Ganz schön fair – Das Shiftphone, oder wie viel Handy braucht der Mensch?

Shiftphone? Das hat doch jeder schon mal gehört. Aber die wenigsten wissen, um was es sich dabei genau handelt. Und wenn ich jetzt noch schreibe, dass es das Shiftphone eigentlich gar nicht gibt, dann ist die Verwirrung perfekt, oder?

Nun, ich bin nicht alleine, wenn ich das Shiftphone genau so nenne. Denn der Name wurde aus den Kreisen der Benutzer geboren und hängt dem Smartphone der Firma SHIFT jetzt eben nach. Und die SHIFT-Brothers täten gut daran, den Namen auch offiziell zu übernehmen. Zu kryptisch sind nämlich die von diesem deutschen Hersteller gewählten Eigenbezeichnungen für seine Produkte wie Shift5me, SHIFT6mq oder SHIFT13mi, wobei sich hinter diesen Namen sowohl Smartphones, als auch Phablets oder Notebooks verbergen können. Die jeweiligen Zahlen und Buchstaben haben auch immer eine Bedeutung, mir ist das zu unaufgeräumt, ich bin ja kein Merlin im finsteren Walde, der erst das große Shift-Orakel befragen will, um zu verstehen, was für ein Produkt gemeint ist. Mit Bezeichnungen wie Shiftphone, Shiftpad und Shiftbook und jeweils angehängter Generationenzahl wäre das wesentlich übersichtlicher.

Aber das ist alles dem Enthusiasmus der Shift-Brothers geschuldet, die mit viel Elan und unglaublich tollen Ideen dem Smartphonemarkt eine kluge, nachhaltige und fair produzierte Telefon-Variante hinzugefügt haben.
Die Shift-Brothers, wie ich sie nenne, sind die klugen Köpfe hinter dem fairen Telefon und die Gründer des Unternehmens Shift GmbH, nämlich die Brüder Carsten, Samuel und Rolf Waldeck. Ihr Ziel ist es, ein Telefon herzustellen, das möglichst über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg unter fairen Bedingungen produziert wird. Nachhaltig soll das Telefon ebenfalls sein, und als ob das nicht alles genügt, ist das Shiftphone auch noch leicht und günstig von jedermann selbst reparierbar. Den benötigten Schraubenzieher liefern die Brüder bei jedem Telefon gleich mit.

Ein modulares System lädt zum Selbermachen ein

Die Shiftphones sind also modular aufgebaut. Mit dem Fingernagel bekommst Du den hinteren Deckel auf und dann liegt das Innenleben schon vor Dir. Den Akku kannst Du selbstverständlich tauschen, und jeder Hersteller, der das nicht ermöglicht, gehört eigentlich abgestraft. Aber Du kannst natürlich nicht nur den Akku tauschen, sondern vom Display, über das Kameramodul bis hin zur Platine alles. Die Teile bekommst Du bei Shift auf der Webseite. Den Akku für nur 12 Euro und das Display für nur 55 Euro. Eine rege Community, zahlreiche Videos und der Shift-Support helfen einem dann durch den Reparaturprozess. Und wer nicht klarkommt, kann sein Handy natürlich auch hinschicken.

Nachhaltig? Fair?

Von einem Gedanken müssen wir uns gleich verabschieden, dass man nämlich nach dem derzeitigen Stand der Weltwirtschaftslage überhaupt dahin kommen kann, eine lückenlose Überwachung der gesamten Wertschöpfungskette erreichen zu können. Deshalb haben sich auch die niederländischen Hersteller des sogenannten Fairphones davon verabschiedet, nur von einem fairen Telefon zu sprechen, sondern sagen lieber, dass es fairer ist. In weitesten Teilen gelingt es der Shift GmbH, trotzdem die Kontrolle zu behalten, eine Arbeit, die eine Sisyphusarbeit ist und beinahe jeden Tag neu getan werden will. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die Shiftphones dennoch zu den nachhaltigsten um am fairsten produzierten Telefonen überhaupt gehören.

