Manche Menschen behandeln ihr Smartphone wie ein Haustier mit Dauerinfusion. Es liegt auf dem Schreibtisch, daneben steht die Qi-Ladestation, und sobald der Akkustand nicht mehr bei beruhigenden 100 Prozent steht, wird das Gerät wieder daraufgelegt. Dann nimmt man es kurz herunter, schaut eine Nachricht nach, legt es wieder drauf, nimmt es wieder weg, legt es wieder drauf. Den ganzen Tag. Immer wieder.
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- Der Akku mag keine Hektik
- Qi-Laden ist bequem, aber nicht immer akkufreundlich
- Das Problem ist nicht der eine Ladevorgang
- Warum 100 Prozent nicht immer gut sind
- Der schlimmste Cocktail: Wärme, Hülle und Schnellladen
- Auch Kabel-Laden kann problematisch sein
- Akkugesundheit prüfen: Ein Blick lohnt sich
- Was man besser machen kann
- Das Smartphone muss nicht ständig satt sein
- Bildquellen:
Das wirkt praktisch. Es sieht modern aus. Und es fühlt sich irgendwie fürsorglich an.
In Wahrheit ist es für den Akku ungefähr so erholsam wie ein Arbeitstag, an dem alle fünf Minuten jemand ins Zimmer kommt und ruft: „Nur ganz kurz!“
Der Akku mag keine Hektik
Moderne Smartphones verwenden Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akkus. Diese Akkus sind erstaunlich leistungsfähig, aber sie mögen bestimmte Dinge überhaupt nicht. Dazu gehören vor allem Hitze, dauerhaft hohe Ladezustände und ständiges Nachladen ohne echten Grund.
Ein Smartphone-Akku ist kein Wasserglas, das man beliebig oft bis zum Rand auffüllen sollte. Er altert chemisch. Und diese Alterung wird durch Wärme und hohe Zellspannung beschleunigt.
Besonders ungünstig ist es, wenn das Handy ständig zwischen kurzer Benutzung und erneutem Laden wechselt. Das Gerät wird geladen, erwärmt sich, wird wieder heruntergenommen, kühlt etwas ab, wird wieder geladen, erwärmt sich erneut. Dieser ständige Wechsel belastet den Akku mehr, als viele denken.
Qi-Laden ist bequem, aber nicht immer akkufreundlich
Kabelloses Laden per Qi ist herrlich bequem. Man legt das Gerät einfach auf die Ladeschale und fertig. Kein Kabel, kein Gefummel, kein Stecker.
Der Nachteil: Kabelloses Laden ist oft weniger effizient als Laden per Kabel. Ein Teil der Energie geht als Wärme verloren. Das merkt man daran, dass das Smartphone auf der Ladestation spürbar warm werden kann.
Wärme ist aber einer der größten Feinde des Akkus. Apple weist ausdrücklich darauf hin, dass das Laden oder Benutzen eines Geräts bei hohen Temperaturen die Akkulebensdauer dauerhaft verkürzen kann. Auch Samsung nennt dauerhaftes Benutzen oder Laden bei extremen Temperaturen als Faktor, der die Alterung des Akkus beschleunigen kann.
Nun wird ein Smartphone beim normalen Laden nicht sofort zerstört. Die Geräte haben Schutzschaltungen. Sie reduzieren die Ladeleistung, unterbrechen das Laden oder warnen bei zu hoher Temperatur. Aber diese Schutzmaßnahmen ändern nichts daran, dass häufige Wärmebelastung die Alterung fördert.
Das Problem ist nicht der eine Ladevorgang
Einmal kurz nachladen ist kein Drama. Auch zweimal nicht. Smartphones sind Gebrauchsgegenstände, keine Museumsstücke. Man muss nicht in Panik geraten, nur weil man das Handy zwischendurch auflädt.
Das Problem entsteht durch das ständige Muster.
Wer sein Smartphone den ganzen Tag auf einer Qi-Ladestation liegen hat, es alle paar Minuten herunternimmt und danach wieder auflegt, sorgt für viele kleine Ladephasen. Der Akku befindet sich dabei häufig im oberen Ladebereich, oft nahe 100 Prozent. Genau dort steht er unter besonders hoher chemischer Spannung.
Google erklärt bei seinen Pixel-Geräten sinngemäß, dass es den Akku langfristig belasten kann, wenn das Gerät lange bei 100 Prozent bleibt. Deshalb gibt es Funktionen wie adaptives Laden, bei dem das vollständige Laden verzögert wird, bis man das Gerät voraussichtlich wirklich braucht.
Warum 100 Prozent nicht immer gut sind
Viele Menschen fühlen sich erst wohl, wenn der Akku bei 100 Prozent steht. Psychologisch ist das verständlich. Technisch ist es aber nicht immer ideal.
Lithium-Akkus fühlen sich meist in einem mittleren Ladebereich wohler. Grob gesagt ist der Bereich zwischen etwa 20 und 80 Prozent für die Akkuchemie entspannter als ständiges Laden auf 100 Prozent oder regelmäßiges vollständiges Entladen bis kurz vor Null.
Deshalb bieten viele Hersteller inzwischen Akku-Schutzfunktionen an. Manche Geräte lernen den Tagesablauf und laden nachts erst kurz vor dem Aufstehen vollständig. Andere erlauben eine Begrenzung auf 80 oder 85 Prozent. Das ist kein Zufall. Die Hersteller wissen sehr genau, dass hohe Ladezustände und Wärme auf Dauer nicht ideal sind.
Der schlimmste Cocktail: Wärme, Hülle und Schnellladen
Richtig unangenehm wird es für den Akku, wenn mehrere Dinge zusammenkommen.
