Spott + Hohn und Politik

Zölle als Spielzeug: Wie Trump die Preise im Supermarkt hochtreibt

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Donald Trump liebt Zölle ungefähr so sehr wie Golfplätze, goldene Wasserhähne und das Wort „great“. Passt ihm ein Land nicht in den Kram, greift er zu seinem Lieblingsspielzeug: Tariffs. Kamera an, Zoll drauf, Drohung raus – fertig ist die große Wirtschaftspolitik nach Bauchgefühl.

Trumps Lieblingsspielzeug: Zölle

Zölle sind Donald Trumps Lieblingsspielzeug. Passt ihm irgendwer nicht in den Kram, dreht er an der Schraube mit den Zolltarifen. Dadurch, so glaubt er in seiner kindlichen Haltung des eingeflüsterten Scheinwissens, würden ausländische Produkte teurer. In der Folge würden Amerikaner verstärkt amerikanische Produkte kaufen. Den Ländern, die mit den Tarifen „bestraft“ wurden, will der Kasper im Weißen Haus dadurch einen Denkzettel verpassen.

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Das klingt in seiner Welt vermutlich schön einfach: China verkauft etwas in die USA, Trump erhebt Zoll, China leidet, Amerika gewinnt. Fertig. So ungefähr stellt sich ein Achtjähriger Außenhandel vor, wenn man ihm vorher drei Minuten Fox News und eine Tüte Käsechips gegeben hat.

Nur funktioniert Wirtschaft eben nicht wie ein Wrestling-Match.

Wer Zölle wirklich bezahlt

Was der Großmeister des ungequirlten Blödsinns vollkommen übersieht: Am Ende zahlen nicht „die Chinesen“, „die Europäer“ oder „die bösen ausländischen Lieferanten“ diese Zölle. Bezahlt werden sie zunächst von den Importeuren in den USA. Und diese Unternehmen geben die Kosten ganz oder teilweise weiter – an Händler, an Hersteller, an Supermärkte und am Ende an den amerikanischen Kunden.

Genau das zeigen auch wirtschaftliche Untersuchungen. Das Kiel Institut kommt für die Trump-Zölle von 2025 zu dem Ergebnis, dass amerikanische Importeure nahezu die gesamten Zollkosten tragen und ausländische Exporteure ihre Preise kaum entsprechend senken. Mit anderen Worten: Der Zoll landet nicht als Strafe in Peking, Brüssel oder Mexiko-Stadt, sondern als Preisschild in amerikanischen Läden.1

Auch die US-Notenbank beschreibt, dass sich die Zölle 2025 nach und nach in den Einzelhandelspreisen bemerkbar gemacht haben. Das geschieht nicht immer sofort, sondern langsam: erst in den Einkaufspreisen der Unternehmen, dann in den Großhandelspreisen, schließlich im Regal.2

Der Denkfehler: Amerika kann nicht einfach alles selbst machen

Trumps große Zollromantik lebt von der Vorstellung, die USA müssten nur ausländische Produkte verteuern, und schon würden amerikanische Fabriken wieder alles selbst herstellen. Das ist wirtschaftspolitisches Kasperletheater.

Die USA sind weit davon entfernt, alles selbst produzieren und sich in jeder Hinsicht selbst versorgen zu können. Moderne Produkte bestehen aus internationalen Lieferketten. Ein angeblich amerikanisches Produkt enthält oft Vorprodukte, Rohstoffe, Verpackungen, Maschinenbauteile, Elektronik, Chemikalien oder Agrarimporte aus dem Ausland.

Wenn also ein Zoll auf importierte Waren oder Vorprodukte erhoben wird, verteuert das nicht nur ausländische Produkte. Es verteuert auch amerikanische Produkte, weil amerikanische Unternehmen für ihre Herstellung selbst auf Importe angewiesen sind.

Der Zoll ist dann kein Schutzschild für den amerikanischen Arbeiter, sondern eine versteckte Steuer auf den amerikanischen Verbraucher.

Warum sogar amerikanische Produkte teurer werden

Das ist der Punkt, den Trump und seine Zoll-Fans entweder nicht verstehen oder nicht verstehen wollen: Wenn importierte Zutaten, Verpackungen, Maschinen, Ersatzteile oder Rohstoffe teurer werden, steigen die Produktionskosten im Inland. Und wenn Produktionskosten steigen, steigen irgendwann auch die Preise im Supermarkt.

Darum können selbst ganz normale amerikanische Produkte teurer werden, obwohl sie gar nicht fertig aus China oder Mexiko kommen. Die Wertschöpfung ist eben nicht mehr so sauber national getrennt, wie das in Wahlkampfreden klingt.

Die Tax Foundation rechnete im März 2026 vor, dass die Trump-Zölle im Schnitt einer Steuererhöhung von etwa 700 Dollar pro US-Haushalt entsprechen und den Handelsbilanzsaldo nicht entscheidend verbessert haben. Das ist das Gegenteil von „die anderen zahlen“.3

Lebensmittelpreise: Wenn der Zoll im Einkaufswagen landet

Besonders deutlich wird das bei Lebensmitteln. Die USA importieren große Mengen an Kaffee, Bananen, Tomaten, Rindfleisch, Orangensaft und anderen Produkten oder Vorprodukten. Und genau deshalb musste Trump im November 2025 bei mehr als 200 Lebensmitteln wieder zurückrudern, darunter Rindfleisch, Kaffee, Bananen und Orangensaft. Offiziell geschah das vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über die hohen Lebensmittelpreise.4

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Erst werden Zölle als großartige Waffe verkauft, dann merkt man, dass die eigenen Leute an der Supermarktkasse bluten, und dann nimmt man ausgerechnet bei Grundnahrungsmitteln wieder Druck heraus.

