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Die Gestaltung eines naturnahen Gartens

Der Klimawandel und das Artensterben schreiten voran, die Winter werden immer nasser und die Sommer immer heißer.

Umso wichtiger ist es daher, jedes Fleckchen Erde so zu nutzen, dass die ökologische Komponente nicht zu kurz kommt. Der eigene Garten bietet zahlreiche Möglichkeiten für eine naturgetreue Gestaltung. Dabei empfiehlt es sich, vom beliebten Ziergarten mit großen Rasenflächen und Zierpflanzen in Reih und Glied Abstand zu nehmen. Solche Anlagen bieten wenig Lebensraum für Insekten, Vögel und sonstige Kleinstlebewesen.

 

Ein naturnaher Garten dagegen ist gefüllt mit Leben! Neben der ökologischen Komponente lässt sich in einem Naturgarten weitaus besser entspannen als in einer biologisch toten Gartenanlage. Nirgendwo kann besser abgeschaltet und regeneriert werden als auf der Gartenbank oder Liege, umgeben von Vogelgezwitscher, dem Summen der Bienen oder inmitten eines Froschkonzerts. Wie ist bei der Gestaltung eines Öko-Gartens vorzugehen?

 

Der Naturgarten – erst planen, dann aussäen und pflanzen

 

Eine Neu- oder Umgestaltung eines Gartens wirft einige Fragen auf. Neben der Größe der Anlage sollten die Anzahl und das Alter der Nutzer bedacht werden. Zudem spielen die Bodenbeschaffenheit und die Sonneneinstrahlung eine Rolle. Einer ersten Bepflanzung und der Positionierung der Gartenmöbel sollte daher eine durchdachte Planung vorangehen.

Eine Planskizze anfertigen

 

Bei der Planung eines Naturgartens ist eine maßstabsgetreue Skizze hilfreich. Auf dieser lässt sich die zukünftige Infrastruktur in Form von Wegen, Gebäuden, Gartenelementen und -geräten vermerken. Überdies können die lokalen Begebenheiten, das Relief, die Bodenbeschaffenheit und die Verschattungen berücksichtigt werden. Bestehende Mauern können verbleiben oder abgetragen werden, wobei sich das Material hervorragend als Belag für die Wege eignet. Abgestorbene Bäume werden als Sichtschutz verwendet oder zur Errichtung einer Totholzhecke genutzt.

Erst bauen, dann pflanzen

 

Bei der Umgestaltung eines herkömmlichen Gartens in eine Öko-Anlage und Ruhe-Oase bedarf es zwar weniger baulicher Maßnahmen. Im Grunde ist es mit einer Zisterne und einem einfachen Wegenetz getan. Trotzdem sollten erst die Arbeiten an der Infrastruktur erledigt werden. Erst dann ist es an der Zeit, sich um die Pflanzenwelt zu kümmern.

Ökologischer Garten – Tipps zur erfolgreichen Umsetzung

 

Bei einem Naturgarten kommt es in erster Linie darauf an, ein Ambiente zu schaffen, das der Tierwelt in Form von Vögeln, Insekten, Mikroorganismen und Kleintieren wie dem Igel oder dem Eichhörnchen Raum zur Entfaltung bietet. Dabei kommt die Natur üblicherweise mit wenigen Eingriffen aus. Sie benötigt hauptsächlich genügend Zeit, um sich entsprechend entfalten zu können. Nur anfangs bedarf es etwas Aufwand, damit sich der Naturgarten gut entwickeln kann.

Naturnahe Gartenwege anlegen

 

Wer die Gartenwege ökologisch gestalten möchte, kann auf unbehandelte Rundhölzer zurückgreifen. Diese können entweder im Baumarkt erworben oder eigenhändig aus toten Baumstümpfen zurechtgesägt werden.

 

Außerdem bieten sich flache, aus der Region stammende Natursteine an. Diese werden so gelegt, dass genügend große Zwischenräume entstehen, durch die das Regenwasser versickern kann. Sowohl zwischen Hölzern als auch Steinen sollte Gras wachsen dürfen.

Begrenzungen und Mauern

 

Im Naturgarten eignen sich zur Begrenzung sogenannte Trockenmauern. Es handelt sich um eine Aufschichtung von lockeren, verschieden geformten Natursteinen, vorzugsweise aus Granit. Sie bieten Raum für Wildkräuter, Flechten und Mauergewächse und dienen als Versteck für seltene Kriechtiere. Unregelmäßig positionierte Steinhaufen besitzen dieselbe Funktion und lassen das Gelände natürlicher erscheinen.

Wildblumen pflanzen

 

Das Pflanzen von Wildblumen ist im Öko-Garten oberste Pflicht. Sie verströmen ein wohlriechendes Aroma und kreieren ein romantisches Ambiente. Viel wichtiger jedoch ist der Umstand, dass Wildblumen die bevorzugte Nahrungsquelle für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und eine ganze Reihe weiterer Insekten sind. Damit leisten Wildblumen einen großen Beitrag, um das weltweite Bienensterben zu unterbinden.