Das Smartphone liegt in einer dicken Schutzhülle. Es wird kabellos geladen. Gleichzeitig laufen im Hintergrund Apps, Updates, Navigation oder Videos. Vielleicht liegt das Gerät noch in der Sonne oder auf einem warmen Tisch. Dann wird aus bequemem Laden schnell eine kleine Wärmekammer.
Viele Nutzer merken das nicht sofort. Das Handy funktioniert ja. Es lädt ja. Es explodiert nicht, es qualmt nicht, es macht keinen Mucks.
Aber der Akku altert schneller.
Das zeigt sich nicht am selben Tag. Es zeigt sich Monate später. Plötzlich hält der Akku nicht mehr so lange. Das Gerät springt schneller von 40 auf 20 Prozent. Die Anzeige wirkt unzuverlässig. Im Winter schaltet sich das Smartphone früher ab. Und irgendwann heißt es dann: „Komisch, früher hat der Akku viel länger gehalten.“
Ja. Früher wurde er vielleicht auch nicht jeden Tag auf der Ladeschale weichgekocht.
Auch Kabel-Laden kann problematisch sein
Qi-Laden ist nicht allein schuld. Auch normales Laden per Kabel kann den Akku belasten, wenn man es übertreibt. Vor allem Schnellladegeräte erzeugen mehr Wärme als langsames Laden.
Schnellladen ist praktisch, wenn es wirklich schnell gehen muss. Aber es ist nicht nötig, das Smartphone den ganzen Tag immer wieder mit maximaler Leistung an ein starkes Netzteil zu hängen. Wer Zeit hat, fährt mit einem gemäßigten Ladegerät oft akkuschonender.
Das gilt besonders nachts. Wer sein Smartphone acht Stunden am Ladegerät lässt, braucht nicht unbedingt einen Hochleistungs-Lader. Viele Geräte regeln das zwar intelligent, aber weniger Hitze ist grundsätzlich besser.
Akkugesundheit prüfen: Ein Blick lohnt sich
Moderne Smartphones zeigen inzwischen an, wie fit der Akku noch ist. Gerade wenn das Gerät häufig per Schnellladen oder ständig in kurzen Intervallen aufgeladen wird, kann die Akkukapazität schneller sinken als erwartet.
Beim iPhone findest Du diese Information unter:
Einstellungen → Batterie → Batteriezustand & Ladevorgang
Dort wird die sogenannte Maximale Kapazität angezeigt. Ein neues Gerät startet bei 100 Prozent. Mit zunehmendem Alter und jeder Ladephase nimmt dieser Wert langsam ab.
Auch viele Android-Smartphones bieten entsprechende Informationen an. Je nach Hersteller findest Du sie unter Akku-, Gerätewartungs- oder Diagnosefunktionen. Für manche Modelle gibt es zusätzlich Apps, die den Gesundheitszustand des Akkus auslesen können.
Ein niedriger Kapazitätswert bedeutet nicht nur kürzere Laufzeiten. Er kann sich auch direkt auf den Wiederverkaufswert auswirken. Wer sein Smartphone später verkaufen, eintauschen oder bei einem Händler in Zahlung geben möchte, wird häufig feststellen, dass Geräte mit einer hohen Akkugesundheit deutlich bessere Preise erzielen.
Deshalb lohnt sich ein schonender Umgang mit dem Akku doppelt: Das Smartphone hält länger durch – und bleibt später mehr wert.
Was man besser machen kann
Man muss sein Smartphone nicht wie ein rohes Ei behandeln. Aber ein paar Gewohnheiten helfen enorm.
Lade das Gerät nicht zwanghaft ständig nach. Es muss nicht permanent bei 100 Prozent stehen. Wenn der Akku tagsüber zwischen 40 und 80 Prozent pendelt, ist das völlig in Ordnung. Nutze Akku-Schutzfunktionen, wenn Dein Smartphone sie anbietet. Bei iPhones gibt es optimiertes Laden und je nach Modell auch Ladelimits. Bei vielen Android-Geräten gibt es ähnliche Funktionen.
Wenn das Gerät beim Laden warm wird, nimm es aus der dicken Hülle oder lege es an einen kühleren Ort. Lade es nicht in der prallen Sonne, nicht auf der Heizung und nicht unter einem Kissen. Und wenn Du kabellos lädst, achte darauf, dass das Handy sauber auf der Ladespule liegt. Liegt es schief, kann die Effizienz schlechter werden und mehr Wärme entstehen.
Vor allem aber: Benutze die Ladestation nicht als Dauerparkplatz.
Das Smartphone muss nicht ständig satt sein
Wir haben uns daran gewöhnt, dass ein voller Akku Sicherheit bedeutet. Dabei ist ein Smartphone mit 68 Prozent nicht krank. Es braucht keine sofortige Stromtherapie.
Wer sein Gerät ständig auflädt, nur damit die Zahl oben rechts hübsch aussieht, tut dem Akku keinen Gefallen. Kurzfristig fühlt sich das beruhigend an. Langfristig kostet es Kapazität.
Und dann kommt der Tag, an dem das Handy eigentlich noch gut wäre, aber der Akku so schwach geworden ist, dass man über ein neues Gerät nachdenkt.
So zerstört man ein Smartphone nicht mit einem Hammer. Nicht mit Wasser. Nicht mit einem Sturz vom Balkon.
Man zerstört es leise, warm und bequem.
Mit einer hübschen Qi-Ladestation auf dem Schreibtisch.
Bildquellen:
- akku-laden-smartphone_800x500: Peter Wilhelm

















