Spott + Hohn und Politik

Die großen Schuhe der kleinen Männer

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Es sind oft die kleinen Details, an denen sich große Wahrheiten zeigen. In diesem Fall: Schuhe. Genauer gesagt: viel zu große Schuhe.

Es ist Dir bestimmt schon einmal aufgefallen, dass, wenn der amerikanische Präsident eine wichtige Unterschrift leistet, immer eine ganze Kiste mit identischen Füllern, Kulis oder Filzschreibern neben ihm auf dem Schreibtisch im Oval Office steht. Es sind nämlich begehrte Souvenirs, die Stifte, mit denen der US-Präsident etwas unterzeichnet. Und deshalb gibt es Situationen, in denen für jeden Buchstaben der Unterschrift zu einem neuen Schreibgerät gegriffen wird.
Das ist auf die Dauer lästig, und deshalb reicht es mittlerweile, einen Schreiber geschenkt zu bekommen, der nur irgendwie dabei war.

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So einen Schreiber geschenkt zu bekommen, hat in den USA in etwa die Bedeutung, wie bei uns die Einladung zum Sommerfest des Bundespräsidenten oder gar der Erhalt des Bundesverdienstkreuzes.

Wie aber wäre es erst, wenn der oberste Popelbewahrer nicht nur Schreiber, sondern seine Unterhosen oder Schuhe an besonders verdiente Menschen abgeben würde?
Ich sage es Dir: Die Speichellecker um Donald Trump würden selbst eine bekackte Unterhose noch stolz über der Anzughose tragen!

So weit sind wir noch nicht, aber JD Vance und Herr Rubio laufen mittlerweile erwiesenermaßen in Donald Trumps Schuhen herum.
Ernsthaft jetzt!

Was derzeit aus dem Weißen Haus berichtet wird, wirkt wie eine Mischung aus Modeschau, Kindergarten und höfischer Gunstverteilung. US-Präsident Donald Trump – ohnehin nie verlegen um bizarre Nebenkriegsschauplätze – hat offenbar ein neues Betätigungsfeld entdeckt: die Schuhberatung seines Kabinetts.

Wenn ihm das Schuhwerk seiner Minister missfällt, greift er ein. Dann wird nicht diskutiert, nicht abgestimmt – dann wird ausgestattet. Ein Paar hier, ein Paar dort. Am liebsten von Trumps Lieblingsschuhmarke Florsheim. „Alle sehen jetzt schick und ordentlich aus“, sagt Trump. Man möchte hinzufügen: vor allem gleich.

Ein Kabinett im Einheitsformat

Die Sache wäre kaum der Rede wert, würde sie nicht so herrlich absurd aus dem Ruder laufen. Denn offenbar passt nicht alles, was da verteilt wird. Im Gegenteil: Bei Außenminister Marco Rubio fiel Beobachtern auf, dass seine Schuhe deutlich zu groß sind. Nicht ein bisschen – sondern sichtbar.

Das Internet, stets bereit, aus Nebensächlichkeiten Weltereignisse zu formen, reagierte prompt. Fotos wurden analysiert, Standbilder vergrößert, Theorien gesponnen. Und plötzlich stand nicht mehr die Weltpolitik im Fokus, sondern die Frage: Warum laufen Amerikas Spitzenpolitiker in Schuhen herum, die ihnen offensichtlich nicht passen und einige Nummern zu groß sind?

Die Antwort ist so einfach wie unerquicklich: Weil sie sie tragen müssen.

Laut Berichten aus dem Umfeld des Weißen Hauses ist es „zum Totlachen“, weil offenbar niemand es wagt, die geschenkten Schuhe nicht anzuziehen. Wer dazugehören will, trägt, was der Präsident empfiehlt. Oder besser: verordnet.

Angst vor dem falschen Schuh

Das ist vielleicht das eigentlich Bemerkenswerte an der Geschichte. Nicht die Schuhe selbst. Sondern die Atmosphäre dahinter. Ein Umfeld, in dem erwachsene Männer in höchsten Staatsämtern lieber in zu großen Schuhen herumlaufen, als dem Chef zu widersprechen.

Das hat etwas Tragikomisches. Da stehen sie also: geschniegelt, gestriegelt und gepudert – aber mit Schuhen, in denen sie sichtbar keinen Halt finden.

Und während sie außenpolitische Krisen kommentieren, Sanktionen diskutieren und über Krieg und Frieden sprechen, rutschen sie innerlich wahrscheinlich bei jedem Schritt ein kleines Stück nach vorne.

Die perfekte Metapher

Man muss kein großer Analytiker sein, um in dieser Episode mehr zu sehen als eine modische Fußnote. Die zu großen Schuhe sind eine beinahe schon perfekte Metapher.

Man sagt nicht umsonst, wenn jemand einen Job übernimmt, dem er nicht gewachsen ist: Diese Schuhe sind ihm ein paar Nummern zu groß.

Diese Trump-Clownlatschen stehen für ein System, in dem Anpassung wichtiger ist als Passgenauigkeit. Für ein Umfeld, in dem es weniger darum geht, ob etwas funktioniert – sondern ob es gefällt. Vor allem dem einen Mann an der Spitze.

Und sie stehen, vielleicht unfreiwillig, auch für Donald Trump selbst.

Immer, wenn jemand besonders komisch sein will, zieht er sich viel zu große Schuhe an. Charlie Chaplin hat das gemacht und alle Zirkusclowns der Welt machen das.

Ein Mann in zu großen Schuhen

Denn wenn man ehrlich ist, zieht sich dieses Bild durch sein gesamtes Auftreten. Immer ein bisschen zu groß, ein bisschen zu laut, ein bisschen zu sehr auf Wirkung bedacht. Viel Inszenierung, viel Oberfläche – und immer ohne die Substanz, die das Ganze tragen könnte.

Trump verteilt Schuhe, die nicht passen. Und um ihn herum stehen Männer, die versuchen, darin halbwegs sicher zu gehen.

Das ist komisch. Das ist unerquicklich. Und es ist, auf eine fast schon literarische Weise, treffend.

Und es ist beschämend, weil es so bezeichnend ist für diese Speichellecker, Ja-Sager und An-den-Lippen-Hänger.

Aber ist das wirklich alles so?

Böse Zungen behaupten, dass die Mär von Donald Trumps Schuh-Empfehlungen eben nur eine Mär ist, die jetzt zum Narrativ wurde, nachdem JD Vance mit den viel zu großen Trump-Schuhen erwischt worden ist. Sie behaupten, es sei in Wirklichkeit ganz anders. Tatsächlich handele es sich um Schuhe, die Trump selbst getragen habe, und es gelte als besondere Ehre, dieses Stück amerikanischer Geschichte in eben diesen Schuhen Trumps zu gehen.
Es handele sich also um bereits von Trump getragene Schuhe.

Ob das so ist, weiß ich nicht, aber für mich wäre das die absolut perfekte Erklärung, weshalb sich die Herren nicht Schuhe in ihrer Größe geben lassen, sondern Schuhe in der Größe von Donald Trump tragen.

Fazit

Am Ende bleibt das Bild eines Kabinetts, das geschniegelt wirkt – und doch ein wenig aus dem Tritt geraten ist. Nicht wegen der großen Weltpolitik, sondern wegen ein paar Nummern zu viel Leder an den Füßen.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe: In Washington werden derzeit nicht nur politisch viel zu große Schuhe getragen.

Sondern auch ganz reale.

Wollen wir hoffen, dass Trump nicht noch anfängt, ein bestimmtes Klopapier zu empfehlen…

Bildquellen:

  • schuhe_800x500: ki

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(©si)