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Poppen nervt – Podcast sauber produzieren

Poppen nervt – Podcast sauber produzieren

Plosivlaute sind störend und Rumpeln sowie Poppen nervt.
Die Rede ist von selbstproduzierten Tonstörungen bei Audio-Aufnahmen, also beispielsweise bei der Produktion eines Podcasts.

In diesem Teil möchte ich mich mit mechanischen Hilfsmitteln beschäftigen, die störende Nebengeräusche bei der Tonaufnahme eliminieren können.

Kopfüber montiertes Mikrofon mit "Spinne" und Popschutz (Poppkiller)

Wenn wir voraussetzen, daß die winzigen Mikrofone von Headsets und die eingebauten Mikrofone im Gehäuserahmen eines Laptops eventuell zum Telefonieren via Skype oder für einen kurzen audiovisuellen Gruß geeignet sind, aber nicht für eine ordentliche Tonaufnahme für einen Podcast taugen, dann werden wir uns also guten und empfindlichen Mikrofonen zuwenden. Diese sind bei höchster Qualität schon für einen überschaubaren Betrag erhältlich. Zwei solcher Mikrofone habe ich im ersten Teil dieser lockeren Serie vorgestellt. (-> Das perfekte Podcast-Mikrofon)

Lesen Sie in diesem Teil:
1. Rumpelgeräusche vom Arbeitsplatz verhindern
2. Wind- und Popgeräusche vermeiden
3. Das Spinnennetz federt alles ab
4. Entrumpeln durch Nahbesprechung
5. Fazit


1. Rumpelgeräusche vom Arbeitsplatz verhindern

Poppen nervt - Podcast sauber produzierenPoppen nervt - Podcast sauber produzieren

Das Mikrofon wird man zunächst mit dem mitgelieferten Ständer auf den Tisch stellen und damit die ersten Probleme selbst produzieren: Rumpelgeräusche von Tisch und Tastatur werde bei der Aufnahme auf das Mikrofon übertragen.

Hiergegen helfen gleich mehrere Maßnahmen. Die preiswerteste ist eine selbstgefertigte Anti-Rumpelmatte aus einem Stück Filz oder etwas weichem Schaumstoff, die man zwischen Mikrofonständer und Tisch legt.
Das kostet im im besten Fall gar nichts.

Wer etwas mehr ausgeben möchte, der erwirbt einen größeren Mikrofonständer, der neben dem Arbeitsplatz auf den Boden gestellt wird und montiert das Mikrofon an den langen, einstellbaren Ausleger. Vorteil: Arbeitsplatz und Mikrofonaufstellort sind mechanisch entkoppelt und kopfüber montiert ist das Mikrofon auch vor der Tastatur aus dem Weg.
Solche Mikrofonständer gibt es schon für unter 10 Euro, wenigstens 15-20 Euro sollte man aber investieren, ich habe gesehen, daß die ganz billigen gerne in den Schraubverbindungen etwas „weich“ sind und schwere Mikros dann wie von Geisterhand den Ausleger nach unten ziehen können.

Am Besten nimmt man das Mikrofon mit zum Stativkauf, dann kann man sicher sein, daß man auch alle passenden Teile dazubekommt, um die Teile aneinandermontieren zu können, oft gibt es da Gewindeunterschiede!

Das gilt umso mehr, wenn man sich die weiteren gleich noch beschriebenen Teile anschafft.

Wer etwas mehr ausgeben möchte und eventuell keinen Platz zum Aufstellen eines Stativs hat, der kann ab etwa 25 Euro einen Mikrofon-Schwenkarm erwerben. Die Funktionsweise ist ähnlich der von Schreibtischlampen-Armen.
Aber aufgepasst: Diese Schwenkarme sind oft schon mit fertigen Kabelsätzen bestückt, denn es kann etwas frickelig sein, das Mikrokabel am mehrfach geknickten Arm über alle Gelenkstellen zu führen. Und diese installierten Kabelsätze tragen an den Enden Anschlüsse, die eher auf Mikrofone von Musikern mit Studio- oder Bühnenanschluß passen. Ein Mikro mit USB-Kabel etwa kann man dort nicht ohne weiteres anschließen!

Bei all diesen Konstruktionen und falls man das von mir empfohlene Samson G-Track verwendet, muß man bedenken, daß von diesem Mikro auch das Kopfhörer bzw. Line-In-Kabel noch zum Anwender oder Computer usw. geführt werden muß.

2. Wind- und Popgeräusche vermeiden

Luftzug und Wind, auch von der Atemluft erzeugt, verursachen weitere Rumpelgeräusche, die sich dann hinterher wie Knattern oder Donnern anhören können.
Bei Außenaufnahmen verhindern das alle Tonleute durch den Einsatz von Schaumstoffüberzügen oder den allseits bekannten Fellpuscheln.
Das Funktionsprinzip ist einfach, an der porigen oder felligen Oberfläche soll der Wind gebrochen werden, sodaß vereinfacht gesagt keine Druckwellen auf die Membran des Mikrofons einwirken können.
Für den Außeneinsatz sind beide, Schaumstoff- und Fellschutz, ideal, jedoch für unseren Einsatzzweck beim Podcasten eher weniger geeignet.

