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Ich, Apple und der Wahnsinn im Regal

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Ich habe mich schon oft als Apple-Fanboy beschimpfen lassen müssen. Wenn ich versuche, mit anderen über die Vorteile meines Apple-Computers zu sprechen, wird mir ganz oft und meist sehr schnell unterstellt, ich wäre ein Dummkopf, der überteuerte Produkte allein aus einer Fanbeziehung heraus kaufen würde.

Doch das stimmt nicht. So eine vorbehaltlose Liebe bringe ich allenfalls meiner Frau entgegen, aber doch keinen Technikprodukten.

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Nein, das ist ganz anders. Ich arbeite mit Computern, seit es Computer für halbwegs bezahlbares Geld für zu Hause zu kaufen gibt. Mein erster Rechner war ein Sinclair ZX81, den ich noch selbst zusammenlöten musste.
Das war 1981, ist also heute ziemlich genau 45 Jahre her. Danach habe ich eine ganz typische „Karriere“ im Bereich der Heimcomputer gemacht. Ein Commodore VC20, dann ein C64 und danach ein Apple IIe.
Schon 1985 folgte der erste PC, ein IBM-XT-Nachbau, den ich bei Rabbit Computer in Bielefeld gekauft habe.

Kurz darauf wurde ich Leiter eines Rechenzentrums in Frankfurt. Das ging damals, denn unter den Blinden ist bekanntlich der Einäugige König. Und die Herren in den weißen Kitteln, mit den Rechenschiebern in der Kitteltasche waren gegenüber der PC-Technik blind. Später machte ich mich als Softwareentwickler und mit einem nebenberuflichen Hardwareverkauf selbständig.

Man sieht, ich bin auf allen möglichen Rechnersystemen unterwegs gewesen und mit den verschiedensten Betriebssystemen und Softwareumgebungen vertraut.
Als Windows sich weiterentwickelte, waren alle damals recht skeptisch. Das von Apple schon längst bevorzugte objektorientierte Handling und die Bedienung mit der Maus waren sehr fremd.

Den Durchbruch für Windows gab es meiner Meinung nach nicht mit der Veröffentlichung einer bestimmten Windows-Version, sondern mit dem Erscheinen des Pentium-Prozessors ab 1992.
Denn bis dahin war es so, dass der Anwender für jede neue Prozessorengeneration beinahe komplett neue Software kaufen musste. Das lag in erster Linie an den ständig weiterentwickelten Möglichkeiten, den Speicher zu adressieren usw.
Mit dem Pentium-Prozessor von INTEL hörte das aber gefühlt auf. Irgendwie war es ab da egal, welchen PC-kompatiblen Rechner man kaufte, die Software lief, und das auch nach dem Kauf eines neuen, besseren Rechners.

Alle anderen Mitbewerber auf der Hardwareseite hatten längst aufgeben müssen. Die sogenannten Heimcomputer verschwanden ruckzuck aus den Regalen. Was zählte, das war ein PC. Und wer einen PC kaufte, der bekam immer gleich Windows dazu.

Ich liebte Windows. Ich kam gut damit zurecht. Ich konnte mit dem Rechner alles machen, was mein Herz begehrte.

Nun ist es aber so, dass manchmal bestimmte Sachen ins Uferlose wachsen. Und so ist das meiner Meinung nach mit Windows.
Microsoft entwickelt ein Betriebssystem, das auf allen möglichen Hardwarekonstruktionen weltweit laufen können soll. Die Anwender stöpseln sich Rechnersysteme aus Millionen möglicher Komponenten zusammen, angefangen bei hunderten von passenden Grafikkarten, über tausende verschiedene Eingabegeräte, und das mit Keyboardbelegungen in zig verschiedenen Schriften, lauffähig unter mehr als 200 Sprachen.

So ein bißchen unbeachtet, und mehr von amerikanischen Nerds geliebt, existierten da noch die ziemlich teuren Rechner von Apple.
Damals, als ich mich dafür interessierte, war gerade die Zeit, in der Apple bunte Rechner mit durchscheinenden Gehäusen verkaufte – sehr gewöhnungsbedürftig.
Da ich mich sehr viel mit Fotobearbeitung und Videoschnitt beschäftigte, schickte mir ein Freund einen Mac zu, mit dem das angeblich viel einfacher gehen sollte, als mit meinem Windows-Rechner.

Ich muss sagen, dass mich Windows damals schon täglich aufregte. Immer wieder Fehlermeldungen, ständige Notwendigkeit von Updates und auch leider immer wieder Datenverluste durch plötzliche Systemabstürze.
Deshalb hatte ich für meine Firma schon sämtliche Rechner auf OS/2, ein Betriebssystem von IBM, umgestellt.

Mit dem Mac begann für mich ein ganz neues Rechnererlebnis. Auf einmal sah ich, dass ein Unternehmen, das eine überschaubare Zahl von Hardware selbst baut, und das eine darauf exakt zugeschnittene Software mitliefert, mehr drauf hat, als ein Unternehmen, das es weltweit jeder Fremdhardware recht machen muss.

Alles funktionierte out-of-the-box. Die wichtigsten Programme für Textverarbeitung, Kalkulation und Tabellenverarbeitung waren schon dabei. Filme schneiden ging ohne den Zukauf teurer Hardware. Ein Traum!