So geht nachhaltig

Was mich ärgert, ist die Tatsache, dass man Punkte wie Nachhaltigkeit alleine dem Produkt und dem Hersteller als Aufgabe zumutet. Die Shift GmbH stellt sich dieser Aufgabe, keine Frage. Aber Nachhaltigkeit fängt bei Dir, bei mir, bei uns allen an.
Die Smartphone-Industrie schafft es, mit über viele Jahre zurückgehaltenen Innovationen immer wieder den Schein zu erwecken, sie habe mit der kommenden Generation ihrer Smartphones das Ei neu erfunden und die gelungene Rundung am unteren Ende des Eis sei ach sowas von geil, dass jeder jetzt neue Eier, Eiphones oder Androiden benötigt. Und, ja auch ich, wir alle sind so blöd und stellen uns schon am Abend vorher in die Schlange, um dann vor Glück zu weinen, wenn wir 1.200 Euro später endlich das Neueste vom Neuesten in den Händen halten dürfen.

Ja, das ist verallgemeinernd und provokant. Aber so ein bisschen davon steckt doch in jedem von uns, nicht wahr?

Nachhaltig heißt, dass Du ein gut funktionierendes Smartphone nicht weglegst, weggibst, wegwirfst, sondern so lange weiterverwendest, bis es eben nicht mehr geht. Mit einem Shiftphone kann man das. Das kaufst Du einmal, zahlst auch noch Pfand dafür, reparierst es immer dann, wenn es mal kaputt ist, und benutzt es so lange, wie es irgend geht. Das kann unter Umständen viele Jahre sein. Das ist nachhaltig, entlastet die Umwelt und nicht zuletzt Deinen Geldbeutel. Viele Jahre kann man auf die vermeintlichen Verbesserungen bei der Handytechnologie pfeifen, und wenn es dann irgendwann so weit ist, dass Du ein neues, besseres Smartphone willst, dann ist Shift eben immer noch Dein nachhaltiger Partner. Die nehmen Dein Handy zurück, Du suchst Dir bei denen was Aktuelles aus und schon bist Du nachhaltig glücklich.

So gesehen, könnte auch ein iPhone hachhaltig sein, denn das könntest Du ja ebenfalls viele Jahre nutzen… Aber, kannst Du das wirklich? Bei einem Handy, bei dem der Akku fest verbaut ist und den Du nicht selbst wechseln kannst? Und reparieren kannst Du ein iPhone auch nicht selbst. Wenn Du es dann weggibst, um es machen zu lassen, werden Dir oft Preise genannt, die dann eher doch zum Kauf eines neuen Telefons verleiten. Es muss also tatsächlich ein faires Telefon sein, mit dem Du nachhaltig sein kannst. Und es hängt ganz entscheidend von Dir ab.

Die Preise – Nachhaltigkeit hat ihren Preis, der ist aber überschaubar

Es gibt deutlich günstigere Handys mit ähnlicher Ausstattung, aber die sind eben nicht fair hergestellt und der günstige Preis resultiert eben unter anderem möglicherweise auch aus Kinderarbeit, Umweltverseuchung und gnadenloser Lohnausbeutung. Und wer sich heute nachhaltig orientiert und sich auf dem Markt umschaut, der wird feststellen, dass die passenden Produkte eben immer einen Ticken mehr kosten. Das fängt bei fair gehandeltem Kaffee zum dreifachen Preis an und ist beim Bambusfahrrad für 3.900 Euro noch lange nicht zu Ende. Auf der anderen Seite: So richtig teuer sind die Shiftphones mit aktuell 333 bzw. 699 Euro auch wieder nicht. Man muss halt wissen, was einem „fair und nachhaltig“ wert sind. Übrigens: Im Preis sind die flexible Schutzhülle und sogar eine Sicherheitsfolie für das Display schon enthalten. Ein USB-C-Ladekabel gibts auch noch dazu, ein USB-Netzteil hat ja heute sowieso jeder.

Technik, Ausstattung

Ich habe noch gar nichts zur Technik gesagt? Mach ich auch nicht. Ist mir zu blöd. Steht alles im Wikipedia-Artikel über die Shiftphones und auf der Seite von Shift.
Ein flotter Prozessor, ein Akku, der lange genug durchhält, ein schönes helles Display und ein Kamerasystem, mit dem man sehr gute Bilder und Videos machen kann, was willst Du mehr?
Natürlich, es gibt Handys, die jeden einzelnen Punkt davon besser können, die länger durchhalten, noch hochauflösendere Screens und Cams haben. Ja, aber zu welchem Preis? Und mit Preis meine ich hier gar nicht mal allein das Geld.

