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Weihnachten ist noch nicht vorbei und der holländische Anschluß

Weihnachten ist noch nicht vorbei und der holländische Anschluß

Nee, wirklich nicht. Der absolute Kaufrausch setzt sich fort, schließlich ist in 2 Tagen Jahreswechsel und da muß man rennen, da muß man kaufen was das Zeug hält, es könnte ja im Jahr 2010 nichts mehr geben! Ich bräuchte nur ein paar Kleinigkeiten, aber ehrlich gesagt scheue ich mich im Moment in einen Laden zu gehen. Selbst beim Bäcker, wo sonst gähnende Leere herrscht, sind 20 Leute vor mir, in den Discountläden hetzen die Leute mit Wagen voller Sekt, Knabberzeugs und Böllern.
Hier bei uns in Baden-Württemberg ist ja der 6. Januar (Heilige Drei Könige) auch noch ein Feiertag und da bietet es sich für viele an, vom 24.12. bis zum 10.01. Urlaub zu nehmen und erst am 11. Januar wieder arbeiten zu gehen.

Weihnachten ist noch nicht vorbei und der holländische AnschlußWeihnachten ist noch nicht vorbei und der holländische Anschluß

Mitten drin dann das Weihnachtsfest, das Neujahrsfest und Heilige Drei Könige, ja da muß man jedesmal kaufen, als ob die Welt unterginge.
„Meine Güte, Frau Ruckdäschl! Sie haben ja eine Menge eingekauft!“ staune ich, als mir unsere ehemalige Concierge und jetzige Nachrichtenversorgerin heute Morgen unvermittelt über den Weg läuft. Vor sich her schiebt sie einen hoch gefüllten Einkaufswagen, in dem sich vor allem etliche Pakete Waschpulver und Familienpackungen mit Toilettenpapier stapeln.

Nebenbei bemerkt: Die Ruckdäschl ist ja jene alleinstehende Rentnerin jenseits der 70, die -um nichts zu verpassen- hinter einer stets spaltbreit geöffneten Wohnungstür in der Parterrewohnung des Mietshauses wohnt, in dem wir bis vor einem Jahr lebten. Ständig schwebt sie zwischen der Wohnungstür und ihrem Balkon, auf dem sie Geranien pflegt, die sie liebevoll im ihrem ehemals norddeutschen aber mittlerweile süddeutschen Dialekt ‚Scherohnien‘ nennt, hin und her und überwacht nicht nur den ruhenden Verkehr vorne auf der Straße sondern übt im Treppenhaus die Aufgaben des Blockwarts und der Hundepolizei gleichermassen aus.
Ihre Geschichten kann man in meinem Buch „Zum Hieressen oder zum Mitnehmen“ nachlesen oder man schaut man in den Satire-Index hier auf der Seite .

Nachdem wir weggezogen sind, zog in unsere Wohnung ein junges aber sehr ruhiges Ehepaar ein, Leute, die zum Leidwesen der Ruckdäschl, sehr früh gehen und sehr spät kommen und die man nie sieht. Sie bieten der Alten einfach keine Angriffspunkte und so entstand im Laufe der Zeit das Ruckdäschl’sche Vakuum. Dieses Vakuum füllt die Alte nun, indem sie sich mindestens einmal täglich auf ihr Rad schwingt und, natürlich ganz zufällig, an unserem Haus vorbeiradelt.

Sie hat hier bei uns nichts verloren. Es ist hier eine ganz ruhige Wohnsiedlung mit Einfamilienhäusern, die Straße ist eine Ringstraße, die nur an diesen Wohnhäusern vorbei und sonst nirgendwohin führt. Allenfalls am südlichen Ende in einer Querstraße gäbe es die Werkstatt von Kalle dem Schrauber und ein Fitness-Studio. Beides kommt für Frau Ruckdäschl nicht in Frage.
Sie sei immer auf dem Weg zu Friedhof und nehme diesen Umweg nur deshalb in Kauf, weil bei uns hier direkt am Neckar, die Luft um so vieles besser sei, als bei ihr daheim…
In Wirklichkeit lauert sie natürlich darauf, daß einer von uns den Kopf zur Tür rausstreckt oder im Garten arbeitet, um dann hüpfenderweise nach Altfrauenmanier vom Rad zu springen und uns das Neuste von Neuesten aus der Gemeinde zu erzählen.
So mutierte also die Ruckdäschl von der Concierge zur Nachrichtenversorgerin.

Diese Frau Ruckdäschl treffe ich also nun im Einkaufsladen und erkundige mich wegen des übervollen Einkaufwagens.

„Na hore‘ sie mol!“ erstaunt sie sich: „Mer hawwe doch Noijohr!“

„Ja und? Bekommen sie Besuch?“

„Nö.“

„Und warum kaufen sie dann so viel ein?“

„Es könnt ja mol was sei‘.“

„Wie? Was könnte denn mal sein?“

„Kataschdrofe.“

„Was für Katastrophen?“

„Ei, wann der Russe mal kommt.“

„Der kommt nicht.“

„Dann eben die Islamisten.“

„Ach, und wenn die Islamisten kommen, dann bewerfen sie die mit Klopapier, oder was?“

Nee, des net, awwa als nachem Krieg die Russen gekommen sind, da hawwe die Iwans der Frau Mürbele von gegenüber sogar ins Eingemachte reingeschissen. Stelle‘ se sisch des ämohl vor! Die hawwe die Weck-Gläser uffgemacht un‘ in den Kompott geschisse‘. Damit mir so ebbes net passiert, deshalb heb isch imma genug Klopapier im Haus. Egal ob da die Russe‘, die Islamiste‘ oder die Holländer kommen.“

„Die Holländer?“

„Ja, die Holländer!“

„Sie glauben doch wohl kaum, daß ausgerechnet die Holländer kommen und uns überfallen.“

„Ha, warum dann nicht?“

„Und warum sollten die das tun?“

„Erschtens sin‘ die noch bös uff uns wegen dem Zweiten Weltkrieg, da ham mir die iwwafalle. Und Zweetens isses so, des isch mol gelese‘ hab, des Holland das am dichtesten besiedelte Land der Welt is. Und wer hat genug Platz? Na wer? Sehen se, wir! Der ganze Osten steht doch leer, und wenn den Holländern das mal zu eng wird, da hinterm Deich, dann überfallen die uns und ratzfatz misse mer alle so alt werde‘ wie der Johannes Heesters.“

Auch eine Sichtweise.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


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