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Armbanduhren mit drehbaren Lünetten – Spielerei oder geniale Funktion?

Taucher mit hulk 800x500

Viele Armbanduhren haben sie, aber nur wenige wissen wirklich, was man damit anfangen kann: die drehbare Lünette.

Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein Design-Element. Ein bisschen Zierde, ein bisschen Technikoptik. In Wahrheit steckt dahinter oft ein erstaunlich durchdachtes Werkzeug.

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Je nach Uhrentyp erfüllt die Lünette völlig unterschiedliche Aufgaben – vom einfachen Zeitmessen bis hin zu kleinen Rechenoperationen.

Die einfache Drehlünette: Zeit stoppen ohne Chronograph

Die wohl einfachste Form ist die Lünette mit Minutenmarkierung, wie man sie von vielen Taucheruhren kennt.

Hier dreht man die Lünette so, dass die „Null“ (meist ein Dreieck oder Leuchtpunkt) auf den aktuellen Minutenzeiger zeigt. Von diesem Moment an kann man einfach ablesen, wie viele Minuten vergangen sind.

Das funktioniert ganz ohne Stoppuhr – rein mechanisch und völlig unkompliziert.

Die Lünette ist im Uhrzeigersinn mit einer Minutenskala ausgestattet. Bei Rolex-Modellen beispielsweise sind die ersten 15 Minuten mit Minutenindizes ausgestattet, ab dann nur noch mit den Markierungen 20, Strich, 30, Strich, 40, Strich, 50, Strich.

Stellt man nun die Markierung (Null oder Pfeil) beispielsweise auf den Minutenzeiger, der aktuell auf 17 Minuten steht, muss man beim Tauchen nicht rechnen oder überlegen. Der voranschreitende Minutenzeiger zeigt auf der voreingestellten Lünette genau auf die Minutenanzahl, die seit dem Einstellen vergangen ist.

Die Taucherlünette – Sicherheit unter Wasser

Bei klassischen Taucheruhren, wie etwa einer Rolex „Hulk“, ist die Lünette nur in eine Richtung drehbar: gegen den Uhrzeigersinn.

Pagani hulk 800x500
Eine Hommage-Uhr von Pagani, der Rolex-Hulk nachempfunden. Deutlich sichbar, die drehbare, grüne Lünette mit den Tauchzeiten.

Das hat einen ganz einfachen und lebenswichtigen Grund.

Ein Taucher stellt vor dem Abtauchen die Lünette auf den aktuellen Zeitpunkt. Während des Tauchgangs liest er dann ab, wie lange er bereits unter Wasser ist.

Würde sich die Lünette versehentlich im Uhrzeigersinn verstellen lassen, könnte das fatale Folgen haben. Denn dann würde sich die angezeigte Zeit verkürzen. Der Taucher ist aber darauf bedacht, eine bestimmte Zeit unter Wasser nicht zu überschreiten. Ist er beispielsweise darauf vorbereitet, 10 Minuten zu tauchen, und wäre er schon 8 Minuten unten, könnte ihm eine in die falsche Richtung drehbare Lünette vorgaukeln, noch gar nicht so lange unter Wasser zu sein.
Er bliebe dann viel zu lange unten, was gravierende gesundheitliche Probleme mit sich bringen kann, bzw. was dazu führen könnte, dass ihm vorzeitig die Atemluft ausgeht.

Durch die einseitige Drehbarkeit ist nur eine sichere Richtung möglich: Die Uhr kann im Zweifel nur „zu viel“ Zeit, also einen bereits zu langen Tauchgang, anzeigen, nie zu wenig.

Das bedeutet: Der Taucher steigt eher zu früh auf als zu spät – und das kann im Ernstfall entscheidend sein.

Die Rechenschieber-Lünette – Navigation am Handgelenk

Deutlich komplexer – und für viele besonders faszinierend – ist die sogenannte Rechenschieber-Lünette, wie sie etwa bei meiner Citizen Eco-Drive Skymaster zu finden ist.

Ecodrive 800x500
Das Besondere an der Rechenschieber-Lünette bei der Citizen-Uhr ist, dass sie innenliegend ist, also unter dem Uhrenglas liegt. Verstellt wird sie mit dem Drehknopf links unten am Uhrengehäuse.

Sie funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein klassischer Rechenschieber: zwei Skalen, die gegeneinander verdreht werden.

Damit lassen sich erstaunlich viele Berechnungen durchführen, etwa:

  • Geschwindigkeit und Strecke
  • Kraftstoffverbrauch
  • Umrechnungen von Einheiten

Das klingt kompliziert – ist aber im Prinzip recht einfach.

Wie das Rechnen mit der Lünette funktioniert

Die Skalen basieren auf logarithmischen Werten. Durch das Verdrehen der Lünette addiert man diese Werte – und erhält so ein Ergebnis, das einer Multiplikation oder Division entspricht.

Ein einfaches Beispiel:

Sie wollen berechnen, wie weit Sie in 2 Stunden bei 120 km/h fahren.

Sie stellen die „12“ der äußeren Skala auf die „10“ der inneren Skala (das entspricht 120). Dann lesen Sie bei „2“ auf der inneren Skala etwa „24“ auf der äußeren Skala ab – also 240 Kilometer.

Das Ganze funktioniert rein mechanisch, ohne Strom, ohne Elektronik – nur durch geschicktes Drehen.

Früher war das ein wichtiges Werkzeug für Piloten. Heute ist es eher eine faszinierende Reminiszenz an eine Zeit, in der man noch im Kopf und mit Mechanik rechnen konnte.

Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit als Leiter eines Rechenzentrums. Das war zu der Zeit, als die großen Zentralrechner mit ihren Magnetspulen zunehmend von Desktop-PCs abgelöst wurden.
In den Rechenzentren liefen Ingenieure in weißen Kitteln herum, und zur absoluten Selbstverständlichkeit gehörten Rechenschieber.

Wer sich das einmal draufgeschafft hat, wie man mit dem Rechenschieber umgeht, der kann ganz leicht und schnell selbst komplizierte Berechnungen damit anstellen.
Ich gebe zu: ich kann das nicht!

Weitere Varianten von Lünetten

Neben diesen beiden Haupttypen gibt es noch einige weitere Ausführungen.

Es gibt Lünetten mit Tachymeterskala, mit denen man Geschwindigkeiten messen kann, sowie GMT-Lünetten zur Anzeige einer zweiten Zeitzone.

Allen gemeinsam ist: Sie erweitern die Funktion der Uhr – oft auf überraschend elegante Weise.

Fazit

Die drehbare Lünette ist weit mehr als ein dekorativer Ring um das Ziffernblatt.

Sie kann ein einfaches Zeitmessinstrument sein, ein Sicherheitswerkzeug für Taucher oder ein kleines analoges Rechenzentrum für Piloten.

Oder, um es einfach zu sagen:

Die Lünette zeigt nicht die Zeit – sie hilft, sie zu verstehen und zu nutzen.

Übrigens: Es gilt als Qualitätsmerkmal von Hommage-Uhren, wie gut und satt die Lünetten einrasten und klicken. Unerwünscht ist ein hakeliger Gang ebenso, wie ein weiches Durchgleiten.
Da die Taucherlünetten auf die halbe Minute genau einstellbar sind, müssen es auch 120 Klicks sein.

Bildquellen:

  • taucher-mit-hulk_800x500: Peter Wilhelm KI

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(©si)