 

Zu den insektenfreundlichen Pflanzen gehören die Weide, der Apfelbaum, Klee und die Büschelblume. Weiterhin ernähren sich Insekten von Himbeeren und Brombeeren sowie von Wildem Wein. Auch blütenreiche Doldengewächse wie Dill oder die Wilde Möhre ziehen Bienen an. Weitere Blumen, welche die Idylle im Naturgarten fördern und gleichzeitig einen hohen ökologischen Wert besitzen, sind die Akelei, die Wilde Malve, die Kokardenblume, die Glockenblume und der Fingerhut.

 

Wer sich dazu entschließt, einen kleinen Kräutergarten anzulegen, bekommt die für einen Naturgarten notwendige breit gefächerte Biodiversität. Salbei, Kresse, Rosmarin und Thymian sind nicht nur in der Küche begehrt, sondern werden auch von Insekten geliebt.

Wie entsteht eine Blumenwiese?

 

Das Anlegen einer Blumenwiese macht wenig Arbeit. Im Gegenteil, je weniger gemäht wird, desto schneller entwickelt sich ein artenreiches Ökosystem, auf der neben den genannten Gewächsen auch Obstbäume und Gemüsepflanzen Platz finden. Gleichzeitig siedelt sich eine Vielzahl weiterer Sommerblumen wie die Levkoje, die Bechermalve, die Strohblume und das Löwenmäulchen an.

 

Es empfiehlt sich, die ausgewählten Stellen nur etwa zweimal im Jahr zu mähen, und zwar nicht vor Ende Juni. Die verbleibenden Halme sollten eine Länge von fünf Zentimetern nicht unterschreiten. Das gemähte Gras kann durchaus ein paar Tage liegen bleiben, bevor es zusammengefegt wird, weil sich dann die Samen besser und schneller verbreiten.

Verstecke und Unterschlüpfe anlegen

 

Um Vögel anzuziehen, sollten vornehmlich einheimische Gewächse angepflanzt werden. Dabei zählt jede Liguster-, Schlehen- und Weißdornhecke. Vögel und Insekten können sich darin zurückziehen. Forsythien und Rhododendron besitzen einen eher untergeordneten ökologischen Wert.

 

Grundsätzlich empfiehlt sich die Schaffung eines Biotops, das aus mehreren Ebenen besteht. Neben der Blumenwiese sind es immergrüne Sträucher wie die Haselnuss und die Berberitze, die den Vögeln auch im Winter Schutz und teilweise Nahrung bieten. Wild rankender Efeu wird nicht nur als Rückzugsort genutzt. Er blüht erst im Herbst und trägt im Winter Früchte. Dadurch versorgt er eine ganze Reihe von Spezies in der kalten Jahreszeit mit Futter. Letztlich bilden Eichen, Weiden und Pappeln das Dach des Gartens. Sie spenden Schatten, liefern Nahrung und bieten sich als Nist- und Brutplätze an.

 

Rückzugsorte für Vögel und Insekten lassen sich auch künstlich anlegen. So dienen Reisighaufen als Verstecke für Zaunkönig und Rotkehlchen, zumal sie mit Insekten, Würmern und Spinnen reichlich Nahrung beherbergen. Wer in einer Ecke totes Holz lagert, schafft Lebensraum für viele weitere Arten von Kleinstlebewesen.

Ökologische Alternativen zum Gartenteich

 

Um die Tierwelt mit Wasser zu versorgen, bedarf es keines unter großem Aufwand angelegten Teiches. Vielmehr sind ein paar Hohlsteine, in denen sich Wasser sammelt, ebenso ausreichend wie ein kleines Wasserbecken oder eine Vogeltränke.

Den Naturgarten richtig bewässern

 

Auch ein Naturgarten benötigt Wasser, besonders im Sommer. Es empfiehlt sich, zur Bewässerung ausschließlich aufgefangenes Regenwasser zu verwenden. In kleineren Gärten reicht dazu eine Regentonne aus. Für größere Anlagen kann sich die Anschaffung einer Zisterne lohnen. Gegossen werden sollte entweder morgens oder abends, auf keinen Fall in der prallen Mittagssonne.

Die naturgerechte Düngung

 

Mineralische oder chemische Dünger haben in einem Öko-Garten keinen Platz. Vielmehr wird zur Verbesserung des Wachstums ausschließlich mit Dung oder Komposterde gearbeitet. So empfiehlt es sich, einen Komposthaufen anzulegen. Darauf landen alle biologischen Abfälle des Haushalts. Regenwürmer und Mikroben verwandeln diese binnen weniger Wochen in nährstoffreiche Humuserde.

Bildquellen

  • igel: pixabay
Lesezeit ca.: 8 Minuten - Tippfehler melden - Peter Wilhelm 5. Januar 2023

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