche Auskunft darüber, wie viel Geld Sie gerade sparen.
Auch kurzfristige Preisschwankungen können Rabattversprechen attraktiver erscheinen lassen. Es gibt immer wieder Beobachtungen einzelner Produkte, deren Preise vor Verkaufsaktionen steigen und später wieder fallen.
Allerdings sollte man daraus nicht schließen, dass sämtliche Händler vor dem Black Friday systematisch ihre Preise erhöhen. Eine große Untersuchung von idealo fand für die analysierten Produktkategorien gerade keine allgemeine künstliche Preiserhöhung unmittelbar vor dem Aktionstag.
Umso wichtiger ist es, sich nicht auf Vermutungen zu verlassen, sondern den Preisverlauf des gewünschten Artikels selbst zu überprüfen.
Was sagen die Zahlen wirklich?
Die Preisvergleichsplattform idealo untersuchte für ihre im Oktober 2025 veröffentlichte Black-Friday-Studie mehr als 10.000 Produkte und verglich die Preise am Black Friday 2024 mit dem Preisniveau im vorherigen Oktober.
Dabei zeigte sich, dass 73 Prozent der untersuchten Produkte am Black Friday tatsächlich günstiger waren.
Die durchschnittliche Ersparnis betrug allerdings nur sieben Prozent.
Je nach Warengruppe gab es deutliche Unterschiede:
| Produktgruppe | Durchschnittliche Ersparnis |
|---|---|
| Fernseher | 17 % |
| E-Bikes | 15 % |
| Kopfhörer | 14 % |
| Alle untersuchten Produkte | 7 % |
| Smartphones | 5 % |
Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Aktionstage durchaus lohnen können.
Aber eben längst nicht bei jedem Produkt und schon gar nicht in der Größenordnung, die manche Werbebanner suggerieren.
Noch interessanter ist eine andere Zahl aus derselben Untersuchung:
59 Prozent der analysierten Produkte waren an einem anderen Novembertag sogar günstiger als am Black Friday selbst.
Der berühmte schwarze Freitag ist also keineswegs automatisch der günstigste Einkaufstag des Jahres.
Wer bereits Anfang November einen wirklich guten Preis entdeckt, muss nicht zwangsläufig bis zum 27. November warten.
Die genannten Zahlen beziehen sich auf die untersuchten Angebote des Jahres 2024. Sie sind keine Garantie für die Preisentwicklung einzelner Produkte im Jahr 2026.
Der beste Black-Friday-Trick: Fangen Sie jetzt an!
Ende Oktober ist ein hervorragender Zeitpunkt, um sich auf die kommenden Rabattaktionen vorzubereiten.
Noch stehen wir nicht mitten im großen Werbegetöse. Sie können in Ruhe recherchieren, vergleichen und entscheiden, was Sie tatsächlich benötigen.
Dazu brauchen Sie keine komplizierte Software.
Eine einfache Liste auf Papier, eine Notiz auf dem Smartphone oder eine kleine Tabelle reichen völlig aus.
Und so gehen Sie vor:
12 Tipps, mit denen Sie echte Schnäppchen finden
- Schreiben Sie jetzt Ihre Wunschliste. Überlegen Sie, welche Anschaffungen ohnehin anstehen. Vielleicht brauchen Sie neue Kopfhörer, einen Fernseher, eine elektrische Zahnbürste oder einen Staubsauger. Notieren Sie nur Produkte, die Sie wirklich kaufen möchten. Wer erst am Black Friday überlegt, was er brauchen könnte, ist bereits ein dankbares Opfer der Werbepsychologie.
- Notieren Sie die genaue Modellbezeichnung. Bei technischen Geräten reicht es nicht, einfach „Samsung Fernseher 55 Zoll“ aufzuschreiben. Halten Sie die vollständige Modellnummer fest. Auch Farbe, Speicherkapazität, Baujahr und Ausstattungsvariante können den Preis erheblich beeinflussen.
- Schreiben Sie den heutigen Preis auf. Suchen Sie Ihren Wunschartikel bei Amazon und mindestens zwei weiteren Händlern. Notieren Sie Datum, Preis und Anbieter. Damit schaffen Sie eine erste Vergleichsgrundlage, die Ihnen am Black Friday niemand mehr schönrechnen kann.
- Nutzen Sie Preisvergleichsportale. Auf idealo.de und geizhals.de können Sie viele Produkte miteinander vergleichen. Besonders nützlich sind die Preisverlaufsdiagramme. Sie zeigen, wie sich die Preise in den vergangenen Wochen oder Monaten entwickelt haben.
- Schauen Sie nicht nur auf die letzten 30 Tage. Ein Produkt kann schon im September erheblich günstiger gewesen sein als heute. Deshalb lohnt sich ein Blick auf drei, sechs oder sogar zwölf Monate Preisgeschichte. Je länger der Beobachtungszeitraum, desto besser können Sie einschätzen, ob ein Angebot tatsächlich außergewöhnlich ist.
