Spott + Hohn und Politik

Timmy ist tot – Und die Dänen haben doch recht!

Quasimodo 800x500

Jau, jetzt isser tot, der Wal, der Buckelwal, der Timmy und auch der Hope. Ein bißchen fühlt man sich an Hitchcocks „Die Vögel“ erinnert, wenn man die Drohnenbilder sieht, auf denen der Wal nun von hackenden und pickenden Möwen zerlegt wird.

Nun reiben sich diejenigen die Hände, die von Anfang an das ganze Rettungsunternehmen für überflüssig oder falsch gemacht erklärt haben, und die den Wal schon vor Wochen für beinahe tot erklärt hatten.
Ich hatte bei einigen die ganze Zeit so ein bißchen das Gefühl, als ob die insgeheim sogar darauf hofften, Hope würde hops gehen, damit ihre düsteren Waluntergangsprophezeiungen wahr werden, und sie am Ende Recht behalten.

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Die anderen, das sind die, die noch vor einigen Tagen den Wal für absolut gesund und munter erklärt hatten, sind natürlich nun schwer enttäuscht. Schließlich sind die ganze Mühe, die verbrannten Urlaubstage der Freiwilligen, das viele Geld und die investierten Emotionen nun für die Katz gewesen.

Unterm Strich muss man vermutlich eingestehen, dass der pragmatische und den Abläufen der Natur entsprechende Umgang der Dänen mit Walstrandungen, die sinnvollste Lösung ist. Die Dänen machen schlichtweg gar nichts, überlassen solche Sandbank- oder Strandwale ihrem Schicksal und damit den Abläufen, wie sie im Meer an anderer Stelle tagtäglich vorkommen.

Allerdings gibt es einen großen Unterschied zwischen den Leuten in Dänemark und den Deutschen.
Die Dänen, das sind im Grunde Wikinger, die schon immer auch Wale gegessen und zu allen möglichen Dingen verarbeitet haben. Und: Die Dänen sind skandinavisch-nordisch kühler und abgehobener.

Um es klarer zu formulieren: Ganz offensichtlich gibt es in Dänemark nicht ganz so viele Bekloppte wie bei uns.

Natürlich ist es ein Drama, wenn so ein großer Meeressäuger vor einer unserer Küsten auf Grund läuft und dann da leidend herumliegt. Ich kann es auch verstehen, dass man aus den verschiedensten Beweggründen nun versuchen mag, dem Tier zu helfen. Das hat man ja auch bei Timmy gemacht. Ganz profan und pragmatisch: Man hatte ihm eine Rinne gebuddelt und er hat sich freigeschwommen.

Damit hat man im Grunde alles getan, um den einen Grund für ein solches Sandbankliegen abzudecken, nämlich, dass der Wal sich verschwommen hat.
Der andere Grund klingt etwas dramatischer, dürfte aber in ganz vielen Fällen die tatsächliche Ursache für das Stranden sein: Das Viech ist krank, schwach und kann nicht mehr.

Timmy war in der Ostsee im falschen Meer unterwegs, hatte Bekanntschaft mit Fischernetzen gemacht und erschien von Anfang an nicht gerade fit und vital.

Nun hatte Timmy aber das erste Freischwimmen zu nix anderem genutzt, als sich gleich wieder „festzufahren“, und dann noch einmal und um schließlich in der Bucht von Poel endgültig auf Grund zu laufen.

Ich erinnere mich genau daran, dass alle beteiligten Experten dem Wal kaum eine bis gar keine Chance einräumten. Die dänische Lösung wäre demnach einfach die beste gewesen.
Lasst das Tier in Ruhe sterben, dann sehen wir weiter.

Aber die deutsche Volksseele, esoterisch angehauchte Hupfdohlen, den Tierschutzgedanken missverstehende Hühner und Hähne, seltsame Alternativdenker und natürlich die allgegenwärtigen Verschwörungsgläubigen sammelten sich im Netz und sogar vor Ort und beteten unisono für die Rettung des Quasimodowals. Einen Feind hatte man auch schnell ausgemacht: Den Vocklenburg-Meerpommerschen Innenminister Till Backhaus.
Das ist der, der mir aus der humoristischen Seele sprach, als er angesichts von Ricarda Lang philosophierte, dass Dick und Doof früher mal zwei Personen gewesen seien.
Ein Spruch, für den er sicherlich zurecht gescholten worden ist, denn im Gegensatz zu mir, der sich immer auch als Humorist und Satiriker versteht, ist Backhaus ein Politiker, der auch auf verbale Sorgfalt im Umgang mit dem politischen Gegner achten sollte.

Till Backhaus war der Erste, der den Wal seinem Schicksal überlassen wollte.
Doch die oben beschriebene Volksseele malte Pappschilder „Backhaus Blut an den Händen!“ und begann, den Wal zu bejammern.
Dann knickte Backhaus ein, auch auf Grundlage von Einflüsterungen sogenannter Experten, die eine Rettung des Ungetüms für möglich hielten.

Was dann alles folgte, ist hinlänglich bekannt.
Bürokratisches Heckmeck, dauernder Streit unter den sogenannten Experten über Handlungs- und Deutungshoheit und immer drängendere Zeit.

Wie froh muss der Minister gewesen sein, als sich endlich die „Initiative“ anbot, Kosten, Planung und Ausführung einer Walverschleppung zu übernehmen. Um die hoheitliche Verantwortung der Behörde zu demonstrieren, ging diese den Rettern weiterhin fürchterlich auf die Nerven, aber im Grunde konnte man sich nun zurücklehnen und vor allem die tatsächliche Verantwortung schön auf andere schieben.

Wollen wir es doch aber mal sagen, wie es klar Denkende sagen müssten: Ein schwer angeschlagenes Tier landet vor unserer Küste. Das allein kommt schon extrem selten vor. Dann entwickelt man Pläne für diesen seltenen Fall, die es so noch nie gegeben hat. Die Erfolgsaussichten waren von Anfang an nur ganz gering. Extrem gering.

Ja, und dann hat man das Tier auf hohe See geschafft, in die sogenannte Freiheit entlassen, und dort ist es verreckt. Punkt. That’s it.

Wenn’s wieder passieren sollte, sollte man ernsthaft überlegen, ob man nochmals vor der Volksseele und sogenannten Experten den Kotau der Hilflosigkeit macht. Stattdessen rate ich: Macht es wie die Dänen.
Haltet die Leute vom Strand fern und gut isses.

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(©si)