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Dita von Teese – eine bunte Marginalie

Dita von Teese – eine bunte Marginalie

Alexander Rybak aus Norwegen hat den Schlager-Contest in Moskau gewonnen. Von ihm hatte ich zuvor noch nie etwas gehört, das macht aber nichts, denn auch von dem Mann, der da für Deutschland auftrat, hatte ich noch nie etwas gehört. Seinen Namen kann ich mir nicht merken und werde es wohl auch nicht müssen, denn nach diesem kleinen Grand-Prix-Strohfeuer wird man wohl kaum noch etwas von ihm wahrnehmen müssen.

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Sein Gesang und eine mehr oder weniger erotische Tanzeinlage der 36jährigen Amerikanerin Dita von Teese sollten Deutschland einen Platz ganz weit vorne im Moskauer Sangeswettbewerb einbringen. Immerhin 60.000 Euro soll Frau von Teese dafür erhalten haben, daß sie im Hautengen und Knappen etwas herumstolzierte und sich räkelte.
Ganz ehrlich? Da fahre ich hier mal eben die Hauptstraße lang und finde binnen 20 Minuten wenigstens drei viel schönere und erotischere Frauen, die das locker mal eben für einen Bruchteil von 60.000 Euro machen würden.

Es ist ja oft so, daß die Kunst eines Künstlers nicht die von ihm gewünschte Anerkennung findet, vermutlich muß das sogar oft so sein, aber das was Frau von Teese da in Moskau für Deutschland abgeliefert hat, ich finde, das kann so schwer nicht gewesen sein, als das nicht hätte auch eine andere etwas billiger machen können.
Und dabei geht es mir gar nicht darum, die Leistung der Dita von Teese (eigentl. Heather Renée Sweet) nicht anzuerkennen, nein, ich bin sogar fest davon überzeugt, daß sie die paar Schritte und das bißchen Räkeln sehr lange einstudieren und probieren mußte. Es geht mir auch nicht darum, daß ich 60.000 Euro zuviel finde. Denn wie oft denkt und argumentiert man damit, daß es vielleicht auch sinnvoll gewesen wäre, mal für eine deutsche Sache ein paar Euro mehr auszugeben, um dem Glanz und Pomp (gerade im Showgeschäft) der anderen etwas entgegenhalten zu können.
Aber: Hier geht es um einen Komponistenwettstreit und Sangeswettbewerb und da fragt man sich dann tatsächlich, ob man für eine bunte Marginalie 60.000 hinblättern muß.

Alexander Rybak, der aus Weißrussland stammt und für Norwegen auftrat, hat es uns doch allen gezeigt, auf was es wirklich ankommt: Ein schönes Lied und einen der singen kann.

Die Deutschen haben ein Mal den Grand Prix gewonnen, das war 1982 mit Nicole und die kann schön, aber nicht begnadet singen und das Lied „Ein bißchen Frieden“ ist nett, aber doch nun auch nicht der Ausbund an Poesie und Melodie. Der richtige Song, vorgetragen von der richtigen Sängerin zur richtigen Zeit, das war das Geheimnis dieses Sieges.
Doch leider hielt man das für das Geheimnis des Siegels, nämlich von Schlagerkomponist Ralph Siegel und glaubte in den Folgejahren nur er könne uns wieder einen Sieg bescheren.
So gewöhnten wir uns allmählich an die Siegel’sche Einheitskost, extra zusammengerührt für den Eurovision-Song-Contest.
Daß man damit manchmal kleine Achtungserfolge erzielen, aber keinen Blumentopf gewinnen kann, denn beim Song-Contest zählt überhaupt nur einer und das ist der Gewinner, mußten die Deutschen viele Jahre mit ansehen.

Erst Leuten wie Stefan Raab und Guildo Horn gelang es in die Siegel-Phalanx einzubrechen und durch Quatsch und Show dem typisch deutsch-ernsten Siegeltreiben ein Ende zu machen. In einer Zeit, in der mancher darüber nachdachte, die deutsche Teilnahme an diesem Wettbewerb gänzlich in Frage zu stellen, begeisterten diese Protagonisten Millionen und sorgten dafür, daß sich eine ganz andere Publikumsschicht für das Spektakel zu interessieren begann.

Show und nichts als Show war das, was diese Interpreten boten, doch sie machten wenigstens Spaß.
Allerdings – gewonnen hat von denen auch keiner.

Gewinnen kann man den Eurovision Song Contest nur, wenn man aus dem ehemaligen Ostblock kommt und der Warschauer Pakt wenigstens abstimmungstechnisch eine Wiederauferstehung feiert, oder aber wenn man schlicht und ergreifend einfach gut ein schönes Lied singen kann.

Dann braucht man auch keine Dita von Teese, die sich für 60.000 räkelt.

Foto: © Dita Von Teese at Selfridges, London, Quelle: Wikipedia, Urheber: Caroline Bonarde Ucci, GNU Free Documentation License

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Peter Wilhelm

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Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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