- Richten Sie einen Preisalarm ein. Viele Preisvergleichsportale bieten sogenannte Preiswecker an. Sie legen beispielsweise fest, dass Sie einen bestimmten Kopfhörer für höchstens 120 Euro kaufen möchten. Sobald ein entsprechendes Angebot auftaucht, werden Sie benachrichtigt. Das funktioniert auch lange vor dem Black Friday.
- Beobachten Sie Amazon gesondert. Für Amazon-Produkte ist beispielsweise Keepa interessant. Der Dienst zeigt historische Preisentwicklungen und ermöglicht Preisalarme. Beachten Sie, dass je nach Funktion ein Benutzerkonto oder kostenpflichtiger Zugang erforderlich sein kann. Wichtig ist außerdem, zwischen Amazon selbst und Angeboten anderer Marketplace-Händler zu unterscheiden.
- Legen Sie Ihren persönlichen Höchstpreis fest. Wenn Sie heute feststellen, dass Ihr Wunschgerät normalerweise 300 Euro kostet, könnten Sie sich beispielsweise ein Kauflimit von 250 Euro setzen. Taucht das Gerät zu diesem Preis auf, können Sie zuschlagen. Kostet es am Black Friday dagegen 299 Euro und trägt ein rotes Schild mit „Superdeal“, lassen Sie es liegen.
- Prüfen Sie immer den Gesamtpreis. Versandkosten, Zusatzgebühren oder notwendiges Zubehör können ein vermeintliches Schnäppchen verteuern. Ein Akkuschrauber ohne Akku und Ladegerät ist beispielsweise nicht automatisch günstiger als ein vollständiges Set.
- Achten Sie auf identische Ware. Vergleichen Sie nicht versehentlich das Vorjahresmodell mit dem aktuellen Gerät oder eine Version mit 128 GB Speicher mit einer Ausführung mit 256 GB. Auch Importgeräte, generalüberholte Artikel und Produkte mit anderem Lieferumfang benötigen eine gesonderte Bewertung.
- Kaufen Sie nicht automatisch am Freitag. Beginnen Sie bereits Anfang November mit der Beobachtung. Der Singles Day am 11. November, frühe Black-Week-Angebote und spätere Cyber-Monday-Aktionen können ebenfalls interessante Preise bringen. Wenn Ihr vorher festgelegter Wunschpreis erreicht ist, gibt es keinen vernünftigen Grund, ausgerechnet auf den Freitag zu warten.
- Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Countdown-Uhren, Hinweise auf angeblich knappe Lagerbestände und blinkende Rabattschilder sollen schnelle Entscheidungen auslösen. Fragen Sie sich stattdessen: Würde ich diesen Artikel auch kaufen, wenn kein Rabatt danebenstünde? Falls nicht, sparen Sie am meisten, indem Sie ihn überhaupt nicht bestellen.
Was Händler bei Preisermäßigungen beachten müssen
In Deutschland dürfen Händler ihre Rabattwerbung nicht völlig nach Belieben gestalten.
Nach § 11 der Preisangabenverordnung müssen sie bei der Bekanntgabe einer Preisermäßigung für Waren gegenüber Verbrauchern grundsätzlich den niedrigsten Gesamtpreis angeben, den sie innerhalb der vorherigen 30 Tage verlangt haben.
Dabei gibt es gesetzliche Ausnahmen und besondere Regelungen, beispielsweise für bestimmte schrittweise Preisreduzierungen.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen einer Ermäßigung des eigenen früheren Verkaufspreises und einem Vergleich mit einer unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers.
Beides ist nicht automatisch dasselbe.
Wenn ein Händler seinen eigenen Preis von 100 auf 80 Euro reduziert und damit wirbt, muss die gesetzliche 30-Tage-Regel berücksichtigt werden.
Wenn er dagegen einen aktuellen Verkaufspreis einer UVP gegenüberstellt, handelt es sich um eine andere Art des Preisvergleichs. Auch eine solche Werbung darf Verbraucher nicht irreführen.
Das Gesetz schützt also vor bestimmten irreführenden Rabattdarstellungen. Es garantiert Ihnen aber nicht, dass der beworbene Preis auch tatsächlich der günstigste Marktpreis ist.
Deshalb bleibt der unabhängige Preisvergleich unverzichtbar.
Den vollständigen Gesetzestext finden Sie hier: § 11 Preisangabenverordnung.
Ein Beispiel: Wie aus 50 Prozent Rabatt plötzlich null Prozent werden
Nehmen wir einen fiktiven Staubsauger.
Der Hersteller gibt eine UVP von 399 Euro an.