Ich hatte das für mich optimale und bessere System gefunden. Eine rationale Entscheidung.
Seitdem kaufe ich nicht irgendeinen Billigscheiß zusammen, der mich dann ständig ärgert, sondern ich kaufe alle paar Jahre eine zuverlässige, exzellent verarbeitete Hardware, für die es vom selben Hersteller genau die richtige Betriebssystemsoftware gibt. Und: Wenn ich was Neues kaufen möchte, kann ich das Vorhandene zu erstaunlich guten Preisen noch verkaufen.

Ja, und dann kommt ja noch hinzu, dass man sich an eine Arbeitsumgebung auch gewöhnt. Mittlerweile ist mir Windows so fremd geworden, dass ich anderen nicht helfen könnte, würden sie mich, wie das früher immer der Fall war, um Hilfe fragen.

Für mich ganz entscheidend ist, dass man nichts machen muss. Ich kenne keine Systemabstürze. Ich kenne keine Bluescreens. Meine Rechner halten sich selbst im Hintergrund auf dem neuesten Stand. Keine Virenwarnungen, keine ständigen Updates, keine nervigen Systemwarnungen. Das ist so beruhigend und gibt mir die Möglichkeit, mich zuverlässig der Arbeit an meinem Rechner widmen zu können, ohne dass ich mich ständig um Systemwartung und Fehlerbehebung kümmern muss.

Für so etwas wie Windows habe ich einfach keine Zeit.

Ich komme mit den Produkten von Apple sehr gut zurecht und genieße es, dass die so gut zusammenspielen.
Eine Apple-Watch, die ich selten trage, ein iPad, das ich nur wenig nutze, zwei Laptops und ein Desktop-Rechner sind mein Eigen.

Ach ja, und noch so ein HomePod.

Dieser HomePod ist eine stoffüberzogene Technikkugel, die man am besten als „intelligenten“ Lautsprecher bezeichnen könnte. Man kann das Knubbelding mit „hey Siri“ ansprechen und es alle möglichen Sachen machen lassen. Vom Abspielen von Musik, über das Beantworten einfacher Fragen bis hin zur Steuerung eines Smarthome.

So verspricht es wenigstens Apple. Aber die Realität sieht anders aus. Abgesehen von einer wirklich beeindruckenden Klangqualität beim Abspielen von Musik kann das Ding gar nichts, oder zumindest kann es nichts richtig.

Von intelligenten Antworten ist Siri meilenweit entfernt. Die am häufigsten zu hörende Antwort lautet: „Ich kann Dir darauf antworten, wenn Du mich auf Deinem iPhone erneut darum bittest“.
Was soll die Scheiße? Was nutzt mir ein klugscheißender Knubbel, der nur dann arbeiten will, wenn ich das parallel noch auf dem iPhone tue. Dann kann ich das doch direkt auf dem Smartphone machen.

Und was die Steuerung von Smarthome anbetrifft, so bin ich seit Jahren schwer enttäuscht. Während nahezu jede Smarthome-Komponente mit Google-Assistant und Alexa zusammenarbeitet, konnte kaum ein Gerät mit dem HomePod arbeiten.

Hundert Euro für nix ausgegeben.

Aber der Knubbel stand angeschlossen in einem Regal. Ich nutzte ihn zwei-, dreimal die Woche, um SMS zu diktieren oder Anrufe aufzubauen.

Vor drei Tagen begann der HomePod-Terror.
Während des Arbeitens hatte ich den Friseursaloneffekt. Den kennst Du auch. Das ist dieser Effekt, der entsteht, wenn irgendwo im Friseursalon ein Radio spielt. Du nimmst wahr, dass da Musik läuft, kannst aber weder erkennen, was das für eine Musik ist, noch irgendetwas verstehen oder genau orten, von wo die Musik kommt.

Es dauerte eine Weile, bis ich den HomePod als Musikquelle ausfindig gemacht hatte. Per Sprache wies ich Siri an, die Wiedergabe zu stoppen. Das klappte auch.
Dann begann Siri aber zu fragen: „Ist das Peter, der da spricht?“ Und das fragte sie dann alle fünf Minuten. Dann begann sie, wieder Musik abzuspielen. Vorwiegend Heavy Metal und Rap.
Zwischendurch drehte Siri selbständig die Lautstärke hoch. Dann wechselte sie auf die Wiedergabe eines Radiosenders. Und immer wieder Sätze wie: „Ich habe dich nicht verstanden“ oder „Du kannst mich dareum bitten“.
Oft gab der HomePod auch nur Satzfragmente oder einzelne Wörter von sich: „Ich…“ oder „Das kannst…“

So ging das stundenlang.

Immer wieder gelang es mir, Siri per Sprachbefehl zum Schweigen zu bewegen. Doch das half nicht sehr lange.

Natürlich habe ich alles Mögliche versucht: Systemupdate, Gerät zurücksetzen, Netzwerk mal neu gestartet usw.
Nur eins konnte ich nicht machen: Den HomePod mal vom Strom zu trennen.
Denn Apple hat dem Gerät keinen USB-C-Port, sondern ein fest angeschlossenes Kabel verpasst. Und das andere Ende steckt in einer Steckdose, die leider schwer erreichbar hinter dem Regal ist.

Drei Tage dauerte der Terror an. Ich nehme an, dass ich an die 200 mal das Ding leiser gemacht oder die Wiedergabe gestoppt habe.
Dann hatte ich die Faxen dicke: Seitenschneider, Kabel gekappt, Ding in die Tonne.

So!

Bildquellen:

  • poddd_800x500: Peter Wilhelm ki

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