Die Shiftbrothers haben mit ein schönes Shiftphone Shift6mq zur Verfügung gestellt. Ich habe einfach da angerufen und danach gefragt. Das Ding kam sofort, ohne Zipzap und Theater. Probiere es aus, solange Du willst, danach kannst Du es zurückschicken.
14 Tage habe ich mich mit dem Telefon beschäftigt. Fazit: Mehr Smartphone braucht kein Mensch.
Ich kann zwei SIM-Karten reinmachen und den Speicher mit so kleinen SD-Kärtchen erweitern. Das Ding hat aber von Haus aus schon 128 GB, was für meine Belange mehr als genug ist, für den Rest gibts die Cloud.

Android? Muss das sein? Nö, aber es kann!

Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich überhaupt kein Android-Auskenner bin. Das Google-Betriebssystem für Smartphones ist für mich so fremd wie Windows, Autos mit dem Lenker auf der rechten Seite oder ein Linkshänderdosenöffner.
Aber das Shiftphone ist so geil, liegt so gut in der Hand und spricht mich auch von der Displaydarstellung so an, dass ich mich sogar auf das Experiment Android eingelassen habe. Und das hat sich gelohnt. Android ist gar nicht so scheiße, wie ich immer dachte, aber doch scheiße genug, dass ich beim iPhone bleibe.

Letztendlich ist Android das Handybetriebssystem und es gibt so viele Apps, dass man sich sein Handy ganz nach seinem eigenen Gusto smart machen kann. Da fehlt es einem dann am Ende an nichts.

Das Shiftphone ist sackschnell (ich weiß auch nicht, was sackschnell bedeutet, finde aber das Wort gut). Ach ja, Du hast die Wahl zwischen (derzeit) Android 10 mit den ganzen Google-Diensten oder dem SHIFT OS ohne das ganze Google-Zeug und mit etwas Nachlesen erfährst Du auch, wie Du Dir Linux (Ubuntu Touch z.B.) als Betriebssystem installieren kannst. So viel Flexibilität und so viele Möglichkeiten, sich sein Handy ganz nach eigenen Vorstellungen zu konfigurieren, habe ich noch nie vorher erlebt.

Warum ich jetzt doch beim iPhone bleibe? Na ja, wir sprachen doch über Nachhaltigkeit. Weshalb jetzt ein niegelnagelneues Shiftphone nehmen, wenn ich schon ein gutes Handy habe? Mein iPhone ist auch schon älter und ich werde mir vermutlich in absehbarer Zeit auch kein neues kaufen.
Außerdem, und da muss ich ehrlich sein, habe ich auch einen Apple-Rechner und eine Apple-Watch und möchte in diesem Universum, der sich verstehenden Dinge, einfach bleiben. Das spielt out of the box alles gut zusammen. Aber da kann das Shiftphone nix für.

Fazit

Das Shiftphone Shift6mq ist ein absolut geiles Teil. Es kann, was ein Handy können sollte. Es ist leicht reparierbar und auf dem Weg der Herstellung so fair wie möglich. Das bringt einen leicht höheren Preis mit sich. Aber wenn Du Dir so ein Telefon kaufst, dann kaufst Du Dir was richtug Gutes.
Klar, Du kannst viele verschiedene Telefone ausprobieren und Testtabellen studieren und wirst hinterher kaum klüger sein. Deshalb nochmal: Mit einem Shiftphone machst Du nichts verkehrt.

Bildquellen

  • Bildschirmfoto 2022-05-02 um 09.53.14: Shift GmbH
(©co-si)

3 thoughts on “Ganz schön fair – Das Shiftphone, oder wie viel Handy braucht der Mensch?

    1. Diese Telefone sind auch nicht schlecht. Nix gegen das Fairphone. Aber Shiftphone kommt von nem deutschen Startup und da bin ich näher dran. Vermutlich gabs die Shifts aber auch noch gar nicht, als Du fair gekauft hast.

      1. Ich habs erst seit ein paar Wochen. Geben tuts sowas schon länger, das erste Fairphone kam glaub ich 2013 raus. Version vier ist noch relativ neu. Niederländische Firma.

        Wichtig für mich war die Reparierbarkeit, mein letztes (Xiaomi) war zu schnell kaputt (Stromanschluss ausgeleiert).

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