Im September wurde das Gerät für 219 Euro verkauft. Im Oktober kostete es bei mehreren Händlern 199 Euro.
Am Black Friday erscheint es bei Amazon für 199 Euro, versehen mit einem auffälligen Hinweis auf einen Preisvorteil von rund 50 Prozent gegenüber der UVP.
Wer nur auf die Prozentzahl schaut, glaubt, fast 200 Euro gespart zu haben.
Wer seine Preise notiert hat, weiß dagegen: Das Gerät kostet genau so viel wie schon im Oktober.
Der angeblich sensationelle Black-Friday-Preis ist schlicht ein ganz normaler Marktpreis.
Nun kann es natürlich sein, dass ein anderer Händler das Gerät am selben Tag für 179 Euro anbietet.
Das wäre gegenüber dem vorher beobachteten Marktpreis tatsächlich ein gutes Angebot.
Genau diesen Unterschied müssen Sie erkennen.
Nicht die Größe der roten Rabattzahl entscheidet, sondern der tatsächlich verlangte Preis im Vergleich zu den bisherigen und aktuellen Angeboten.
Vorsicht bei besonders günstigen Marketplace-Angeboten
Gerade auf großen Handelsplattformen wie Amazon verkaufen nicht nur die Plattformbetreiber selbst, sondern auch zahlreiche unabhängige Händler.
Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes.
Allerdings sollten Sie bei auffällig günstigen Angeboten genau hinschauen, wer die Ware tatsächlich verkauft und versendet.
Prüfen Sie das Impressum, die Händlerbewertungen, die Rückgabebedingungen und die angegebenen Lieferzeiten.
Seien Sie besonders vorsichtig, wenn ein Verkäufer Sie auffordert, die Bezahlung außerhalb der Handelsplattform vorzunehmen.
Auch bei unbekannten Onlineshops gilt: Ein extrem niedriger Preis ist kein Beweis für ein Schnäppchen. Er kann ebenso gut ein Warnsignal sein.
Lieber zehn Euro mehr bei einem seriösen Anbieter bezahlen, als hundert Euro an einen Fakeshop verlieren.
Meine kleine Black-Friday-Checkliste
Bevor Sie am Black Friday oder Cyber Monday auf „Jetzt kaufen“ klicken, prüfen Sie noch einmal:
-
Brauche ich den Artikel tatsächlich?
-
Stimmt die genaue Modellbezeichnung?
-
Kenne ich den normalen Marktpreis?
-
Habe ich die Preisentwicklung kontrolliert?
-
Ist das Angebot wirklich günstiger als bisher?
-
Habe ich mindestens einen anderen Händler verglichen?
-
Sind Versandkosten und notwendiges Zubehör berücksichtigt?
-
Ist der Verkäufer seriös?
-
Bleibe ich innerhalb meines geplanten Budgets?
Wenn Sie diese Fragen beantworten können, sind Sie den meisten hektischen Schnäppchenjägern bereits einen großen Schritt voraus.
Fazit: Der beste Rabatt ist der, den man nachrechnen kann
Ich habe überhaupt nichts gegen den Black Friday oder den Cyber Monday.
Im Gegenteil: Wer eine größere Anschaffung plant, kann an diesen Tagen durchaus Geld sparen.
Aber ich habe etwas gegen die Vorstellung, dass ein Händler schon deshalb ein großzügiger Wohltäter ist, weil er eine möglichst große Prozentzahl neben einen durchgestrichenen Preis schreibt.
Amazon und seine Mitbewerber sind Wirtschaftsunternehmen. Sie veranstalten diese Aktionen nicht, um uns glücklich zu machen, sondern um Waren zu verkaufen.
Das ist völlig legitim.
Genauso legitim ist es allerdings, wenn wir als Kunden vorher unsere Hausaufgaben machen.
Mein Rat lautet deshalb: Fangen Sie heute an. Schreiben Sie die Preise Ihrer Wunschartikel auf. Beobachten Sie deren Entwicklung. Legen Sie fest, was Sie höchstens bezahlen möchten.
Und wenn dann Ende November die großen Rabattfeuerwerke gezündet werden, schauen Sie nicht auf die bunten Prozentzahlen.
Schauen Sie auf Ihre Liste.
Denn der schönste Black-Friday-Rabatt ist nicht der, den Amazon Ihnen verspricht.
Sondern der, den Sie selbst nachgerechnet haben.
Quellen und weiterführende Informationen
- idealo: Black-Friday-Preisstudie 2025 mit Auswertung der Preise von 2024
- § 11 Preisangabenverordnung – gesetzliche Regeln für Preisermäßigungen
- Finanztip: Black Friday 2026 – Vorbereitung und Preisvergleich
Bildquellen:
- Preisfalle-im-Black-Friday-Chaos_800x500: Peter Wilhelm ki

