Wir wollen ja eine Stimme glasklar mit einem möglichst großen Tonumfang aufnehmen und allen Hüllen auf dem Mikrofonkopf ist es gemeinsam, daß sie den Tonumfang einschränken können und sogar eine dumpfe Aufnahme bewirken können. Das Poppen und Windrumpeln ist dann zwar weg, aber die Aufnahme kann dumpf klingen.
Man muß allerdings ganz klar sagen, daß der Unterschied eher im Bereich von Studioaufnahmen und fast nur von Fachleuten wirklich hörbar sein kann. Manchmal ist er so gering, daß einem ungeübten Laien der Unterschied gar nicht auffällt.

Doch warum sollte man sich einen Schaumstoff- oder Fellüberzug kaufen, wenn man ihn gar nicht braucht?

Wesentlich besser geeignet ist ein Popschutz. Musiker haben früher einfach einen Drahtkleiderbügel zurechtgebogen und einen Damenstrumpf darübergezogen. So entsteht ein mehr oder weniger runder Rahmen mit doppeltem Stoffbezug, den man vor dem Mikrofon montiert. Etwa 5-10 cm sollen der richtige Abstand sein.

Heute muß man sich so etwas nicht mehr unbedingt selbst bauen, man kann einen Popschutz, mitsamt Montagematerial und Halterung schon ab etwa 12 Euro im Fachhandel kaufen.
Wie so etwas aussieht, sieht man auf der obigen Abbildung.

Der Popschutz soll auf vor dem Ploppen der sogenannten Plosivlaute schützen und wird deshalb auch Ploppkiller usw. genannt. Ploppen entsteht bei der Nahbesprechung von Mikrofonen durch tieffrequente Druckwellen, die in Mundnähe bei der Aussprache von vorderen Plosivlauten ([p], [t] usw.) und auch Reibelauten ([f], [s], [?], [x] usw.), Affrikaten ([pf], [t?] usw.) entstehen.

Nebenbei bemerkt: Die doppelt bespannten Popschutze schützen das Mikrofon auch zuverlässig vor einer manchmal auftretenden „zu feuchten Sprechweise“.

3. Das Spinnennetz federt alles ab

Um Eigen- und Fremdvibrationen abzufedern, die immer noch via Stativ auf das Mikrofon übertragen werden können, eignet sich hervorragend eine sogenannte Mikrofonspinne. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um zwei Ringe, die durch mehr oder weniger raffiniert gespannte Gummibänder miteinander verbunden sind, wobei ein Ring federn innerhalb des anderen befestigt ist. Der äußere Ring wird mit seiner Halterung am Stativ befestigt und der innere Ring trägt, nunmehr vibrationsfrei gelagert, das Mikrofon.

Diese „Spinnen“ sind extrem günstig zu haben und kosten in der einfachen Variante unter 10 Euro. Aber man muß aufpassen, daß Spinne, Mikrofon und Stativ zueinander passen, am Besten alles zusammen anschaffen oder Stativkopf und Mikrofon zum Kauf der Spinne mitnehmen.

Beim empfohlenen Samson G-Track gibt es von Samson eine extra hierfür gefertigte Spinne, deren Einsatz wegen der markentypischen Halterung des G-Track anzuraten ist.

Die Spinne ist einer der wirkungsvollsten Mechanismen, die man kaufen kann und bringt gleich einen spür- und vor allem hörbaren Erfolg. Kommt man mit Arbeitsfläche, Tastatur und Sicht auf den Monitor hin, kann man bei Einsatz einer guten Spinne auch beim herkömmlichen Tischstativ bleiben.

4. Entrumpeln durch Nahbesprechung

Je weiter man vom Mikrofon entfernt ist, umso weiter muß es in den Raum hineinhorchen, so könnte man es vereinfacht sagen. Klar ist, daß ein Mikrofon, das weit in den Raum hineinhören muß, also entsprechend weit aufgedreht und empfindlich ist, auch allerlei Fremdgeräusche mit aufnehmen kann. Das kann vom Ticken einer Uhr im Nebenraum bis hin zu den Lüftergeräuschen des eigenen Computers alles sein. Die wenigsten werden ja in einem schalltoten Studioraum sitzen.

Wenn man also das Mikrofon so einstellt, daß man es aus nächster Nähe bespricht, kann man es in der Empfindlichkeit etwas herunterregeln, was sich sogleich zumeist durch sofortiges Wegfallen des Raumrauschens bemerkbar macht. Wer parallel zum Mikro Kopfhörer als Audiomonitor angeschlossen hat, kann das live überprüfen.

Als Faustregel gilt unter Musikern: Wer den Popschutz nicht mit der Zungenspitze erreichen kann, der ist zu weit vom Mikrofon entfernt.

Logisch, je weniger empfindlich man das Mikrofon einstellen muß, umso weniger empfindlich reagiert es auch auf Fremdgeräusche. Eine einfach, aber wirkungsvolle Maßnahme, die keinen Cent kostet.

Fazit:

Um also unerwünschte Plop-, Rumpel- und Fremdgeräusche zu eliminieren sind zusammengefasst folgende Maßnahmen wichtig und sinnvoll:

1. Arbeitsplatte durch vibrationsdämpfende Unterlage entrumpeln
2. besser noch ein Stativ oder einen Schwenkarm benutzen
3. Popschutz aus Gazestoff verwenden
4. Mikrofonspinne einsetzen
5. Mikrofon nah besprechen und herunterregeln

Bild: GNU-Lizenz, Quelle: Commons Wikimedia, Urheber: „Galak76“

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


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