Das ist keine Strategie. Das ist Herumfuchteln mit einem Schraubenschlüssel an einem laufenden Motor.

75 Dollar für drei Steaks und 20 Dollar für Orangensaft

Die Bilder, die Du in diesem Beitrag siehst – drei Steaks für 75 Dollar und rund 20 Dollar für anderthalb Liter Orangensaft – sind natürlich Momentaufnahmen. Solche Preise können je nach Laden, Region, Qualität und Verpackungsgröße extrem schwanken. Aber sie passen in ein größeres Bild: Viele amerikanische Verbraucher erleben Lebensmittel inzwischen als schmerzhaft teuer.

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Beim Rindfleisch spielen neben Zöllen auch andere Faktoren hinein: niedrige Rinderbestände, Dürre, höhere Futter- und Energiekosten. Für 2026 wurde etwa berichtet, dass die US-Rinderherde auf einem historisch niedrigen Niveau liegt und Rindfleischpreise deutlich gestiegen sind.5

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Auch Orangensaft ist ein gutes Beispiel. Der offizielle US-Durchschnittspreis für gefrorenes Orangensaftkonzentrat lag laut BLS-Daten zuletzt bei knapp 4,90 Dollar pro 16 Unzen. Das ist kein 20-Dollar-Flaschenpreis, zeigt aber die Richtung: Orangensaft ist deutlich teurer geworden.6

Weitere absurde Preisbeispiele

Teuer geworden sind nicht nur Steaks und Orangensaft. In den USA wurden 2025 und 2026 immer wieder auffällige Preissteigerungen bei typischen Alltagsprodukten diskutiert: Rinderhack, Kaffee, Frischgemüse, Obst, Avocados, Bananen, Tomaten und Haushaltsgeräte. Target warnte bereits 2025, dass Zölle auf Mexiko-Importe schnell bei Produkten wie Erdbeeren, Bananen und Avocados durchschlagen könnten.7

Auch bei Haushaltswaren zeigen sich Effekte. Investopedia verfolgte etwa Preisentwicklungen bei Toasteröfen und berichtete über Preisanstiege im Zusammenhang mit den Stahl- und Aluminiumzöllen. Das ist das gleiche Prinzip: Wenn Metall teurer wird, wird am Ende auch der Toaster teurer.8

Und damit sind wir beim eigentlichen Irrsinn: Der Zoll trifft nicht nur Luxusgüter. Er trifft auch banale Dinge. Den Wocheneinkauf. Die Küchengeräte. Die Verpackung. Die Ersatzteile. Das Mittagessen.

Warum Zölle politisch trotzdem funktionieren

Der Grund ist leider einfach: Zölle klingen für viele Menschen nach Stärke. Nach „Wir lassen uns nichts gefallen“. Nach „Jetzt zahlen die anderen“. Das ist emotional attraktiv und ökonomisch oft Unsinn.

Der Schaden ist diffus. Niemand bekommt im Supermarkt eine Zeile auf dem Kassenbon mit der Aufschrift: „Trump-Zoll-Aufschlag: 3,72 Dollar.“ Stattdessen kostet einfach alles ein bisschen mehr. Hier 40 Cent, dort 1,20 Dollar, beim nächsten Produkt plötzlich 5 Dollar. Und irgendwann wundert sich der Wähler, warum der Einkaufskorb so leer und die Rechnung so voll ist.

Genau das macht Zölle politisch so verführerisch: Der Präsident kann sich als harter Hund inszenieren, während die Kosten still und leise bei Millionen Haushalten landen.

Die Wahrheit über den angeblichen Schutz der eigenen Wirtschaft

Natürlich können Zölle in bestimmten Fällen ein Instrument sein. Man kann damit einzelne Branchen zeitweise schützen, Dumping verhindern oder politische Druckmittel aufbauen. Aber das ist ein chirurgisches Werkzeug, kein Vorschlaghammer für Narzissten.

Wer breitflächig mit Zöllen herumwedelt, verteuert Importe, stört Lieferketten, provoziert Gegenmaßnahmen und belastet die eigene Bevölkerung. Besonders hart trifft das Menschen mit geringem Einkommen, denn die geben einen größeren Teil ihres Geldes für Lebensmittel und Alltagswaren aus.

Für einen Milliardär oder Möchtegern-Milliardär sind ein paar Dollar mehr für Orangensaft egal. Für eine Familie, die jede Woche rechnen muss, sind sie es nicht.

Fazit

Trumps Zollpolitik ist kein genialer Schachzug. Sie ist ein teures Missverständnis mit patriotischer Verpackung.

Der Zoll soll angeblich ausländische Staaten bestrafen. Tatsächlich trifft er amerikanische Unternehmen und amerikanische Verbraucher. Er soll angeblich heimische Produktion fördern. Tatsächlich verteuert er auch heimische Produkte, weil moderne Wirtschaft auf internationalen Lieferketten beruht. Er soll angeblich Stärke zeigen. Tatsächlich zeigt er vor allem, wie gefährlich ökonomisches Halbwissen werden kann, wenn es im Oval Office sitzt.

Trump dreht an der Zollschraube – und seine eigenen Wähler bezahlen die Rechnung an der Supermarktkasse.

Bildquellen:

  • steaksi_800x500: YT

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(©si)